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Die Wege der Götter sind unergründlich

Leise knirschte der Schnee unter seinen Füßen, sein Blick gleitete Gedanken versunken über das weite Weiß. Junker Sieghelm Gilborn von Spichbrecher stapfte wortlos über den Schneebedeckten Boden, während er sein Pferd, die treue Tralopper Stute Arnia, an den Zügeln führte, welche auf ihrem starken Rücken den schwer verletzten Herrn Schmied trug.

Die Verletzungen, die er im Kampf gegen die Schwarzpelze erlitten hatte, waren weder zu sehen noch zu spüren. Er konnte sich noch ganz genau daran erinnern wie er seine Deckung mit dem Schild vernachlässigte und er einige schwere Hiebe der schartigen Äxte einstecken musste, als drei dieser widerwärtigen Orks gleichzeitig auf ihn einschlugen. Immer wieder tastete Sieghelm nach der Stelle auf seiner Brust wo ihn der Speer des Rottenführers traf, die Ringe des Kettenhemdes waren an dieser Stelle aufgesprengt, doch weder eine blutende Wunde noch irgendein Schmerz war zu erkennen. “Wenn ich doch nur wüßte was man mir aufgetragen hat…” murmelt er, als seine Hände nach dem Eisernen Amulett fingerten, welches er nach seiner Reise nach Alveran plötzlich um seinen Hals trug. Seit dem Kampf gegen die Schwarzpele waren erst einige Stunden vergangen, weshalb Sieghelm sich noch nicht sicher war wie er mit dem Ereignis umgehen sollte. Sicher war nur, das er, wenn die Götter nicht eingegriffen hätten, zu dieser Stunde von Golgari über das Meer zu Borons Hallen gebracht worden würde. Hatte die Leuin ihn tatsächlich für etwas auserwählt? Und warum tragen der Comto und der Magier ebenfalls diese seltsamen Amulette? Auf jeden Fall schwor sich Sieghelm so schnell wie möglich einen Rondratempel aufzusuchen, vielleicht würden die Geweihten einige seiner Fragen beantworten können. Anscheinend war sein Weg vorgezeichnet, wenn die Herrin Rondra ihn tatsächlich auserwählt hatte, dann blieb Sieghelm gar keine andere Wahl als sich einer Spätweihe zu unterziehen – ob Baron Parzalon von Spichbrecher das gutheißen würde?

Siegelm Blick fiel auf den Magus, welcher ebenfalls gerade dabei war sein Amulett zu begutachten. Sieghelm hatte gesehen, dass das Amulett eine Gans zeigte, das heilige Tier und Symbol Travias, der Göttin des heimischen Herdfeuers. Wieso bei den Göttern hatte der elitäre Tulamide nur gerade dieses Amulett bekommen? Sieghelm verstand nicht viel von der Welt der Magie, doch in seinem Verständnis von der Welt wäre doch Hesinde, oder vielleicht Nandus besser gewesen? Sofort maßregelte sich der Junker von Dettenhofen für diesen Gedanken, wer war er das er die Entscheidungen der Götter anzweifelte?!

Herr von Sprichbrecher sah noch einmal nach Gustav Schmied, sein Zustand verschlechterte sich. Dieser Mann war das lebendige Zeugnis dafür wenn man sich gegen die Götter stellte, er hatte Rondra und Praios gefrevelt, und dafür wurde er von Ihnen bestraft, zum einen durch ein großes Ungeschick im Kampf, und zum anderen durch ein leibhaftiges Feuer Praios zu Boden gestreckt. “Seid stark, Waffenbruder, wir sind bald da – deine Schuld ist gesühnt, die Götter haben dir eine Chance gegeben dich von deiner Schuld rein zu waschen.” flüsterte er dem bewusstlosen Mann zu, während er sich um seine Verbände kümmerte. Doch irgendwie wurde er den Gedanken nicht los selbst in dieser Situation zu sein …