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Dokos-Eintrag vom 26. Phex 1012 BF

-was bisher geschah-

 

Am Morgen erreichte uns die Nachricht, dass Charaz-Gatai die Stadt verlassen hat. Zu unserer aller Überraschung zusammen mit Gamba. Das erleichterte uns einiges, haben wir doch einen Großteil der Planung damit verbracht uns zu überlegen, wie wir gegen ihn vorgehen können. aber die Konfrontation ist wohl eher nur aufgeschoben, statt aufgehoben.

Als letzte Handlung vor dem Aufstand beschlossen wir noch, den Rondra-Tempel beiseite zu schieben und uns darum erst zu kümmern, wenn die Stadt befreit wäre. Danach kehrte Ruhe ein im Peraine-Hain. Jeder bereitete sich auf seine Weise auf das vor, was kommen würde. Ich hielt Zwiesprache mit meinem Herrn, doch nicht er war es, der mir antwortet. Es war Scraan! So verwirrend die Drei-Götter-Konstellation war, so sehr lässt mich es hoffen, dass Scraan nicht Tod, sondern nur verschüttet ist. Ich weiß nicht, ob es für göttliche Zustände sterbliche Worte gibt… Seine Worte allerdings erschienen mir erschreckend bedeutungslos. Aber vielleicht sah er weiter, als ich bisher sehen konnte.

Über den Aufstand selber fällt es mir schwer etwas zu schreiben. Soweit ich hörte hat alles geklappt wie geplant und die Orks sind vernichtet. Ich hatte ganz andere Probleme: Ich übernahm das Läuten der Glocke im Rahja-Tempel, als auf dem Platz der Sonne Tumult ausbrach. Jedoch nicht nur wegen den Glocken, dem Amboss und der hellen Sonne am Himmel (zu Mitternacht), sondern wegen dem Vampyr, der sich im Himmel erhob. Anfangs fuhr er nur auf die Orks nieder, doch als seine Kinder in erschreckenden Massen auf den Platz strömten, um ihren Durst zu stillen, fürchtete ich um jede Menschenseele. Und so bot ich ihm die Stirn. Nur Dank der Gnade meines Herrn und der Hilfe meiner Freunde, denn das sind meine einstigen Gefährten für mich geworden, überlebte ich. Anders, als der Gehäutete. Er verging im Regen zu Asche, so wie seine Kinder. Nur Eines ließ er zurück: Das Henkersschwert. Und im Moment seines Todes spürte ich das Wesen beider. Ich schreibe es hier nicht nieder, denn nur das Vergessen hilft dagegen. Nachdem wir uns erholten – eine Feuerexplosion des Magiers hatte Sartassa und mich nahezu dahingerafft – und uns kurz des Sieges erfreuten, nahm ich das Schwert an mich und setzte mich in die dunklen Gassen Greifenfurts ab. Das Schwert befindet sich nun an einem – vorübergehend – sicheren Ort. Und niemand wird ihn von mir erfahren.

Jetzt sitz ich hier auf den Stufen des Rahja-Tempels und beobachte die Stadt, wie sie nicht weiß, ob sie schlafen oder leben soll. Zumindest wir sollten schlafen. Auf uns warten ab morgen genug Aufgaben.

Kommunikationsprobleme

„Wat quatschen de piekfeinen Männekieken denn so?“ erkundigt sich Arn Wachmann, als er sich mit ans Lagerfeuer setzt. „Keine Ahnung“ antwortet einer von Lysandras Männern. „Du hast doch mehr mit Ihnen zu schaffen.“ Die zwei gehören schon länger ihrem Trupp an und sind zusammen mit der ersten Kohorte in die Stadt gekommen. Es sind zwei junge und kräftige Männer, beide tragen gerade einfach gewebte Tuniken und fleckige Wollmäntel – wohl noch ein Überbleibsel der Tarnung um unbemerkt in die Stadt eingeschleust zu werden. „Meenste die quatschen imma so fülle?“ Arns quietschende Stimme, die nun wahrlich kein Ohrenschmeichler ist, lässt die Augen der beiden Männer leicht zusammenkneifen. „Das sind Adelige, Gelehrte und Geweihte … die quatschen immer viel … machen tun wir es dann.“ antwortet der mit dem gepflegten Vollbart von beiden. „Soll ick euch ma wat sagen?“ Arn lehnt sich dabei mit verschwörerischen Blick zu den beiden herüber. Den Männern ist anzusehen, dass sie es am liebsten hätten, dass ihr Gegenüber gar nichts sagt. „Was denn?“ schnauft der andere erschöpft. „Ick gloob, der Jeweihte is nich janz reene, bei dem krieg’ick ne Jänsepelle.“ Die beiden Mannen brauchen erst einen Moment, um zu verstehen was Arn in seinem harten Dialekt zu ihnen sprach. Der Blick der beiden wurde dunkler und skeptischer. „Welcher Geweihter?“ fragt der eine. „Meinst du die Geweihte der gebenden Göttin?“ der andere. „Nee! Den da hinten meen ick!“ Beide sahen nun kurz – auffällig unauffällig – zu der Gruppe der palavernden Männer herüber. „Der Elf in der Kutte?“ fragt der erste. „Die Ritterin ist eine Rondrageweihte?“ der andere. Arn seufste. Seide beiden Gegenüber sind wohl recht begriffsstutzig, dachte er sich. „Schnallt ihr dit nich?“ platzt es dann aus ihm heraus. „Ick meen den rothaarigen männekieken da hinten!“ „Ach den!“ rufen beide im Augenblick der Erkenntnis. Ein Moment der nachdenklichen stille folgt. „Und der ist dreckig?“ fragt dann der Bärtige wieder. Wieder ein Moment der Stille in dem nur das Knistern des Lagerfeuers zu hören war. „Wa?“ grunzt Arn, der inzwischen genervt war von seinen Gesprächspartnern. Doch dann ging ihm ein Licht auf. „Ach, nee – der is‘ nich janz reene – nich janz sauber – der is‘ überkandidelt!“ Die beiden Männer nickten bedächtig. „Aha!“ erklang es dann im Chor. „Was ist denn mit dem?“ Arn seufzte wieder – inzwischen hatte er keine Luft mehr mit den beiden zu reden. „Ach verjesst et … „

Dokos-Eintrag vom 02. Phex 1012 BF

-was bisher geschah-

 

Was für ein Tag! Was für eine Nacht! Eine solch erlebnisreiche Patrouille hätte ich mir nicht in meinen kühnsten Albträumen ausmalen können. Wir wateten durch den Nebel, der über den Schlachtfeldern waberte, als wir um uns herum Bewegungen ausmachen konnten. Ein Schrecken durchfuhr uns! Er wurde noch größer, als wir bemerkten, dass wir von einer unendlichen Menge an kalten Alriks umgeben waren. Ich fühlte mich wie eine Sardelle umgeben von einem Schwarm Makrelen und entsprechend übermannte mich mein spezieller Überlebenstrieb – oder auch meine Ängste – je nach Sichtweise. Ich weiß nicht mehr, was dann geschah, aber ich erwachte aus einer boronischen Schwärze in den Armen Brennos und Armandos.

Wir befanden uns im Heerlager und ich wurde, so verwirrt wie ich noch war, in das Zelt seiner Ehrwürden Reichserzmarschall Helma Hafax zur Audienz gebeten. Ha, der Fähnrich würde vor Neid erblassen. Apropos erblassen, ich sollte von den Vorkommnissen auf der Patrouille berichten. Auch wenn ich nicht viel dazu sagen konnte wurde unser Haufen offiziell gelobt und mit Pferden ausgestattet. Wir sollten als Nachhut dem Prinzregenten in den Kampf folgen.

Als wir ihn erreichten war er grade von Orks umzingelt und neben ihn fanden wir auch den Rest unseres Haufens soweit wohlbehalten wieder. Schnell waren die Orks vernichtet und seine Hoheit und seine Spektabilität Saldor Foslarin gaben uns die Ehre, dass wir uns ihnen vorstellen durften. Der Herr Prinz war für die Verhältnisse und Umstände erstaunlich locker und formlos, ein Umstand, der zumindest mich irritierte, vielleicht den Fähnrich auch noch, aber er zeigte es zumindest nicht. Wir bekamen den Auftrag seine Spektabilität zu begleiten, um den schändlichen Orkschamanen zu eliminieren. Zu meinem Missfallen wurden wieder Flammen eingesetzt, doch waren sie wieder erfolgreich, ein Umstand an den ich mich wohl gewöhnen muss – vorerst. Der Moha holte sich noch den Kopf des Schamanen und dann begaben wir uns auf den Rückweg erst zum Prinzen, um Bericht zu erstatten, und dann mit ihm gemeinsam zurück zum Lager.

In unserem Zelt fand ich die genesenen Xasch und Sylvia, die ich gleich mit in die Taverne nahm, weil dort der ganze Haufen seinen Erfolg feiern wollte. Tat er auch, abgesehen vom Fähnrich, der mal wieder Streit suchte und uns verließ. Naja, auf ihn kann der Haufen auch am ehesten verzichten. Außer seinen ganz passablen Kampfkünsten bietet er uns nur Ärger. Wie es sich für diesen Griesgram gehört weckte er uns am nächsten Morgen sehr unfreundlich. Wir hatten den Befehl bekommen nach Gareth zu gehen und in der Garnison vorstellig zu werden. Also brachten wir alle unsere Sachen auf Vordermann. Dabei half uns Dero sehr, der uns in die Geheimnisse seines Wasch-und-Bügel-Steins einweihte. ein Geschenk seiner Waisenhausmutter. Sehr hilfreich!

In Gareth zogen wir ersteinmal wieder aller Aufmerksamkeit auf uns, als der Moha die Garnison erklomm und auf dem Tor einen Speer mit dem Kopf des Schamanen aufstellte. Im Innenhof wurden wir mit großen militärischen Ehren empfangen, seine Hoheit Prinz Brin persönlich wandte sich mit lobenden Worten an uns. Er erhob uns alle in den Rang von Korporälen, nur den Fähnrich sogar in den Rang eines Leutnant. Zum Schluss bekam jeder von uns noch 100 Dukaten aus der persönlichen Schatulle des Prinzen, was für ein schönes Sümmchen. Der Moha benahm sich wiederholt daneben, aber ich habe den verdacht, dass seine Hoheit seinen Spaß daran hat, sonst wäre der Moha schon längst tot.

Den Abend ließen wir gemütlich im Badehaus Bellona ausklingen, ich gönnte mir mit meiner Sylvia ein gemütliches Separeé. Wir müssen uns erst in drei Tagen wieder in der Garnison melden, bis dahin haben wir so etwas wie Urlaub.

Dokos-Eintrag vom 01. Phex 1012 BF

-Was bisher geschah-

Ich lebe noch! Wir leben sogar alle noch! Mehr oder weniger heile. Unser Haufen ruht sich gerade für die Nacht aus. Wir wurden von Oberst Ira von Seewiesen instruiert, heute Nacht auf des Feindes Seite Patrouille zu laufen. Ich bete zu den Göttern, dass es keine Zwischenfälle gibt und wir problemlos und unbeschadet zurückkehren werden. Sollte es nicht der Fall sein bleiben meine letzten Einträge von gestern bezüglich meines letzten Willens gültig. Wobei ich hinzufügen möchte, dass der Finder und Leser dieses Buches so freundlich sein soll und es der Rekrutin Sylvia zu geben hat. Sie begleitet uns heute Nacht nicht und überlebt diese daher sicher. Wenn du das hier liest meine Geliebte: Geh zu meiner Familie, zeig ihnen dies hier und sie werden dich aufnehmen und dir ein gutes Leben fernab der unseeligen Gassen und Gossen Gareth’s bescheren. Trage unsere Gefühle in deinem Leben fort, wer weiß was du von mir noch so in dir trägst.

Die Schlacht selber heute begann für mich mit dem größtmöglichen Schrecken, als ein orkischer Pfeil in Sylvias Hals drang. Als sie in das Lazarett gebracht wurde breitete sich in mir eine gewisse Ruhe aus, denn ihr Überleben war gesichert – das, was mir heute am wichtigsten war. Und während ich das hier schreibe sitze ich an ihrem Lager im Lazarett und beobachte ihre ruhige Atmung im Schlaf. Der Frieden, der von ihr ausgeht, lässt mich Stärke finden für die Aufgaben, die da kommen mögen.

Doch zurück zur Schlacht. Als die Pfeile aufhörten zu regnen – anders als mein Herr, der sich mit der Leuin uns anschloss – stürmten die Schwarzpelze auf uns zu. Ich bat die Götter um die Gnade der Schmerzlosigkeit, mein Herr und sein grimmiger Bruder gewährten sie mir wie ich später spürte, oder eben nicht. Der Angriff konnte problemlos abgewehrt werden, allerdings fiel Oberst von Brück – soviel dazu, warum ich oben von der Oberst von Seewiesen schrieb. Mit ihm fiel unser Banner und die Trommler, unter ihnen Dero, gerieten in Gefahr. Wir stürmten ihnen zur Hilfe, der fähige Fähnrich vorweg. Besitzt er etwa doch ein Herz? Auch diese Orks fielen allesamt, genau wie die nächste Angriffswelle. Dabei muss ich die Ehrlichkeit besitzen und die außergewöhnlichen magischen Künste Lumins hervorheben. Auch wenn es mir widerstrebt sein Feuer zu loben, aber es tötete viele der Tierbarbaren.

Nach einer Weile durften wir uns zurückziehen und wurden von frischen Truppen ersetzt. Wir ließen unsere Wunden im Lazarett versorgen, ich erst nachdem ich meine Sylvia fand. Nur die beiden Angroschim hatten noch nicht genug und begaben sich auf Ogerjagd. Nicht unerfolgreich, wie sie berichteten. Aber nun will ich noch etwas ruhen. Für uns wird es eine kurze Nacht. Und wer weiß was der morgige Tag bringt.

Dokos-Einträge vom 29. und 30. Tsa 1012 BF

-was bisher geschah-

29. Tsa

Nach einem gemütlichen Morgen treten wir auf dem Apellplatz an. Hauptfrau Ira von Seewiesen unterrichtet uns darüber, dass die Schlacht innerhalb der nächsten zwei tage beginnen wird. Bis dahin sollen wir uns ausruhen. Und es gibt mehr zu essen und zu trinken als sonst – Leichenschmaus. Aber zumindest kann uns der Fähnrich nicht mehr mit seinen Übungen nerven.

Sylvia entdeckte ein leeres Lager im Wald. Wir zogen uns dorthin zurück und genossen eine vielleicht letzte Zweisamkeit. Am Nachmittag gingen wir zur Taverne zurück und konnten dabei beobachten, wie die Orks ihr Lager errichten. Nicht nur ich bin der Meinung, man sollte einfach losstürmen und sie jetzt niedermachen. Aber nein, immer dieses rondrianische Gehabe mit Ehre im Kampf und so. Als ob sich die Orks darum scheren würden. Aber wenn die Heerführung das so will – soll sie sehen, was sie davon hat.

 

30. Tsa

Den ganzen Tag über herrschte eine angespannte Stimmung im Lager. Das warten auf die Schlacht ist schrecklich. Da hilft kein Suff und keine Ruhe. Nach nichtstuender Entspannung saßen wir ein vielleicht letztes Mal zusammen am Feuer. Wie sollte es anders sein war die kommende Schlacht das Hauptgesprächsthema, beziehungsweise das Danach. Der Fähnrich bot jedem an ein Testament aufzusetzen, aber keiner hat etwas, was es lohnt zu erwähnen. Auch ich habe ja keinen wirklichen Besitz und sollte ich fallen ist davon auszugehen, dass bei meinem Blut und meinem Stand alle notwendigen Benachrichtigungen von der Heeresleitung vorgenommen werden. Sollte es dann noch eine geben. Und wenn nicht ist es sowieso egal, dass wird die Welt im Chaos versinken, bis die Götter selber auf Sumus Leib niederkommen und unsere Rasse befreien. Ich hoffe die Alveranen sind uns morgen gnädig, obwohl hier im Lager keiner diese Nacht an das Fest der Erneuerung denkt. Auch mir steht nicht der Sinn danach.

Vielleicht ist dies der letzte Eintrag, den ich in meinem Dokos verfasse. Und ich komme nicht umhin mir Gedanken darüber zu machen, was das letzte Wort sein soll. Ob es sich überhaupt lohnt sich diese Gedanken zu machen. Ob es nach meinem Tod meiner Familie überbracht wird? Ich würde es wünschen, und falls dies hier jemand lesen sollte, so sein ihm gesagt:

Bring dieses Büchlein nach Tannwald zu meinem Bruder Baron Enda Ui Niamad. Es soll zu deinem Schaden nicht sein!

Und meiner Familie will ich sagen: Ich liebe euch! Doch nun schwimm ich mit den Delphinen und das ist auch gut so!

Welt, gehab dich wohl…

Nur noch einmal …

Tagebucheintrag zum 30. Tsa 1012

Nur noch einmal schlafen. Nur noch einmal Ruhe finden. Nur noch einmal … das Leben genießen – so gilt es zumindest für die anderen. Ich selbst brenne auf den morgigen Tag, denn die Schlacht ist nur noch wenige Stunden entfernt und mit ihr kommt die Erkenntnis. Erkenntnis über Sieg oder Niederlage, Erkenntnis über ein mysteriöses Schriftstück und Erkenntnis darüber, wer von den Göttern abberufen wurde und wer weiter zu kämpfen hat.

Wir werden im Morgengrauen aufstehen und uns kampfbereit machen, schon jetzt spürt man die Nervosität, die Furcht und die Wut, die in den Bäuchen und Köpfen der Männer und Frauen steckt. Die meisten ertränken diese Gefühle in Unmengen von Schmalbier und zahllosen Bechern verlängertem Liebfeldischen. Es ist wohl besser so, denn jeder, der klaren Verstandes wäre, würde jetzt lieber sein kostbarstes Hab und Gut hergeben, um woanders sein zu können, anstatt hier – auf den marschigen Landen der Silkwiesen, nur einen Bollenflug entfernt von einem Heer aus stinkenden Schwarzpelzen, die brennend und marodierend durch unsere kaiserlichen Landen ziehen.

Ich selbst habe mein Testament verfasst, beim Herrn Phex, ich habe wahrlich schon bessere geschrieben – du weißt es – und dies mieses Schriftstück soll nicht mein letztes gewesen sein. Die Schrift krakelig, die Form zum Haare raufen und das Pergament fleckig vom lästigen und nicht mehr aufhören wollenden Schweißtrieb der Hände, welcher mich seit Tagen begleitet. Gesetzt dem Fall mein Testament wird nicht gefunden, so soll der, wer dies Tagebuch findet und liest, wissen, dass ich einige Zeilen darin niederschrieb, dass derjenige, der es findet und an meinen Familiensitz in Dettenhofen überbringt, eine gute Belohnung erhält. Im Moment befindet es sich im Besitz von Gerion Hullheimer, dem persönlichen Buchhalter von Oberst Giesbert Graf von Bruck, dem Anführer des II. Garether Freiwilligenregiments. Mein Angebot, dass ich auch für die Rekruten meines Haufens ein Testament verfasse, wurde dankend abgelehnt. Entweder sind es alle törichte Narren, die glauben alles und jeden zu überleben, oder wahrlich mutige Recken, die denken, wenn man sich einmal mit seinem eigenen Tod befasst es der Herr Boron leichter hat seine Liste abzuarbeiten. Ich bleibe und sehe das Ganze lieber nüchtern, mit klarem und scharfen Verstand. Die meisten dieser Mannen besitzen nicht mehr als das blutbefleckte Gold in ihren Geldkatzen und haben somit auch nicht viel zu verlieren. Im Falle meiner Abberufung gilt es jedoch allerhand abzuwickeln und zu erledigen – immerhin steht und fällt mit mir ein ganzes Handelshaus.

Gestern erreichte mich über Dero, dem kleinen Jungen, von unbekannter Quelle ein nicht unterzeichnetes Schriftstück, welches mir zusicherte nach Greifenfurt geschickt zu werden – so ich diese Schlacht überleben sollte. Dem Federschwung nach zu urteilen ist der Führer des Gänsekiels ein Mann – was die KGIA Agentin Sartassa wohl ausschließt. Doch wer möchte mir in den letzten Stunden vor der Schlacht auf diese Weise Mut machen? Der Graf von Bruck vielleicht? Dieser könnte es mir jedoch selbst sagen, immerhin sehen wir uns fast jeden Abend. Möglicherweise Hauptmann Alrik vom Blautann und vom Berg? Unsere Blicke kreuzten sich gestern kurz, als ich auf dem Weg zum Regimentszelt war. Vielleicht mein Vetter, Prinz Parzalon? Seine Handschrift hätte ich jedoch erkannt – immerhin kenne ich die Schrift seines Lehrers sehr gut, Meister Gasparyn von Varnyth hätte ihm niemals ein derart geschnörkeltes „W“ beigebracht. Oder eventuell doch der Reichserzmarschall Helme Haffax? Doch welchen Grund sollte er haben ausgerechnet mir einen anonymen Brief zu schreiben? Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als bis nach der Schlacht zu warten. Auch wenn es wahrlich anderes gibt worüber ich mich derzeit den Kopf zerbrechen sollte, so verläuft ein Großteil meiner Gedankenkraft dahin, Licht in dies nebulöses Rätsel zu bringen, welches dieses kleine Schriftstück umgibt.

Wie immer schließe ich mein Tagebuch mit dem Gedanken und den Gebeten an Euch, meine geliebte Frau, meine teuerste Tochter und meine verehrte Frau Mutter. Mögen die Götter Euch weiterhin schützen, auf dass Ihr den Widrigkeiten standhaltet, so wie die Mauern Greifenfurts der Belagerung standhalten.

Dokos-Eintrag vom 28. Tsa 1012 BF

-was bisher geschah-

Die letzten Tage verliefen unglaublich ereignislos. Tagein tagaus die gleiche Routine, die selben Menschen, die ähnlichen Gespräche. Das einzig Erfreuliche, das es zu vermelden gibt, ist, dass sich zwischen Sylvia und mir eine innige Beziehung aufgebaut hat. Und damit meine ich nicht nur, dass wir nun regelmäßig das Lager teilen. Ich mag sie wirklich und es sticht mir ins Herz wenn ich an die Möglichkeit denke, dass sie die folgende Schlacht nicht überleben sollte. Ich werde ein Auge auf sie haben und ihr beistehen wie ich nur kann. Mein Herr, du kennst die Liebe, die Donnernde zeigte es mir. Habt beide, die ihr den großen Wal erschaffen habt, ein Auge auf die meinige und möge Regen, Blitz und Donner all jene treffen, die ihr schaden wollen.

Wobei ich froh bin überhaupt diese Zeilen schreiben zu können. Ich hörte schon das Meeresrauschen und die Delphingesänge, wie sie mich im großen Meer willkommen hießen. Doch der Launenhafte hatte gute Laune und so sollte ich nun der Reihe nach alles aufschreiben. Wir wurden am heutigen Nachmittag endlich auf die Silkwiesen verlegt. Wobei ich bei unserer Positionierung nicht das beste Gefühl habe. Aber wir werden sehen. In einem Gespräch konnte ich der ehrenwerten Hauptfrau Ira von Seewiesen meinen hohen Wert vermitteln und unterbreitete ihr einige Ideen, die sie jedoch größtenteils ablehnte. Vielleicht ganz gut so, denn ich bin mir nicht sicher, ob deren Ausführung meine Fähigkeiten nicht ein bisschen überstiegen hätten. Mit anderen Worten, selbst eine Gruppe von Bewahrern von Wind und Wogen hätte an meinen Ideen scheitern können. Auf dem Rückweg zum Lager führte ich ein erhabenes Gespräch mit dem werten Herrn Magier. Er wird mir von Tag zu Tag sympathischer, auch wenn er weiterhin etwas mysteriös erscheint.

Am Lager hatte ich mal wieder, wie sollte es auch anders sein, einen Disput mit dem Herrn Fähnrich. Was soll ich dazu groß sagen, er gab einen Befehl, ich versprach ihn rechtzeitig auszuführen – er gab uns 5 Augenblicke Zeit dafür – und wollte mich kurz vom Lager entfernen. Ich hatte ja noch Zeit! Da fiel er mir wie von Dämonen besessen von hinten mit gezogenem Schwert in den Rücken und schlug auf mich ein. Ich wehrte mich natürlich dagegen, bis ich plötzlich und unerwartet zusammenbrach und eben oben erwähnte Willkommensmusik hörte. Doch ebenso plötzlich und ebenso unerwartet sah ich das Antlitz der Elfe Sartassa vor mir, wie sie mich heilte. In dem Moment war ich ihr dankbar, doch später erfuhr ich, dass sie es war, die mich mittels eines Zaubers niederstreckte. Warum sie mich daraufhin wiederbelebte und was dazwischen geschah weiß ich nicht. Bisher habe ich nicht gefragt und ich weiß nicht, ob ich es überhaupt tun werde. Wir erklärten ihr unseren Disput und mit einer unelfischen Diplomatie gab sie uns beiden Recht und beendete den Streit fürs erste.

Während der Fähnrich also seine blöden Übungen machte hatte ich frei und begab mich in die Arme meines Vaters, um mich von allen Wunden zu heilen. Daraufhin wartete ich am Lager auf den Rest. Der Zwerg und Lumin waren mit Abstand als erste wieder da und wir führten ein herrlich lästerliches Gespräch über den Fähnrich. Aber man muss ja aufpassen, dass kein Wort in die falschen Ohren gerät. Als der Fähnrich zurückkehrte verlangte er – oh Wunder – ein Vier-Augen-Gespräch mit mir. Ich erwartete eine weitere Eskalation seinerseits, doch ich täuschte mich. Er war sehr versöhnlich und wir führten ein offenes Gespräch, in dem wir uns mehr oder weniger vertrugen. Wenn ich sage es war ein offenes Gespräch, so lüge ich zum Teil, denn der Fähnrich ist weiterhin sehr verschlossen. Seine Andeutungen lassen aber vermuten, dass er füchsischer ist, als anfangs gedacht. Vielleicht ist ein gar ein echter Fuchs? Zuzutrauen ist es ihm. Ich werde ein Auge auf ihn haben. Da ich aber nicht blind durch die Welt laufen will bekommt er meine Aufmerksamkeit nur, wenn ich sie entbehren kann.

Am Abend wurden wir eine lustige Runde am Feuer und klärten Lumin und den Moha über die Götter weiter auf. Heute waren Travia, Rahja und Levthan an der Reihe und ihre Standpunkte zur Liebe. Da ich mich damit bekanntlich gut auskenne durfte ich die Erklärungen führen. Später merkten wir, dass Dero uns belauschte und es entbrannte ein Streit darum, ob Dero nun ein Mann sei, der davon hören darf, oder noch ein Knabe, dem solch schöne Dinge vorenthalten bleiben sollen. Wir einigten uns darauf, dass er als Mann gilt, sollte er die Schlacht irgendwie überleben. Hoffen wir für ihn das beste.

Dokos-Eintrag vom 22. Tsa 1012 BF

-was bisher geschah-

 

Meine Messe war grandios! Alle waren sprachlos! Und mein Vater ergoss sich über uns! Selbst der Fähnrich sah schließlich ein, dass ich größer bin als er und über ihm stehe! Selbst den Magier konnte ich so sehr begeistern, dass er Aureliani lernen wollte. Allerdings musste ich das ablehnen. Genauso wie sein plötzliches Ansinnen ein Geweihter des Alten zu werden. Welch befremdliche Gedanken dieser komische Mann hegt. Ein mit Feuer um sich werfender Magier will ein Geweihter des feuerverabscheunden Wassergottes werden. Mit der Geschichte habe ich in Havena die Lacher meiner Brüder auf meiner Seite!

Am Abend wurde die Ödheit des Seins des Militärs zumindest für unseren Haufen aufgelockert. Das mit dem Haufen stimmt jetzt endgültig im wahrsten Sinne des Wortes. Der letzte Rekrut kam an. Ich habe eher das Gefühl, dass die Heerführung hier ein Kuriositätenkabinett aufbauen will, als ein schlagkräftiges Heer. Wir nennen jetzt einen Moha unseren Bruder. Hesinde sei Dank spricht er wenigstens unsere Sprache. Recht gut sogar. Es wurden einige ganz interessante Gespräche mit und über ihn geführt, als er eine große Pfeife herumreichte. Da ich erstens Rauschkraut bei dem Wilden vermutete und zweitens es BRANNTE lehnte ich dankbar ab. Langsam beängstigt mich meine Ruhe, die ich bisweilen an den Tag lege. Der kleine Dero besaß die Dreistigkeit einen tiefen Zug zu nehmen. An den Reaktionen der anderen vom Rauchen erkannte ich, dass meine Vermutungen wahr waren. Also schickte ich Dero in das Zelt schlafen, wissend, dass er sonst den morgigen Tag nicht ordentlich bestehen können würde.

Aber ein Positives hatte dieses Rauschkraut. Meine liebe Sylvia legte endlich ihre übertriebene Schüchternheit ab. Wir machten einen gemütlichen Spaziergang wiedereinmal an den Balustraden des Hippodroms, bis sie dann in einer abgelegenden Ecke sich mir hingab. Hach tat es gut! Und ich muss sagen, ich mag sie wirklich. Und wenn man sich beim Beischlaf auch noch mag, dann macht es mehr Spaß und ist damit auch besser. Wobei ich immer gut darin bin! Mal sehen, was sich mittelfristig zwischen uns entwickelt.

Feuertaufe

Tagebucheintrag zum 22. Tsa 1012

Trotz des kühlen Wetters hängt der Geruch von Tod in der Luft. Im Eingang unseres Zeltes ist die Blutlache des Mannes, der uns angegriffen hat, inzwischen eingesickert. Doch ist sie ein Mahnmal für das, wozu der Feind in der Lage ist. Wer hätte je gedacht, dass dieses unzivilisierte und stinkende Pack von Schwarzpelzen zu so etwas in der Lage sein wird. Diese Götzen anbetenden Tiere schrecken vor nichts zurück!

Noch wissen wir nicht wie, doch es ist ihnen gelungen fünfzig Mann aus unseren eigenen Reihen zu beherrschen und gegen unsere eigenen Mannen aufzuwiegeln. Doch der Herr der Nacht wachte über uns und hat uns rechtzeitig aufwachen lassen, ehe sie zu viel Schaden anrichten konnten. Dank des beherzten Eingreifens des Magiers, dessen Fähigkeiten uns noch sehr nützlich sein werden, und des Efferdgeweihten ist es uns gelungen zumindest unseren Haufen vor Schlimmeren zu bewahren. Während wir am Tage im Tavernenzelt die unterschiedlichsten Neigungen und Vorlieben hatten, so waren wir unter deinem Mantel, himmlische Schwester, eins – verstanden uns blind und zogen an einem Strang. Ich danke der Leuin und dem Fuchse dafür, dass sie mir sowohl Mut als auch Gelegenheit gaben in dieser nächtlichen Stunde meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Was der Feind noch nicht weiß – und hoffentlich auch nie erfahren wird – ist, dass wir dadurch zu mehr Einheit gelangt sind. Die Schamanen der Schwarzpelze haben uns somit die Feuertaufe vorweg genommen. Spätestens seit dieser Nacht ist jedem der Ernst der Lage bewusst und jeder wird mit mehr Vorsicht in die Schlacht gehen, wissend darum, wozu der Feind in der Lage ist. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass er uns damit einen Gefallen getan hat, aber genau dem ist so.

Ich bin schon gespannt auf die Rede, die Bruder Delphinion am nächsten Tag halten soll. Oberst Sartassa ließ noch am gleichen Abend verkünden, dass er eine Motivationsrede halten solle. Es wird sich also zeigen, ob unser hübscher Jüngling aus Albernia mehr Schein oder Sein ist. Außerdem kann ich, fals er sich gut anstellt, dann das Reden halten jemandem anderen überlassen.

Dokos-Eintrag vom 21. Tsa 1012 BF

-was bisher geschah-

Nach dem Morgenapell wollte der werte Herr Fähnrich noch mit mir, dem Magier Lumin und Armando kämpfen üben. Warum auch immer. Eins muss man ihm lassen: Er ist zwar nicht impulsiv, aber unergründlich. Fast beginne ich ihn zu mögen. Ich sollte wirklich noch etwas üben, bevor es in die Schlacht geht. Gegen Armando habe ich zwar „gewonnen“, gegen den Fähnrich selber jedoch nicht. Und ich kann schwer sagen, wie gut diese Orks kämpfen können.

Die Teilnahme an der Heerschau war recht langweilig. Im Gleichschritt marschieren, vor dem Prinzen schreien und schon waren wir fertig. Da wir immernoch nicht das Hippodrom verlassen durften habe ich mir den Rest des Heerzuges – der erst aufbrach, als wir schon lange fertig waren – von einer gemütlichen Stelle aus mit Sylvia angeschaut. Der Magier war auch dabei, aber er störte kaum. Meine Begierde nach ihr wird immer größer. Ich hoffe auf die Verlegung auf die Silkwiesen. Dort muss ich sie einfach verführt bekommen.

Der Rest des Tages verlief dann ganz ruhig, aber in der Nacht brach das Chaos über uns herein. Mitten in der Nacht – ob es schon am nächsten Tag war? – wurden wir alle von einem lauten „Alarm“-Ruf geweckt. Kaum die Augen aufgeschlagen, wird die Tür unseres Zeltes aufgerissen und ein Soldat mit rot-glühenden Augen steht in ihr. Der Magier zauberte irgendwas, der Fähnrich griff an und mein Dreizack bohrte sich in die Kehle des Aggressors und streckte ihn nieder. Ich bin aber auch gut! Wir sammelten uns vor dem Zelt und da dort kein weiterer Wasauchimmer zu sehen war, liefen wir – zugegeben vom Fähnrich angeführt – zum Zelt der Heerführung, wo die Elfe, die Baronin und der Graf sich gegen fünf Angreifer wehrten. Wieder zauberte der Magier etwas, diesmal eine Flutwelle an Licht – ist ja nicht direkt Feuer, also finde ich das einfach mal in Ordnung – und die Angreifer waren geblendet und wurden niedergekämpft. Diesmal war mir mein Wurf misslungen. Bei der Ente des Charyptoroth! Als auch die letzten Aggressoren getötet waren – es waren deren nicht viele – versammelten sich alle auf dem Apellplatz. Die Baronin hielt eine kurze Ansprache und übergab dann das Wort an die Elfe Sartassa. Tja, mich beklemmt es jetzt schon, dass sie sich als Mitglied des kaiserlichen Geheimdienstes zu erkennen gegeben hat. Zum Schluss trug sie mir auf beim Morgengrauen eine Andacht zu halten. Um die Leichen kümmert sich wohl der Borontempel, aber ich soll mich um die Hinterbliebenen kümmern. So sitze ich hier nun auf den Rängen des Hippodroms und zerbreche mir den Kopf darüber, wie ich das am besten mache. Ja ich weiß, einfach impulsiv sein. Aber es ist meine erste eigene Messe! Da muss ich doch vorbereitet sein! Ich werde hier wohl noch eine Weile sitzen…