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Reise nach Rommilys – Teil VI „Hardmund I“

„Und so kam es, dass der Beschluss gefasst wurde, diesen Orden zu gründen.“ „Wenn ich nicht wüsste, dass viele Kirchenoberhäupter eure Geschichte glauben, ich würde dich eigenhändig zu den Noioniten schicken.“ „Ich weiß Mutter. Ich habe alles mit eigenen Augen gesehen. Ich selber habe für die Götter Wunder vollbracht, die mir bisher nicht einmal Bishdariel zeigte. Deswegen ist und bleibt der Orden geheimnisumwittert. Ich mag garnicht zählen, wie viele Verbrechen und Vertragsbrüche ich damit begangen habe, dass ich dir alles erzählte. Du musst schweigen, auch und vor allem gegenüber Vater und Torion!“ „Keine Angst mein Sohn, wobei jeder in Ochsenwasser den Zug der Zwerge bemerkt hat. Die Geschichte von den Fischen und Echsen würde eh niemand glauben.“ Traviahold lacht. „Das ist tatsächlich der Vorteil dieser Geschichte. Man muss nicht lügen und trotzdem nimmt es kaum jemand ernst.“ Eine Zeit lang reiten sie schweigend Seit an Seit. „Was führt dich eigentlich nach Hardmund, Mutter?“ „Seit meine Schwester für euren Orden arbeitet, helfe ich Gorbrand bei der Verwaltung seiner Ländereien.“ „Ah“, Traviahold hält kurz inne und betrachtet die Silhouette von Hardmund in der Ferne. Er hüstelt kurz, Gwynna schaut ihn skeptisch an. „Da du mich darauf noch nicht angesprochen hast, gibt es wohl noch etwas, was ich dir erzählen muss.“ Beide haben inzwischen ihre Pferde angehalten und stehen eng nebeneinander. Gwynnas Blick ist äußerst eindringlich und lässt Traviahold mehrfach schlucken. Er erinnert sich an die zahlreichen Momente seiner Kindheit, in denen ihn dieser Blick dazu brachte ihr Geheimnisse zu verraten. „Du wirst wieder Großmutter.“ Gwynna bleibt kurz regungslos, dann beugt sie sich zu Traviahold hinüber und nimmt ihn in eine feste Umarmung. „Ich freu mich ja so für dich! Los komm, heute wird es ein Fest geben! Das müssen wir feiern!“ Und schon prescht sie vor, Traviahold muss sich beeilen ihr nach zu kommen.

 

Es dauert nicht lange und sie reiten durch das Tor des Anwesens derer zu Hardmund. In der Tür des Hauses steht schon Sir Gorbrand, die beiden erwartend. „Ah, liebe Schwägerin, wie ich sehe hast du gefunden, wonach du gesucht hast. Sei willkommen Schwiegersohn, lass dich doch umarmen.“ Traviahold und Gwynna steigen von ihren Pferden ab, geben die Zügel einem Knecht und begrüßen den beleibten Ritter. „Kommt doch hinein, das Mittagsmahl wird gleich serviert. Es gibt Reh! Wie vorzüglich!“, strahlt er über beide Pausbacken grinsend. Offensichtlich tut seinem Gemüt die Abwesenheit von Lady Wulfgrid äußerst gut. „Sehr gerne Gorbrand. Aber viel wichtiger ist, dass wir heute Abend ein Fest zu Ehren Traviaholds geben müssen“, mahnt Gwynna eindringlich beim Betreten des Hausen. „Hohoho, also ich mag dich sehr Traviahold, aber ein Fest?“, kichert der Ritter. „Nun, Schwiegervater, ich weiß nicht, ob Lady Wulfgrid es dir noch nicht gesagt hat, aber deine Tochter hat den Segen der gütigen Mutter empfangen“, erklärt Traviahold. „Welche?“, fragt Gorbrand völlig verwirrt. „Natürlich Darpatia!“, erwidert Gwynna schockiert. „Oh, was? Natürlich! Glückwunsch mein Junge. Dann werde ich ja Großvater. Ich werde Großvater! Ludwig!“, der Hauskämmerer erscheint hinter einer Ecke. „Ja mein Herr?“ „Bereitet ein Fest für heute Abend vor. Zügig! Ich werde Großvater!“ „Sehr wohl mein Herr. Und Glückwunsch mein Herr.“ Gorbrand winkt nur ab und läuft dann beschwingt und grinsend in Richtung des Essenssaals, Gwynna und Traviahold folgen ihm belustigt. „Mensch, Mensch, Mensch mein Junge. Als ich dich die ersten Male sah, hätte ich nicht gedacht, dass du das kannst.“ Traviaholds Augen werden skeptisch größer, als Gorbrand so am Essenstisch spricht. „Aber ich wette, Darpatia lässt dich immernoch nur unten liegen. Ganz ihre Mutter!“, lacht der Ritter schallend. Während Gwynna die Augen verdreht, wird Traviahold knallrot, weiß nicht, wo er hinblicken soll und verschluckt sich leicht, so dass er husten muss. „Hab dich nicht so, dafür muss man sich als Mann nicht schämen, sieh mich an, ich kenn das nur zu gut. Hehehe!“ „Ich glaube das reicht Gorbrand“, geht Gwynna scharf dazwischen.  „Ist ja gut, ist ja gut. Ich freu mich doch nur so sehr!“ Sie genießen das Mittagsmahl, danach stürzt sich Gorbrand in die Vorbereitungen für das Fest, während Traviahold mit seiner Mutter die Entspannung am herrschaftlichen Gartenteich genießt.

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