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Reise nach Rommilys – Teil V „Dettenhofen“

Am nächsten Morgen wurde Traviahold bei den ersten Praiosstrahlen durch eine Magd geweckt. Er gönnte sich eine ausgiebige Waschung und setzte sich danach mit gepackten Sachen in den Schankraum, um ein kräftigendes Morgenmahl zu sich zu nehmen. Als der Wirt einen zweiten Krug frischer Milch brachte, sprach Traviahold ihn an: „Werter Herr Ochsenstolz, was darf ich euch für die äußerst traviagefällige Rast und Verpflegung geben?“ Der Wirt des Gasthauses „Zum stolzen Ochsen“ grinste schief: „Euer wohlgeboren Ehrwürden, im Namen der gütigen Herrin Travia, eure Anwesenheit ist mir Lohn genug für die Bewirtung.“ „Nein, nein, nein, ich bestehe darauf euch zu bezahlen!“, erwiderte Traviahold harsch. „Wenn der Baron davon erfährt…“ „…wird er lernen, dass nicht alle seine Söhne sind wie er!“, wurde Traviahold nun ungehalten. „Tut mir leid, ich werde euch keinen Preis nennen“, meinte der Wirt abschließend, bevor er Traviahold zurück ließ. Dieser ließ sich seufzend gegen die Wand zurückfallen. Es war nicht zu glauben! Nur seines Blutes wegen hat er es soviel einfacher im Leben. Mit jedem Atemzug empfand er es als noch unfairer. Er würde sich dafür einsetzen, dass diese Regeln in seinem Kloster und im Orden nicht gelten würden!

Als er fertig gegessen hatte, nahm er seine Sachen in der Hand und verließ mit einem „Möge Travia euch behüten!“ das Gasthaus. Die Magd, die seinen Tisch abräumte, fand dort fünf Silber liegen… Die Tür fiel gerade hinter ihm zu, als er fast mit einer Gestalt zusammenstieß. „Entschuldigt, ich war nicht aufmerksam“, sprach der die, von der Gestalt her, Frau an, ohne ihr Gesicht sehen zu können, welches von der tief gezogenen Kapuze verdeckt wurde. „Ihr müsst euch nicht entschuldigen Junge, ich habe genau euch treffen wollen“, erwiderte die Frau. Traviahold kam die Stimme merkwürdig bekannt vor. „Wie komme ich zu dieser Ehre?“ „Ich hörte, du wärst in der Stadt und wollte dich nach so langer Zeit wiedersehen mein Junge.“ Traviahold war überrascht ob des Tonfalls, doch als die Frau leicht den Kopf hob und er endlich ihr Gesicht sehen konnte, schlich sich ein überraschtes aber freudiges Lächeln auf seine Lippen. Er schaute sich vorsichtig um, und als er sich sicher war, dass niemand ihnen Achtung schenkte, nahm er die Frau in eine herzliche Umarmung. „Mutter! Bei Travia! Aber warum läufst du so verhüllt herum?“, stieß er deutlich flüsternder hervor, als es ihm lieb war. „Ich wollte die Garde nicht aufscheuchen und dachte mir, dass dir das vielleicht auch ganz lieb ist. Dein Vater ist nicht sehr gut auf dich zu sprechen dieser Tage.“ „Das dachte ich mir schon, deswegen wollte ich auch alsbald wieder fort aus Dettenhofen.“ „Wo willst du denn hin? Ich erhielt nur Nachricht, dass du hier eingetroffen wärst.“ „Ich muss nach Rommilys, in einer dringlichen Angelegenheit des Ordens.“ „Dieser Orden. Er hat Zwist in unsere Familie gebracht. Ich habe dich und Siggi immer sehr geliebt, aber ich verstehe nicht, wie es dazu kommen konnte. Auch meine Schwester wollte mir nichts erzählen. Apropos…“, ein kurzes Zucken ihrer rechten Hand, ein Klatschen in Traviaholds Gesicht, ein überrascht entsetzter Ausdruck in den Augen, „…wie konntest du es wagen ohne meine Einwilligung und ohne mein Beisein den Traviabund einzugehen! Wie konntest du das deiner armen Mutter antun!?“ „Mutter! Nicht so laut! Ich möchte dir so gerne alles erklären! Aber dafür ist jetzt keine Zeit!“ „Oh doch! Für seine Mutter hat man immer Zeit! Auch als Ehemann, Ordensprior oder Klosterabt! Aber die Götter sind dir hold. Ich muss eh nach Hardmund, wir können gemeinsam reiten und du wirst Hardmund nicht verlassen, bis ich mich ausreichend informiert fühle! Und jetzt los, hol dein Pferd, wir sollten los, bevor mich doch noch jemand erkennt!“ „Jawohl Mutter!“

Und so ritten in gemütlichen Tempo beide aus Dettenhofen fort, in Richtung Praios, nach Hardmund. Auf dem Weg entlang des Ufers des Ochsenwassers erzählte Traviahold die Geschichte von Anfang an, unterbrochen nur von wenigen verwunderten Nachfragen seiner Mutter.

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