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Die Schlacht an der Trollpforte – Ein dunkler Schatten auf der Vergangenheit

— Grombasch —

Als er so in der Mitte einer Höhle im Roten Riesen steht, seine Arme kampfbereit erhoben, bereit jedwede Bedrohung zu zerschmettern – während die Dunkelheit immer stärkere Kreise um ihn zieht, sich verdichtet und nichts als schwarze Leere zurücklässt, die selbst er mit seinen Augen nicht durchdringen kann – schweifen seine Gedanken zurück an jenem schicksalshaften Tag vor nunmehr fünf Götterläufen im Jahre 1021 n. BF.

Das schwarze Blut tropft von seinem angroschgeweihten Hammer. Eine schöne Waffe, wie er immer wieder feststellen muss. Sie funkelt in der Sonne, selbst wenn das schwarze Öl daran herunterrinnt, unfähig an dem Glanz zu haften. Echte Zwergenarbeit aus alter Zeit, handgeschmiedet in den geheimen Hochöfen des Amboss – seiner Heimat. Weit scheint sie entfernt und doch verteidigt er sie. Hier auf den verheerten Feldern eines gebeutelten Darpatiens. Seine Einheit rückt den Horden aus den schwarzen Landen an seiner Südflanke nahe der Trollpforte zu Leibe, wo sich einzelne Verbände der widerwärtigsten Kreaturen aus dem Marsch lösen, um die umliegenden Gehöfte zu plündern. Wieder und wieder fährt der Hammer seines Heerführers auf die Kreaturen nieder. Zersplitterte Schädel, zerrissene Rüstungen, nichts kann seiner unendlichen Wut wiederstehen.

Gerade eben noch nahm er den kostbaren Hammer aus den erschlafften Händen seines Anführers. Jener reichte ihn, am Boden liegend und mit glasigen Augen, an den nächstbesten Angroschim weiter, ehe sein Lebenslicht erlischt, in der Hoffnung, dass dieser sein Werk fortführen möge. Grombasch war der erste. Grombasch war zur Stelle als er fiel. – Väterchen möge ihn in seinen hohen Hallen willkommen heißen. Er starb für sein Werk. So wie es sein soll. – Der Sohn Dramoschs erhob sich grimmig. Den Hammer hoch erhoben schrie er seine Wut in die flache Ebene hinaus, ehe er mit brutaler Gewalt inmitten der feindlichen Horde wie von Sinnen um sich schlug.

Er wütete noch als ihre Feinde bereits geschlagen waren. Seine Kameraden wichen vor ihm zurück. Kaum kam er ein wenig zur Ruhe, erblickten seine getrüben Augen in der Ferne eine weitere kleine Gruppe Gegner. Kurzerhand spurtete er los, um sie zu stellen. Die Rufe seiner Gefährten drangen nicht in sein Gehirn vor. Er merkte auch nicht, wie sie fluchend hinter ihm her spurteten. Er rasselte in die Gruppe feindlicher Söldner hinein und erschlug sie alle. Seine Mitstreiter jedoch wurden abgefangen und umzingelt. Sie konnten sich nur mühevoll gegen eine Übermacht verteidigen.

Als seine überraschten Feinde tot am Boden lagen und er sich schwer atmend umschaut, sieht er das Grauenhafte: Seine Brüder. Umzingelt vom Feind. Weit von ihrer Stellung entfernt. Seine Augen weiteten sich vor Angst. Seine Brüder. Er kannte jeden von ihnen. Hatte mit jeden einzelnen auf ihren gemeinsamen Vater gesoffen.

Hastig blickte er sich um. Weiter vorne entdeckte er eine Gruppe darpatischer Kämpfer. Er rannte auf sie zu und schrie sich die Seele aus dem Leib. Seinen Fingerzeig in Richtung seiner Gefährten folgend, setzte sich die Gruppe in Bewegung. Grombasch machte kehrt und stürmte brüllend auf das Gefecht zu. Mit der Urgewalt eines Schmiedehammers prallte der Ambosszwerg in die Reihen der Gegner. Noch nie hat er so heftig und verbissen gekämpft. Er machte sich nicht die Mühe seine Gegner endgültig zu erschlagen. Er wollte nur eine Breche reißen, um zu seinen Brüdern zu gelangen. Hinter ihm rückten die menschlichen Verbündeten heran. Gemeinsam schlugen sie die Front nieder.

Als der Staub sich legte fiel Grombasch auf alle viere. Der Hammer lag neben ihm im Dreck. „Es tut mir so leid.“ stammelte er. „So leid.“ Und zum ersten und vorerst letzten Mal gab er sich seinen Tränen hin, als ihm gewahr wurde, dass nicht jeder seiner Brüder überlebt hatte. Der Hammer wurde von einem kräftigen Arm aufgehoben. Eine Hand legte sich kurz auf seine Schulter. Als die Berührung endete, blickte er auf und sah, dass sein Trupp wieder an seiner ursprünglichen Position Stellung bezog. Grombasch blieb zurück und schaute seinen Leuten nach.

Die Kämpfe um sie herum waren zum Erliegen gekommen. Ein junger Knappe trat zu ihm heran. Er hatte die Situation sofort erfasst. Und als Grombasch sich erhob, jedoch keine Anstalten machte, seinen Kameraden zu folgen, schlug er ihm vor, er solle, wenn er es denn wünsche auf das Lehen seiner Familie kommen. Es gäbe dort einen Platz für ihn.

Als die Kämpfe endlich ein Ende fanden, wandte er sich gen Rahja. Auf Hochstieg bekam er eine einfache Anstellung beim Militär der Burg und fristete sein weiteres Dasein im Exil. Der Junker hatte unterdessen seine eigenen Sorgen und kümmerte sich wenig um den gefallenen Angroschim. Dennoch war er ihm dankbar, dass er half seine Brüder zu retten und ihm eine zweite Chance, ein zweites Leben gab. Und vielleicht, vielleicht heilt die Zeit tatsächlich alle Wunden und er wird eines Tages endlich wieder in den Amboss zurückkehren, vielleicht.

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