Gemächlich ließen die Helden Khunchom hinter sich zurück. Tulachim winkte ihnen zum Abschied. Sie ritten nach Aranien, um eine weitere Hochzeit zu verhindern. Während Adeptus Nehazet in Khunchom verblieb und den eigenen gescheiterten Traviabund mit Zafia zu überwinden. Denn ausgerechnet das Symboltier seiner Herrin, die Gans, verhinderte den mächtigen Segen der Mutter Oberen. Trost suchte der angeschlagene Magier nun in seinen Studien. Werden die Ereignisse in Barburin ähnlich verlaufen? Wo Azina selbst sie bat, ihre eigene Hochzeit zu verhindern, damit sie weiter auf Firuns eisigen Pfaden schreiten kann. Ist es Schicksal, dass ihr eigener Weg nun gen Firun weist?
Sie folgten der Straße nach Chalukand und von dort direkt nach Zorgan, wo sie den künftigen Gatten ihrer Kameraden treffen sollten. Sie kamen nur langsam voran, denn Alhina bestand darauf, die Strecke nicht im Galopp zu bestreiten, da sich dies für Damen nicht zieme. Für den aufmerksamen Beobachter war hingegen deutlich erkennbar, wie sehr die Reise die ältere Dame beanspruchte und wie selten sie bisher lange Strecken zu Pferde zurückgelegt hatte. „Eine Kutsche! Eine wahrlich vortreffliche Idee wäre dies gewesen“, dachte sie sich, als sie an den Vorschlag von Herrn Spichbrecher vom Anfang ihrer Reise dachte. Trotz aller Strapazen genoss sie die den Duft der fremden Ländereien. Waren es nun die trockenen Winde von der gorischen Hochebene, die sanft zu ihnen herüberwehten. Oder war es der köstliche Geruch reifer Feldfrüchte als sie die Grenzen Araniens passierten. Auch die beschaulichen Wälder des Djerim Yaleth auf der Elburischen Halbinsel fanden großen Anklang bei der Stadtfrau. Der Lärm Khunchoms geriet schon bald in nebelige Vergessenheit. Die Nächte, zum ersten Mal ruhig und friedlich, wurden nur unterbrochen von den natürlichen Geräuschen der fremden Lebewesen und dem Rauschen des Windes in den Baumkronen.
Zorgan, die Hauptstadt Araniens an der Mündung des Barun-Ulah am Golf von Perricum, war eine schöne Stadt. Typische tulamidische Bauweise vermischt mit einer Dosierung mittelländischen Stils preist mit ihrer Schönheit der Göttin Peraine mit aller Macht. Viele kunstvolle Brunnen verzieren die Plätze dieser prachtvollen Metropole. Einfaches Bauernvolk, das seine Wagen mit Getreide und anderen Feldfrüchten zum Basar fährt, mischt sich mit den farbenfrohen Absolventen der Schule des sehenden Scheins, die ihre Künste prachtvoll offenbaren. Am Rande der breiten Straßen stehen die geschäftig miteinander schwatzenden Händler dieser großartigen Stadt im Herzen Araniens. Allein der blühende rahjagefällige Rosengarten lädt zum Träumen ein und lässt die Menschen von einer besseren Welt sinnieren.
Hier nun verweilen die Helden und warten auf die Abreise.
Währenddessen steht auf der anderen Seite des Barun-Ulah eine junge Falknerin auf einem Hügel ihres Landes und lässt sich den Wind durch das lange schwarze Haar wehen. Als es sich so vor ihren Augen auf und ab bewegt, fällt ihr einmal mehr auf, wie es sich verändert hat. Es beginnt an einigen Stellen weiß zu werden. Stumm betrachtet sie es nachdenklich. Dann nimmt sie eine Strähne in die Hand und zerreibt sie zwischen ihren Fingern. Adaque fasst dies als Einladung auf sich auf ihren Arm niederzulassen. Gnädig lächelnd lässt sie ihn gewähren. Ihr Blick schweift erneut in Ferne und sucht, was noch nicht zu sehen sein kann.
______________________________
Des Schicksals Fügung