-die Gedanken Traviaholds-
Warum tun mir die Götter all dies an? Bis zur Rückkehr Sieghelms hatte ich so ein ruhiges Leben, mit großen Aussichten. Und jetzt, wenige Tage später? Mein Weltbild liegt in Trümmern, oder hängt zumindest ganz schief an der Wand meines Glaubens. Sieghelms Verschwinden schien meine Götter-Queste zu sein. Da passten die Erkenntnisse über die Familiengeschichte, Erfahrungen mit egoistischen unmoralischen Drachen-Magiern und Kämpfe gegen Dämonen gut dazu. Naja, der Echsenkaiser, die Reise in des Magiers Kopf und diese ganze Götter-Anker-Vortex-Geschichte hat mich schon ganz schön mitgenommen. Aber was würde ich trotzdem um eine Wiederholung der ganzen Erlebnisse geben, nur um die nächsten Stunden nicht erleben zu müssen? Mein Handeln hatte wenigstens ein klares Ziel: Die Familie retten, die Auserwählten schützen und die Feinde meiner Götter vernichten. Und heute? Ziele? Pah! Der von mir initiierte Bund der Gänsefeder geht einen Pakt mit einem Dämon ein und lehnt sich gegen die göttliche Ordnung auf und mein Bruder zu aller erst gegen die Familie. Und mittendrin? Ich… Gegen den Pakt habe ich ja noch protestiert – ohne ihn verhindern zu können – aber der Aufstand? Ich kann nicht anders, als aus Liebe zu meinem Bruder ihn zu unterstützen. Aber nicht nur das, ich plane ihn auch noch mit. Ich rede mir ein es für die Götter zu tun, für das Wohl der Welt. Aber würde ich das alles auch tun, wenn Sieghelm nicht mein Bruder wäre, sondern nur ein dahergelaufener niederer Adliger? Ich fürchte nicht. Und damit zweifle ich wieder an mir selbst. Heute scheint der erste Tag meines Lebens zu sein, an dem ich nicht weiß, welcher Schritt mein nächster sein soll, welcher der richtige wäre. Vielleicht ist heute der letzte Tag meines alten Lebens. Und das, wo ich mich grad erst an mein neues Ich gewöhnt habe. Ich hoffe meine heilige Mutter versteht mich besser, als ich mich selbst und wird mir verzeihen und mich an ihren Tisch holen, sollte ich heute den falschen Weg einschlagen. Denn egal, wohin mich mein Leben noch führt, gewiss ist nur eins: Ich werde nie meinen Glauben an die Zwölfe, ihre Ordnung und ihre Wahrheit verlieren!