Militärischer Alltag ist langweilig. Früh aufstehen, schrecklich frühstücken und dann auf einmal ganz plötzlich irgendwo antreten. Heute erklärte uns der Korporal, dass wir zu morgen uns und unsere Sachen – vor Allem Rüstung – putzen sollen. Es wird eine Heerschau zu Ehren Prinz Brin und zum Vergnügen der Bevölkerung geben. Vergnügen kurz vor der Entscheidungsschlacht für jene, die zu feige sind zum Kämpfen, durch jene, die zu mutig sein wollen. Ironie der Götter! Ich hab dem Herrn sei Dank wenig zu tun, immerhin trag ich keine Rüstung und mein Gewand ist perfekt, so wie es ist.
Der Zwerg Argobrax hat wohl in der Nacht den Übungsplatz umgegraben. Der Korporal fand das wohl nicht sehr gut, aber er hat sich das kaum anmerken lassen. Unsympathische militärische Eigenschaft! Während des – furchtbaren – Mittagmahls gesellte sich ein ziemlich komischer Magier zu uns. Magier sind ja grundsätzlich komisch und mir suspekt, aber er schien es noch in besonderem Maße zu sein. So garnicht arrogant, man musste ihm jede Information aus der Nase ziehen. Er ist ein Halbelf, wenn ich es richtig verstanden habe aus dem Bornland. Allerdings kommt er aus einer Drachenstadt, was der Zwerg weniger toll fand. Was ist weniger toll fand war seine Magie: Wofür wollen mich die Götter strafen, dass ich nun mit einem FEUER-Magier auskommen muss? FEUER! Also wirklich! In den darauffolgenden Diskussionen habe ich mich ein bisschen gehen lassen und die Zwerge beleidigt. Aber warum beten die auch einen falschen Gott an? Kann ich doch nichts dafür! Ich habe mich später einfach mal bei Argobrax entschuldigt, mehr oder weniger. Ich mag meinen Kopf dann doch zu sehr, als ihn mir von einem Kleinwüchsigen spalten zu lassen.
Der Nachmittag war mal wieder vergeudete Zeit. Wir übten das Marschieren. Ein solcher Haufen soll im Gleichschritt laufen und Schreien? Das ist wie Gwen Pertyl vor die Ratten werfen! Danach hatten wir wenigstens den Rest des Tages frei. Während die anderen ihre Kettenhemden durch den Dreck zogen – Sollten sie sie nicht reinigen? – schickte ich den kleinen Dero los, um mir einen Badezuber zu organisieren. Es ist immer wieder faszinierend, aber kurze Zeit später kam er zurück und hatte die Aufgabe erledigt. Er besitzt scheinbar beeindruckende Fähigkeiten. Ich nahm selbstverständlich Sylvia mit, eine bessere Möglichkeit den Anblick ihres Körpers zu genießen kann es – fast – garnicht geben. Es hätte sicher auch sehr romantisch werden können – hätte der Zuber nicht im Bordell gestanden. Wenigstens gab es ein Separé, sodass wir zumindest ein paar Zärtlichkeiten austauschen konnten. Alles schön und gut, aber langsam fängt mein Körper an sich wie ein gestauter Fluss anzufühlen, und dann muss bekannter Weise Wasser abgelassen werden. Naja, wenn Sylvia sich weiter so hat, weiß ich ja wo das Bordell steht.
Gegen Abend gab es dann wieder ein gemütliches Zusammensitzen in der Taverne – zumindest anfangs. Der Magier scheint doch ganz interessant zu sein. Er hat keine Ahnung von der Welt! Es scheint eine sehr komische Stadt zu sein, aus der er da kommt. Heute lernte ich zum ersten Mal die Elfe Sartassa genauer kennen. Faszinierende Frau! Es stimmt schon, was man sich so erzählt, sie sind sehr schön anzusehen. Aber zu alt! Sie hat etwas von Jahrhunderten gesagt, ich wollte es lieber nicht genauer wissen. Allerdings, wenn ich überlege wie es wäre hunderte Jahre lang so jung und frisch zu sein. Ganz neue Möglichkeiten ergäben sich einem!
Zum Abschluss des Abends hatte ich noch einen Streit mit dem Herrn Fähnrich. Ich bin ihm wohl ins Wort gefallen. Oh wie schlimm! Was redet er auch nur langweiliges Zeug? Zum Schluss hab ich ihn das Machtspielchen gewinnen lassen, ohne meine Ehre zu verlieren. Er schlug mich sogar, deutete aber an, dass er mir damit Ehre erweisen wollte. Als ob ich jeden einfach so schlagen würde. Naja, geplante Impulsivität ist auch irgendwie Impulsivität. Wobei ich mir natürlich einen frechen Kommentar nicht verkneifen konnte. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir uns ganz gut verstehen. Er legt halt nur zu viel Wert auf dieses scheußliche militärisch-adelige Gehabe.