Tagebucheintrag zum 23. Phex 1012
Fast ein ganzer Mond ist vergangen, seit ich die Schlacht auf den Silkwiesen wider den orkischen Horden überlebt habe. Vieles ist geschehen, gutes wie auch böses. Mein Kontor, unter der Besetzung der Schwarzpelze nur noch ein besseres Lazarett für gescheiterte Aufständige, ist kein pulsierender Ort des Handels und des Wohlstands mehr. Viele meiner getreuen Arbeiter und Wachen sind entweder geflohen, getötet oder jüngst beim Versuch sich gegen die Bestzer aufzulehnen verletzt worden. Ganze drei Kontorwachen sind mir geblieben um dem Kontor, meiner Familie und mir Schutz zu gewährleisten. Viel wichtiger jedoch: Meine Familie lebt! Yolande, Gylvana und Yolly sind wohl auf! Ich ließ meine kleine Tochter von Sartassa, einer der wenigen der ich Vertraue, nach Wehrheim, zu einer befreundeten bürgerlichen Familie bringen – dort wird sie sicher sein. Und sollten meine Frau und ich den Widerstand hier in unserer Heimatstadt nicht überleben, so wird unsere Familie mit ihr fortbestehen und mein ganzer Besitz an sie weiter gehen, der dann von meiner Bruder, bis zu ihrer Volljährigkeit, verwaltet wird.
Doch just in diesem Moment, sind es andere Gedanken die mich umtreiben und nur schwer Ruhe finden lassen. Oh Herr Phex, verzeih mir und meiner Familie für das was ich getan habe. Es klebt Blut an meinen Händen – Menschenblut. Der ungläubig erschrockene Blick des Magistraten Glombo Brohm, als ich ihm den kalten Stahl meines Dolches zwischen die Rippen schob, lässt mich nicht mehr los. Ich habe gegen eines deiner höchsten Gebote verstoßen, Herr der Schatten. Selbst und gerade wenn ich es scheinbar benötige, um an mein Ziel zu erlangen, so ist es uns als deinen Gläubigen – zurecht – untersagt den Weg des Blutes zu wählen. Es ist mir ein innigstes Bedürfnis und nur meine Natur an dieser Stelle mit dir nun über dein Urteil über mein Vergehen feilschen wo wollen. Bitte versteh: Niemals würde ich an dem Urteil des Herrn zweifeln, was wäre ich für ein armer Wurm wenn ich dies täte. Nein. Ich möchte nur alle Fakten in die Waagschale legen und sehen welche Seite mehr wiegt um am Ende einen gerechten Handel zu erhalten – ganz in deinem Sinne.
Ich schätzte Glombo, er war mir sogar fast schon ein Freund. Seine Familie stellt seit langer Zeit die Magistraten der Stadt und zu Friedenszeiten war er ein guter Vorsteher derselben. Er erließ Gesetze die den Handel florieren ließen, er ließ stets mit sich über Steuererlässe reden und war ein Mann der wusste wie man die Händler auf dem Markt zur Ruhe bringen kann. Ich erinnere mich noch heute sehr gut daran, wie er einst auf dem Marktplatz auf dem Tempelberg kam, während eines Streits zwischen den Bäckern und den Knochenhauern, welcher Platz ihnen zustehe – und allein seine ruhige Ausstrahlung und Anwesenheit genügte um die streitenden Parteien zu besänftigen. Doch nun ist er tot – sein Leben genommen durch die Hand eines Freundes. Tiefe Trauer berührt mich deswegen. Doch dem einen tragischen Leid folgte zugleich ein zweites. Auch sein Sohn, der taugenichts, aber dennoch ein Mensch, ward zugleich wegen meiner Verleumdungstirade von den Besatzern geköpft worden – das war nicht mein Ansinnen. Doch es lag nicht in meiner Macht es zu verhindern. So gesehen … ist es nicht nur eine, sondern gleich zwei Seelen deren Leben ich auf dem Gewissen habe.
War es ungerecht Glombo zu töten? Ja. War es falsch ihn und seinen Sohn zu Unrecht zu verleumden und des „Verrats“ am Usurpator zu beschuldigen? Ja. War es notwendig um diese Stadt von seiner Geißel zu befreien zu können? Ja. Werden durch mein Handeln nun weniger Menschen sterben und das unheilige Treiben welches die Orks auf dem Tempelberg anrichteten von mir verhindert werden? Ja und Ja! Glombo war ein guter Magistrat zu Friedenszeiten, doch ein miserabler zur Besatzungszeit. Ihr hättet ihn zu euch holen sollen, verehrte Götter, als Greifenfurt in die dreckigen Hände der Schwarzpelze fiel. So blieb mir nichts anderes übrig, als durch meine Hand ihm eure Gnade zuteilwerden zu lassen. Für sein Vergehen an der Stadt, seiner Aufgabe, sie vor Brandschatzern zu schützen und ihre Bevölkerung vor Tod und Elend zu bewahren, nicht nachgekommen zu sein. Denn hätten die Orks die Stadt nicht bezwungen, würden dutzende von Geweihte aller Gottheiten noch am Leben sein, der Praiostempel wäre nicht geschändet, die Rondraburg nicht geschliffen und unzählige Bewohner nicht Verletzt oder gar getötet worden.
Fälle hier dein Urteil, Herr Phex. Ich tat es nicht für mich, ich tat es die Stadt und alle seine Bewohner darin – und ist es nicht dein Gebot, dass wir nicht für uns morden sollen? Ich tat es nicht für persönlichen Reichtum, Macht oder Vorteil, Ich tat es für die Freiheit Greifenfurts, für meine Familie und aller anderer Menschen des Mittelreichs. Ich Maße es mir nicht ein Urteil über meine Seele zu fällen. Mir bleibt hoffentlich noch viel Zeit, bis ich vor dir trete und um mein Seelenwohl feilsche. Ich werde dafür Sorge tragen, dass die Brohms eine ordentliche Beisetzung bekommen, damit ihre Seelen deinem Gericht zugeführt werden können.
Nun zurück ans Werk, ich muss eine Stadt von einem Usurpator befreien und einen Widerstand ausheben.