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Ewig seid verbunden

Nehazets Untersuchung bei Delia schien von Erfolg gekrönt zu sein. Zumindest konnte ich das auf seinem Gesicht lesen. Eine Verstimmung über ein unlösbares Problem sieht anders aus. Wobei, wenn ich es mir recht überlege, konnte er bisher alles lösen. Im akutem Fall fehlten ihm wohl erneut die Ressourcen, sodass er den feindlichen Zauber nicht sofort brechen konnte. So lenkte ich Delia ein wenig mit den Tieren des Traviatempels ab, während Rowin und Demeya sich draußen vor dem Brunnen immer noch in den Armen wiegten.

Später erklärten Demeya und Rowin uns, dass sie bereits am nächsten Tag den Bund der Travia eingehen möchten. Delia schien ganz entzückt und wuselte hin und her. Ich selbst blieb ganz ruhig. Kein bisschen aufgeregt. … nun ja. Firun mag mir verzeihen, dass ich mich dieses eine Mal von den Festlichkeiten habe ein wenig hinreißen lassen. Ist ja auch ein freudiger Anlass, oder?

Geschwind schnappte ich mir Demeya, während Delia und Rowin den entsprechenden Schmuck besorgten, und zerrte sie gegen ihren Willen zum nächsten Kleidungsstand und ließ sie einige schöne Kleider anprobieren. Mit dem Geld der Halbschwester von Onkel Omar kaufte ich ihr das schönste Kleid, welches der Händler auf Lager hatte. Beschämt wollte sie es zunächst nicht annehmen. Unsinn! Dies ist mein Geschenk zum Bunde an euch. Also so nehmt es.

Außerdem war es nicht mein Geld, welches ich dafür hergab. Ich werde, noch bevor wir abreisen, meiner Tante einen Besuch abstatten und mich bei Ihr bedanken. Bestimmt hat sie auch einen Auftrag für mich, den ich für sie auf meinen Wegen erledigen kann, um mich ein wenig zu revanchieren.

Der Traviabund fand am nächsten Tag zur ersten Praiosstunde statt. Eine herrliche Zeremonie. Prachtvoller Blumenschmuck hing überall. Demeya überstrahlte mit ihrer Schönheit engelsgleich selbst das Funkeln des prunkvollen Praiostempels. Der Gong jenes Tempels verblasste im Angesicht der stillen Erhabenheit. Die obere Mutter hielt zusammen mit ihrem Mann eine wunderschöne Bundrede, die jeden Anwesenden in den Schwur einbezog und zur Bestätigung aus voller Kehle „So sei es.“ rufen ließ.

Nur Nehazet wurde von einer Traviadienerin rüde zum Schweigen gebraucht, als er es wagte seine Stimme zum falschen Zeitpunkt mit unangebrachten Worten zu erheben.

Rosa Blüten säumten des Paares Weg. Adaque flog freudig kreischend eine Ehrenrunde in der Blütenpracht. Alle wünschten dem Paar lautstark alles Glück dieser Welt und winkten den beiden ergriffen zu.

Auf der anschließenden Feier wurde viel getanzt und gelacht. Delia fand sich urplötzlich in den Armen eines markanten Mannes wieder und tanzte mit ihm, wie ich es noch nie zuvor sah. Mir ward ganz heiß bei diesem Anblick. Nehazet fachsimpelte schließlich mit dem Bengel, dem ich des Magiers Buch entriss. Selbst Bakkus schien sich zu amüsieren. Freudig sprang er zwischen den Menschen umher. Selbst ich tanze ganze zwei Mal.

Zwischendurch fiel mein Blick immer wieder zu Rowin und Demeya. Wie glücklich sie aussahen. Eng umschlungen wiegten sie im Takt zur Musik. Ab und zu klopfte ihnen jemand auf die Schultern oder sprach ihnen Glückwünsche aus. Ich wusste: der Abschied war nicht mehr fern. Ich wünsche euch viel Glück. In Ewigkeit seit mit Freude verbunden. Wir werden uns wieder sehen, da bin ich ganz sicher.

Zum Skandal des Abends sorgte ausgerechnet Nehazet, als er sich mit einer gut aussehenden Fremden auf seine Stube zurückzog. Ich bezweifelte von Anfang an, dass es das sein kann, was es zu sein schien und wovon die Partygesellschaft wohl fest überzeugt war. Nein, bestimmt handelte es sich um eine rein fachliche Konservation! So musste es sein. Wie es der Zufall so wollte, musste ich noch einmal Nehazets Zimmer betreten, um Adaques Bauer zu holen. Dabei lernten Delia und ich seine Gesellschaft kennen: Eine wirklich gut aussehende junge Dame. Etwas zu sehr zugeknöpft, wie ich fand. Auch die Kleidung sprach von einem gewissen Stil. Und der weiße Sonnenschirm erst. Na ja. Gut, sie scheint sehr gebildet, sodass nun klar war, was die beiden zusammen taten, auch wenn uns die irreführenden Worte jenseits der Tür anderes Glauben machen wollten.

Erschöpft legt sich Azina auf ihre Schlafstätte.

Morgen soll es also sein. Morgen beginnt ein weiterer Abschied …

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Gedanken der Azina

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