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Ende der Illusionen

Kaum aus dem merkwürdig anmutenden Traum erwacht, ruft uns die Pflicht erneut ihr Geheiß ins lädierte Ohr. Das in der Bibliothek, der irdischen und nicht irdischen, Erlebte möge bei den entsprechenden Stellen berichtet werden. Zwar schulde ich persönlich derzeit niemandem Rechenschaft, aber Sieghelm und Nehazet sind vertraglich an Hammerschlag gebunden. Daher führte unser Marsch über von Senfes Anwesen nahezu direkt zu den Lehnsherren nach Hammerschlag. Nachdem alles gesagt wurde, nahm mich Sieghelm offiziell in den Dienste Hammerschlags als Führerin der hiesigen Wälder auf. Zwar unterstehe ich somit teils Sieghelms recht launischen Befehlen, jedoch ist dies ein Übel mit dem man leben kann, wenn man weiß wie die Dinge anzupacken sind. Außerdem werden meine Fähigkeiten hier sinnvoll eingesetzt und die Bezahlung stimmt.

Schon verhältnismäßig lang verweile ich an diesem Ort, wie seit zwei Umläufen an keinem Anderen. Mir fehlt lediglich ein Überblick über die ortsansässige Botanik. Die Fundstellen diverser Kräuter bedürfen meiner fachkundigen Obhut und Ernte. Und die frische Luft wird mir ohnehin gut tun.

Unsere nächste Mission – nach zwei Tagen trautem Müßiggang – führte uns gleich zurück in die Wälder. Ein Banditenring gehört untersucht. Tatsächlich fanden wir eine Höhle mit diversen wertlosen Habseeligkeiten. Das Einzige von Wert waren einige Schriftrollen unter denen sich auch eine Karte der hiesigen Gegend befand. Mit Nehazets Hilfe lernte ich sogar diese Karte zu lesen. Nicht weiter schwer muss ich sagen, denn sie war tatsächlich sehr einfach zu entziffern. Der Autor hat ganze Arbeit geleistet. Warum er sie im angeblich verlassenen Versteck zurück ließ, bleibt mir ein Rätsel. Auf der Karte entdeckten wir ein Symbol in Form eines Turms. Er markiert das eigentliche Ziel unserer Reise. Soweit mir mitgeteilt wurde, ist dieser Turm zu erobern. Berichte von Spähern ließen vermuten, dass dieser Turm magisch geschützt wurde. Daher ist der Adeptus die erste Wahl zur Untersuchung. Und auch die einzige.

Am Turm angekommen offenbarte uns ein gewisser Malum – der seine besten Jahre weit vor den meinigen erlebte – sein Können und ließ Blitz und Donner über uns wüten. Zum Glück fing es nicht an zu regnen. Eine Katastrophe für meine endlich ordentlich frisch gemachten Haare. Mir fiel auf. dass der Boden um den Turm versenkt war. Gerade schickte sich Nehazet an, eine Tür zu schaffen, als der Turm begann, aus seinen „Wasserspeiern“ Feuer sprudeln zu lassen. Ein tödlicher Ring aus geschmolzener Lava schloss sich um den hilflosen Adeptus. Der jedoch schien so vertieft in seine Zauber, dass er dies nicht bemerkte. Also eilte ich ihm zur Hilfe. Er widerstand meinen Bitten. So blieb mir nicht anderes übrig als selbst vor dem Feuer zu weichen. Kurz bevor der Feuerkranz Nehazet erreichte, trat er enttäuscht über das verfehlen seiner Zauber vom Turm zurück und entging somit nur knapp dem sicheren Tod. Wieder ohne es zu merken. Mir blieb beinahe mein Herz stehen und er spaziert da einfach rum.Allein das lässt mich schon an der Vernunft des Magiers zweifeln.

Schlimmer wurde es allerdings, als er mit dem Turm sprach. Ja, er sprach mit dem Turm. Oder besser mit dem Gesicht im Turm, welches die Mimik des Magus Malum projiziert. Zuvor begann bereits Spichbrecher mit dem abtrünnigen, jahrhunderte lang eingesperrten, Magier die Verhandlung zu führen. Jedoch scheint Malum nicht geneigt den Forderungen, die Baronie Hammerschlag zu verlassen, nachkommen zu wollen. Ehe Spichbrecher seine üblichen machtpolitischen Provokationen kundtun konnte, fiel ihm Nehazet ins Wort und verlangte die Verhandlungsführung. So von Magier zu Magier. Zu Recht, wie mir deuchte. Als Spichbrecher dem guten Adeptus jedoch stets unterbrach, verfiel dieser in eine fremde Sprache und unterhielt sich eine ganze Weile mit Malum. Wer weiß, welch anrüchige Worte gewechselt wurden. Tatsache ist, dass es sich bei dem älteren Magier um einen „bösen“ Meister der Beherrschungsmagie handelt. Daher ist die Vermutung -angesichts des merkwürdigem Gebarens Nehazets – dass eine Beherrschung des Adepten vorliegt, nicht unwahrscheinlich. Sprach er doch davon, dass der Magier versicherte, niemandem in der Baronie schaden zu wollen. Tatsache ist, dass er bereits Menschen dieser Baronie Leid zufügte. Weitere Gesprächsinhalte entkamen seinem Munde nicht. Ganz und gar verschlossen war unser vermeintlich abtrünniger Kamerad. Sieghelm ließ ihn unter unauffälliger Beobachtung stellen. Der Zwist eskalierte, als Nehazet die gefundenen Schriftstücke zerstörte. Die Herausgabe des Zauberstabes zu der Gruppe Sicherheit verweigerte der Adeptus, indem er aus unserer Sicht verschwand. Ratlos blieb uns nichts anderes übrig als unverrichteter Dinge nach Hammerschlag zurück zu kehren und Bericht zu erstatten. Der Verrat des Mentalmagiers hing schwer in der Luft.

Wie konnte das passieren? Haben wir uns in Nehazet getäuscht? Greift die Seuche, die einst Nicolo befiel, nun auch auf dem armen Nehazet über? Oder unterliegt er fremder Beherrschung? Irgendwie hoffe ich das für ihn…

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Gedanken der Azina

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