Es ist ein kühler und leicht windiger Abend am 22. Hesinde 1026 BF. Ein flinker Dackel schnellt aus den Eingang eines Gehöfts, gefolgt von einem großgewachsenen Krieger mit breiten Schultern. Der Dackel mit dem Namen Pagol stobt zu einem Busch und bellt verspielt, vermutlich hatte er eine malwieder eine aranische Katze verjagd. Hinter ihm, mit schlendernden Schritt, lief der darpatische Junker. Seine Gedanken galten dem bevorstehendem Turnei und seiner damit bevorstehenden Prüfung im Umgang mit den Waffen. „In zwei Tagen …“ hauchte er, während er immer wieder kontrollierenden zu den Büschen schaute in denen sich Pagol anscheinend einer kleinen Hetzjagd hingab. „Das heißt ich habe gerade mal einen Tag zum trainieren, viel zu wenig – ich bin aus der Form.“ Sieghelm resignierte ein wenig als er im gehen nach und nach jede Faser seines Körper streckte und dabei seine Knochen knarzen und ächzen zu hören glaubte. Seine Gedanken verliefen sich etwas in den verschiedenen Techniken und Methoden um in kurzer Zeit wieder zur alten Form zurückzukommen, er musste an seine Zeit an der Akademie in Rommilys denken, allem voran an Schwertmeister Perainor von Bregelsaum, der wohl Sieghelms meist verhasster und zugleich bester Ausbilder im Waffengang war.
Es war stets die selbe Aussage des Schwertmeisters, nachdem der junge Sieghelm mit einem älteren und überlegenen Schüler gekämpft und nach einem langem und ausgeglichenen Kampf dennoch unterlegen war. Der Darpate erinnert sich noch genau an das Gesicht des Mannes, der Bart fein gestutzt und die Wangen blank rasiert, eine lange Narbe über dem linken Auge und ein leicht welliger schwarzer Bürstenschnitt. Sieghelm fühlt sich in die Zeit zurück versetzt als er im Staub des Übungsplatzes lag und Meister von Bregelsaum mit hinter den Rücken verschränkten Armen zu ihm herantrat um mit enttäuschtem Blick zu ihm herabzublicken. „Es war ein guter Kampf.“ flüsterte Sieghelm, doch seine Stimme verlor sich dabei im kühlen Wind.
„In einem Kampf Mann-gegen-Mann wird kein zweiter Preis vergeben“ – Schwertmeister Perainor E. von Bregelsaum
Der Junker seufzte. Pagol kam derweil mit etwas hinkendem Bein zurück aus dem Gebüsch. Er sah zu dem Dackel herab und musste unweigerlich wieder an den Satz seines ehemaligen Lehrers denken, doch diesen Verwarf er sofort und er bückte sich zu seinem geschätzten Kameraden herab um sich dessen Verletzung etwas näher anzusehen. „Nur ein kleiner Kratzer, das wird schonwieder – es ist keine Schande auch Mal der Unterlegene zu sein.“ Siehelm Sprach dabei die Worte so aus, dass er sie selbst gut hören konnte um sich von deren Inhalt zu überzeugen.
Auch Azina hat sich bei dem Turnei angemeldet – dachte er. Warum sie das wohl getan hat? Sie ist durch und durch eine Firungläubige, doch welches Interesse könnte sie haben an einem Rondragefälligen Turnier teilzunehmen? Sieghelm dachte an die äußeren Veränderungen die seine alte Freundin Azina seid ihrer letzten Begegnung durchgemacht hatte, und auch an den reich verzierten Runenspeer – eine wahrlich prächtige Waffe. Waren dies vielleicht die Gründe dafür? Bisher hatte der Hauptkamm keine Zeit gefunden sie auf alldies anzusprechen, doch die Zeit würde noch kommen. Irgendetwas in Azina war anders, sie wirkte kühler und berechnender. Sie hatte einst ihre Familie hinter sich gelassen, nun war sie hier und dennoch zieht es sie wieder fort, trotz des desolaten Zustands des Hofes.
Zusammen mit dem leicht hinkenden Pagol lief der Hauptmann um das Gehöft herum, seine Gedanken galten nun dem Ereignis vor dem Dreitempel in Baburin. Selten hatte er die Nähe des Schwerts und Schilds Alverans so sehr gespürt wie in dieser eindrucksvoller Tempelanlage. Er musste auch an die Worte der Knappin der Leuin denken. Beinahe hätte Sieghelm an seinen eigenen Taten gezweifelt und den Willen seiner Göttin missinterpretiert. Allem voran zeigte dies Sieghelm jedoch, dass er noch kein Schwert der ehrvollen Donnergöttin war, seine Geschicke wurden nicht von ihr gelenkt, er ist und war nur ein einfacher Krieger der versucht seiner Göttin nach seinen bescheidenen Möglichkeiten gefällig zu handeln. Doch war er weiterhin Fehlbar – und das alles trotz des Amuletts das er bei sich trug. Die Geweihte hatte ihm zwar seinen Zweifel an seiner Tat bezüglich Muhalla nehmen können, doch warum die Herrin ihm diesen Schmerz gesandt hatte, vermochte sie ihm nicht zu erklären.
Die kommenden Tage würden Herrn von Spichbrecher jedoch noch erleuchtung bringen, da war er sich sicher, denn er hatte es irgendwie im Gefühl dass etwas großes Bevorstand.