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Dokos-Eintrag vom 26. Phex 1012 BF

-was bisher geschah-

 

Am Morgen erreichte uns die Nachricht, dass Charaz-Gatai die Stadt verlassen hat. Zu unserer aller Überraschung zusammen mit Gamba. Das erleichterte uns einiges, haben wir doch einen Großteil der Planung damit verbracht uns zu überlegen, wie wir gegen ihn vorgehen können. aber die Konfrontation ist wohl eher nur aufgeschoben, statt aufgehoben.

Als letzte Handlung vor dem Aufstand beschlossen wir noch, den Rondra-Tempel beiseite zu schieben und uns darum erst zu kümmern, wenn die Stadt befreit wäre. Danach kehrte Ruhe ein im Peraine-Hain. Jeder bereitete sich auf seine Weise auf das vor, was kommen würde. Ich hielt Zwiesprache mit meinem Herrn, doch nicht er war es, der mir antwortet. Es war Scraan! So verwirrend die Drei-Götter-Konstellation war, so sehr lässt mich es hoffen, dass Scraan nicht Tod, sondern nur verschüttet ist. Ich weiß nicht, ob es für göttliche Zustände sterbliche Worte gibt… Seine Worte allerdings erschienen mir erschreckend bedeutungslos. Aber vielleicht sah er weiter, als ich bisher sehen konnte.

Über den Aufstand selber fällt es mir schwer etwas zu schreiben. Soweit ich hörte hat alles geklappt wie geplant und die Orks sind vernichtet. Ich hatte ganz andere Probleme: Ich übernahm das Läuten der Glocke im Rahja-Tempel, als auf dem Platz der Sonne Tumult ausbrach. Jedoch nicht nur wegen den Glocken, dem Amboss und der hellen Sonne am Himmel (zu Mitternacht), sondern wegen dem Vampyr, der sich im Himmel erhob. Anfangs fuhr er nur auf die Orks nieder, doch als seine Kinder in erschreckenden Massen auf den Platz strömten, um ihren Durst zu stillen, fürchtete ich um jede Menschenseele. Und so bot ich ihm die Stirn. Nur Dank der Gnade meines Herrn und der Hilfe meiner Freunde, denn das sind meine einstigen Gefährten für mich geworden, überlebte ich. Anders, als der Gehäutete. Er verging im Regen zu Asche, so wie seine Kinder. Nur Eines ließ er zurück: Das Henkersschwert. Und im Moment seines Todes spürte ich das Wesen beider. Ich schreibe es hier nicht nieder, denn nur das Vergessen hilft dagegen. Nachdem wir uns erholten – eine Feuerexplosion des Magiers hatte Sartassa und mich nahezu dahingerafft – und uns kurz des Sieges erfreuten, nahm ich das Schwert an mich und setzte mich in die dunklen Gassen Greifenfurts ab. Das Schwert befindet sich nun an einem – vorübergehend – sicheren Ort. Und niemand wird ihn von mir erfahren.

Jetzt sitz ich hier auf den Stufen des Rahja-Tempels und beobachte die Stadt, wie sie nicht weiß, ob sie schlafen oder leben soll. Zumindest wir sollten schlafen. Auf uns warten ab morgen genug Aufgaben.

Kommunikationsprobleme

„Wat quatschen de piekfeinen Männekieken denn so?“ erkundigt sich Arn Wachmann, als er sich mit ans Lagerfeuer setzt. „Keine Ahnung“ antwortet einer von Lysandras Männern. „Du hast doch mehr mit Ihnen zu schaffen.“ Die zwei gehören schon länger ihrem Trupp an und sind zusammen mit der ersten Kohorte in die Stadt gekommen. Es sind zwei junge und kräftige Männer, beide tragen gerade einfach gewebte Tuniken und fleckige Wollmäntel – wohl noch ein Überbleibsel der Tarnung um unbemerkt in die Stadt eingeschleust zu werden. „Meenste die quatschen imma so fülle?“ Arns quietschende Stimme, die nun wahrlich kein Ohrenschmeichler ist, lässt die Augen der beiden Männer leicht zusammenkneifen. „Das sind Adelige, Gelehrte und Geweihte … die quatschen immer viel … machen tun wir es dann.“ antwortet der mit dem gepflegten Vollbart von beiden. „Soll ick euch ma wat sagen?“ Arn lehnt sich dabei mit verschwörerischen Blick zu den beiden herüber. Den Männern ist anzusehen, dass sie es am liebsten hätten, dass ihr Gegenüber gar nichts sagt. „Was denn?“ schnauft der andere erschöpft. „Ick gloob, der Jeweihte is nich janz reene, bei dem krieg’ick ne Jänsepelle.“ Die beiden Mannen brauchen erst einen Moment, um zu verstehen was Arn in seinem harten Dialekt zu ihnen sprach. Der Blick der beiden wurde dunkler und skeptischer. „Welcher Geweihter?“ fragt der eine. „Meinst du die Geweihte der gebenden Göttin?“ der andere. „Nee! Den da hinten meen ick!“ Beide sahen nun kurz – auffällig unauffällig – zu der Gruppe der palavernden Männer herüber. „Der Elf in der Kutte?“ fragt der erste. „Die Ritterin ist eine Rondrageweihte?“ der andere. Arn seufste. Seide beiden Gegenüber sind wohl recht begriffsstutzig, dachte er sich. „Schnallt ihr dit nich?“ platzt es dann aus ihm heraus. „Ick meen den rothaarigen männekieken da hinten!“ „Ach den!“ rufen beide im Augenblick der Erkenntnis. Ein Moment der nachdenklichen stille folgt. „Und der ist dreckig?“ fragt dann der Bärtige wieder. Wieder ein Moment der Stille in dem nur das Knistern des Lagerfeuers zu hören war. „Wa?“ grunzt Arn, der inzwischen genervt war von seinen Gesprächspartnern. Doch dann ging ihm ein Licht auf. „Ach, nee – der is‘ nich janz reene – nich janz sauber – der is‘ überkandidelt!“ Die beiden Männer nickten bedächtig. „Aha!“ erklang es dann im Chor. „Was ist denn mit dem?“ Arn seufzte wieder – inzwischen hatte er keine Luft mehr mit den beiden zu reden. „Ach verjesst et … „

Es ist ein Angebot, dass er nicht ablehnen kann

Der Aufprall war hart, in seiner linken Hand breitet sich ein pochender Schmerz aus. Auch das linke Bein tut ihm weh, doch die Zehen lassen sich noch bewegen – anscheinend nicht ganz so schlimm. Wohingegen die Finger der linken Hand kaum mehr spürbar sind. „Verphext …“ stöhnt der alte Händler und versucht sich von dem feuchten Felsenboden aufzustemmen. „Ahhrgh!“ – Es bleibt bei einem Versuch, denn zu den Schmerzen im Bein und in der Hand kommt noch ein weiterer hinzu der ihm seines Atems beraubt. Ein brennenden Feuer durchflutet seinen Oberkörper, offenbar wurden bei dem Sturz einige seiner Rippen gebrochen. „Rontja? Kannst du mich hören?“ prustet er leise zwischen den Zähnen hindurch, doch eine Antwort bleibt aus. Er ist allein, alleine mit der Dunkelheit. Mögen die Götter dir beistehen, teure Nichte – hier unten bist du sicherer als über der Grasnarbe – denkt er sich und unternimmt erneut einen Versuch aufzustehen. Unter Aufbringung all seiner Kräfte gelingt es ihm dieses Mal auch.

Vorsichtig tastet er nach seiner linken Hand. Die Finger sind bereits taub, das Gelenk dick – etwas ragt an einer Stelle heraus wo nichts herausragen sollte. Gebrochen. Zum Glück ist es nur die linke Hand – denkt er und verbringt der Arm in eine Schonhaltung. Er tastet sich hinab zum Bein, es schmerzt – doch der Knochen scheint intakt zu sein. Es wird gehen … es MUSS gehen. Der Dolch scheint verloren, aber sein Familienschwert ist noch bei ihm und sein Schwertarm unverletzt. „Dann wollen wir Mal …“ stöhnt Stordan und schleppt sich humpelnd durch die Dunkelheit. Angetrieben von dem Gedanken seine Frau Gylvana zu Retten verdrängt er den körperlichen Schmerz, nichts wird ihn aufhalten können. Und wenn es nötig wird, würde er sogar mit Boron persönlich um sein Leben feilschen. Nur um sich ein paar letzte Momente zu erhandeln um die notwendigen Dinge ins Rollen zu bringen um seine Frau aus den Fängen Sharaz’Gatais zu befreien. Da verspürt er plötzlich wieder diesen seltsamen Ruf in seinem Geist: „Komm zu uns“. Für einen kurzen Moment bleibt er stehen und kneift die Augen zusammen. Er konzentriert sich auf diese Stimme – sie würde ihn schon dorthin bringen wo er hin wollte. Erneut verdrängte er den aufkeimenden Schmerz in seinen Gliedern. Nicht seine Fähigkeiten als Kämpfer werden jetzt gefragt sein, sondern sein Geschick als Händler. Und da erblickte er sie auch schon, die leuchtenden Augenpaare – sie waren unmittelbar vor ihm. Er zählte drei davon – zu viele für einen Kampf in seinem Zustand, an einem Ort an dem sie bevorteilt waren. Doch ihre Anwesenheit verunsicherte ihn nicht, ganz im Gegenteil, er war froh sie so schnell gefunden zu haben. Oder waren sie es die ihn gefunden haben? „Im Namen der Zwölfe, ihr Diener Warsews des niemals alternden …“ spricht Stordan mit fester Stimme und lässt dabei sein Familienschwert aus der Scheide schnellen. “ … ihr werdet mich anhören oder meine Praiosgeweihte Klinge wird eure Körper zerfetzen ehe ihr auch nur in meine Nähe kommt!“ Durch das Surren des scharfen Stahls, welches durch den Gang schellt, weichen die Augenpaare verunsichert zurück. Sie spüren die Macht die in der Klinge wohnt – denkt sich Stordan wissend, als er die Reaktion der Augenpaare zur Kenntnis nimmt. Jetzt nur nicht zaghaft werden! – fährt ihm durch den Kopf, während die Spitze seiner Klinge auf die Wiedergänger zeigt. „Bringt mich zu eurem Meister – lebend bin ihm hundertfach mehr wert als Tod.“

Momente später, in einer sehr dunklen, nassfeuchten unterirdischen Kammer steht Stordan von Sprichbrecher vor ihm, dem Henker Greifenfurts. Stordan ist zwar einen ganzen Kopf größer als er, doch seine Erscheinung ist dennoch mächtig. Umringt von etwa einem Dutzend weiteren niederen Anhängern, richtet sich der Großmeister des Kontors auf – der folgende Handel würde wohl der schwerwiegendste und zugleich schrecklichste sein, den er je abzuschließen hatte.

„Was ist es für ein Angebot, dass ihr mir unterbreitet wollt – Herr Magistrat?“ spricht der Mann mit dem Namen Zerwas mit dunkler und ruhiger Stimme, während seine letzten Worte von etwas Spott begleitet wurden. Des Henkers Richtschwert trug er bei sich, immer bereit den letzten Streich zu vollführen. Stordan atmete so tief ein und aus wie es ihm seine gebrochenen Rippen erlaubten. Schweiß rann an seinen Schläfen lang, zum einen vor Anstrengung ob seiner schweren Verletzungen, und zum anderen ob des schweren bevorstehenden Handels. „Ihr – Namenloses Wesen – habt etwas das ich brauche. Und ich habe etwas, dass ihr braucht.“ stellte Stordan fest und sah, dass die Augen des Henkers begannen zu funkeln. „Und was soll das sein?“ entgegnete dieser gelassen, doch Stordans geschultes Patriziergehör bemerkte einen Hauch Interesse in dessen Stimme. Auch wenn ihn in letzter Zeit vieles verlassen hatte, aber sein Instinkt schien ihm wohl erhalten geblieben. „Seit 500 Götterläufen seid ihr nun schon die Geißel dieser Stadt.“ beginnt Stordan selbstsicher seine wohl überlegte offerte. “ … und wohin hat euch das geführt? Ihr seid ein sehr mächtiges Wesen, mit einem enormen Potenzial – doch seht euch um? Ihr scharrt euch nach so langer Zeit noch immer mit euren willenlosen Dienern in feuchte Keller – und immer wieder ist es den Menschen gelungen, trotz eurer Macht, euch festzusetzen. Das ihr hier steht und mit mir redet, ist nur das Verdienst eines Haufens nichtsahnender Orks die zufällig über euch ein Blutbad anrichteten. Die Schwarzpelze werden schon bald nicht mehr die Kontrolle in der Stadt haben. Mit ihnen wird auch eure Macht schwinden. Sobald sie vertrieben sind, werden eure Lakaien vernichtet und ihr … schon bald wieder tief unter einem Tempel eingemauert werden.“ Stordan konnte ein nervöses zucken in den Augen des Henkers sehen, er hatte wohl nicht mit dieser offensiven Taktik des Händlers gerechnet, und auch nicht damit, dass dieser so viel über ihn wusste. „Was ist euer Angebot, sterblicher!“ dröhnt es dem Mund des Henkers. „Bringt mir mein Weib unversehrt aus dem Kerker der Feste – und ich werde eure kleine, regional begrenzte Blutsaugersippe über die Landesgrenzen hinaus expandieren lassen! Wehrheim, Gareth, Perricum, das Land der ersten Sonne, das Horasreich – ich habe die logistischen Mittel euch und eurer lichtscheues Gesindel sicher in jede Stadt der bekannten Welt zu bringen. Ihr braucht mich … oder ihr werdet wieder für die nächsten zwei-dreihundert Jahre als dekorativer Steinsockel in irgendeinem Tempel enden. Beim Namenlosen … es ist ein Angebot, dass ihr nicht ablehnen könnt.“

So viel zutun!

Die schwere holzvertäfelte Doppeltür der Magistratenstube fällt erneut ins Schloss. Ein fahler Windzug lässt die drei breiten Kerzen auf dem Schreibpult des Mannes, der vor kurzem die Geschäfte in der Stadt übernommen hat, gespenstig flackern. Der mit roter aranischer Seide, die er selbst einst aus dem exotischen Süden von einer Handelsreise mitgebracht hatte, bespannte Mohagonistuhl des Magistraten knarzt, als sich der alternde Patrizier wieder hinein gleiten lässt. Ein langer erschöpfender Seufzer entfährt Stordans Kehle. „So viel zutun …“ haucht er und schaut über die zahlreichen, sich stapelnden Dokumente, Bücher, Schriftrollen und Pergamente auf seinem Schreibpult, als wären sie eine Aveskarte, auf der geschrieben steht welcher Route man folgen muss um zum gewünschten Ziel zu kommen.

„In zwei Tagen wird der Usurpator die Festung und Stadt verlassen, es bleibt nicht mehr viel Zeit um den Widerstand aufzubauen um Greifenfurt zurück zu erobern. Er wird einige Tage fort sein – gut – aber der beste Moment ist kurz nach seiner Abreise, so dass der Bevölkerung ausreichend Zeit bleibt um sich auf seine Rückkehr vorzubereiten.“

Ein dumpfes Pochen hallt durch die Amtsstuben. „Herein!“ brüllt Stordan über die Unterlagen und Pergamente hinweg. Das aufstehen spart er sich inzwischen. Vier Männer treten ein, Beilunker Botenreiter, sie sollen je ein Schreiben an die Kontormeister nach Perricum, Zorgan und Vinsalt bringen. Die Geschäfte müssen wiederaufgenommen werden, ob Krieg oder Frieden – der Handel darf nicht stagnieren. Stirbt der Handel, stirbt auch das Land. „… und ihr, bringt dieses Schreiben Meister Tsadan Oberndorfer vom Spichbrecher Handelskontor in Zorgan im Stadtteil Zorrigan. Reitet so schnell ihr und euer Pferd es können!“ Seine Worte sind hart und bestimmend, die Männer verlassen die Stuben und noch ehe das Flackern der Kerzen aufgehört hat, ertönt erneut das pochende Klopfen. „Irgan …“ beginnt er rasch. “ … legt alles dorthin, ich habe weitere Erlasse für euch die ihr zu Pergament bringen müsst.“ Der Stadtschreiber läd ächzend drei dicke Bücher aus der Bibliothek auf der Eichenholzanrichte ab. Alles was er finden konnte über dn Henker und seine Vergangenheit.

„Die Nornpforte, die Schanze und das Greifenberger Tor müssen verschlossen werden! Wenn nur das Südtor offen bleibt, kann ich die Ein- und Ausfuhr an Waren und Menschen besser kontrollieren. Ich brauche dringend Leute denen ich vertrauen kann und die ein geschultes Auge besitzen. Sie müssen gleichsam fähig sein den orkischen Torwachen vorzuspielen nur einfache Gardisten zu sein, als auch so vertrauenswürdig, dass sie nur mir Bericht erstatten. Wo bekomme ich die nur her? Auch Lysandras Söldner können so besser in die Stadt geschleust werden. Zudem ist – nach der Rückeroberung der Stadt – dann nur noch ein Tor zu verbarrikadieren. Wie argumentiere ich vor dem Usurpator? Ein bevorstehender mittelländischer Angriff? Klingt gut – das werden sie Orks schlucken und hält die Bevölkerung im Glauben an eine Rückeroberung. Zwei Boronsfliegen mit einer Klappe – Feqs ich danke dir für diese Eingebung!“

„Wie ist euer Name?“ fragt Stordan die junge und grazile Frau die hinter ihm aufgetaucht war. „Ela ist mein Name.“ antwortet sie mit ruhiger Stimme. „Nehmt dort euren Platz ein … nein nicht dort … dort!“ Stordan wirft ihr einen letzten Blick zu und wendet sich dann wieder den Stadtgeschäften zu. Sie Stundenkerze brennt unermüdlich weiter …

„Ich habe ihm mein Essen überlassen, obwohl ich ahnte, dass es vergiftet war … armer Rukus. Zehn Dukaten und ein paar Blumen sind das einzige was ich im Moment tun kann um seine Witwe zu entschädigen. Wie lange war er eigentlich in meinen Diensten? Vier? Fünf oder waren es sechs Götterläufe? Verphext … was wusste ich eigentlich über ihn? Ich muss mir zukünftig mehr Zeit für meine Angestellten nehmen. Travia verzeih mir – ich hätte ihn nicht von dem Essen dass für mich bestimmt war kosten lassen dürfen. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Achja, ich war in Gedanken bei den Stadterlässen, den Schreiben an die Kontormeister und an die Liste der Wideständler. Wer bei Belzhorash versucht eigentlich mich zu vergiften? Diese Magd ist nur eine Handlangerin – Clarissa? Gombet? Darrag? – keine Zeit darüber nachzudenken … es ist noch so viel zutun.“

Die Doppelflügelige Tür schwingt auf, Lumin und Asleif treten ein, sie berichten von einer unterirdischen Höhle mit Wasserfall und … moment … nein … das war die Marschällin. Wer sitzt da gerade vor mir und warum sind sie hier? „Wofür bezahle ich euch eigentlich!“ fährt es mit voller Wut aus Stordan heraus. Adern treten dabei pulsierend aus seinem Hals und auf seiner Stirn hervor. Die schwere goldene Kette des Magistraten erzittert als die Emotion aus ihm herausbricht. „Ihr berichtet mir nur Dinge, von denen ich schon seit Stunden Kenntnis habe!“ fährt er etwas ruhiger fort. Seine Finger krallen sich in das Mohagoni des Stuhles, so dass seine Knöchel beginnen weiß zu werden. Am liebsten würde er noch viel mehr herausbrüllen, denn etwas in ihm kämpft mit sich selbst, doch irgendwas hält ihn zurück. Die Fassung kehrt  wie von magischer Hand zurück. „Hier … geht zu dieser Adresse, folgt diesem Pfad und sucht dort nach einem Geweihten. Ein Priester der Gebenden Göttin und Ardach sollten dort zu finden sein – bringt mir einen davon – lebend!“ Der Magistrat schiebt eine Abschrift eines Wegeplans den beiden Migranten zu. Sie verlassen verdrossen die Amtsstuben, es ist noch viel zutun …

„Über Jahrhunderte hinweg … diese Namensgleichheit … bei Phex, das kann kein Zufall sein! ‚Das hohle Bein, das ist geheim‘ … die Brohms? Die Brohms! Irgendwo hier muss es sein.“

Ein Fach schwingt lautlos auf, zwergische Arbeit, ganz sicher! Eine alte Schriftrolle ist darin zu sehen. Mit seinem Dolch hebt Stordan es vorsichtig aus seinem Versteck. Mit einer weiten Bewegung schiebt er dutzende Bücher und Pergamente von Arbeitspult zur Seite. Bedächtig rollt er es auf, und liest die Worte aus dem 30. Regierungsjahr des Kaisers Alrik. Der schwache flackernde Schein der fast schon heruntergebrannten Kerzen offenbart ein weiteres Rätsel. „Was … oh Götter … so viel zutun.“

 

Du sollst nicht morden

Tagebucheintrag zum 23. Phex 1012

Fast ein ganzer Mond ist vergangen, seit ich die Schlacht auf den Silkwiesen wider den orkischen Horden überlebt habe. Vieles ist geschehen, gutes wie auch böses. Mein Kontor, unter der Besetzung der Schwarzpelze nur noch ein besseres Lazarett für gescheiterte Aufständige, ist kein pulsierender Ort des Handels und des Wohlstands mehr. Viele meiner getreuen Arbeiter und Wachen sind entweder geflohen, getötet oder jüngst beim Versuch sich gegen die Bestzer aufzulehnen verletzt worden. Ganze drei Kontorwachen sind mir geblieben um dem Kontor, meiner Familie und mir Schutz zu gewährleisten. Viel wichtiger jedoch: Meine Familie lebt! Yolande, Gylvana und Yolly sind wohl auf! Ich ließ meine kleine Tochter von Sartassa, einer der wenigen der ich Vertraue, nach Wehrheim, zu einer befreundeten bürgerlichen Familie bringen – dort wird sie sicher sein. Und sollten meine Frau und ich den Widerstand hier in unserer Heimatstadt nicht überleben, so wird unsere Familie mit ihr fortbestehen und mein ganzer Besitz an sie weiter gehen, der dann von meiner Bruder, bis zu ihrer Volljährigkeit, verwaltet wird.

Doch just in diesem Moment, sind es andere Gedanken die mich umtreiben und nur schwer Ruhe finden lassen. Oh Herr Phex, verzeih mir und meiner Familie für das was ich getan habe. Es klebt Blut an meinen Händen – Menschenblut. Der ungläubig erschrockene Blick des Magistraten Glombo Brohm, als ich ihm den kalten Stahl meines Dolches zwischen die Rippen schob, lässt mich nicht mehr los. Ich habe gegen eines deiner höchsten Gebote verstoßen, Herr der Schatten. Selbst und gerade wenn ich es scheinbar benötige, um an mein Ziel zu erlangen, so ist es uns als deinen Gläubigen – zurecht – untersagt den Weg des Blutes zu wählen. Es ist mir ein innigstes Bedürfnis und nur meine Natur an dieser Stelle mit dir nun über dein Urteil über mein Vergehen feilschen wo wollen. Bitte versteh: Niemals würde ich an dem Urteil des Herrn zweifeln, was wäre ich für ein armer Wurm wenn ich dies täte. Nein. Ich möchte nur alle Fakten in die Waagschale legen und sehen welche Seite mehr wiegt um am Ende einen gerechten Handel zu erhalten – ganz in deinem Sinne.

Ich schätzte Glombo, er war mir sogar fast schon ein Freund. Seine Familie stellt seit langer Zeit die Magistraten der Stadt und zu Friedenszeiten war er ein guter Vorsteher derselben. Er erließ Gesetze die den Handel florieren ließen, er ließ stets mit sich über Steuererlässe reden und war ein Mann der wusste wie man die Händler auf dem Markt zur Ruhe bringen kann. Ich erinnere mich noch heute sehr gut daran, wie er einst auf dem Marktplatz auf dem Tempelberg kam, während eines Streits zwischen den Bäckern und den Knochenhauern, welcher Platz ihnen zustehe – und allein seine ruhige Ausstrahlung und Anwesenheit genügte um die streitenden Parteien zu besänftigen. Doch nun ist er tot – sein Leben genommen durch die Hand eines Freundes. Tiefe Trauer berührt mich deswegen. Doch dem einen tragischen Leid folgte zugleich ein zweites. Auch sein Sohn, der taugenichts, aber dennoch ein Mensch, ward zugleich wegen meiner Verleumdungstirade von den Besatzern geköpft worden – das war nicht mein Ansinnen. Doch es lag nicht in meiner Macht es zu verhindern. So gesehen … ist es nicht nur eine, sondern gleich zwei Seelen deren Leben ich auf dem Gewissen habe.

War es ungerecht Glombo zu töten? Ja. War es falsch ihn und seinen Sohn zu Unrecht zu verleumden und des „Verrats“ am Usurpator zu beschuldigen? Ja. War es notwendig um diese Stadt von seiner Geißel zu befreien zu können? Ja. Werden durch mein Handeln nun weniger Menschen sterben und das unheilige Treiben welches die Orks auf dem Tempelberg anrichteten von mir verhindert werden? Ja und Ja! Glombo war ein guter Magistrat zu Friedenszeiten, doch ein miserabler zur Besatzungszeit. Ihr hättet ihn zu euch holen sollen, verehrte Götter, als Greifenfurt in die dreckigen Hände der Schwarzpelze fiel. So blieb mir nichts anderes übrig, als durch meine Hand ihm eure Gnade zuteilwerden zu lassen. Für sein Vergehen an der Stadt, seiner Aufgabe, sie vor Brandschatzern zu schützen und ihre Bevölkerung vor Tod und Elend zu bewahren, nicht nachgekommen zu sein. Denn hätten die Orks die Stadt nicht bezwungen, würden dutzende von Geweihte aller Gottheiten noch am Leben sein, der Praiostempel wäre nicht geschändet, die Rondraburg nicht geschliffen und unzählige Bewohner nicht Verletzt oder gar getötet worden.

Fälle hier dein Urteil, Herr Phex. Ich tat es nicht für mich, ich tat es die Stadt und alle seine Bewohner darin – und ist es nicht dein Gebot, dass wir nicht für uns morden sollen? Ich tat es nicht für persönlichen Reichtum, Macht oder Vorteil, Ich tat es für die Freiheit Greifenfurts, für meine Familie und aller anderer Menschen des Mittelreichs. Ich Maße es mir nicht ein Urteil über meine Seele zu fällen. Mir bleibt hoffentlich noch viel Zeit, bis ich vor dir trete und um mein Seelenwohl feilsche. Ich werde dafür Sorge tragen, dass die Brohms eine ordentliche Beisetzung bekommen, damit ihre Seelen deinem Gericht zugeführt werden können.

Nun zurück ans Werk, ich muss eine Stadt von einem Usurpator befreien und einen Widerstand ausheben.

Wenn die See ruft…

Dunkel war das Haus und still. Die einzigen Geräusche in der Nacht kamen vom Nieselregen, der gegen die Scheiben traf und vom Wind, der das Holz knarzen ließ. Delphinion lag wach in seinem Bett, seine Gedanken waren aufgewühlt wie die stürmische See. Der Zustand Greifenfurts hatte ihn sehr mitgenommen, immerhin waren alle Geweihten schrecklich niedergemetzelt worden. Der Streit am Abend mit Stordan hat ihm dann den Rest gegeben. Was soll er machen? Was sollen SIE machen? Wie soll das jemand wissen? Sie befinden sich in einer Situation, die es seit Göttergedenken nicht gab. Somit gab es auch keinerlei relevante Referenzen, was sie tun könnten. Eine schreckliche Situation.

Plötzlich steht Delphinion auf, nimmt seine spärlichen Sachen und begibt sich nach unten in die Küche. Es gibt nur einen, den er um Rat fragen kann: Seinen Herrn. Trotz seiner Unergründlichkeit die einzige Konstante seines Lebens. Nur mit seinem Speer, aber wieder mit seiner Robe geht er in den Innenhof und setzt sich im Regen auf den Rand des Brunnens.

„Zu uns hinauf, Astateon, sende Dein Sinnen, auf uns hinab senke Deine Gabe! Öffne Deine Pforten für eine Ahnung Deiner Gestade und sende Deinem göttlichen Diener einen Möwenschrei, auf das er wisse, wohin ihn die Strömung zu leiten vermag!“

Kaum hatte er die aurelianischen Worte zu sprechen beendet, als eine Möwe schreiend sich vor ihm nieder ließ und ihn mit stechenden Augen anblickte. Wie ein Blitz durchfuhr ihn der Blick und er sprang sofort auf, rannte in die Küche und holte seine Sachen. Als er in dem Türrahmen stand und in den Hof blickte, sah er die Möwe ruhig in der Luft schweben. Langsam drehte er sich um und ging wieder zum Küchentisch. Ganz ohne Nachricht konnte er nicht verschwinden und so nahm er Pergament und Tinte und schrieb nieder:

„Wenn die See ruft und die Möwe den Weg zeigt kann der Seemann nicht bleiben sondern muss den Anker lichten. Ahoi“

Als er wieder in den Hof trat schwebte die Möwe langsam über den Bretterzaun in die dunkle Gasse hinein. Ohne zu zögern schwang sich Delphinion über den Zaun hinterher und ging in die schwarze Nacht hinein…

Dokos-Eintrag vom 12. Phex 1012 BF

-was bisher geschah-

 

Am Tag nach des Mohas Tod war die Stimmung in der Gruppe angespannt. Daran konnte auch die ehrende Anwesenheit seiner Eminenz und Sartassas nichts ändern. Obwohl seine Eminenz interessante Neuigkeiten hatte. Mit dem Richtspruch gestern Abend brach der Großinquisitor den vorher verhandelten Vertrag um des Mohas Leben mit Leutnant Stordan. Und scheinbar ist Praios nicht ganz so allmächtig, denn der Fuchs vernichtete einen Vertrag zwischen dem Kaiserhaus und der Familie des Großinquisitors. Wir erfuhren zusätzlich noch, dass der Moha im Haupttempel vor der Statue des Götterfürsten vor den Augen seiner Eminenz starb. Für einen Wilden sehr ehrenvoll.

Wahrscheinlich um uns abzulenken habe wir die letzten beiden Tage außerhalb der Stadt des Lichts verbracht. Sartassa führte uns in den Reichsforst und brachte uns die Natur näher. Was nicht schwer ist, da sie uns allen sehr fern ist. Also mir zumindest die wäldliche Natur. Die wässrige ist durchaus mir nah. Nach einer doch ereignisarmen Nacht folgen wir am nächsten Morgen der von der Elfe gelegten Spur und ich entdecke sogar ihre Fallen, ohne dass wir in sie hineingeraten. Sartassa ist recht stolz auf uns – verdientermaßen wie ich finde.

Auf dem Rückweg nach Gareth erwischen wir zwei Bauern, wie sie einen Hirsch geschossen haben. Eigentlich steht darauf der Tod, aber wir – die wir demnächst Offiziere der KGIA sind – lassen Gnade vor Recht ergehen. Zu meiner Rechtfertigung will ich festhalten, dass ich mich  der Entscheidung des Leutnants lange widersetzt habe, aber ich habe mich dann spontan umentschieden. Wir Drei adligen Geblüts entschieden uns schlussendlich den Hirsch selber geschossen zu haben, ich entschädigte die beiden Bauern mit einem Dukaten. Der Wald entließ uns mit einem lachenden Fuchs und es wurde noch besser, da Frau Oberst von Seewiesen, die uns im kaiserlichen Palast empfing, den Hirsch ohne Strafzahlung abnahm. Praios scheint derzeit seine allsehenden Augen nicht auf uns zu richten. Vielleicht stimmt es, dass man am sichersten ist, wenn man sich möglichst dicht an der Gefahr aufhält.

Da wir erst zu Sonnenuntergang wieder in die Stadt des Lichts zurückkehren sollten, besuchte ich nochmals den Tempel des Herrn. Diesmal in Begleitung Lumins. Es war ein bemerkenswerter Besuch, denn er erzählte mir davon, dass er einen Gwen-Pertyl-Stein besitzt. Wie es sich gehört stritten wir über die theologische Bedeutung des heiligen Lichts, denn er behauptet, die Steine wären Teile Madas und aus ihr wären die ersten Magier entstanden. Verrückt! Aber wir einigten uns darauf, dass unsere Meinungen sich nicht völlig widersprachen. Ebenso verrückt! Nun sitze ich wieder in meinem noblen Gefängnis und warte auf die nächsten Lehrstunden am morgigen Tag. Fast freue ich mich schon auf die Reise nach Greifenfurt, so gefahrvoll sie sein wird. Aber alles ist dann doch besser als diese triste Stadt des Lichts.

Dokos-Eintrag vom 10. Phex 1012 BF

-was bisher geschah-

 

Heute zur Mittagsstunde fanden wir uns alle wie erwartet vor der Pforte des Lichts ein. Nur der Zwerg fehlte, er ist zurück in seine Heimat, um sein Volk für den Krieg zu rüsten und in jenen zu führen. Ich fragte mich, ob der Moha und Lumin die Begegnung mit dem Inquisitor überleben würden, Praioten haben ja teils extremistische Vorstellungen. Aber der Leutnant und ich haben ihnen die wichtigsten Regeln eingeschärft und wenn sie die einhalten, dann klappt das. Dachten wir. Jetzt wissen wir es zumindest teilweise besser.

Zu unserer allergrößten Überraschung empfing uns seine Eminenz persönlich im Haupttempel und kaum konnten wir uns ihm standesgemäß vorstellen redete er auch schon auf uns ein. Wir sind nun zusammen mit Oberst Sartassa und der jungen Dame Rontja – ein wunderhübsches Mädchen – Teil der Operation „Greifenschlag“. Wobei es falsch scheint zu sagen, dass wir ein Teil davon sind, ich glaube wir sind alles, was für dieses Niederhöllenkommando geopfert wird. Opfer sind wir, denn unsere Aufgabe ist es sich in das vom einem ORKHEER besetzte Greifenfurt durchzuschlagen und dort den Widerstand zu organisieren. Ich weiß zwar nicht, was fünf Personen groß ausrichten sollen, aber wer weiß, ob das überhaupt jemand weiß…

Für die nächsten Tage werden wir als „Gäste“ untergebracht, ich fühle mich eher wie ein besserer Gefangener, wir dürfen die Tempelanlagen nicht verlassen. Man muss der Inquisition lassen, dass sie sich grundlegende Gedanken über unsere Ogeraufgabe gemacht hat, immerhin bekommen wir mehrere Lehrmeister für Dinge wie Kriegskunst, Reiten, Überleben in der Wildnis und so weiter. Allerdings war die erste Lehrstunde die wasserloseste Ebbe meines Lebens. Meister Tankret, ein Mitglied der Vinsalter Oper, mag zwar ein Meister seines Fachs zu sein, aber wer verkleidet sich denn freiwillig? Das spannendste an dem Unterricht war der Besuch eines Bannstrahlers, der uns auf Oberst Marcian ansetzte, doch wir gingen nicht wirklich darauf ein. Wobei, ich vergaß die neue Redseeligkeit des Herrn von Spichbrecher. Sicherlich geschuldet dem Gespräch zwischen ihm und Rontja – seiner Nichte zweiten Grades oder so – dass sowohl Lumin, als auch ich belauschten, aber trotzdem. Er gab nun endlich preis, dass er Leiter eines Handelshausen mit mehreren Kontoren in ganz Aventurien ist. Und, dass seine Familie in Greifenfurt festsitzt. Der arme Mann, ich versteh ihn jetzt viel besser und kann ihn jetzt endlich gebührend respektieren. Ein Fakt, der ihn fürchterlich aufregte – so ganz verstanden habe ich den Mann immernochnicht.

Der heutige Tag endete tragisch für unsere Gruppe. Wir aßen grade ganz vorzüglich zu Abend, als unser Essenssaal von einer Gruppe Bannstrahler unter Führung seiner Eminenz und dem Großinquisitor Praiodan nahezu gestürmt wurde. Sie beschuldigten den Moha des Diebstahls – scheinbar zu recht. Es tut mir leid um ihn, aber wer einen solchen schwerwiegenden Frevel begeht muss brennen. Handelsmeister Stordan wollte noch verhandeln, doch der Moha machte durch eine spektakuläre Flucht alles zunichte. Wo er jetzt wohl ist? Ich fürchte es ist egal. Während ich diese Zeilen schreibe höre ich den Großinquisitor die große Richtspruch-Liturgie beten. Praios findet die Schuldigen überall.

Kann ich von einem Frevel des Götterfürsten sprechen, wenn mitten in der Nacht die Wolken meines Herrn weggeschoben werden, die Lichter des Fuchses verblassen, Mada sich wegdreht und der Güldene sein Urteil fällt? Nun, als Oberster Herr Alverans hat er jedes Recht dazu, doch eine gewisse Dreistigkeit lässt sich nicht leugnen. Nichtsdestotrotz werde ich innerhalb dieser Mauern meine Zunge zügeln.

Dokos-Eintrag vom 09. Phex 1012 BF

-was bisher geschah-

 

Ich weiß garnicht, wo ich anfangen soll. In der letzten Woche sind so viele verwirrende Dinge geschehen. Nach der Audienz bei Prinz Brin wurde uns für einige Tage frei gegeben. Erst am 5. Tag des Mondes sollten wir wieder in der Garnison antreten. Ich verbrachte die Tage mit meiner Sylvia, ich brachte ihr meinen Herrn durch einen Besuch des Tempels näher und bediente mich mit ihr und Lumin in den Geschäften der Stadt. Es ist erstaunlich schwer 100 Dukaten auszugeben. Ich habe Sylvia Schmuck zum Geschenk gemacht. Damit das Geldsäckel nicht so schwer wiegt und lange Finger anzieht haben wir uns in der Nordlandbank Wechsel ausstellen lassen. Wir haben alle das Gefühl, dass die Queste noch nicht am Ende ist.

Der Antritt in der Garnison war sehr kurz. Der Fähnrich-Leutnant, der Moha, Argobrax, Lumin und ich bekamen eine Einladung aus der Stadt des Lichts. Wobei, bekommt man von Ehrwürden Dexter Nemrod Einladungen, oder Befehle? Zumindest war für uns alle klar, dass wir wie gehießen morgen zur Mittagsstunde an der Pforte des Lichts stehen werden. Man widersetzt sich dem Götterfürsten nicht.

Bis dahin war ich weiter mit Sylvia zusammen. Und ich weiß nicht, ob ich einen Fehler beging… Meine Neugierde trieb mich dazu sie nach ihren Eltern zu fragen, sie wich aus. Allerdings setzte ich mich mit der Forderung eines Besuches ebenjener durch. Beziehungsweise ihres Vaters, die Mutter ist schon bei Boron. Ihr Elternhaus steht in einer ganz passablen Gegend, doch was mich im gemütlichen Wohnzimmer erwartete spottete jeder Schelmerei: Korporal Zoltan! Gut, ich habe derzeit den gleichen militärischen Rang und stehe gesellschaftlich über ihm, aber hätte das Weib nicht mal vorher erwähnen können, dass er ihr Vater ist!? So während der Ausbildung im Hippodrom zum Beispiel!? Garstiges Biest! Natürlich wusste er von den Stelldicheins zwischen ihr und mir und natürlich nahm er mir ein Traviabund-Versprechen ab, aber mir wird das grad zu viel.

Morgen trennen sich unsere Wege erst einmal, sie darf nicht mit in die Stadt des Lichts. Ich lasse mich überraschen, was der Oberinquisitor von uns will, werde mir Gedanken über all das machen und dann werde ich wohl oder übel eine Entscheidung bezüglich Sylvia treffen müssen. Hoffentlich nimmt mir Tsa diese Entscheidung nicht ab. Ich bin dann doch von zu hohem Stand, um mir einen Bastard leisten zu können. Zumindest einen Bastard, von dem ich weiß. Vielleicht gibt es in Rethis oder Havenna schon kleine Delphine – bei der Vorstellung muss selbst ich lachen.

Dokos-Eintrag vom 02. Phex 1012 BF

-was bisher geschah-

 

Was für ein Tag! Was für eine Nacht! Eine solch erlebnisreiche Patrouille hätte ich mir nicht in meinen kühnsten Albträumen ausmalen können. Wir wateten durch den Nebel, der über den Schlachtfeldern waberte, als wir um uns herum Bewegungen ausmachen konnten. Ein Schrecken durchfuhr uns! Er wurde noch größer, als wir bemerkten, dass wir von einer unendlichen Menge an kalten Alriks umgeben waren. Ich fühlte mich wie eine Sardelle umgeben von einem Schwarm Makrelen und entsprechend übermannte mich mein spezieller Überlebenstrieb – oder auch meine Ängste – je nach Sichtweise. Ich weiß nicht mehr, was dann geschah, aber ich erwachte aus einer boronischen Schwärze in den Armen Brennos und Armandos.

Wir befanden uns im Heerlager und ich wurde, so verwirrt wie ich noch war, in das Zelt seiner Ehrwürden Reichserzmarschall Helma Hafax zur Audienz gebeten. Ha, der Fähnrich würde vor Neid erblassen. Apropos erblassen, ich sollte von den Vorkommnissen auf der Patrouille berichten. Auch wenn ich nicht viel dazu sagen konnte wurde unser Haufen offiziell gelobt und mit Pferden ausgestattet. Wir sollten als Nachhut dem Prinzregenten in den Kampf folgen.

Als wir ihn erreichten war er grade von Orks umzingelt und neben ihn fanden wir auch den Rest unseres Haufens soweit wohlbehalten wieder. Schnell waren die Orks vernichtet und seine Hoheit und seine Spektabilität Saldor Foslarin gaben uns die Ehre, dass wir uns ihnen vorstellen durften. Der Herr Prinz war für die Verhältnisse und Umstände erstaunlich locker und formlos, ein Umstand, der zumindest mich irritierte, vielleicht den Fähnrich auch noch, aber er zeigte es zumindest nicht. Wir bekamen den Auftrag seine Spektabilität zu begleiten, um den schändlichen Orkschamanen zu eliminieren. Zu meinem Missfallen wurden wieder Flammen eingesetzt, doch waren sie wieder erfolgreich, ein Umstand an den ich mich wohl gewöhnen muss – vorerst. Der Moha holte sich noch den Kopf des Schamanen und dann begaben wir uns auf den Rückweg erst zum Prinzen, um Bericht zu erstatten, und dann mit ihm gemeinsam zurück zum Lager.

In unserem Zelt fand ich die genesenen Xasch und Sylvia, die ich gleich mit in die Taverne nahm, weil dort der ganze Haufen seinen Erfolg feiern wollte. Tat er auch, abgesehen vom Fähnrich, der mal wieder Streit suchte und uns verließ. Naja, auf ihn kann der Haufen auch am ehesten verzichten. Außer seinen ganz passablen Kampfkünsten bietet er uns nur Ärger. Wie es sich für diesen Griesgram gehört weckte er uns am nächsten Morgen sehr unfreundlich. Wir hatten den Befehl bekommen nach Gareth zu gehen und in der Garnison vorstellig zu werden. Also brachten wir alle unsere Sachen auf Vordermann. Dabei half uns Dero sehr, der uns in die Geheimnisse seines Wasch-und-Bügel-Steins einweihte. ein Geschenk seiner Waisenhausmutter. Sehr hilfreich!

In Gareth zogen wir ersteinmal wieder aller Aufmerksamkeit auf uns, als der Moha die Garnison erklomm und auf dem Tor einen Speer mit dem Kopf des Schamanen aufstellte. Im Innenhof wurden wir mit großen militärischen Ehren empfangen, seine Hoheit Prinz Brin persönlich wandte sich mit lobenden Worten an uns. Er erhob uns alle in den Rang von Korporälen, nur den Fähnrich sogar in den Rang eines Leutnant. Zum Schluss bekam jeder von uns noch 100 Dukaten aus der persönlichen Schatulle des Prinzen, was für ein schönes Sümmchen. Der Moha benahm sich wiederholt daneben, aber ich habe den verdacht, dass seine Hoheit seinen Spaß daran hat, sonst wäre der Moha schon längst tot.

Den Abend ließen wir gemütlich im Badehaus Bellona ausklingen, ich gönnte mir mit meiner Sylvia ein gemütliches Separeé. Wir müssen uns erst in drei Tagen wieder in der Garnison melden, bis dahin haben wir so etwas wie Urlaub.