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Parallel dazu – eine Geschichte der Geschicke I

— als Malzan Daske —

Ab 21. Travia 1026 n. BF

Ungesehen verschwindet er in der khunchomer Menschenmenge. Seine Kameraden Jane Peddersen, Sieghelm von Spichbrecher, Delia und Nehazet ibn Tulachim lässt er sich zusammensammelnd am Hafen zurück. Er sieht sich nicht um. Keine Träne des Abschieds verlässt seine starren Augen. “Nein Leute. Es ist zu gefährlich für euch mit mir gesehen zu werden. Ihr seid tapfere und aufrechte Frauen und Männer. Ihr verdient die Unbescholtenheit. Ich habe Großes vor und ihr währt nur eine Last für mich. Euer Gerechtigkeitswahn gereicht Praios zur Ehre. Ich aber bediene mich Phexens Pfaden.“ denkt er sich während er zum nächstbesten Gasthaus schlendert.

Zum Drachentöter. Eine recht heruntergekommene Spelunke direkt am Hafen. Der Wirt Tuluf ibn Taref schenkt ihm auf Anfrage ein Garetisches Helles ein. Provokativ stellt er sich mit seinem Bier mit dem Rücken zum Tresen und begutachtet das Gesindel. Bereit jederzeit seinen Dolch zu ziehen, ein paar Kehlen durchzuschneiden und zu verschwinden, sollte ihm einer ungemütlich werden. Er hält Ausschau nach passendem Material. Einer unterbelichteten Kontaktperson zum Khunchomer Untergrund. Und er findet einen, der von den anderen mit Jamarl angesprochen wird. Sie reden über belanglose Angelegenheiten, wie die Brüste der Frauen auf dem Markt, die geradezu zum Stehlen einladen, und spielen irgendein Kartenspiel. Er bestellt noch ein Bier und wartet ab. Vom Wirt weiß er, dass die Männer oft hier herkommen, um ihren „Verdienst“ zu versaufen. Harmlose Strolche nennt er sie. Interessant.

Malzan drückt Tuluf einige Münzen in die Hand und geht auf sein Zimmer ein Stockwerk höher und überdenkt seine Situation. Sein tulamidisch ist sehr schlecht. Er nimmt sich vor, es zunächst so schnell wie möglich zu verbessern, um hier zu Recht zu finden. Er verbringt die nächsten Tage damit sich in der Stadt und vor allem auf dem Basar umzuschauen und alle Eindrücke aufzunehmen, Gassen zu erkunden und nach Nützlichem Ausschau zu halten. Bei einer guten Gelegenheit stielt er zur Stadt passende unauffällige Kleidung. Dank seiner herausragenden Anpassungsfähigkeiten gelingt es ihm schnell sich zu Recht zu finden.

Irgendwann wagt er sich an den Münzhändler, den er bereits vor einigen Tagen ausgemacht hat. Er möchte die Münzen aus der Krypta versilbern oder besser gesagt, vergolden. Ärgerlich ist, dass bereits Fräulein Peddersen da war und ihre geschenkten Münzen verkauft hat, sodass Malzan nur noch einen Bruchteil des ehemaligen Wertes annehmen muss. “Argh! So viel Mühe umsonst, ich hätte sie ihr stehlen sollen!“ flucht er innerlich. Aber dennoch kann er seine Barschaft erheblich aufbessern. Nicht, dass es ihm irgendwie an etwas mangeln würde. Aber so kann er seiner zweitliebsten Beschäftigung nachgehen: Geld ausgeben! Er spendiert Lokalrunden in verschiedenen Tavernen, kauft sich wertvolle Duftöle und Speisen, nimmt die Dienste der exklusiven Freudenhäuser in Anspruch und spendet den Bedürftigen. Als sich seine Barschaft langsam dem Ende neigt, beschließt er Jamarl in gebrochenen tulamidisch anzusprechen und seine Dienste anzubieten. Überzeugen konnte er ihn, als er ihm eröffnete, dass er wisse, wo sich ihr Versteck befindet, zu dem sie in der Nacht trunken torkeln. Dass er sie nicht verraten habe, sei Beweis genug für seine … Gesinnung. Misstrauisch, aber zufriedengestellt, darf er die Bande begleiten.

Als sie in dem Versteck ankommen bemerkt er schnell, dass zwei Gefangene vor Ort sind. Für sie soll Lösegeld erpresst werden, das am nächsten Tag bezahlt würde. Um die Aktion nicht zu gefährden, wird Malzan, der sich inzwischen Hanert Groti nennt, angewiesen doch im Schlafsaal zu warten, bis die Sache beendet ist. Am Abend des nächsten Tages streiten sich die Strolche gerade über die Verteilung der Beute, als die Geräusche abrupt verstummen. Alarmiert schaut er aus dem Schlafsaal und findet seine neuen Kameraden erstarrt im Hauptraum stehen. Vom Südeingang hört er Geräusche und zögert keine Sekunde. “Tut mir Leid Leute, Phex sei euch hold.“ Und schleicht am Rande der Wand entlang zum anderen Ausgang. Keinen Augenblick zu früh, denn sogleich betritt eine wohlbekannte Gruppe von Helden den Hauptraum und überwältigt die Schurken. Malzan hat genug gesehen und verschwindet aus der Kanalisation.

Nach diesem Fiasko entscheidet er sich, seine Vorgehensweise zu ändern. Zunächst sucht er sich ein geeignetes Versteck. Er muss lange danach suchen. Ganz Khunchom scheint bereits belegt zu sein. Das anhaltende Gauklerfest mit seinen vielen Feiernden erschwert die Suche nach einem geeigneten leeren Platz zusätzlich. Doch er wird schließlich fündig und richtet sich ein. Von nun an unternimmt er kleinere Raubzüge am Tage, indem er in der Menschenmenge die Kaufleute bestielt. Nebenbei holt er weitere Erkundungen ein, die er nutzt, um nachts in Villen und Anwesen einzubrechen und kostbare Gegenstände zu rauben. Normalerweise nimmt er lediglich, was er zum Leben benötigt, aber er sucht die Herausforderung und einen Sinn in seinem Leben. Ewig wird er sich hier sowieso nicht aufhalten. Er hat noch mehrere offene Rechnungen in Gareth zu begleichen. Doch dafür muss er noch viel trainieren und das tut er.

Die geraubten Wertgegenstände verbirgt er einige Tage lang in seinem Versteck und bringt sie anschließend zurück zu ihren Besitzern. Das beschert ihm innerhalb kürzester Zeit einen gemischten Ruf in ganz Khunchom überall wird über den mysteriösen Dieb gesprochen. Er selbst schürt bei seinen Einkäufen die Gerüchte noch zusätzlich. Sowohl Stadtgarde als auch Untergrund sind auf der Suche nach ihm, um ihn entweder zu verhaften oder zu Diensten zu machen. Malzan genießt das gefährliche Spiel. Bis eines Tages etwas Unerwartetes geschah.

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