{"id":8971,"date":"2022-02-18T15:00:00","date_gmt":"2022-02-18T14:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8971"},"modified":"2022-02-15T13:48:32","modified_gmt":"2022-02-15T12:48:32","slug":"teil-vi-die-sehnsucht-nach-geborgenheit-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8971","title":{"rendered":"Teil VI \u2013 Die Sehnsucht nach Geborgenheit (3)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Kerker-e1606724800506.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Kerker-e1606724800506.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8728\" width=\"807\" height=\"241\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Kerker-e1606724800506.jpg 612w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Kerker-e1606724800506-300x90.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 807px) 100vw, 807px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Im Kerker von Burg Rabenmund &#8211; 22. Peraine, 34 nach Hal \u2013 In der Nacht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8598\" width=\"155\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png 683w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1-213x300.png 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 155px) 100vw, 155px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\" style=\"font-style:normal;font-weight:500\">Stille war in den Kerker eingekehrt, doch ob das ein gutes Zeichen war, vermochte Kalkarib nicht einzusch\u00e4tzen. Kein Laut drang zu ihnen, nachdem sie Belzora an seiner statt geholt hatten. Vielleicht war sie wirklich so stark wie sie aussah, oder vielleicht war ihr Geist sogar noch st\u00e4rker. Zumindest redete der W\u00fcstensohn sich das ein, denn an etwas anderes wollte und konnte er einfach nicht glauben. Sie hatte sich, um ihn zu retten, nach vorne gest\u00fcrzt und so ihr eigenes Schicksal besiegelt. Sp\u00e4testens jetzt befahl ihm seine Ehre, dass er in ihrer Schuld stand. Doch eins nach dem anderen. Im Moment stand er zusammen mit den anderen Insassen, die allesamt so sehr stanken, dass er das Gef\u00fchl hatte, inmitten eines Dunghaufens zu stehen, direkt vor der Zellent\u00fcr, an der sich der Scharlatan Radromir gerade zu schaffen machte. Zuvor hatten sie an ebendieser gelauscht, um sicher zu gehen, dass die Wache gerade nicht auf ihrem Platz war. Es gab also ein kleines Zeitfenster, an dem sie etwas lauter sein konnten. <em>\u201eJetzt mach schon\u201c,<\/em> zischte jemand ungeduldig. <em>\u201eWas dauert denn da so lange?\u201c<\/em>, sagte eine andere Stimme. <em>\u201ePscht!\u201c<\/em>, zischte es von vorne zur\u00fcck. Der langhaarige Radromir, in dessen braunen und welligen Haaren ganz viel Stroh steckte, fuhr mit finsterem Blick herum. <em>\u201eSo geht das nicht\u201c,<\/em> intonierte er melodramatisch und machte eine Geste mit den H\u00e4nden die so aussah, als w\u00fcrde er etwas zerbrechliches in den H\u00e4nden h\u00e4lten. <em>\u201eIch brauche daf\u00fcr \u2026 Ruhe, ja? Und ein wenig Zeit.\u201c <\/em>Er drehte sich wieder zur T\u00fcr, w\u00e4hrend einige der anderen nur mit den Augen rollten oder ungeduldig ihr Gewicht von einem auf das andere Bein verlagerten. Wieder vergingen einige Momente. Kalkarib blickte angespannt zwischen den umstehenden Mitinsassen umher, die ihm allesamt einen respektvollen Abstand gaben: Links neben ihm stand \u201aHalbhand\u2018, der \u2013 wie sich sp\u00e4ter herausstellte &#8211; eigentlich Tharsonius hie\u00df, weshalb Kalkarib ihn weiterhin gedanklich als \u201aHalbhand\u2018 in Erinnerung behielt, da er sich den Namen nicht h\u00e4tte merken k\u00f6nnen. Dieser kannte die Burg, den Weg zur Waffenkammer und den vermeidlichen Fluchtunnel, von dem er den anderen nicht erz\u00e4hlen wollte. \u201aZu meiner eigenen Sicherheit\u2018, sagte er und Kalkarib konnte in anbetracht der anderen Insassen sehr gut nachvollziehen, wieso er damit hinter dem Berg hielt. An seiner Stelle w\u00fcrde er sich wohl genauso verhalten, immerhin wurde er so zu einer taktisch besch\u00fctzenswerten Person. Zu seiner rechten stand Yaqi, ein junges und hageres, aber nicht minder muskul\u00f6ses Weib mit sehr kurzen Haaren und Hautbildern mit Schlangenmotiven auf beiden Kopfseiten, die, als Kalkarib vorhin nach Belzoras Entf\u00fcrung das Wort erhob, die erste war, die ihn unterst\u00fctzte. \u201aLasst ihn ausreden!\u2018, fauchte sie mit einer so garstigen Bestimmtheit, dass man glaubte, ein Fluch k\u00e4me \u00fcber jeden, der es wagen w\u00fcrde, ihr zu widersprechen. Denn kurz nach Belzoras Entf\u00fchrung war es Kalkarib, der das Wort ergriff, um die Tobrier dazu zu bringen jetzt nicht zu verzagen und an Belzoras Plan festzuhalten. Doch hatte er nicht damit gerechnet, dass es selbst hier, im Kerker auf Burg Rabenmund, soetwas wie eine Hierarchie, oder sollte man besser sagen \u201aHackordnung\u2018, gab. Er wurde n\u00e4mlich j\u00e4h von einem \u00e4lteren Mann unterbrochen, sein Name war Karmold, der Kalkaribs Autorit\u00e4t sofort in Frage stellte. \u201aWas glaubst du wohl wer du bist, Novadi! Es ist niemand mehr da, der dich besch\u00fctzt!\u2018 Das waren seine Worte, als er aufstand und sich vor ihm aufbaute. Auch wenn er Schmerzen im Bein hatte, so stellte sich Kalkarib ihm gegen\u00fcber, um ihn die Stirn zu bieten. Zu seinem Gl\u00fccke war da Yaqi, die genau in diesem Moment dazwischen ging, denn ohne seine Waffen und in seinem Zustand, w\u00e4re er dem offensichtlichen kriegsgestandenen alten Mann unterlegen gewesen. Kalkarib bestand darauf, den Plan weiter auszuf\u00fchren und Belzora aus der hochnotpeinlichen Befragung zu befreien, in der sie sich ohne Zweifel befand und dass er und die andere es ihr schuldeten. Es war ihr einziger Weg in die Freiheit und nur eine Frage der Zeit, bis der Knabe jeden hier einen nach dem anderen rausgeholt haben w\u00fcrde. Jeder sollte sich also die Frage stellen, ob er bereit war, sich heute seine Freiheit wieder zu holen oder ob er lieber hier auf Burg Rabenmund sterben wollte. <em>\u201eUnd was macht dich zum neuen Anf\u00fchrer?\u201c,<\/em> wollte der grauhaarige Karmold wissen und schob dabei provizierend das Kinn nach vorne. Kalkarib dachte zuerst an Sieghelm, doch ihm wurde schnell genug bewusst, dass er ihn nicht als Argument benutzen konnte. Er kramte in seinen Gedanken nach einem anderen Argument, irgendetwas, das er diesen verzweifelten M\u00e4nnern und Frauen anbieten konnte, das sie davon \u00fcberzeugen w\u00fcrde, ihm zu folgen. So sehr er sich auch anstrengte, ihm fiel auf die Schnelle nichts ein. Er brachte daher nur ein abgehacktes \u201aWeil \u2026\u2018 heraus. Der alte Karmold nutze Kalkaribs Moment der Unsicherheit, wandte sich an die Zelleninsassen und posaunte \u00fcberheblich heraus: &#8218;Seht ihr! Er wei\u00df es nicht. Lasst uns also nichts \u00fcberst\u00fcrzen und die Situation neu bewerten.&#8216; Kalkarib sah, wie einige der Insassen nickten und andere unsicher zwischem ihm und seinem Herausforderer hin- und her schauten. Er konnte ihn unm\u00f6glich angreifen, Karmold war zwar ebenfalls in einem heruntergekommenen Zustand, doch sein sehniger K\u00f6rper und die vielen Narben erweckten den Eindruck, dass er sich auch schon so manch nachteiliger Situation befreien konnte. Eine k\u00f6rperliche Konfrontation war f\u00fcr den W\u00fcstensohn daher im Moment ausgeschlossen, was ihn w\u00fctend werden lie\u00df. W\u00fctend dar\u00fcber, wie er \u00fcberhaupt in diese Situation geraten war, w\u00fctend \u00fcber die L\u00fcge, die er hier im Kerker leben musste und dass ihm nicht einmal die Wahrheit vor schlimmeren bewahren konnte. Mit geballten F\u00e4usten machte er einen Schritt nach vorne, heran an Karmold, der sich seines Sieges schon sicher war und sich wegen Kalkaribs Herantreten nun erneut aufbaute. ,Weil \u2026&#8216; setzte der Novadi erneut an, wobei dieses Mal viel mehr Tiefe in seiner Stimme lag. Er fixierte seinen Kontrahenten, er sp\u00fcrte wie die hei\u00dfspornige Wut in ihm hochkochte und er alle Kraft aufwenden musste, um nicht unkontrolliert auf ihn loszugehen. Er h\u00f6rte sich die folgenden Worte sagen, war sich jedoch nicht seiner Erscheinung dabei bewusst, die alle anderen in dieser Kerkerzelle wahrnahmen. Seine braunen Augen wurden schlagartig zu roten Feuerb\u00e4llen und eine Brust schwoll an und glomm von innen heraus wie ein hei\u00dfer Kohlenofen, als er sagte: &#8218;Der Alleinige ist mein Zeuge &#8211; Weil du es bereuen w\u00fcrdest dich mit mir angelegt zu haben, so wahr ich hier stehe stehe.&#8216; Kalkarib war hei\u00df, er sp\u00fcrte wie sein Blut in ihm kochte und sein K\u00f6rper pulsierte, als er dies sagte. Es f\u00fchlte sich an, als w\u00e4re er ein Fass, das bis zum \u00dcberlauf gef\u00fcllt war mit kochendem Wasser. Nur ein kleiner Tropfen w\u00fcrde gen\u00fcgen, um es zum Bersten zu bringen. Doch entgegen Kalkaribs Erwartung, bekam Karmold gro\u00dfe, furchterf\u00fcllte Augen, legte seine H\u00e4nde sch\u00fctzend vor sein Gesicht und nahm eine unterw\u00fcrfige Haltung ein. &#8218;Ganz ruhig, ganz ruhig&#8216;, begann er wimmernd, was das Gem\u00fct des W\u00fcstensohns ein wenig abk\u00fchlte. Seine gl\u00fchende Brust verglomm, als er die beschwichtigenden Worte seines Kontrahenten vernahm. &#8218;Wir m\u00fcssen es ja nicht gleich \u00fcberst\u00fcrzen. Vielleicht sollten wir, \u00e4hm, an Belzoras Plan festhalte<em>n.&#8216; <\/em>&#8218;Ja, genau das werden wir tun&#8216;<em>, <\/em>sprach Kalkarib, dessen rotgl\u00fchenden Feuerb\u00e4lle sich wieder zu braunen Augen normalisierten. &#8218;Und wir werden sie nicht nur retten, sondern auch sicher hier rauskommen.&#8216; Seit diesem Moment wagte es niemand mehr etwas gegen Kalkarib zu sagen. Er selbst hatte es nicht mitbekommen, wie sein innerstes Geheimnis kurz davor war aus ihm herauszubrechen, doch das Spektakel entfaltete sofort seine Wirkung und seit diesem Moment gaben alle Mitinsassen ihm ein kleines bisschen mehr geb\u00fchrenden Abstand als zuvor. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\" style=\"font-style:normal;font-weight:500\">Ein kaum h\u00f6rbares metallisches Klicken war zu vernehmen. Radromir drehte sich mit einem verschmitzen L\u00e4cheln um und nickte. <em>\u201eEs ist offen\u201c, <\/em>fl\u00fcsterte er und trat sofort beiseite. Er war zwar derjenige, der die T\u00fcr \u00f6ffnen konnte, aber gewiss nicht der, der zuerst hindurch durchtreten w\u00fcrde. Das \u00fcberlie\u00df er lieber jemand anderen. Doch niemand machte die anstalten die Zellent\u00fcr zu \u00f6ffnen, stattdessen schauten die Insassen nur nerv\u00f6s hin und her und bald schon wurde Kalkarib mit mehreren auffordernden und hoffnungsvollen Blicken belegt. Ehe er realisieren konnte, was gerade geschah, schob sich auch schon der grauhaarige Karmold nach vorne zur T\u00fcr durch. <em>\u201eIch gehe zuerst\u201c, <\/em>sagte dieser, was Kalkarib recht war. Der grauhaarige Tobrier dr\u00fcckte vorsichtig die T\u00fcr auf, dahinter lag ein schmaler Gang, der nach links und rechts abging und nur von schwachem Fackelschein erleuchtet wurde. Zaghaft folgten ein paar der Mitinsassen. Karmold wandte sich an Halbhand und erkundigte sich nach dem Weg. Dieser sah sich suchend um und nach einem kurzen Augenblick deutete er selbstsicher in eine Richtung. Es war ein seltsames Schauspiel, das sich in den nassfeuchten Kerkermauern abspielte. \u00dcber ein dutzend M\u00e4nner und Frauen, ausgemergelt und am Rande der Ersch\u00f6pfung, gezeichnet durch Mangelern\u00e4hrung und schlechter Unterbringung, versuchten mehr schlecht als recht auf abgetreten Stiefeln oder gar barfu\u00df so leise wie m\u00f6glich durch einen schmalen Gang zu schleichen. W\u00e4hrend sich der ein oder andere recht geschickt dabei anstellte, sich duckte, klein machte oder sich, soweit es m\u00f6glich war, im Schatten aufhielt, gab es andere, die sich fast schon \u00fcbertrieben aufrecht und ganz und gar nicht lautlos fortbewegten. Kalkarib geh\u00f6rte eher zur ersten Gruppe, wobei sein verletztes Bein es ihm immernoch etwas schwer machte. Aus reiner Verzweiflung und in Ermangelung besserer Alternativen, entschied sich Yaqi, die junge Tobrierin mit den Hautbildern auf dem Kopf, dazu, den h\u00f6lzernen Schemel der Wache als improvisierte Waffe mitzunehmen, was Kalkarib mit einer Mischung aus Grinsen und anerkennendem Nicken quittierte. Zwei Abzweigungen und eine Wendeltreppe, die sie nach oben f\u00fchrte, sp\u00e4ter, erreichten sie die vermeidliche Waffenkammer. <em>\u201eDa vorne ist sie\u201c<\/em>, fl\u00fcsterte Halband, zeigte mit zwei Fingern auf eine T\u00fcr und zuckte dabei unkontrolliert mit dem Augenlid. Doch die T\u00fcr wurde bewacht, an einem Tisch sa\u00dfen zwei Wachen in schwarzwei\u00dfen Rabenmund-Wappenr\u00f6cken und spielten gelangweilt miteinander Karten. Von ihrer Position aus mussten sie mindestens f\u00fcnf Schritt bis zu ihnen \u00fcberbr\u00fccken, was den Wachen \u2013 selbst, wenn sie \u00fcberrascht waren \u2013 genug Zeit gab, auf ihr Anst\u00fcrmen zu reagieren. Sofort machte sich Zweifel breit und Kalkarib h\u00f6rte wie die Leute hinter ihm entmutigt miteinander fl\u00fcsterten, wie sie dies blo\u00df bewerkstelligen sollten. Kalkarib musste etwas unternehmen, ehe die Leute begannen, etwas Dummes zutun. Er packte Karmold an der Schulter und bekam dadurch seine Aufmerksamkeit. <em>\u201eDu \u00fcbernimmst die rechte, ich den linken.\u201c <\/em>Kaum hatte er es ausgesprochen, warf Karmold einen ungl\u00e4ubigen Blick zu den Wachen. <em>\u201eHat dich der Namenlose geritten, Novadi? Wir zwei gegen die?\u201c, <\/em>zischteder gealterte K\u00e4mpfer ungl\u00e4ubig und deutete bei sich selbst an die Stelle, an der normalerweise eine Waffe hing. <em>\u201eMit einer Waffe, kein Problem, aber so \u2026 vergiss es\u201c<\/em>, schob er noch hinterher und sch\u00fcttelte den Kopf. <em>\u201eOhne mich\u201c, <\/em>sagte Karmold<em>. \u201eDann mach ich es.\u201c <\/em>Kalkarib blickte zu der Stimme, die zu Yaqi geh\u00f6rte, die ihren h\u00f6lzernen Wachschemel schon kampfbereit in den H\u00e4nden hielt. Karmold machte bereitwillig f\u00fcr Yaqi Platz, die an seiner statt nach vorne trat. <em>\u201eGut, dann wir\u201c, <\/em>entschied Kalkarib mit einen Blick auf den Schemel. Auch wenn ein bisschen Wahnsinn in den Augen der jungen Frau lag, so kam es ihm gerade nur mehr als recht. <em>\u201eIch werde sie ablenken. Du kommst dann nach, sobald sie dir den R\u00fccken zugedreht haben\u201c, <\/em>befahl er im Novadi-Akzent und wartete ihr best\u00e4tigendes Nicken ab. Er atmete ein letztes Mal tief durch und trat dann aufrecht aus dem Schatten zu den Wachen heran. <em>\u201eSalamaleikum, meine Freunde!\u201c, <\/em>sagte er in seinem besten Garethi und streckte dabei seine Arme ganz weit aus. <em>\u201eEure G\u00f6tter haben uns eine wundervoll k\u00fchle Nacht geschenkt, bei der selbst Rastullah neidig werden w\u00fcrde\u201c, <\/em>fuhr er fort und trat dabei Schritt f\u00fcr Schritt n\u00e4her an die Waffenkammer heran. Die Wachen, eine Frau mit langem braunem Zopf und ein Mann mit ledriger Haut und einem dichten, zotteligen Bart, hatten sich inzwischen erhoben und ihre H\u00e4nde an ihre Streitk\u00f6lben gelegt. <em>\u201eIch danke Rondra daf\u00fcr, dass euer Herr mir meine Freiheit geschenkt hat, gepriesen sei die Weisheit das Hauses Rabenmund!\u201c <\/em>Inzwischen hatten sich die beiden Wachen direkt vor die Waffenkammert\u00fcr gestellt und Kalkarib stand genau vor Ihnen, was aufgrund des Winkels der T\u00fcr zu dem Gang, in dem die Tobrier warteten, dazu f\u00fchrte, dass sie jetzt mit dem R\u00fccken zum Gang standen. <em>\u201eW-Wer bist du?\u201c, <\/em>platze es aus der Wache heraus. <em>\u201eWer ich bin?\u201c, <\/em>entfuhr es Kalkarib mit gespielt h\u00f6chster Emp\u00f6rtheit. <em>\u201eIch bin die Spektabilit\u00e4t der geheimen W\u00fcstentruppen der Magierakdemie zu Punin\u201c<\/em>, improvisierte er, vollf\u00fchrte dabei eine ausladene Geste und hoffte, dass Yaqi jeden Moment den Holzschemel \u00fcber den Kopf der Wache ziehen w\u00fcrde. <em>\u201eGeheime W\u00fcstentruppen? Was f\u00fcr W\u00fcstentruppen?\u201c, <\/em>hakte die Wache nach und strich sich nachdenklich mit der Hand durch seinen Bart. <em>\u201eDie des \u2026. Kalifen Malkillah, im Auftrag von Bey Nehazet ibn Tulachim.\u201c <\/em>Kalkarib sah, wie seine fl\u00fcchtig improvisierte Scharade so langsam einzust\u00fcrzen drohte, weshalb er ins Schwitzen geriet, denn lange w\u00fcrde er die Wachen nicht mehr hinhalten k\u00f6nnen. <em>\u201eBey Nehazet? Von dem habe ich schon mal geh\u00f6rt\u201c, <\/em>sagte die Frau und wirkte ernsthaft interessiert. <em>\u201eIst das nicht der Prophet der \u2026\u201c<\/em> KNACK! Die Frau wurde j\u00e4h von einem h\u00f6lzernen Schemel unterbrochen, der mit hoher Geschwindigkeit auf ihrem Hinterkopf aufschlug und sie auf der Stelle nicht nur zu Boden, sondern auch aus ihrem Satzbau schleuderte. Hinter ihr kam die breit grinsende Yaqi zum Vorschein. Kalkarib, der nur f\u00fcr einen kurzen Moment abgelenkt war, packte den langen Stil des Streitkolbens vom Wachmann und dr\u00fcckte mit aller Kraft dessen metallenen Kopf in Richtung des anderen fleischlichen. Noch ehe die Rabenmunder Wache seine Muskeln anspannen und seine Niederlage damit verhindern konnte, traf das Spitze des Streitkolbens seine Stirn, woraufhin er ohne Umschweife mit einer blutigen Wunde zu Boden sackte. Beide Wachen waren ausgeschaltet und ein Alarm schien ausgeblieben zu sein. <em>\u201eWas hast du so lange gemacht?\u201c<\/em>, erkundigte sich Kalkarib nerv\u00f6s bei Yaqi. <em>\u201eIch war mir nicht ganz sicher auf welcher Seite du bist\u201c<\/em>,entgegnete die kahlk\u00f6pfige Frau und brach in ein unterdr\u00fccktes Kichern aus. Kalkarib, der mit dieser Reaktion nicht so recht umzugehen wusste, entschied sich ebenfalls zu einem schwachen Grinsen, manchmal war es besser einfach nicht nachzufragen. Karmold und Yaqi nahmen die Streitk\u00f6lben der Wachen ansich, w\u00e4hrend die anderen sie nach anderen Kurzwaffen und M\u00fcnzen absuchten. Kalkarib winkte Radromir heran, denn mit Sicherheit war die Waffenkommen ebenfalls abgeschlossen. Dieser h\u00fcpfte angewidert \u00fcber die bet\u00e4ubten Wachen und machte sich sofort am Schloss zu schaffen. <em>\u201eGebt mir einen Moment der Ruhe, ja?\u201c<\/em>, sagte er noch und blickte die direkt bei ihm stehenden Yaqi und Kalkarib lange an. <em>\u201eIch kann nicht wenn jemand guckt\u201c<\/em>, schob er noch hinterher und wirkte dabei wie ein kleines Kind, das soeben aus Versehen die Lieblingsvase ihrer Mutter kaputt gemacht hatte und reum\u00fcrig um Vergebung bat. Mit einem synchon langen Ausatmen drehten sich Kalkarib und Yaqi um und blickten demonstrativ in andere Richtungen. W\u00e4re die Situation, in der sie sich befanden, nicht so lebensbedrohlich gewesen, w\u00e4re sie absurd genug, um daraus eine Szene f\u00fcr ein B\u00fchnenst\u00fcck auf den Schauspielb\u00fchnen Havenas zu machen. Kurze Zeit sp\u00e4ter war auch diese T\u00fcr ge\u00f6ffnet und tats\u00e4chlich, sie hatten die Waffenkammer gefunden, welche jedoch entgegen ihrer Erwartung sehr leer war. Dann wurde ihnen bewusst, dass ja ein gro\u00dfteil der Besatzung der Burg momentan nicht hier war und sie daher nur noch wenig Ausr\u00fcstung hier hatten. Doch der sp\u00e4rliche Rest gen\u00fcgte, um sie trotzdem alle zu bewaffnen. Kalkarib f\u00fchlte sich f\u00fcr einen kurzen Augenblick lang sehr gl\u00fccklich, als er unter einem grob gewebten Tuch seinen S\u00e4bel wiederfand. Auch, wenn es ihm nicht unbedingt den Erfolg sicherte, aber er war der Freiheit damit ein St\u00fcck n\u00e4her ger\u00fcckt und hatte sein Schicksal nun wieder in seinen eigenen H\u00e4nden, zumindest f\u00fchlte es sich f\u00fcr ihn so an. <em>\u201eSo, auf geht\u2019s, holen wir Belzora und dann verschwinden wir von dieser Burg\u201c<\/em>, waren seine Worte, als er mit seinem Khunchomer die Waffenkammer verlie\u00df und vor sich einen kleinen Haufen Tobrier vorfand, die nicht nur bewaffnet, sondern auch noch in h\u00f6chsten Ma\u00dfen bereit waren ihm und seinem Befehl zu folgen. Er verschwendete keinen Gedanken daran, dass er gerade zum Anf\u00fchrer eines verfeindeten Trupps geworden war, der eine verfeindete Gefangene befreien wollte und bereit war, daf\u00fcr verb\u00fcndete Streitkr\u00e4fte zu t\u00f6ten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Kerker von Burg Rabenmund &#8211; 22. 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