{"id":8964,"date":"2022-02-12T20:56:36","date_gmt":"2022-02-12T19:56:36","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8964"},"modified":"2022-02-12T20:58:42","modified_gmt":"2022-02-12T19:58:42","slug":"teil-vi-die-sehnsucht-nach-geborgenheit-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8964","title":{"rendered":"Teil VI \u2013 Die Sehnsucht nach Geborgenheit (2)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Kerker-e1606724800506.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Kerker-e1606724800506.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8728\" width=\"738\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Kerker-e1606724800506.jpg 612w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Kerker-e1606724800506-300x90.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Im Kerker von Burg Rabenmund &#8211; 22. Peraine, 34 nach Hal \u2013 Gegen Mittag<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8598\" width=\"133\" height=\"187\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png 683w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1-213x300.png 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 133px) 85vw, 133px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Belzora3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Belzora3-819x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8755\" width=\"161\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Belzora3-819x1024.png 819w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Belzora3-240x300.png 240w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Belzora3-768x960.png 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Belzora3.png 1638w\" sizes=\"auto, (max-width: 161px) 85vw, 161px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Kalkarib musste den ganzen Tag im Kerker von Burg Rabenmund an Belzoras Worte denken: <em>Heute Nacht werden wir fliehen<\/em>. Immer wieder testete er sein verletztes Bein, spannte es an, drehte es und stie\u00df es vorsichtig gegen die Wand, um herauszufinden, wie belastbar es war. Die Verb\u00e4nde mussten zwar dringend gewechselt werden, doch Adellindes Wundversorgung schien wirklich hervorragend zu sein, auch wenn er den Schmerz noch sp\u00fcrte, so w\u00fcrde ihn sein Bein bei einem vermeidlichen Fluchtversuch nicht allzu sehr einschr\u00e4nken. Doch sein Bein war nicht seine einzige Sorge, die ihn den ganzen Tag \u00fcber qu\u00e4lte. Was, wenn er, oder dieser Radromir, der in der Lage sein soll, das Schloss auf magische Weise zu \u00f6ffnen, von dem jungen Rabenmund-Spross aus der Kerkerzelle geholt werden. Der W\u00fcstensohn sp\u00fcrte, wie ihm seine Sorgen die Kehle zuschn\u00fcrten. Nicht, dass er etwa h\u00e4tte sagen wollen, doch das Unbehagen in ihm wurde immer m\u00e4chtiger. Der ganze Plan Belzoras hing an einem seidenen Faden und warum waren sie nicht schon fr\u00fcher geflohen, wenn sie in der Lage waren, die Kerkert\u00fcr zu \u00f6ffnen? Er traute sich nicht es anzusprechen, denn er wusste, jedes Gespr\u00e4ch mit ihr barg potenziell die M\u00f6glichkeit in sich, seine ungewollte, aber lebenssichernde Tarnung auffliegen zu lassen. Irgendwann am Nachmittag wurde ihnen eine gro\u00dfe Sch\u00fcssel Haferbrei hereingereicht, Belzora, die so etwas wie Anf\u00fchrein hier in Kerker war, nahm sie sofort an sich und stellte sie, ohne auch nur ein Wort zu sagen, zuerst vor Kalkarib, ohne dass sich jemand wagte dem zu widersprechen. <em>\u201eHier, wenn du zuerst davon isst, ist es vielleicht nicht ganz nach deinen Gesetzen, aber besser, als wenn die anderen ihre Finger drin hatten\u201c<\/em>, sagte sie und setzte sich im Schneidersitz vor ihn hin. W\u00fcrde sie ihm jetzt etwa beim Essen beobachten? <em>\u201eDanke, ich \u2026\u201c<\/em>, entgegnete er mit hauchender Stimme, <em>\u201e\u2026 habe keinen Hunger.\u201c<\/em> Was glatt gelogen war, er hatte sogar einen solchen Hunger, dass er jetzt einen ganzen Feigenbaum h\u00e4tte leer essen k\u00f6nnen, aber als er einen Blick in die Schale warf, \u00fcberkam ihn ein spontaner W\u00fcrgereiz. Er hatte ohnehin noch nie verstanden, wie diese Mittelreicher diesen Schleim essen konnten, aber den Brei, den er sonst von seinen Mitreisenden kannte, sah wenigstens etwas appetitlicher aus als dieser, der ihn eher an eine Pferdetr\u00e4nke erinnerte, die seit Wochen nicht mehr gewechselt wurde. <em>\u201eDu musst etwas essen.\u201c <\/em>Belzoras Worte waren streng, aber dennoch liebevoll, wie die Worte einer Mutter zu ihrem Kind, wenn es krank war und unbedingt etwas essen musste, um wieder gesund zu werden. <em>\u201eDu musst zu Kr\u00e4ften kommen f\u00fcr heute Nacht\u201c<\/em>, schob sie hinterher und tippte auf den Rand der Sch\u00fcssel, wobei sie ihn mit ihren blauen Augen so fest anstarrte, dass sich Kalkarib weder traute zu verneinen, noch ihr in die Augen zu schauen. Er musste das Spiel mitspielen, das war klar, und dazu geh\u00f6rte auch die Flucht aus den F\u00e4ngen der mittelreichischen Adelsfamilie, die eigentlich auf seiner Seite waren. Er schluckte einen Klos im Hals herunter und holte sich, seinen Ekel beiseite schiebend, etwas von den st\u00fcckigen Morast aus der Sch\u00fcssel. Als er es sich in der Mund schob wollte sein K\u00f6rper es am liebsten sofort wieder aussto\u00dfen, doch er zwang sich es herunterzuschlucken. <em>\u201eSo ist es gut, nimm noch etwas.\u201c <\/em>Belzoras Lippen formten ein L\u00e4cheln. Sie gab einem der anderen ein Zeichen, der sich sofort an die Zellent\u00fcr begab, um zu lauschen, ob drau\u00dfen vor der Kerkert\u00fcr jemand war. Als er den Kopf sch\u00fcttelte kauerte sich die kr\u00e4ftige Frau auf den Boden und zischte einmal kurz, woraufhin die ganzen Insassen, die \u00fcberall verstreut lagen begannen sich wie Widerg\u00e4nger zu erheben und um sie zu scharren. W\u00e4hrend Kalkarib mit den zweiten \u201aBissen\u2018 k\u00e4mpfte, z\u00e4hlte er das erste Mal, wie viele es waren. Aufgrund des kleinen Fensterspalts und der auf- und \u00fcbereinander liegenden Personen war es ihm bisher schwergefallen. Er z\u00e4hlte, mit sich und Belzora, insgesamt 15 Gefangene. Ob das reichen w\u00fcrde, um eine voll ausgestattete und alarmierte Wachmannschaft zu \u00fcberw\u00e4ltigen und von einer gesicherten Burg zu entkommen? Er zweifelte daran, doch andererseits blieb ihm nichts anderes \u00fcbrig, denn auf Rettung zu warten war f\u00fcr ihn keine ernstzunehmende Option. Nach dem zweiten widerlichen Happen vom Brei beschloss Kalkarib die Sch\u00fcssel an die anderen weiterzugeben und gesellte sich zu der verschw\u00f6rerischen Runde dazu, angef\u00fchrt von der blonden Tobrierin, deren schmutzigen Oberschenkelmuskeln in der hockenden Pose noch mehr als sonst zur Geltung kamen. <em>\u201eDer Plan ist folgender \u2026\u201c, <\/em>begann sie im leisen Tonfall und berichtete detailliert davon, wie sie vorgehen w\u00fcrden. Dabei wurde Kalkarib auch klar, wieso sie nicht schon die letzten Tage versucht hatten zu fliehen: Sie hatten kurz vor Kalkaribs Ankunft vernommen, dass heute, in der Nacht vom 22. auf den 23. Peraine, erneut ein Gro\u00dfteil der bewaffneten Mannschaft ausreiten w\u00fcrde und nur eine Minimalbesatzung auf der Burg zur\u00fcckbleiben w\u00fcrde. Das hei\u00dft, ihre Chancen zu fliehen w\u00fcrden steigen. Dieser Radromir, so sch\u00e4tzte es Kalkarib zumindest ein, musste ein Scharlatan oder soetwas sein, der ein paar kleine Zaubertricks konnte, darunter unter anderem einen, mit dem er Schl\u00f6sser \u00f6ffnen konnte. Belzoras Plan war es, die Nachtwache zu \u00fcberw\u00e4ltigen und zur R\u00fcstkammer zu kommen, um sich und die anderen die bewaffnen. Kalkarib hoffte, dass auch seine Sachen dabei sein w\u00fcrden, denn mit den Waffen der Mittelreicher war er nicht vertraut. Einer von ihnen, ein schlanker Mann, dem an der rechten Hand zwei Finger fehlten und der immer wieder hektisch mit einem Auge zwinkerte, schien den Aufbau der Festung gut zu kennen, denn Belzora erw\u00e4hnte, dass er schon mal hier war und sie ihm folgen m\u00fcssten, um zu einem geheimen Ausgang zu kommen. Sie konnten schlecht die Festung \u00fcber das geschlossene Haupttor verlassen. Das Gitter hochzuziehen und das schwere Holztor zu \u00f6ffnen, w\u00fcrde zu viel Aufsehen erregen, zumal sie wahrscheinlich zu wenige waren, um dies zu bewerkstelligen. Warum der \u201afingerlose\u2018 Mann, den Kalkarib gedanklich <em>\u201aHalbhand\u2018<\/em> taufte, Burg Rabenmund so gut kannte, dass er sogar den geheimen Ausgang kannte, war ihm schleierhaft, doch im Moment war er eine sehr wichtige Person f\u00fcr den Erfolg ihrer Flucht, weshalb Belzora befahl, dass er auf jeden Fall zu besch\u00fctzen sei. Er war es auch, der wusste, wo sich die R\u00fcstkammer befand. In verschw\u00f6rerischem Tonfall schloss Belzora dann die Unterredung: <em>\u201eDas ist der Plan. Denkt daran, egal wer von uns dieser Nacht von dem Rabenmund-Kind ausgew\u00e4hlt wird, muss dichthalten. Wir werden keinen Aufstand wagen, egal wer geholt wird. Wir werden so oder so kurz danach ausbrechen und ihn befreien, also spielt auf Zeit.\u201c<\/em> Die M\u00e4nner und Frauen nickten. Das war ein kluger Schachzug von ihr, dachte sich Kalkarib. So versicherte sie sich, dass der oder diejenige Stillschweigen bewahren w\u00fcrde bei der Folter. Sie sagte das mit einer solchen \u00dcberzeugung, dass sich der Novadi nicht sicher war, ob sie wirklich die Wahrheit sagte, oder ob es nur ein Mittel war, um den Fluchtplan sicherzustellen. Es gab also zwei Schl\u00fcsselpersonen f\u00fcr den Erfolg, Radromir der Scharlatan, der Schl\u00f6sser \u00f6ffnen konnte und \u201aHalbhand\u2018, der wusste, wie der schnellste Weg zur Waffenkammer war und wo sich der geheime Ausgang befindet. Kalkarib pr\u00e4gte sich die Gesichter der beiden gut ein, denn alle anderen waren entbehrlich. Da ertappte er sich bei dem Gedanken, dass das nicht f\u00fcr Belzora galt, denn in seinem Verst\u00e4ndnis von Ehre schuldete er ihr etwas. Er war sich nicht sicher was, aber er stand in ihrer Schuld.<\/p>\n<p>Die Stunden bis zum Abend waren z\u00e4h wie Trockenfleisch, es fiel Kalkarib schwer, einen klaren Gedanken zu fassen und sich zu fokussieren. Wie er doch die Gebete zu Rastullah vermisste, sie gaben ihm Fokus und Klarheit im Geist, befreiten ihn von liderlichen Gedanken und reinigten seine Seele. Seit Tagen hatte er nun nicht mehr gebetet und ihm wurde schmerzlich bewusst, dass er seinen Gebetsteppich wohl nicht in der Waffenkammer finden w\u00fcrde. Doch wenn er erst einmal drau\u00dfen sein w\u00fcrde, k\u00f6nnte er sich zum Gebet wenigstens etwas von den anderen zur\u00fcckziehen, der All-Eine w\u00fcrde es ihm verzeihen. <em>\u201eKalkarib?\u201c<\/em>, h\u00f6rte er die Stimme Belzoras, die ihn aus seinem Gedankenpalast riss. <em>\u201eJa, was ist?\u201c<\/em>, sagte er im barschen Tonfall. <em>\u201eBist du bereit f\u00fcr heute Nacht?\u201c \u201eJa, bin ich.\u201c <\/em>Was h\u00e4tte er auch anderes sagen sollen? <em>\u201eIch meine wegen deinem Bein \u2013 kannst du gehen?\u201c, <\/em>erkundigte sie sich und schien ernsthaft besorgt zu sein. Kalkarib setzte sich auf, lehnte sich mit dem R\u00fccken gegen die Kerkerwand und sah sie an. Ihr strubbeliges langes Haar umspielte ihr markantes Gesicht und ihre Augen sahen ihn auf eine Weise an, die in ihm gleichwohl Unbehagen und den Drang nach Vertrautheit hervorriefen. Noch immer war ihm nicht klar, was die kr\u00e4ftige Frau in ihm ausl\u00f6ste, noch nie zuvor hatte er f\u00fcr eine andere Person solche Gef\u00fchle empfunden. <em>\u201eEs wird gehen, mach dir um mich keine Sorgen\u201c<\/em>, sagte er im typisch novadischen Akzent und so willensstark er im Moment konnte, denn er durfte jetzt keine Schw\u00e4che zeigen. Auch wenn ihm inzwischen klar war, dass sie aus absurd ersthaft pers\u00f6nlichen Interesse fragte und nicht aus takischen Gr\u00fcnden, um herauszufinden, wer das schw\u00e4chte Glied in der Kette war, so wollte er aus ebenso absurden Gr\u00fcnden ihr gegen\u00fcber St\u00e4rke demonstrieren. Sie beugte sich pl\u00f6tzlich vor und ihr w\u00fcrzig-weibliches Odeur drang in Kalkaribs Nase, er erstarrte, als sich ihre Gesichter direkt voreiander befanden. Sie wollte ihn k\u00fcssen und er war erschreckenderweise bereit daf\u00fcr, doch dann schob sie ihr Gesicht im letzten Moment an dem seinen vorbei, um ihm etwas ins Ohr zu fl\u00fcstern, wobei ihre langen blonden Haare an seinen Wangen kitzelten und er sofort eine aufsteigende W\u00e4rme der Erregung in sich sp\u00fcrte. Er war in dem Moment hellwach und atmete tief aus, w\u00e4hrend er ihre warme Stimme an seinem Ohr vernahm: <em>\u201eIch geb auf dich acht. Ich bring dich hier lebend raus.\u201c <\/em>Seine Lippen zitterten, als er die Worte vernahm, die Aussicht nach Geborgenheit in ihm wurder gr\u00f6\u00dfer denn je. Sie t\u00e4tschelte noch ein letztes Mal z\u00e4rtlich seine Wange, bevor sie sich zur\u00fcckzog, um ihre Wadenwickel etwas strammer zu wickeln. Er vermochte nicht zu sagen warum, aber in ihm sprang sein angeborenre \u201aBesch\u00fctzerinstinkt\u2018 an: ER sollte SIE besch\u00fctzen, und nicht andersherum. Er musste ihr gegen\u00fcber St\u00e4rke beweisen, doch er wusste nicht wie. In seinem Zustand war er dazu kaum in der Lage. Doch dann \u00e4nderste sich adhoc seine Stimmung, als er sich dabei ertappte, wie er daran dachte, sie, die ihm v\u00f6llig Fremde Tobrierin, zu besch\u00fctzen. Kalkarib sch\u00e4mte sich, er versuchte an sein Weib, Delia, und an seinen Stammhalter zu denken, er musste die unreinen Gedanken aus seinem Kopf verbannen. So verbrachte er die n\u00e4chsten Stunden damit an Zuhause zu denken, an El\u2019Trutz und wie friedlich alles sein w\u00fcrde, w\u00fcrde er doch nur mit Delia wieder vereint Zuhause sein k\u00f6nnen. Doch die Gedanken an Delia und seine Heimat waren nicht von langer Dauer, irgendwann begann er erneut daran zu denken, wie es ihm gelang, Belzora und den Anderen St\u00e4rke zu beweisen und in ihm g\u00e4hrte ein Plan. \u00a0<\/p>\n<p>Sp\u00e4t am Abend war die Nacht war schon lange \u00fcber Burg Rabenmund hereingebrochen und der schmale Streifen Licht, der die Kerkerzelle nur sp\u00e4rlich erhellte, war schon l\u00e4ngst fort, als Schritte vor der T\u00fcr zu vernehmen waren. Sofort machte sich Anspannung breit, denn jeder wusste, dass dieser Moment nicht nur \u00fcber den Ausgang ihres Fluchtplans entscheiden konnte, sondern auch \u00fcber das eigene Leben. Sie h\u00f6rten eine kurze Unterhaltung und das Aussto\u00dfen eines Gel\u00e4chters, anscheinend war den Wachen zu scherzen zumute. Das Schloss \u00e4chzte, als die Wache den Schl\u00fcssel herumdrehte und als die T\u00fcr aufschwang fiel das erste Mal seit Stunden wieder Licht in die Zelle. Zwei massige Wachen, mit den H\u00e4nden an ihren Schwertkn\u00e4ufen, schoben sich hinein, dicht gefolgt von dem adrett gekleideten jungen Rabenmund-Spr\u00f6ssling mit den Rabensymbolen auf der G\u00fcrtelschnalle. Fast zwei K\u00f6pfe war er kleiner als die Wachen, die beim Hereinkommen hier und dort die Insassen beiseitetraten, um dem Jungspund Platz zu machen. Ein jeder verbarg sein Gesicht im Stroh oder blickte zur Wand, als sich der Spross arrogant in der Zelle umsah. Auch Kalkarib schaute weg und konnte nur einen kurzen Blick auf ihn erhaschen. Sein Gesicht war zu Belzora gedreht und im schwachen Laternenlicht trafen sich ihre Blicke. In ihren Augen spiegelte sich das Licht wider und f\u00fcr einen Moment musste er an den klaren Sternenhimmel in Mhanadistan denken, den er so sehr vermisste. Da wurde ihm schlagartig klar, wie er St\u00e4rke zeigen konnte. W\u00e4hrend der J\u00fcngling sein n\u00e4chstes Opfer aussuchte, vergingen die Momente qu\u00e4lend langsam, in denen nur gelegentliches Scharren im Stroh oder ein ver\u00e4ngstiges Wimmern zu h\u00f6ren war. Dem W\u00fcstensohn war klar, dass der Rabenmund-Bengel jeden Moment genoss, in dem der kleine Raum mit Angst vor ihm geschw\u00e4ngert war. Doch Kalkarib wusste es besser. Das war nur ein unerfahrener Jungspund und er musste dies den anderen beweisen. Er musste den jungen Mann ansehen, um allen anderen und vorallem Belzora zu zeigen, dass er mutiger war sie, denn er war ein tapferer Streiter Al\u2019Salis, ein stolzer Sohn der W\u00fcste, der sogar schon die Niederh\u00f6llen \u00fcberlebt hatte. Er drehte sich leicht, so dass er ihn direkt anblicken konnte und was er sah, erf\u00fcllte seine Erwartungen: Er sah einen jungen und hageren mittell\u00e4ndischen Bengel, der ein s\u00fcffisantes L\u00e4cheln auf den Lippen hatte und dessen Augen den Raum nach dem n\u00e4chsten Opfer sondierten. Als sich ihre beiden Blicke trafen, zwang sich Kalkarib, den Blick nicht von ihm abzuwenden, denn er, Kalkarib al\u2019Hashinnah, war kein feiger Mann, er war besser als dieser ehrlose Wicht. <em>\u201eWas tust du?\u201c, <\/em>h\u00f6rte er zwischen zusammengebissenen Z\u00e4hnen Belzora zischen, gerade so laut, dass nur er es h\u00f6ren konnte, w\u00e4hrend sich die schmalen Lippen des J\u00fcnglings zu einem s\u00fcffisanten L\u00e4cheln formten. <em>\u201eDen da\u201c<\/em>, t\u00f6nte er selbstsicher und streckte einen Finger mit sichtlich sauberen Fingernagel nach ihm aus. Ohne Umschweife machten sich die Wachen daran Kalkarib zu holen und er war bereit daf\u00fcr, er hatte sich extra so hingelegt, dass er den ersten mit einem Fussfeger ins Straucheln bringen oder gar zu Fall bringen konnte. Den zweiten mussten die anderen \u00fcbernehmen. Er w\u00fcrde sich nicht feige dem Schicksal ergeben, er war bereit das Heft in die Hand zu nehmen und ehrhaft zu k\u00e4mpfen. Doch noch ehe er zum Fu\u00dffeger ansetzen konnte, war Belzora schon aufgesprungen. Wie konnte sie nur so unmenschlich schnell auf den Beinen sein? Die erste Wache \u00e4chzte und brach kurz darauf zusammen, anscheinend hatte sie ihm im Halbdunkel einen m\u00e4chtigen Tiefschlag in den Unterleib verpasst. Kalkarib wollte aufspringen, ihr helfen, doch der Wachmann st\u00fcrzte ungl\u00fccklich, samt des Gewichts seines Kettenhemds, auf seine Beine und sofort scho\u00df ihm gellender Schmerz bis hoch in den hinteren R\u00fccken, der ihn kurzerhand bet\u00e4ubte. Um ihn herum brach ein Tumult aus, den er aufgrund der bet\u00e4ubenden Schmerzen nicht richtig wahrnahm und erst, als er wieder zu sich kam, blickte er zur T\u00fcr, wo er sah, wie drei Wachen die bet\u00e4ubte Belzora aus dem Raum schleiften. Kalkarib setzte sich m\u00fchevoll auf. Es war zu sp\u00e4t, um zu helfen. Niemand anderes im Raum hatte die Initiative ergriffen, sie alle kauerten sich so dicht sie konnten an die W\u00e4nde, denn hier war jeder sich selbst der n\u00e4chste. Der J\u00fcngling verlie\u00df als letzter die Kerkerzelle, und trug, und das war f\u00fcr Kalkarib Genugtuung genug, Furcht in den Augen und einen filigranen Dolch in den zittrigen H\u00e4nden. Also war es eben doch nur ein Kind in feinen Stoffen, dem man zu viel Macht gegeben hatte. Erst, als das Schloss wieder zugeschlossen und es finster in der Zelle war, wurde sich Kalkarib wirklich bewusst, was gerade geschehen war. Belzora, seine einzige Verteidigungslinie und die starke Anf\u00fchrerin des Zellenaufstands war soeben, wegen ihm, aus der Zelle abgef\u00fchrt worden und somit Opfer ihrer eigenen Worte. Denn sie war es selbst, die wollte, dass es keinen Aufstand gibt, egal wer heute geholt wird. Noch ehe die Stimmung in der Zelle kippte, musste jemand etwas tun und dieser jemand war Kalkarib. \u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Kerker von Burg Rabenmund &#8211; 22. Peraine, 34 nach Hal \u2013 Gegen Mittag Kalkarib musste den ganzen Tag im Kerker von Burg Rabenmund an Belzoras Worte denken: Heute Nacht werden wir fliehen. 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