{"id":8958,"date":"2022-02-11T20:46:26","date_gmt":"2022-02-11T19:46:26","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8958"},"modified":"2022-02-11T20:54:52","modified_gmt":"2022-02-11T19:54:52","slug":"raus-aus-der-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8958","title":{"rendered":"Raus aus der Stadt"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Als im Flussvater in der Reichskonkressstadt Elenvina der Abend nahte und die Audienz der Helden bei der K\u00f6nigin n\u00e4her r\u00fcckt, erhebt sich die Botin Firus mitten im Gespr\u00e4ch im Kreise ihrer Gef\u00e4hrten und unterbricht dieses mit den Worten:<\/em><\/p>\n<p>\u201eIch gehe raus.\u201c<\/p>\n<p><em>In die fragenden Gesichter erg\u00e4nzt sie ruhig:<\/em><\/p>\n<p>\u201eRaus aus der Stadt. Ich muss ein wenig nachdenken und zu mir kommen. Voltan muss warten.\u201c<\/p>\n<p><em>Sie macht auf dem Absatz kehrt und gibt Grojesh und Elfenbein ein stummes Zeichen Richtung T\u00fcr. Drau\u00dfen f\u00fchrt ihr Weg sie direkt aus der inzwischen vertrauten Stadt hinaus. Den Hinweis der Stadtwache, dass die D\u00e4mmerung bald einsetze, entgegnet sie mit einem wortlosem Nicken und einem kleinen wissenden L\u00e4cheln. Da sich die Stadt in einer Flussbiegung befindet, wendet sich sich gen Firun, wo sie in der Ferne einen kleinen Wald erkennen kann. Sie pfeift ein paar Mal laut in die Ebene hinein, bis ein Blaufalke auf ihrer ausgestreckten Hand im Sturzflug landet. Nach kurzer inniger Liebkosung wirft sie ihn lachend in die Luft und rennt was ihre Beine hergeben die H\u00fcgel hinauf. Der Wind zerzaust ihr langes Haar. Doch sie achtet nicht darauf. Endlich frei kennt sie kein Halten mehr. Sie f\u00fchlt sich wie ein junger Wolf: ungehemmt und wild. Die Reisenden auf der nahen <\/em>Reichsstra\u00dfe w\u00fcrdigt sie keines Blickes.<\/p>\n<p>Am Waldrand kommt sie langsam zum Stillstand. Ergriffen starrt sie in das gr\u00fcne D\u00e4mmerlicht und verharrt einen Augenblick lang schweigend. Sie f\u00fchlt zun\u00e4chst nichts. Die wiedererkennende wohltuende Vertrautheit setzt noch nicht ein. Erst als sie ein paar Schritte hineinsetzt, beginnt sie endlich die Ger\u00e4usche und Ger\u00fcche intensiver wahrzunehmen. Das Rascheln der Bl\u00e4tter ist ihr ebenso willkommen, wie der liebliche Gesang der V\u00f6gel. Erneut bleibt sie kurz stehen und nimmt die Gegend in sich auf. Dann holt sie ihr gr\u00fcnes Tuch hervor, mit welchem sie manchmal ihre Haare b\u00e4ndigt, und verbindet sich die Augen.<\/p>\n<p>\u201eDie Stadt macht blind.\u201c <em>Seufzst sie<\/em>. \u201eEs bedarf der Erinnerung an das Wahrhaftige.\u201c<\/p>\n<p><em>Erst vorsichtig, dann immer sicherer, w\u00e4hlt sie ihren Weg durch das Dickicht. Dabei meidet sie bewusst die Wildwechsel der heimischen Tierwelt. Elfenbein und Grojesh folgen ihr stumm. Adaque hat es sich auf ihrer Schulter bequem gemacht und zupft an seinem Gefieder. Sie gingen lange, ehe sie zufrieden ist und auf einer kleinen Lichtung halt macht. Sorgf\u00e4ltig sucht sie die Gegend ab. Nichts, wirklich nichts, bleibt ihrem Blick verborgen. Alles erstrahlt f\u00fcr sie in reinem blau und rot. Kein d\u00e4monisches lila und kein schwarz des Vortex verunreinigt diesen Ort. Ein wenig f\u00fchlt sie selbst sich etwas fremd, denn sie weist au\u00dfer dem ureigenem rot an gewissen Stellen gelb und wei\u00df auf. Aber ein Blick auf Elfenbein gen\u00fcgt, um sie mild zu stimmen.<\/em><\/p>\n<p>Was gibt es reineres als das wei\u00df der G\u00f6tter? Wir haben jedes Recht hier zu sein. Wobei \u2026 wo Licht ist, ist auch Schatten. Das Chaos wird vielleicht von der g\u00f6ttlichen Ordnung angezogen \u2026 nein.<\/p>\n<p><em>Sie sch\u00fcttelt den Kopft, um diese Gedanken ebenfalls abzusch\u00fctteln. Sie ist heute aus einem anderen Grund hier. Sie m\u00f6chte nachdenken. Und zwar \u00fcber die Wahl zum Greifenreiter. Sie ist \u00fcberzeugt davon, dass die Menschen ihren eigenen Weg gehen m\u00fcssen. Zum Guten oder zum B\u00f6sen.<\/em><\/p>\n<p>Man muss sie ihre Entscheidung treffen lassen. Ein jeder hat und verdient eine Chance. Vielleicht auch eine Zweite. Und trifft ein Mensch die falsche Entscheidung muss er auch die Konsequenzen tragen. Alles hat Konsequenzen. Auch mein Aufenthalt hier? Vielleicht wird dieser idyllische durch uns Ort entweiht.<\/p>\n<p><em>Erneut sch\u00fcttelt sie den Kopf. Sie lacht.<\/em><\/p>\n<p>Welch ein absurder Gedanke. Wir <u>sind<\/u> die Natur.<\/p>\n<p><em>Pl\u00f6tzlich knackt es neben ihr laut im Geb\u00fcsch. Grojesh betritt ebenfalls die Lichtung. In seinen riesigen H\u00e4nden h\u00e4lt er die Fr\u00fcchte des sp\u00e4ten Fr\u00fchlings f\u00fcr sie bereit.<\/em><\/p>\n<p>___________________________<\/p>\n<p>Azinas Gedanken<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als im Flussvater in der Reichskonkressstadt Elenvina der Abend nahte und die Audienz der Helden bei der K\u00f6nigin n\u00e4her r\u00fcckt, erhebt sich die Botin Firus mitten im Gespr\u00e4ch im Kreise ihrer Gef\u00e4hrten und unterbricht dieses mit den Worten: \u201eIch gehe raus.\u201c In die fragenden Gesichter erg\u00e4nzt sie ruhig: \u201eRaus aus der Stadt. 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