{"id":8746,"date":"2020-12-20T19:00:44","date_gmt":"2020-12-20T18:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8746"},"modified":"2020-12-20T19:02:35","modified_gmt":"2020-12-20T18:02:35","slug":"teil-v-getrennt-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8746","title":{"rendered":"Teil V &#8211; Getrennt (3)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Undead.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8747\" width=\"808\" height=\"246\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Undead.png 898w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Undead-300x92.png 300w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Undead-768x234.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption> <strong>In einem Waldst\u00fcck nahe des Mythraelsfelds &#8211; 18. Peraine, 34 nach Hal \u2013 Am sp\u00e4ten Nachmittag<\/strong> <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8322\" width=\"174\" height=\"206\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png 605w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein-253x300.png 253w\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 85vw, 174px\" \/><figcaption>Ordensmeister<br \/><strong>Sieghelm Gilborn<\/strong><br \/>von Spichbrecher<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Metall von Sieghelms Plattenr\u00fcstung schepperte mit jedem Schritt, den er durch das Unterholz tat. Auch wenn er schon so schnell lief, wie er konnte, so war er nicht schnell genug, denn die Untoten folgten ihm noch immer. Im Laufschritt ging er seine Optionen durch: Er konnte sich unterwegs seiner R\u00fcstung nach und nach entledigen, um so an Gewicht zu verlieren und an Geschwindigkeit zu gewinnen, doch w\u00fcrde es ihn nur noch mehr anstrengen und am Ende w\u00fcrde er ohne R\u00fcstung dastehen \u2013 was einer Todeserkl\u00e4rung gleich k\u00e4me. Denn wenn nur ein einziger Hieb oder Pfeil durchk\u00e4me, w\u00e4re er ohne Verbandszeug nicht in der Lage, die Wunde zu versorgen. Er k\u00f6nnte auch einfach stehen bleiben, zu Atmen kommen und sich den Untoten stellen \u2013 zumindest w\u00e4re dies rondragef\u00e4lliger. Doch die Untoten waren zahlreich, zu zahlreich. Auch wenn er ihre genaue Anzahl nicht kannte, er hatte an die drei Dutzend von ihnen gesehen und er wusste nicht, wie viele da noch waren, die er nicht erblickt hatte. Ihre schiere Anzahl machte es unm\u00f6glich, denn er war allein und hatte nicht mal ein Schild dabei. Auch wenn es den sicheren Tod bedeutete, so war es zumindest eine Option, die Sieghelm nicht g\u00e4nzlich aus seinen Gedanken verbannte, denn so w\u00fcrde er wenigstens einen ehrenhaften Tod finden. Nur das ihm der Gegner, der Ort und der Zeitpunkt missfiel. Er musste an den heiligen Hl\u00fbthar von den Nordmarken denken, dem Tr\u00e4ger des legend\u00e4ren Schwerts Siebenstreich. Auch er starb im Kampf, in einem Kampf an einem Ort und Zeitpunkt, den er sich mit Sicherheit anders vorgestellt hatte. Doch der Heilige der Rondrakirche verstarb auf dem Feldherrenh\u00fcgel, im Beisein vieler Mitstreiter im Kampf gegen eine \u00dcbermacht aus D\u00e4monen, und nicht einsam in einem unbekannten Waldst\u00fcck gegen ein \u201apaar\u2018 nieder Untote. Den Heldentot, den sich Sieghelm w\u00fcnschte, stellte er sich anders vor. Also lief er weiter, rannte \u00fcber Stock und Stein und suchte nach weiteren Optionen. Doch schon bald w\u00fcrde ihm die Puste ausgehen und er w\u00fcrde schlichtweg umfallen. Er nahm sich fest vor, dass er, bevor das passierte, stehen blieb und sich seinem Schicksal stellte. Noch immer h\u00f6rte er das Rumoren und Gest\u00f6hne der zahllosen Untoten hinter sich, die zwar selbst auch nicht die schnellsten waren, aber da er immer langsamer wurde, holten sie allm\u00e4hlich auf. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er wusste nicht wie viel Zeit verging und wie lange er durch das Unterholz rannte, ihm kam es wie eine Ewigkeit vor und der Wald wollte einfach nicht enden. In der Entfernung sah er, dass das Gebiet vor ihm h\u00fcgeliger wurde. Er hoffte dort zu finden wonach er suchte: Eine H\u00f6hle. Er brauchte einen Engpass, wo er den Vorteil der Untoten zu seinen Gunsten ausgleichen konnte, wo sie ihm nur einzeln oder zu zweit entgegen treten konnten. Er hoffte, ja flehte in Gedanken um eine wie auch immer geartete H\u00f6hle. Die Hoffnung auf einen zu verteidigenden Engpass lie\u00df ihn wieder etwas Hoffnung sch\u00f6pfen, auch wenn er schon starke Belastungsschmerzen in den Beinen hatte und seine Brust sich anf\u00fchlte, als w\u00fcrde dort ein Feuer brennen. Er sp\u00fcrte, wie sich sein Gambeson mit kalten Schwei\u00df f\u00fcllte und h\u00f6rte seinen eigenen, immer hektischer werdenden Atem. Er kraxelte um eine Anh\u00f6he, und blickte hoffnungsvoll auf die mehrere Schritt fast vertikal verlaufende Erdschicht, doch au\u00dfer herausstehenden Wurzeln und einem leichten \u00dcberhang war dort nichts, was sich f\u00fcr seinen Plan eignete. Das Gegurgel und Gest\u00f6hne der Untoten, die mit jedem Lidschlag an N\u00e4he gewannen, schallte wieder zu ihm her\u00fcber. Strauchelnd und stolpernd eilte Sieghelm zu einer anderen Stelle in der N\u00e4he, einem ausgetrockneten Flussbett. Unterwegs verhakte sich sein Schwert in der Scheide in einem Ast, wodurch er wertvolle Zeit verlor, da er es fallen lie\u00df und m\u00fchsam ein paar Schritt zur\u00fcckgehen musste, um es aufzuheben. Er konnte die Schaar untoter Schergen hinter sich schon sehen, sie waren noch nur noch etwa zwanzig Schritt von ihm entfernt. Er erreichte das ausgetrocknete Flussbett und eilte stets zu den Seiten blickend, die Hoffnung nicht aufgebend irgendwo eine H\u00f6hle zu sehen, ersch\u00f6pft entlang. Ihm rannten die Untoten noch immer hinter her, auch sie stolperten und fielen, doch unerm\u00fcdlich erhoben sie sich immer wieder und rannten ohne langsamer zu werden weiter. Er rannte so schnell ihm seine ersch\u00f6pften und erm\u00fcdeten Beine trugen. Er machte hunderte, da vielleicht sogar tausende Schritt, da h\u00f6rte Sieghelm eine innere Stimme, die ihm sagte, dass er stehen bleiben und sich dem Kampf stellen sollte, da keine H\u00f6hle kommen w\u00fcrde. Er war bis in alle Ma\u00dfen ersch\u00f6pft, doch einfach nur umfallen und sich den Untoten als Futter hingeben wollte er auch nicht. <em>\u201eBleib \u2026 stehen\u201c<\/em>, keuchte er in seinen Helm hinein und spuckte dabei ersch\u00f6pft aus. Er musste es seinen Beinen befehlen und er blieb stehen. Er h\u00f6rte das freudige St\u00f6hnen der Untoten, in der Erwartung, sich gleich an seinem Fleisch laben zu k\u00f6nnen. Doch so leicht w\u00fcrde der kampferfahrene Reichsritter und Ordensmeister es ihnen nicht machen. Er atmete zwei Mal tief durch, doch eine Brust brannte noch immer. Die Bedingungen waren mehr als ung\u00fcnstig f\u00fcr einen Kampf gegen eine \u00dcberzahl niemals ersch\u00f6pfender Gegner, doch er hatte keine andere Wahl, also stellte er sich ihr. Er hatte nicht einmal mehr gen\u00fcgend Atem f\u00fcr ein Gebet an Rondra, weshalb er es nur in Gedanken durchging. Er drehte sich um, holte Custoris aus der Scheide und schleuderte selbige zur Seite. Seine Arme waren noch kr\u00e4ftig genug und so schloss er seine H\u00e4nde um den Griff und hob das Schwert an. Das Leder des Griffs \u00e4chzte, so fest packte er es. Ihm rannten, stolperten und torkelten an die drei\u00dfig Untote entgegen, die so ausgehungert waren, dass sie sich teils gegenseitig wegdr\u00fcckten, um ja der erste am Kriegerbuffet zu sein, und die drei\u00dfig Untoten waren nur die, die Sieghelm sehen konnte. Sie kamen das Flussbett entlang und \u00fcber die H\u00fcgel herab und Sieghelm stellte sich ihnen f\u00fcr einen finalen Kampf. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch den Wald dr\u00f6hnte nicht verhallender Donner, denn Sieghelm schwang Custoris so schnell er konnte und mit jedem Schwung fuhr es m\u00fchelos durch weiches, untotes Fleisch. Die Wellen der Wiederg\u00e4nger brandeten an Sieghelms nicht endenden Schwertschwung und ihre geschundenen K\u00f6rper wurden in St\u00fccken und Fetzen zu den Seite des Flussbetts geschleudert, teilgeronnenes Blut spritzte in Font\u00e4nen auf den matschigen Boden und das alte Flussbett f\u00fcllte sich mit Blut. Sieghelm machte dabei langsame und vorsichtige Schritte r\u00fcckw\u00e4rts, um immer gen\u00fcgend Distanz zu den Untoten zu bekommen und um nicht zu st\u00fcrzen, denn es war ihnen vollkommen gleich, ob sie getroffen wurden oder nicht, sie gierten nur nach warmen, lebendigen Menschenfleisch und lie\u00dfen sich dabei nur von der Klinge des heiligen Anderthalbh\u00e4nders aufhalten. Der Reichsritter hinterlie\u00df eine Schneise aus zerfetzten K\u00f6rpern, w\u00e4hrend die Traube um ihn herum immer gr\u00f6\u00dfer wurde und er immer schneller und unvorsichtiger nach hinten gehen musste, um ihren nach Fleisch gierenden verfaulten H\u00e4nden entkommen zu k\u00f6nnen. Sieghelm erreichte eine Stelle, bei der die ehemalige Flussb\u00f6schung zu seinen Seiten fast so hoch war wie er selbst. Einer der Untoten nutze den H\u00f6henvorteil und sprang von dort  direkt zu ihm herab. Seine Ausweichbewegung kam zu sp\u00e4t, der Untote prallte mit voller Wucht gegen ihn und krallte sich mit seinen H\u00e4nden an seiner R\u00fcstung fest, wodurch Sieghelm ins Straucheln kam und r\u00fccklings stolperte. Das Gleichgewicht verlierend, fiel er unter der Last der Untoten, die die Gelegenheit nutzten und sich auf ihn st\u00fcrzten, nach hinten. Der bisher niemals endende Rondradonner endete abrupt, als Sieghelms R\u00fcstung beim Sturz metallisch aufheulte. Er lag am Boden, war vollkommen ersch\u00f6pft und auf ihm lagen hungrige Untote, die ihre verfaulten Finger gierig unter seine R\u00fcstungsteile schoben, um ihn gleich in St\u00fccke zu zerrei\u00dfen. In einem letzten verzweifelten Akt packte er Cursoris mit der einen Hand an der Fehlsch\u00e4rfe und mit der anderen am Griff, um mit der Parierstange zuschlagen zu k\u00f6nnen. Er blickte durch seinen schmalen Sehschlitz des Helms hindurch und rammte die Parierstange in die weichen und teils augenlosen K\u00f6pfe der Untoten direkt \u00fcber sich. Sie fielen regungslos auf ihn und schr\u00e4nkten ihn noch weiter ein, aber Sieghelm freute sich \u00fcber jeden Untoten den er noch vernichten konnte, bevor er gleich sterben w\u00fcrde. Es war nur seiner metallenen Ganzk\u00f6rperr\u00fcstung zu verdanken, dass die Untoten nicht ihre Z\u00e4hne in Sieghelm treiben konnten, denn jede noch so kleine Stelle an seinem K\u00f6rper war mit mindestens einer Schicht Metall bedeckt. In dem Helm h\u00f6rte Sieghelm nur noch sich selbst, wie er knurrte, als er sich dem Ende nah seinem \u00dcberlebensinstinkt hingab. Er schlug mit der Parierstange zu, schlitzte, mit der Klinge in der Halbhand gehalten, K\u00f6pfe auf und rammte mit der Spitze seines Eisenfu\u00dfes Brustk\u00f6rbe und B\u00e4uche ein. Kaltes, dickfl\u00fcssiges Blut floss auf seinen Helm und tropfte durch den schmalen Sehschlitz hindurch in sein Gesicht, was ihm zu allem \u00dcberfluss noch die Sicht nahm. Nun h\u00f6rte er nur noch das Schlitzen und Zerrei\u00dfen von Fleisch, das wilde und unartikulierte Gest\u00f6hnte der Untoten und ein von ihm selbst kommendes alles \u00fcbert\u00f6nendes lauter werdendes Knurren. Pl\u00f6tzlich br\u00fcllte er, er br\u00fcllte so laut er konnte und wollte aufstehen, er wollte hier nicht sterben, nicht jetzt, nicht hier und schon gar nicht so! Blind und ersch\u00f6pft, br\u00fcllte er wie eine L\u00f6we, schlug weiter und lie\u00df all seine Glieder stets in Bewegung. Custoris biss zu, denn es war der Zahn Rondras und mit jedem Biss zermalmte es einen der zahllosen Wiederg\u00e4nger. Sieghelm zwang sich die Augen zu \u00f6ffnen, sein Sichtfeld war verschwommen, ein blutroter Schleier hing dar\u00fcber und seine Augen brannten \u2013 doch konnte er Silhouetten sehen und das musste gen\u00fcgen. Er schlug zu, griff Custoris wieder mit beiden H\u00e4nden am Griff und h\u00f6rte sich selbst, wie er aus voller Lunge und Kraft einen animalisch Br\u00fcll loslie\u00df. Er sp\u00fcrte nur noch Hitze in sich, in allen Gliedern, jeder seiner Muskeln war gl\u00fchend hei\u00df und arbeitete \u00fcber jedes Limit hinaus. Er schlitzte und hackte, alles an ihm schmerzte, doch er konnte nicht anders, er wollte hier nicht sterben. Irgendwann ebbte das St\u00f6hnen der Untoten ab und noch immer konnte er nicht richtig sehen, weshalb er auf alles einschlug das ihm zu nahe kam und sich bewegte &#8211; Custoris erledigte den Rest. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align:center\"><em>Sp\u00e4ter<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Radulf-Vitus-1024x873.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8759\" width=\"242\" height=\"206\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Radulf-Vitus-1024x873.png 1024w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Radulf-Vitus-300x256.png 300w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Radulf-Vitus-768x655.png 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Radulf-Vitus.png 1931w\" sizes=\"auto, (max-width: 242px) 85vw, 242px\" \/><figcaption> Sch\u00fctzer<br \/><strong>Radulf &amp; Vitus<\/strong><br \/>Ackerknecht <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er h\u00f6rte eine Stimme. Alles war schwarz. Dann wieder die Stimme. Rief sie ihn? Er sp\u00fcrte nichts. Kein Schmerz, nur K\u00e4lte. Unertr\u00e4glich tiefe K\u00e4lte. War er tot? F\u00fchlt sich so Golgaris Flug \u00fcber das Nirgendmeer an? Dann wieder die Stimme, er h\u00f6rte seinen Namen. Sieghelm? Warum rief ihn jemand? War es sein Vater, Parzalon? War er jetzt bei ihm, in Rondras Hallen? Wenn doch nur nicht diese K\u00e4lte w\u00e4re. <em>\u201eSieghelm?\u201c <\/em>Da war sie wieder, die Stimme. Er \u00f6ffnete die Augen und sah Blut, dickfl\u00fcssig Blut, das in den aufgeweichten Waldboden sickerte. Inzwischen war es dunkel geworden, die D\u00e4mmerung war \u00fcber den Tag hereingebrochen und die Nacht senkte sich \u00fcber den Wald. Er hockte am Boden, sah, wie er Custoris hielt, dessen Spitze er tief in den Boden gerammt hatte. Er befand sich in einer typischen Beterposition und seine Glieder waren eisigkalt, um ihn herum lagen Berge aus zerfetzten Untoten, aufgerissen und aufgebrochen. Knochen ragten abstrakt heraus, B\u00e4uche waren ge\u00f6ffnet und verfaultes Ged\u00e4rm lag blutig \u00fcberall auf dem Boden verteilt. Ihre Sch\u00e4del waren eingeschlagen oder abgetrennt, \u00fcbers\u00e4ht mit Kratz- und Schlitzspuren. <em>\u201eSer Sieghelm, k\u00f6nnt ihr mich h\u00f6ren?\u201c <\/em>Die Stimme war sch\u00fcchtern und \u00e4ngstlich. Sieghelm blickte durch seinen Helmschlitz hindurch auf und sah Flussbettabw\u00e4rts etwa zehn Schritt von sich entfernt, \u00fcber zerrisse Untotenk\u00f6rper hinweg eine Gruppe aus Soldaten in verschiedenfarbigen Wappenr\u00f6cken. Sie hatten ihre Waffen in ihren H\u00e4nden und schauten alle besorgt, teils schon angsterf\u00fcllt drein. Ganz vorne erblickte er den ihm gut vertrauten schwarzsilbernen Wappenrock des Schutzordens der Sch\u00f6pfung. Der Mann, der ihn ansprach und einen ungepflegten Drei-Tage-Bart trug, der ein eingefallenes Gesicht umrahmte, war Vitus Ackerknecht, Sch\u00fctzer des Ordens und ein ehemaliger Gardist aus Hochstieg. <em>\u201eJa, kann ich, Vitus\u201c<\/em>, sagte Sieghelm, der selbst erstmal realisieren musste, dass er anscheinend noch am Leben war und nicht genau wusste, was geschehen ist und wie er in diese Pose gekommen war. Er versuchte sich zu erheben. Von einem Moment auf den anderen fuhr die Grimmk\u00e4lte aus ihm und sein ganzer K\u00f6rper war ein einziger durchdringender Schmerz. <em>\u201eAaarrgh!\u201c, <\/em>entfuhr es ihm und sein K\u00f6rper sackte zusammen und fiel scheppernd zu Boden. <em>\u201eVitus!\u201c, <\/em>rief er noch, und das letzte, was er sah, war das besorgte Gesicht des Mannes, dass sich \u00fcber ihn beugte und wie sich seine Lippen bewegten. Doch er konnte ihn nicht mehr h\u00f6ren, denn die Welt um ihn herum wurde dunkel. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Sieghelm das n\u00e4chste Mal erwachte, befand er sich, seiner R\u00fcstung entledigt, in einer breiten Bettstatt wieder. Ein Feuer knisterte wohlige W\u00e4rme verbreitend in seiner unmittelbaren N\u00e4he in einem Kamin. Als er sich bewegen wollte, bemerkte er, dass er mehrere Verb\u00e4nde am K\u00f6rper trug und seine Arme und Beine an mehreren Stellen schmerzten. Er st\u00f6hne bei dem Versuch sich aufzurichten. <em>\u201eHey, ganz langsam!\u201c, <\/em>h\u00f6rte er eine Stimme und versuchte herauszufinden, von wo sie kam. Er war in einem Haus, offensichtlich ein Bauernhaus, ausgestattet mit einfachen M\u00f6beln. Auf einer Anrichte neben ihm stand eine Sch\u00fcssel mit Wasser, daneben Verb\u00e4nde und eine Tasche mit Wundn\u00e4hzeug. Zu ihm kam ein neues, aber ebenfalls altbekanntes Gesicht, dass zu Radulf Ackerknecht, dem Bruder Vitus\u2018 geh\u00f6rte. Auch er trug einen zerschlissenen Wappenrock des Schutzordens und an der Schlaufe seines G\u00fcrtels hing ein Streitkolben. So wie sein Bruder, hatte auch er einen dichten braunen Bart bekommen und in seinen Augen lag die M\u00fcdigkeit eines Soldaten, der das Grauen gesehen hatte. <em>\u201eIhr seid endlich wach, wie f\u00fchlt ich euch, Ser?\u201c<\/em>, erkundigte sich der Anfang drei\u00dfigj\u00e4hrige Sch\u00fctzer und ebenfalls ehemalige Korporal Hochstiegs. Sieghelm ging seine K\u00f6rperteile einzeln durch und da er in jedem einen dumpfen Schmerz versp\u00fcrte und sich kaum bewegen konnte, entschied er sich f\u00fcr: <em>\u201eGut, noch ein wenig Taub, aber das wird schon.\u201c<\/em> Sieghelm bemerkte, dass seine Stimme belegt war, so als h\u00e4tte er die letzten Tage nichts anderes getan, als zu schreien. Radulf schmunzelte durch seinen dichten Bart hindurch. <em>\u201eSehr gut, dann k\u00f6nnt ihr endlich aufstehen und euren Toilettengang alleine bew\u00e4ltigen\u201c<\/em>, scherzte er und provozierte seinen Herrn damit. <em>\u201eSo weit w\u00fcrde ich jetzt nicht gehen\u201c<\/em>, antwortete Sieghelm knapp und lie\u00df sich mit \u00fcbertrieben schmerzerf\u00fcllten Gesicht zur\u00fcck auf das Kissen sinken. <em>\u201eWas macht ihr hier?\u201c<\/em>, schob er noch hinterher und genoss die W\u00e4rme der Kohlenpfanne unter seiner Bettdecke. Radulf holte sich einen Schemel heran, und stellte ihn neben Sieghelms Bettstatt. Als er sich setzte strich er sich imagin\u00e4re Kr\u00fcmel vom Wappenrock, um etwas Zeit zu gewinnen, um sich seine Worte gut zu \u00fcberlegen: <em>\u201eWollt ihr, dass ich beim Marschbefehl in Hochstieg anfange oder soll ich erst nach dem Weltenbrand einsteigen?\u201c \u201eWeltenbrand\u201c, <\/em>erwiderte der angeschlagene Reichsritter zackig. <em>\u201eTja \u2026\u201c, <\/em>begann der Sch\u00fctzer und schaute sich um, als ob er im an den W\u00e4nden nach Worten suchen w\u00fcrde. Dann begann er leise und fast schon im Plauderton zu berichten: <em>\u201eWir sind aus Hochstieg mit einem Halbregiment, also 260 Mann aufgebrochen. Ich habe gestern das letzte Mal nachgez\u00e4hlt &#8211; und ich bin nicht gut in z\u00e4hlen &#8211;\u00a0 da waren wir 45, also knapp ein Banner voll.\u201c <\/em>Sieghelm konnte nicht anders, als mit weit aufgeschlagenen Augen zum Sch\u00fctzer zu blicken. Er war schockiert. <em>\u201eEin Banner? Ich bin mit 5 Bannern und einer Lanze in die Schlacht gezogen \u2026\u201c <\/em>Radulf hob hilflos die Arme. <em>\u201eVielleicht haben noch mehr \u00fcberlebt, das sind die, die wir nach dem Weltenbrand sammeln konnten. Vielleicht sind einige schon auf eigene Faust auf dem R\u00fcckweg oder schlagen sich noch alleine durch.\u201c <\/em>Sieghelm atmete tief durch, die Nachricht schockierte ihn. Er versuchte sich an den Moment auf dem Mythraelsfeld zu erinnern. Er hatte gesehen, wie ein paar seiner M\u00e4nner und Frauen fielen, aber kurz nachdem er Amagomer den Blutigen im rondragef\u00e4lligen Zweikampf besiegt hatte, stand noch ein Gro\u00dfteil des Regiments auf den Beinen und war wohlauf. <em>\u201eWas ist mit den anderen Bannerf\u00fchrern? Lady Dankhild, Hagen, Jost und diese \u2026 diese \u2026 wie hie\u00df sie doch gleich &#8230;<\/em>\u201c Sieghelm sch\u00e4mte sich, ihren Namen vergessen zu haben und erinnerte sich an seinen Schwur, zuk\u00fcnftig jeden seiner k\u00e4mpfenden Untergebenen beim Namen kennen zu wollen.<em> \u201e\u2026 die Anf\u00fchrerin des Warunker Freiwilligenbanners?\u201c<\/em> Er r\u00fchrte hilfesuchend mit der Hand in der Luft, denn mehr konnte er aufgrund der Schmerzen nicht. Radulf machte eine missmutige Miene. <em>\u201eIch bin mir nicht sicher, ob ihr in eurem gegenw\u00e4rtigen Zustand \u2026\u201c<\/em>, setzte der Streitkolbenk\u00e4mpfer besorgt an, doch Sieghelm schaute ihn missbilligend an, was ihn dazu brachte, seinen Satz selbst zu unterbrechen und ersch\u00f6pft durchzuatmen. Radulf erhob sich auf seine Schenkel klatschend und ging zum Schrank, um dort etwas aufzunehmen. Er zeigte Sieghelm ein Kette mit Wolfsz\u00e4hnen daran. Mit trauriger und ruhiger Stimme begann er dann zu berichten: <em>\u201eWir haben Jost auf dem Mythraelsfeld gefunden, er war seinen Verletzungen erlegen. Es muss schon w\u00e4hrend der Schlacht passiert sein. Diese Kette geh\u00f6rte ihm.\u201c <\/em>Sieghelm blickte traurig auf die Kette, er kannte Jost schon lange. Er war ein erfahrener Soldat und Bogensch\u00fctze. Jost, Hagen, Radulf und Sieghelm hatten zusammen an der Trollpforte gek\u00e4mpft und geblutet, als Sieghelm noch ein Junker und Niemand war. <em>\u201eLady Dankhild \u2026 nun wenn man es genau nimmt, wissen wir es nicht \u2026 als Kavallerie waren sie an einem anderen Ort auf dem Schlachtfeld eingesetzt. Ich habe aber erst gestern mit einem Soldaten eines Wehrheimer Banners gesprochen, der meinte, dass er gesehen haben will, wie w\u00e4hrend des Weltenbrandes eine ganze Lanze Reiter mit unserem Wappen vom Boden verschluckt wurde.\u201c <\/em>Radulf pausierte kurz, um das Erz\u00e4hlte sacken zu lassen. <em>\u201eWir haben die Stelle nat\u00fcrlich abgesucht, aber au\u00dfer einem gro\u00dfen Spalt im Boden \u2026 war da nichts, keine Pferde, kein Banner, kein Hinweis.\u201c <\/em>Die beiden M\u00e4nner fielen in betretenes Schweigen. <em>\u201eUnd Hagen?\u201c,<\/em> brach der Ordensmeister dann die Stille. Hagen war sein treuester und erfahrenster K\u00e4mpfer, er war zwar \u201anur\u2018 ein Gemeiner aus dem Hause Kohlh\u00fctten, aber innerhalb des Ordens und aufgrund seiner Verdienste gestand Sieghelm ihm nach der Ordensgr\u00fcndung den Titel eines Schutzritters zu. Radulf atmete tief durch, er schien nicht zu wissen, wie er es sagen sollte. <em>\u201eHagen \u2026 ja \u2026 das wissen wir auch nicht. Seine Leute berichten, dass er zu Beginn des Weltenbrandes noch stand, doch als es dann Feuer, Eis und zerst\u00f6rende Magie regnete und sich der Boden unter unseren F\u00fc\u00dfen auftat \u2026 ward er nicht mehr gesehen. Wir wissen es nicht\u201c<\/em>, gab Radulf offen zu und war den Tr\u00e4nen nah. Auch Sieghelm war geschockt. Hagen Kohlh\u00fctten geh\u00f6rte zum Siebenerrat in Hochstieg und war sein pers\u00f6nlicher Berater. Er kannte ihn schon, als er noch ein kleiner Junge war. Radulf wischte sich durch das Gesicht, als w\u00fcrde er sich Dreck aus dem Gesicht wischen, um zu verdecken, dass er ein paar Tr\u00e4nen verdr\u00fcckte. <em>\u201eAchja \u2026<\/em>\u201c, setzte er dann mit schwacher Stimme an, <em>\u201eIlene aus Warunk, die Bannerf\u00fchrerin der Freiwilligen hat auch \u00fcberlebt, sie \u2026 ist gerade unterwegs und klappert gerade einen anderen Hof ab, in der Hoffnung, dort noch \u00dcberlebende zu finden.\u201c <\/em>Sieghelm nickte nur, es war nur ein schwacher Trost, er kannte sie nicht und er ertappte sich dabei wie er sich w\u00fcnschte, dass er Hagen jederzeit gegen sie eintauschen w\u00fcrde. Denn der Krieg hatte ihn soeben mehrere seiner langj\u00e4hrigen Freunde und Wegbegleiter genommen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Metall von Sieghelms Plattenr\u00fcstung schepperte mit jedem Schritt, den er durch das Unterholz tat. 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