{"id":8730,"date":"2020-12-13T12:00:19","date_gmt":"2020-12-13T11:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8730"},"modified":"2020-12-13T11:45:02","modified_gmt":"2020-12-13T10:45:02","slug":"teil-v-getrennt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8730","title":{"rendered":"Teil V &#8211; Getrennt (2)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"330\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/dd0qyn6-2cdce1bf-e7d6-42b0-b512-bf374d1b63c2-e1606735118370-1024x330.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8731\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/dd0qyn6-2cdce1bf-e7d6-42b0-b512-bf374d1b63c2-e1606735118370-1024x330.jpg 1024w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/dd0qyn6-2cdce1bf-e7d6-42b0-b512-bf374d1b63c2-e1606735118370-300x97.jpg 300w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/dd0qyn6-2cdce1bf-e7d6-42b0-b512-bf374d1b63c2-e1606735118370-768x248.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>  <strong>Burg Auraleth &#8211; 18. Peraine, 34 nach Hal \u2013 Am Nachmittag<\/strong> <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-811x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8617\" width=\"156\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-811x1024.png 811w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-238x300.png 238w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-768x969.png 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1.png 1030w\" sizes=\"auto, (max-width: 156px) 100vw, 156px\" \/><figcaption>H\u00fcterin der Saat<br \/><strong>Adellinde<\/strong><br \/>Peraine-Priesterin<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ihre Brust brannte, als sie immer wieder nach oben schaute und die Zinnen von Burg Auraleth n\u00e4herkommen sah. An oder hinter den Mauern der Praiotenfeste w\u00fcrde sie mit Sicherheit Schutz finden. Oder vielleicht sogar Verst\u00e4rkung. Ihre Tr\u00e4nen \u00fcber den pl\u00f6tzlichen Verlust von Hagen hatte sie inzwischen weggewischt, doch noch immer schmerzte sie seine Opferung. Er hatte ihr damit Zeit verschafft, um sich au\u00dferhalb der Sichtweite der Untoten zu bringen, aber dennoch gab er sein Leben f\u00fcr ihres \u2013 was sie schmerzte. W\u00e4hrend sie immer weiter rannte und sich von Baum zu Baum versteckte, um sich immer wieder Mal kontrollierend umzusehen, musste Sie an das Gespr\u00e4ch mit Hagen denken. Sie hatte ihn dazu gebracht sein Handeln zu hinterfragen und f\u00fcr einen kurzen Moment hatte sie eine Verbindung gesp\u00fcrt. Auch wenn der Mann aus Waldsend schmutzig, sch\u00e4big und stinkend war, so war unter der Kruste nur eine verirrte Seele, die nach Halt suchte. Und Adellinde gab ihm wieder Halt \u2013 nur das eben dieser Halt ihn geradewegs in die Arme Borons getrieben hatte. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HagenvF-819x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8757\" width=\"198\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HagenvF-819x1024.png 819w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HagenvF-240x300.png 240w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HagenvF-768x960.png 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/HagenvF.png 1638w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><figcaption>Beschirmer<br \/><strong>Hagen von F\u00f6hrenstieg<\/strong><br \/>Orden vom Bannstrahl Praios <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Adellinde erreichte mit dreckigem Saum an der gr\u00fcnen Geweihtenklufft die erste Au\u00dfenmauer von Burg Auraleth, der schon vor langer Zeit geschliffene erste Festungsring hatte zahlreiche Breschen. Sie waren so gro\u00df, dass darin B\u00fcsche und B\u00e4ume wachsen konnten. Sie kletterte \u00fcber die mit Moos und Erde \u00fcberwucherten Steine und lief weiter zum zweiten Festungsring. <em>\u201eHilfe!\u201c<\/em>, rief sie au\u00dfer Atem, doch niemand schien zu antworten. Sie erreichte den zweiten Festungsring, doch auch dieser hatte alte Breschen. Als sie erneut \u00fcber Steine kletterte, sah sie im Innenhof des zweiten Festungsrings mehrere Leichen liegen. Sie erkannte die wei\u00dfgoldenen Farben von Geweihten des G\u00f6tterf\u00fcrsten und einige Akoluthen \u2013 aber auch mehrere zerfetzte Gestalten, die wohl du Galottas Truppen geh\u00f6rt haben m\u00fcssen. Anscheinend hatte hier vor kurzem ein Kampf stattgefunden und niemand hatte es geschafft die Leichen ordentlich beiseite zu schaffen, geschweige denn sie zu bestatten. Sie blickte hoch zu einem der rauchenden T\u00fcrme und sendete ein kurzes Sto\u00dfgebet zu Praios, dass jemand auf der Festung \u00fcberlebt haben m\u00f6ge. <em>\u201eSo helft mir doch, bitte!\u201c<\/em>, rief sie wieder, und ihre Stimme \u00fcberschlug sich, da sie noch immer au\u00dfer Atem war. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf einer Anh\u00f6he gelegen, erblickte sie einen weiteren Festungsring, der jedoch Intakt zu sein schien, nach links und rechts sah sie nur hohe Mauern. Auf den ersten Blick schien Festung Auraleth standgehalten zu haben. Sie ersp\u00e4hte einen Aufweg, zu dem sich immer wieder stolpernd und teilweise kletternd hoch bewegte. Mit schmutziger und zerschlissener Robe erreichte sie den breiten Weg und entdeckte endlich einen der Eing\u00e4nge zur Festung. Die Tore waren geschlossen und hinter den Mauern stieg dichter Rauch auf. Sie stellte sich ersch\u00f6pft vor das Tor, wischte sich an ihrer Robe das Gesicht trocken und holte nochmal Luft: <em>\u201eIm Namen des Herrn Praios, h\u00f6rt mich jemand!\u201c, <\/em>br\u00fcllte sie so laut sie konnte. Sie hoffte inst\u00e4ndig, dass hinter den Mauen sich noch jemand befand, der ihr wohlgesonnen war. Wenn Festung Auraleth besetzt war und Galottas Schergen herausst\u00fcrmen w\u00fcrden, h\u00e4tte Sie nicht mehr die Kraft erneut zu fliehen. Ihre Beine zitterten und ihre H\u00e4nde waren ganz kalt. Sollten die G\u00f6tter entscheiden, wie es nun weiter geht, dachte sie sich schicksalsergeben. Tats\u00e4chlich \u00f6ffnete sich eine kleine Pforte in dem m\u00e4chtigen Tor und ein \u00e4lterer Mann mit grauem Bart, Kettenhemd und wei\u00dfem Wappenrock lugte heraus. <em>\u201eBei den Zw\u00f6lfen, welch eine Freude euch zu sehen \u2013 ich bin H\u00fcterin der Saat Adellinde, ich komme in h\u00f6chster Not, bitte lasst mich rasch ein!\u201c<\/em>, stellte sie sich z\u00fcgig vor und trat n\u00e4her. Doch als der Mann seinen Schwertknauf nach vorne schob und mit einer Hand daran rumfingerte, blieb sie in respektvollen Abstand stehen. <em>\u201eDem Himmelrichter zum Gru\u00dfe, ich bin Hermann der Pf\u00f6rtner \u2013 beweist mir zuerst eure Worte, bevor ich euch einlasse!\u201c<\/em> Die Antwort des Pf\u00f6rtners verwunderte Adellinde, sie hatte nicht erwartet sich \u201abeweisen\u2018 zu m\u00fcssen, schon gar nicht vor einem Praioten. Zumal sie auf Anhieb nicht wusste, wie sie das h\u00e4tte anstellen sollen. <em>\u201e\u00c4hm \u2026 wie stellt ihr euch vor, soll ich das tun? Ich bin eine bescheidene Dienerin der H\u00fcterin des Lebens, ich f\u00fchre nichts von Wert bei mir \u2013 ich habe nur meine Robe, mein Glauben und mein Wort.\u201c <\/em>Der Pf\u00f6rtner musterte sie. Als sie seine pr\u00fcfende Blicke auf ihrer dreckigen und zerschlissenen Robe sp\u00fcrte, wurde ihr ein wenig unbehaglich. Sie w\u00fcnschte sich eine saubere und neue Robe her, am liebsten sogar ein hei\u00dfes Bad, doch die Umst\u00e4nde machten es ihr unm\u00f6glich. Als Hermann der Pf\u00f6rtner zu einer Antwort ansetzte, kam sie ihm zuvor und machte dabei einen mutigen Schritt nach vorne: <em>\u201eH\u00f6rt zu, Hermann der Pf\u00f6rtner \u2013 ich habe nur mein Wort, und ihr seid ein Diener des Herrn des Lichts, der die Wahrheit erkennt, wenn er sie sieht \u2013 ich k\u00f6nnte euch jetzt auf Anhieb mehrere Gebete an die Herrin Peraine rezitieren und sogar das ein oder andere Sto\u00dfgebet an unseren G\u00f6tterf\u00fcrsten, aber ich habe keine Zeit daf\u00fcr! Ich reise mit dem edlen Reichsritter und Ordensmeister Sieghelm von Spichbrecher zu Hochstieg, dem ehrenwerten Sieger der Fr\u00fchlingsturney \u2013 ihr habt bestimmt Kunde davon bekommen. Seine Exzellenz ist in der N\u00e4he und in gr\u00f6\u00dfter Not, er ben\u00f6tigt sofort eure Hilfe \u2013 denn er stellt sich da drau\u00dfen tapfer gegen die untoten Horden Galottas, die ihr vers\u00e4umt habt von eurem Land zu tilgen! Und nun lasst mich ein!\u201c <\/em>Mit jedem Satz, den sie rausfeuerte, wurde sie nicht nur schneller, sondern auch lauter und bestimmter. Am Ende stand sie kurz vor des Pf\u00f6rtners Nase und blickte ihn vernichtend an. <em>\u201eHermann, lass die Geweihte ein\u201c, <\/em>dr\u00f6hnte eine kr\u00e4ftige M\u00e4nnerstimme von Innen, woraufhin der alte Pf\u00f6rtner sofort dem\u00fctig Platz machte. Adellinde schl\u00fcpfte mit einer kurzen Danksagung hindurch und stand pl\u00f6tzlich vor einer Gruppe aufgesattelter Reiter, angef\u00fchrt von einem Mann mit rot vernarbten und teils verbundenen Gesicht, so dann man nur eins seiner Augen sehen konnte. Er trug auf seinen Kopf eine wei\u00dfe Kappe auf der eine goldene Sonne gestickt war und dazu eine in der Praiossonne au\u00dfergew\u00f6hnlich hell gl\u00e4nzende R\u00fcstung mit gelbroten Praiossymbolen darauf. Seine erhabene und autorit\u00e4re Erscheinung wurde durch sein markant breites Gesicht und den frisch vernarbten Gesichtsz\u00fcgen noch unterstrichen. Instinktiv machte Adellinde eine leicht verneigende Geste vor dem Mann, der eine Gruppe aus vier weiteren Reitern anf\u00fchrte. <em>\u201eIch bin Hagen von F\u00f6hrenstieg\u201c, <\/em>begann der Mann vom Pferd herunter mit lauter und anklagender Stimme zu donnern. <em>\u201eBeschirmer der Ordnung der Mittellande und Herr von Burg Auraleth, seit Hochmeister Rapherian von unserem Herrn h\u00f6chstselbst abberufen wurde.\u201c <\/em>Er machte eine kurze Pause um Luft zu holen und fuhr dann langsam mit noch anklagendem Ton fort: \u201e<em>Ihr besitzt eine laute und dreiste Stimme und f\u00fchrt noch dazu eine dreiste Anklage ins Feld \u2026 und das f\u00fcr eine Geweihte der g\u00fctigen G\u00f6ttin.\u201c <\/em>Adellinde, die sich das erste Mal seit Tagen wieder unter Geweihten befand, verga\u00df, dass sie es hier mit Praioten zutun hatte. Selbst unter anderen Geweihten, galten sie als herrschs\u00fcchtig und gelegentlich \u00fcberheblich. Sie kramte kurz in ihrer inneren Bibliothek zu Titeln und R\u00e4ngen und erinnere sich daran, dass ein Beschirmer dem Rang eines Ordensmeisters beim Orden des Bannstrahls Praios\u2018 gleichkam. Mit einer tiefen entschuldigenden Verneigung setzte sie noch einmal etwas leiser an: <em>\u201eBitte verzeiht mir meinen unangemessenen Ton, eure Exzellenz. Es liegt mir fern Anklagen zu erheben. Erlaubt mir mich zu erkl\u00e4ren. Ich bin aus Perz, mein Tempel dort wurde von Galottas Horden gesch\u00e4ndet und gepl\u00fcndert, seine Wohlgeboren Sieghelm von Spichbrecher, hat mich dort gefunden und mitgenommen \u2013 seither reise ich mit ihm und helfe ihm bei seiner Queste seinen Vater, Baron Parzalon zu Dettenhofen wiederzufinden.\u201c <\/em>F\u00fcr einen Moment blickte Adellinde auf, doch aufgrund der blendenden R\u00fcstung konnte sie ihn nicht allzu lange ansehen, weshalb sie wieder zum Boden schaute, der genauso aufgew\u00fchlt war wie sie. <em>\u201eIm Wald im Rahja, wurden wir von zahllosen Untoten \u00fcberrascht und wurden getrennt. Er stellte sich ihnen tapfer entgegen, damit ich zu fliehen vermochte.\u201c <\/em>F\u00fcr einen kurzen Moment \u00fcberlegte sie, ob sie von dem anderen \u201aHagen\u2018 erz\u00e4hlen solle, entschied sich aus taktischen Gr\u00fcnden jedoch dagegen. <em>\u201eDer ehrenwerte Reichsritter und Ordensmeister ben\u00f6tigt eure Hilfe, er steckt in gr\u00f6\u00dfter Not und ihr seid seine und meine letzte Hoffnung, eure Exzellenz.\u201c <\/em>Als Adellindes Schilderung endete, kehrte Stille ein. Sie schaute weiterhin zu Boden, denn sie traute sich nicht dem Mann in die Augen \u2013 bzw. in das Auge zu sehen. Sie hoffte die richtigen Worte mit dem richtigen Ton angeschlagen zu haben. Sie wusste, sie w\u00fcrden ihr schon nichts tun, aber sie musste sie irgendwie \u00fcberzeugen. Da brach der Beschirmer mit lauter Stimme das Schweigen: <em>\u201eIch kenne den Reichsritter. Er war vor kurzem hier auf Burg Auraleth.\u201c <\/em>Jetzt konnte Adellinde nicht anders als verwundert zu ihm aufzuschauen. Zu dem Pf\u00f6rtner gewandt, redete er im Befehlston weiter: <em>\u201eHermann, \u00f6ffnet die Tore \u2013 wir reiten aus.\u201c <\/em>Der alte Pf\u00f6rtner tat wie ihm gehei\u00dfen, indem er in seiner Wachnische an einem Seil zog, das zum Mechanismus zum \u00d6ffnen der Festungstore f\u00fchrte. Ein ganz leises Klingeln war zu h\u00f6ren. Adellinde trat zur Seite, da sie den f\u00fcnf Reitern Platz machen wollte. Sie war nicht sicher, ob der Beschirmer jetzt ausreiten wollte um Sieghelm zur Hilfe zu eilen, oder ob er ohnehin gerade in eine andere Richtung losreiten wollte. \u00dcber Adellinde und der Gruppe Bannstrahler ratterte der Mechanismus los, es knallte laut, als die Ketten auf Metall prasselten und das massive Fallgitter hochgehoben wurde, w\u00e4hrend der Pf\u00f6rtner zusammen mit vier anderen das Holztor aufstemmte. Als das laute Rasseln der Ketten verklungen war, ritt die Gruppe etwas vor und der Beschirmer hielt sein Ross direkt neben Adellinde an. Ohne sie anzusehen, fragte er sie: <em>\u201eIn welche Richtung sagtet ihr, war der Reichsritter?\u201c <\/em>Sie schaute auf und konnte von Nahen sehen, dass das Gesicht des Mannes vor kurzem verbrannt wurde. Seine Verb\u00e4nde waren frisch gewechselt, aber unter ihnen lag eine dicke Schicht Brandsalbe, um seine Verletzung zu lindern und die Heilung zu f\u00f6rdern. Adellinde wusste, dass er ungeheuerliche Schmerzen haben musste. Eine Verbrennung dieser Art und in der Gr\u00f6\u00dfe, w\u00fcrde jeden normalen Menschen mit Fiber an die Bettstatt fesseln, doch Hagen von F\u00f6hrenstieg machte nicht den Hauch eines Eindrucks beeintr\u00e4chtigt zu sein. <em>\u201eIn Richtung Rahja, nahe eines Nebenarms der Gernat.\u201c <\/em>Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, gab der Burgherr seinem Pferd die Sporen und alle f\u00fcnf Reiter preschten unter lautem Hufengeklapper los. Sie zogen bei ihrem Ritt eine dicke Staubwolke hinter sich her, w\u00e4hrend Adellinde wieder das metallische Geschepper der Torkette h\u00f6rte, als das Fallgitter herab gelassen wurde. Am liebsten w\u00e4re sie mitgekommen, doch das lag nun au\u00dferhalb ihrer Macht. Sie war in Sicherheit \u2013 vorerst. Und sie musste darauf vertrauen, dass es den Bannstrahlern gelang, Sieghelm und oder Kalkarib zu finden. Erst jetzt fiel ihr ein, dass Sie den Praioten nichts von dem jungen Novadi erz\u00e4hlt hatte, aber das war wohl auch besser so. Sie w\u00fcrden ganz bestimmt nicht wegen eines einzelnen unbedeutenden Novadis auch nur einen Finger kr\u00fcmmen, so viel wusste sie \u00fcber die Anh\u00e4nger des Ordens des Herrn Praios\u2018. <\/p>\n\n\n\n<p>Adellinde beschloss n\u00e4her zum Burgried aufzusteigen. Auch wenn sie nun schon die dritte Festungsmauer durchquert hatte, war sie noch immer nicht im Inneren Burgfried angekommen, es gab noch einen weiteren Verteidigungsring, den sie durchqueren musste. Sie nah nun endlich die Quelle der schwarzen Rauchwolke, die Praioten hatten die Leichen der Untoten und die der Toten S\u00f6ldner und der anderen Gesch\u00f6pfe aus Galottas Armee zu einem Haufen zusammengetragen und waren dabei, sie dem Feuer zu \u00fcbergeben. Eine Gruppe Praioten zerrten die leblosen K\u00f6rper von alten Handkarren und warfen diese auf den gro\u00dfen brennenden Haufen, der h\u00f6her war, als sie selbst. Adellinde bedeckte ihre Nase aufgrund des dabei entstehenden Gestanks. Doch dann h\u00f6rte sie ein paar Schreie aus einem Pallas. Instinktiv ging sie hin und entdeckte in der breiten, an der Wehrmauer gelegenen Stallung ein hastig angelegtes Krankenlager. Dutzende, auf den ersten Blick nicht z\u00e4hlbare Mengen an Verletzten, Versehrten und Kranken lagen auf Strohlagern quer und teils schon \u00fcbereinander verteilt in der Scheune. Sie ging hinein und jeder Dritte griff nach ihr, rief nach ihr, schrie oder wimmerte leise. Es waren nicht nur Praioten, nein, es waren die unterschiedlichsten Leute, gr\u00f6\u00dftenteils Soldaten vom Feld, die es lebend vom Mythraelsfeld geschafft hatten, dachte sich Adellinde zuerst. Es waren jedoch auch Stadtbewohner und B\u00fcrger dabei. Dann fiel ihr wieder ein, das Wehrheim vom Magnum Opus zerst\u00f6rt wurde und es wohl auch \u00dcberlebende von dort waren. Jede ihr bekannte oder nicht bekannte Verletzungsart war vertreten und die Luft des Ortes war gef\u00fcllt von Schmerzensschreien und Hilferufen. Adellinde wankte ziellos durch die Scheune, fl\u00fcsterte hier und dort Sto\u00dfgebete f\u00fcr die Verletzten, tupfte fiebernden Leuten die Stirn ab und taumelte dann ziellos weiter. Auch der ganze Pallas war gef\u00fcllt mit Verletzten und es gab viel zu wenig Fachkundige, die sich um sie k\u00fcmmern konnten. Sie wusste nicht genau wie lange, aber sie verbrachte mehrere Stunden dort, k\u00fcmmerte sich um die Verletzten, half Verb\u00e4nde anzulegen oder zu wechseln, improvisierte selber welche aus ihrem Unterkleid, wusch Wunden aus und stand dem einen oder anderen bei, als dieser zu Boron ging. Bis in den Praiosuntergang hinein blieb sie dort und arbeitete bis zur Ersch\u00f6pfung. Als sie auf dem Hof des Pallas am Brunnen neues Wasser holte, lehnte sie sich kurz daran, um durchzuatmen, doch ihr K\u00f6rper zollte Tribut f\u00fcr die harten letzten Tage und sie schlief binnen eines Lidschlags ein. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ihre Brust brannte, als sie immer wieder nach oben schaute und die Zinnen von Burg Auraleth n\u00e4herkommen sah. An oder hinter den Mauern der Praiotenfeste w\u00fcrde sie mit Sicherheit Schutz finden. Oder vielleicht sogar Verst\u00e4rkung. Ihre Tr\u00e4nen \u00fcber den pl\u00f6tzlichen Verlust von Hagen hatte sie inzwischen weggewischt, doch noch immer schmerzte sie seine Opferung. 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