{"id":8722,"date":"2020-11-29T14:57:42","date_gmt":"2020-11-29T13:57:42","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8722"},"modified":"2020-11-29T15:44:57","modified_gmt":"2020-11-29T14:44:57","slug":"teil-iv-nebel-des-krieges-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8722","title":{"rendered":"Teil IV \u2013 Nebel des Krieges (3)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"235\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/6865133-1576915361-e1600600345130-1024x235.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8679\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/6865133-1576915361-e1600600345130-1024x235.png 1024w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/6865133-1576915361-e1600600345130-300x69.png 300w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/6865133-1576915361-e1600600345130-768x176.png 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/6865133-1576915361-e1600600345130.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>   <strong>Auf dem Mythraelsfeld nahe Wehrheim &#8211; 18. Peraine, 34 nach Hal \u2013 Zur Praiosstunde<\/strong>  <br \/><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8322\" width=\"174\" height=\"207\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png 605w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein-253x300.png 253w\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 85vw, 174px\" \/><figcaption>Ordensmeister<br \/><strong>Sieghelm Gilborn<\/strong><br \/>von Spichbrecher<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-811x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8617\" width=\"163\" height=\"206\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-811x1024.png 811w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-238x300.png 238w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-768x969.png 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1.png 1030w\" sizes=\"auto, (max-width: 163px) 85vw, 163px\" \/><figcaption>H\u00fcterin der Saat<br \/><strong>Adellinde<br \/><\/strong>Peraine-Geweihte<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ordensmeister kehrte nach erfolgloser Suche zum provisorischen Lager zur\u00fcck. Adellinde sa\u00df dort noch immer zusammen mit Hagen aus Waldsend und sie schienen in ein intensives Gespr\u00e4ch vertieft, weshalb er sie nicht st\u00f6ren wollte. Er ging zu seinem Pferd und nahm einen kr\u00e4ftigen Schank aus seinem Wasserschlauch, denn von dem Leichengestank war seine Kehle ganz trocken geworden. Er \u00fcberpr\u00fcfte seine Ausr\u00fcstung, ging die Vorr\u00e4te durch und friemelte hier und dort an seiner Plattenr\u00fcstung herum. Der Marsch \u00fcber das Mythraelsfeld hatte den Glanz von deinem R\u00fcstzeug genommen und er musste sich daran machen, sie wieder auf Vordermann zu bringen. Also packte er sein Putzzeug aus, hockte sich scheppernd auf einen umgefallenen Baumstamm und begann seine R\u00fcstung zu reinigen. Kaum hatte sich der Reichsritter hingesetzt, h\u00fcpfte Pagol heran, umschw\u00e4nzelte dessen Beine und lie\u00df sich dann ersch\u00f6pft zu seinen eisenbewehrten F\u00fc\u00dfen nieder. Die Zeit verging qu\u00e4lend langsam. Adellinde unterhielt sich w\u00e4hrenddessen immer intensiver mit dem Leichenfledderer. Sieghelm bekam nur ein paar Wortfetzen mit, anscheinend hielt sie ihm keine Predigt, sondern versuchte den Mann dazu zu bewegen, sein Handeln zu hinterfragen. Dieser wiederum hing an ihren Lippen und lauschte sehr aufmerksam ihren Worten. So verstrich die Zeit und w\u00e4hrend Sieghelm seine R\u00fcstung putzte, fragte er sich immer wieder, ob Kalkarib wohl etwas gefunden haben k\u00f6nnte, dass er jetzt schon so lange wegblieb. Das Gespr\u00e4ch zwischen Hagen und Adellinde unterbrach sie irgendwann mit den Worten: <em>\u201eIhr m\u00fcsst dar\u00fcber nachdenken, ich lasse euch f\u00fcr einen Moment in Ruhe.\u201c<\/em> \u00a0Die zierliche Priesterin ging zum Ritter her\u00fcber und setzte sich vorsichtig neben ihn. Sie st\u00f6hnte etwas, was Sieghelm dazu veranlasste nachzufragen: <em>\u201eStimmt etwas nicht?\u201c<\/em> Sie schien etwas aus den Gedanken gerissen und z\u00f6gerte mit der Antwort. <em>\u201eNein, es ist alles in Ordnung. Ich musste nur gerade daran denken, dass ich so etwas schon lange nicht mehr getan hatte.\u201c<\/em> <em>\u201eWas meint ihr?\u201c \u201eDiese Art von Unterhaltung. Einer in seinem Glauben wankenden Person durch meine Worte wieder Halt zu geben. Das war eigentlich eine meiner Hauptbesch\u00e4ftigungen in Perz. Bevor all dies geschah\u201c, <\/em>schob sie noch hinterher und r\u00fchrte dabei genervt wirkend mit dem Finger in der Luft.\u00a0Sieghelm hob seine Augenbrauen und dachte kurz nach, w\u00e4hrend er seine Unterarmschienen polierte. <em>\u201eGab es in eurem Ort denn so viele vom rechten Weg Abgekommene?\u201c <\/em>Adellindes Augen wurden kugelrund als der Reichsritter fragte. <em>\u201eOh ihr w\u00fcrdet staunen, wie viele Leute Gareth verlassen hatten, um ihr Gl\u00fcck anderswo zu suchen. Wehrheim ist \u2026 war \u2026 eine verhei\u00dfungsvolle Garnisonsstadt, in der man sein Leben stets in den Dienst des Kaisserreichs stellen konnte. Es gab viele rastlose Seelen, die noch nie Gareth verlassen hatten, um in Wehrheim ein neues Leben anzufangen. Doch Aves sei dank, haben sie unterwegs ihr Leben hinterfragt und haben so manches mal bei uns im Tempel halt gemacht, um nach Rat zu suchen.\u201c<\/em> Sieghelm unterbrach sie: <em>\u201eMoment, das hei\u00dft ihr habt es Ihnen ausgeredet?\u201c <\/em>Adellinde war schockiert und legte eine Hand auf ihre Brust. <em>\u201eEs Ihnen ausgeredet? Nein! Peraine ist meine Zeugin, das habe ich nicht. Ganz im Gegenteil!\u201c <\/em>Sieghelm atmete erleichtert aus.<em> \u201eDann ist gut. Ich hatte schon bef\u00fcrchtet ihr \u2026\u201c \u201eIch habe Ihnen nur wieder Vertrauen in die Zw\u00f6lfe und damit erneut Halt im Leben gegeben.\u201c<\/em>, unterbrach sie den Reichsritter und pulte sich dabei in den Fingern\u00e4geln herum. Sieghelm, der das Putzen einstellte, belegte die Priesterin nun mit einem scharfen Blick und holte f\u00fcr einem l\u00e4ngeren Satz tief Atem, als direkt hinter ihnen die Pferde pl\u00f6tzlich scheuten. Der wachsame Ritter sprang sofort auf und griff zum Schwert, welches er wegen der R\u00fcstungspflege mit samt der Scheide abgelegt hatte. Auch Pagol sprang auf und sah sich wachsam um. Nur Adellinde blieb blinzelnd und leicht verwirrt sitzen. <em>\u201eIst bei euch \u2026\u201c \u201ePssst!\u201c<\/em>, zischte Sieghelm sie an, w\u00e4hrend seine braunen Augen das lichte Waldgebiet absuchten. <em>\u201eBeruhigt die Pferde und macht sie los\u201c<\/em>, begann er im leisen Tonfall zu erkl\u00e4ren. <em>\u201eKalkarib ist schon lange fort und nur die G\u00f6tter wissen, was hier noch so durch das Unterholz streicht.\u201c<\/em> Mit seinem Anderthalbh\u00e4nder noch in der Scheide, schritt Sieghelm das provisorische Lager ab und schaute in alle Richtungen, w\u00e4hrend die Geweihte, wie ihr befohlen, zu den drei Pferden ging und sie versuchte zu beruhigen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Waldst\u00fcck, in dem sich Sieghelm und seine Gef\u00e4hrten befanden, geh\u00f6rte zum leicht h\u00fcgeligen Gebiet des Flusses Gernat. Der fl\u00f6\u00dfbare Seitenarm der Dergel befand sich rahjaw\u00e4rts von ihnen, weshalb es in diese Richtung leicht bergab ging. Und aus eben dieser Richtung kommend, sah Sieghelm in der Entfernung Bewegungen durch die B\u00e4ume hindurch. <em>\u201eDort kommt etwas auf uns zu. Macht die Pferde bereit, Adellinde\u201c,<\/em> raunte Sieghelm ihr erneut zu. Z\u00fcgig legte er kurz das Schwert ab, schnappte sich seinen Helm und streifte ihn sich \u00fcber den Kopf. Inzwischen war auch der in seinen Gedanken versunkene Leichenfledderer wieder \u201aerwacht\u2018 und da er den Ritter alarmiert umschauen sah, erhob er sich, war sich jedoch unsicher, was er tun sollte und stand daher nur wie angewurzelt da. Die Geweihte l\u00f6ste die Z\u00fcgel der Pferde, half Pagol auf seinen Hochsitz und verstaute so schnell und gleichwohl lautlos, wie sie konnte, die Ausr\u00fcstung. <em>\u201eWas ist mit Kalkarib?\u201c, <\/em>rief sie im lauten Fl\u00fcsterton zu Sieghelm her\u00fcber, der M\u00fche hatte, die Bewegungen im Dickicht auszumachen. <em>\u201eEr wird unserer F\u00e4hrte folgen m\u00fcssen\u201c<\/em>, antwortete er und kniff die Augen zusammen. Da heulte pl\u00f6tzlich in einem ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rm eines der Pferde auf, stieg in die L\u00fcfte, dass Adellinde, die gerade die Z\u00fcgel in der Hand hatte, mitgerissen wurde, und fiel dann mit einem lautem rumsen seitlich zu Boden. Die Priesterin hatte Gl\u00fcck und landete wieder auf ihren Beinen und kam nur etwas ins Straucheln. Doch das Pferd hatte zwei Pfeile in der Flanke stecken. Anhand der Position der Pfeile erkannte Sieghelm sofort, dass sie aus einer anderen Richtung als das Flussbett kamen und sie sich daher in unmittelbarer Gefahr befanden. <em>\u201eHinterhalt!\u201c, <\/em>rief er und lie\u00df Custoris unter einem kaum h\u00f6rbaren Donnergrollen aus der Schwertscheide schnellen. Die beiden anderen Pferde wurden pl\u00f6tzlich so aufgeregt, dass es mit ihnen durchging und sie aus dem Stand lostrabten. Adellinde konnte ihre Hand noch in letzter Sekunde aus der Schlaufe des Pferdes holen und wurde somit nicht mitgerissen. <em>\u201eLauft schnell, in diese Richtung!\u201c, <\/em>befahl der Ritter im lauten Ton und deutete mit der langen Schwertscheide, die er in seiner Linken hielt, in Richtung Efferd. Adellinde brauchte einen Moment, um sich von dem Schreck zu erholen, doch dann eilte sie los. Auch Hagen nahm die Beine in die Hand und begleitete sie, w\u00e4hrend sich im Rennen seine Arme und Beine zu \u00fcberschlagen begannen. Sieghelm, der in einer \u00fcber f\u00fcnfzig Stein schweren Metallr\u00fcstung stand, wusste, dass es keinen Sinn hatte zu rennen und es nicht nur rondragef\u00e4llig, sondern auch noch nandusgef\u00e4llig war, sich langsam fortzubewegen und sich dem Feind zu stellen, anstatt vor ihm zu fliehen. Er hatte die zwei in Richtung Burg Auraleth geschickt, in der Hoffnung, dass dort noch Praioten waren, die Ihnen Schutz bieten konnten oder sie sich zumindest in den zahlreichen geschliffenen Wehrmauern verstecken und Schutz suchen konnten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ordensmeister musste nicht lange warten, er folgte zwar in z\u00fcgigen Schritten den anderen, doch rasch kamen aus dem Dickicht mehrere Gestalten hervor. Die G\u00f6tter hielten f\u00fcr ihn eine weitere Pr\u00fcfung bereit. Er hatte auf seiner Queste schon gegen Ghule und abtr\u00fcnnige S\u00f6ldner k\u00e4mpfen m\u00fcssen, doch in Galottas Heerwurm k\u00e4mpfen noch andere widerw\u00e4rtige Kreaturen mit. Da der F\u00e4ulnis- und Verwesungsgeruch wegen der zahlreichen gefallenen Streiter und der zerst\u00f6rten Untoten auf dem Mythraelsfeld allgegenw\u00e4rtig war, war es unm\u00f6glich diese Gruppe im Vorhinein auszumachen. \u00a0Aus dem Dickicht kamen mehrere Skelette mit B\u00f6gen und schartigen \u00c4xten und zum Teil verweste Untote in verrosteten R\u00fcstungsteilen und schartigen Schwertern. Er z\u00e4hlte sechs von Ihnen, die den Hinterhalt gelegt hatten, w\u00e4hrend sich eine wohl noch gr\u00f6\u00dfere Anzahl flussw\u00e4rts befand. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00a0<em>\u201eIn Namen der leuenk\u00f6pfigen G\u00f6ttin, Herrin Rondra, ich stehe hier \u2013 dein Streiter \u2013 und ersuche dich erneut um deinen Beistand\u201c, <\/em>begann er in absichtlich lauten Ton, um die Untoten auf sich zu lenken, w\u00e4hrend Adellinde das Weite suchte. Sieghelm musste hilflos mitansehen, wie die zwei skelettierten Bogensch\u00fctzen Pfeile aus ihren K\u00f6chern holten und auf die Sehnen ihrer knarzigen B\u00f6gen legten, denn er war noch zu weit von ihnen entfernt und au\u00dferdem waren da noch die vier Nahk\u00e4mpfer, die einen Ansturm unm\u00f6glich machten. Leider hatte er kein Schild, denn das war mit dem Pferd durchgegangen. Er hatte nur sich, Custoris und seinen Glauben an Rondra \u2013 was Sieghelm gen\u00fcgte. Der erste Pfeil schoss zischend an Sieghelm vorbei, Rondra sei dank waren Untote miserable Bogensch\u00fctzen. Der zweite flog direkt auf ihn zu, doch mit einem beherzten H\u00fcpfer zur Seite brachte er sich aus der Schussbahn. <em>\u201eHerrin sieh her, ich werde nicht wanken, w\u00e4hrend ich Thargunitoths Gez\u00fccht zerschlage. Denn du bist bei mir.\u201c<\/em> Sieghelm nutzte das \u00dcberraschungsmoment, auch wenn die Untoten wohl nicht in der Lage waren, sich \u00fcberraschen zu lassen, aber zumindest hatte er dann den Vorteil, schneller bei den Bogensch\u00fctzen sein zu k\u00f6nnen. Er rannte schlagartig auf sie zu und wurde unterwegs von einem Untoten in rostiger und zerfledderter Kettenr\u00fcstung und einer Handaxt abgefangen. Schon in der Bewegung schwang Sieghelm Cursoris und ein Donner ert\u00f6nte, als der m\u00e4chtige Schwung glatt den morschen Holzstil der Axt samt Oberk\u00f6rper des Untoten Dieners m\u00fchelos durchschlug. Eine Untote B\u00e4uerin mit einem nagelbew\u00e4hrten Kantholz schlug halbherzig von der Seite zu, als Sieghelm an ihr vorbeist\u00fcrmte, wobei die rostigen N\u00e4gel wirkungslos \u00fcber Sieghelms Plattenr\u00fcstung kratzten. Der Ritter war nicht aufzuhalten und noch ehe einer der Bogensch\u00fctzen den zweiten Pfeil auf die Sehne gelegt hatte, schlug Sieghelm erneut zu. M\u00fchelos und fast ohne Widerstand durchschlug das Schwert die magisch erhobenen Knochen, die bei ihrem Weg zum Boden in ihre Einzelteile zerfielen. Mit einem rostigen Breitschwert und einem verblichenen Wappenschild bewaffnet trat ihm ein untoter Soldat entgegen. Im von F\u00e4ulnis durchzogenen Gesicht des ehemaligen Gardisten aus Warunk, was Sieghelm an den Fetzen seines Wappenrocks erkannte, tummelten sich zahlreiche Maden \u2013 was Sieghelm f\u00fcr einen kurzen Moment erschaudern lie\u00df, als er in die augenlosen L\u00f6cher im madenzerfressenen Sch\u00e4del des Gardisten blickte. Sieghelm holte aus und hatte die Gunst des ersten Schlags, da sein Bih\u00e4nder mehr Reichweite hatte als das rostige Schwert des Untoten. Mit einem feuchten Kratzen wehrte der Untote Gardist den Schlag mit dem Wappenschild ab, wobei ein St\u00fcck davon abplatzte. Aus dem Augenwinkel sah Sieghelm wieder die untote B\u00e4uerin in Schlagdistanz kommen, weshalb er zu einem riskanten Man\u00f6ver ansetzte. Mit der Linken, in der sich noch immer die Schwertscheide befand, stach er beherzt nach der B\u00e4uerin, w\u00e4hrend er mit der Rechten einen schwungvollen Hieb nach dem Gardisten schwang. Die metallene Spitze der Schwertscheide bohrte sich m\u00fchelos in den weichen Sch\u00e4del der Frau und blieb darin stecken, w\u00e4hrend Sieghelms Schwerthieb von dem Gardisten erneut mit dem morschen Schild abgewehrt wurde. Da bekam der Reichsritter einen kr\u00e4ftigen Sto\u00df gegen den R\u00fccken, das Metall heulte auf und gab nach. Er sp\u00fcrte einen ihn aus dem Gleichgewicht bringenden Faustschlag gegen sein Schulterblatt. Ein Pfeil hatte aus n\u00e4chster N\u00e4he seine Plattenr\u00fcstung durchschlagen und war in den darunter liegenden Kettenteilen h\u00e4ngen geblieben. Die im Pfeil enthaltene Kraft entlud sich dann als heftiger Faustschlag in das Schulterblatt des Streiters. Sieghelm kam leicht ins Wanken, konnte aber nun endlich sein Schwert mit zwei H\u00e4nden packen um seinen ganzen Vorteil auszuspielen. Dennoch musste er aus einer unvorteilhaften Position zwei gute Schl\u00e4ge des Gardisten abwehren, was ihm nur m\u00fchevoll gelang. Mit flinken F\u00fc\u00dfen umt\u00e4nzelte er anschlie\u00dfend den Warunker, um ihn zwischen sich und dem Bogensch\u00fctzen zu bringen. Der letzte Nahk\u00e4mpfer stellte sich neben den Gardisten, auch diesen musterte Sieghelm kurz, um seine Kampff\u00e4higkeit einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Es war zu seiner Verwunderung ein nur leicht verwester Leichnam eines Tulamiden. Die leichten und bunten, jedoch etwas verblichenen und matschbedeckten Stoffe, der Turban und das krumme Schwert, welches er in seinen H\u00e4nden hielt, waren eindeutige Hinweise. Pl\u00f6tzlich musste, auch wenn er kein Tulamide war, Sieghelm an Kalkarib denken und daran, was ihm wohl zugesto\u00dfen war oder ob er sich in Sicherheit bringen konnte. Er hoffte, dass es dem Sohn der W\u00fcste gut ging, doch im Moment hatte Sieghelm ganz andere Sorgen. Der Warunker Gardist und der untote Tulamide begannen ein Feuerwerk aus kurzen Schl\u00e4gen auf Sieghelm regnen zu lassen, den meisten davon wich Sieghelm aus, indem er kontrolliert zur\u00fcckging. W\u00e4hrenddessen lauerte auf eine gute Gelegenheit. Als der Tulamide mit seinem S\u00e4bel einmal zu weit ausgeholt hatte, zuckte Sieghelm aus der Oberhau Position einmal mit dem Anderthalbh\u00e4nder kurz herab, binnen eines Lidschlags durchschlug die Spitze des Schwerts den zerfledderten Turban und spaltete den Kopf des Untoten. Blut und Hirn spritzte in alle Richtungen und der Leichnam brach zusammen, so dass nur noch der untote Gardist und der eine Bogensch\u00fctze standen. Ein Pfeil zuckt pl\u00f6tzlich \u00fcber die Schulter des Gardisten und\u00a0 streifte Sieghelm am Helm. Er musste sich beeilen, irgendwann w\u00fcrde ein Pfeil ihn treffen. Erneut hob der Ordensmeister das Schwert in den Oberhau und deutete einen Schlag von oben an, der Gardist tat es ihm gleich und brachte sein inzwischen l\u00f6chriges Schild ebenfalls nach oben. Darauf hatte Sieghelm gewartet, er schlug zu und zwang den Gardisten zur oberen Abwehr, doch der Schwerthieb war nur eine Ablenkung, die wirkliche Gefahr drohte von Sieghelms Fu\u00df, den er mit aller Kraft voran in den Bauch des Untoten trieb. H\u00e4tte der Untote noch einem Atem gehabt, h\u00e4tte er ihn jetzt wohl verlassen, denn der Gardist flog mit Wucht nach hinten und landete auf dem R\u00fccken und verlor dabei sein rostiges Schwert. Sieghelm setzte nach und stach mit der Spitze \u00fcber ihn stehend in den Brustkorb. Es knirschte und blubberte feucht, als der weiche Oberk\u00f6rper nachgab, denn das Kettenhemd blieb stabil und wurde ins Innere des vermoderten K\u00f6rpers gedr\u00fcckt. Dann setzte er zu einem Sprint an und schoss auf dem Bogensch\u00fctzen zu. Der Hieb, der das Skelett in seine Einzelteile zerlegte, war dann nur noch Formsache. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schwer atmend \u00fcberblickte Sieghelm das Kampffeld, er hatte den Hinterhalt besiegt, doch eine gro\u00dfe Schar weiterer Leichname, Untoter und Skelette war im Anmarsch. Einige Pfeile schlugen rund um ihn ein oder purzelten wirkungslos, weil von den \u00c4sten der B\u00e4ume abgelenkt, von oben heran. Sofort zog er schmatzend die Schwertscheide aus dem Kopf der ehemaligen B\u00e4uerin und nahm die Beine in die Hand. Er hatte noch immer einen Pfeil im R\u00fccken stecken, was ihm beim Rennen behinderte. Doch zum Gl\u00fcck knickten unterwegs die sich \u00fcberlappenden Metallteile am R\u00fccken den Pfeil ab, doch der Druck im R\u00fccken blieb. Er hatte jedoch keine Zeit, sich jetzt darum zu k\u00fcmmern. Er versuchte Adellinde und den Leichenfledderer zu ersp\u00e4hen, doch die Beiden waren schon au\u00dfer Sicht. Da dachte Sieghelm an den Leutnant: Wo war er? War er mit den beiden mitgerannt, um sie zu besch\u00fctzten? Das letzte Mal, als er ihn gesehen hatte, lag er zu seinen F\u00fc\u00dfen und bei dem Kampf eben war er nicht dabei. Er hoffte das es ihm und allen anderen gut ging, denn er war nun alleine, auf sich gestellt und noch l\u00e4ngst nicht in Sicherheit. Er rannte so schnell es in der Plattenr\u00fcstung m\u00f6glich war \u2013 denn der Gegner war ihm zahlenm\u00e4\u00dfig zu sehr \u00fcberlegen. Zudem w\u00fcrde er nicht die Ausdauer haben, ewig zu rennen \u2013 denn die Untoten \u2013 wenn sie auch langsam waren, w\u00fcrden niemals ersch\u00f6pfen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sieghelm h\u00f6rte sich im Innern des Helms unterwegs schwer atmen, seine Brust brannte, doch er wusste, er musste Distanz zwischen sich und die Untotenschar bringen. Leider verlor er unterwegs seinen einzigen Orientierungspunkt aus den Augen, die Zinnen von Burg Auraleth, weshalb er nicht wusste, in welche Richtung er rannte. Er musste schnell etwas finden, wo er einen taktischen Vorteil bekam und sich etwas verschnaufen konnte. Doch die nur leicht h\u00fcgelige Ebene war viel zu flach f\u00fcr eine Engstelle, H\u00f6hlen konnte er auch nicht ausmachen und der Wald zu licht, um sich im Unterholz zu verstecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrenddessen eilten auch Adellinde und Hagen stolpernd durch den Wald. Sie folgten den weit entfernten Festungsmauern von Burg Auraleth, in dessen Richtung sie Sieghelm geschickt hatte. <em>\u201eKomm schon, lauft weiter! Glaubt an euch!\u201c,<\/em> rief sie ihm au\u00dfer Atem zu. Doch der Fledderer schien nicht bei bester Gesundheit und Kondition zu sein und hustete unterwegs ungesund. Zumal er immer wieder anhalten musste, um durchzuatmen. W\u00e4hrenddessen schaute sich Adellinde hektisch nach dem Reichsritter um, sie wollte ihn nicht verlieren, war er ihr in den kurzen Zeit doch irgendwie ans Herz gewachsen. Durch den lichten Wald hindurch h\u00f6rte sie jedoch nur das Geschepper der Untoten, die durch das Unterholz marodierten. <em>\u201eWir m\u00fcssen weiter!\u201c, <\/em>trieb sie Hagen an. <em>\u201eIch kann nicht mehr\u201c<\/em>, hustete er und st\u00fctzte sich auf seinen Knien ab. <em>\u201eWenn wir bleiben, sterben wir!\u201c, <\/em>schrie sie ihn an und sah, dass bestimmt ein dutzend Untoter gerade \u00fcber die Spitze eines H\u00fcgels auf sie zu eilten. <em>\u201eDas \u2026 ist mir gleich\u201c<\/em>, antwortete er und spuckte aus. <em>\u201eWas redet ihr da! Los, kommt weiter!\u201c <\/em> Adellinde versuchte dem Mann, ihrem Ekel vor seinem K\u00f6rpergeruch zum Trotz, unter den Arm zu greifen und weiter zu ziehen, doch er entzog sich ihrem Griff. <em>\u201eLasst mich! Ich \u2026 werde hier bleiben \u2026 und sie aufhalten.\u201c \u201eBei der g\u00fctigen G\u00f6ttin, redet nicht so einen Unsinn daher! Ihr w\u00fcrdet sterben! Ihr habt ja nichtmal eine \u2026\u201c<\/em> Adellinde hatte den Satz nicht mal zuende gesprochen, da zog der Fledderer einen Langdolch aus seinen Schaftstiefel. F\u00fcr einen ganz kurzen Moment rutschte Adellinde das Herz in die Hose, wollte er sie jetzt und hier abstechen? Doch als sich Hagen umdrehte, wurde ihr bewusst, dass der lebenstolle Mann aus Waldsend vor hatte, sich mit dem Dolch den Untoten entgegen zu stellen. <em>\u201eIch verschaffe euch etwas Zeit \u2026 nun lauft schon.\u201c <\/em>Adellinde z\u00f6gerte. Sie kannte den Mann nicht. Sie hatte mit ihm nur geredet und nun wollte er sich f\u00fcr sie opfern?! Sie wusste nicht was sie sagen sollte. Ihre Lippen zitterten und ihr wurde ganz kalt bei dem Gedanken daran. <em>\u201eIch danke euch, Euer Gnaden \u2026 und nun lauft endlich!\u201c <\/em>F\u00fcr mehr war keine Zeit, ein letzter Blick und Adellinde eilte wieder los. Ihr liefen die Tr\u00e4nen, als sie unterwegs h\u00f6rte, wie Hagen die Untoten beschimpfte, um etwas Zeit f\u00fcr Sie zu gewinnen. Sie blickte nicht zur\u00fcck, sie wusste, dass er dort gerade starb \u2013 sein Leben gab \u2013 f\u00fcr sie. Mit Tr\u00e4nen in den Augen rannte sie so lange sie konnte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ordensmeister kehrte nach erfolgloser Suche zum provisorischen Lager zur\u00fcck. Adellinde sa\u00df dort noch immer zusammen mit Hagen aus Waldsend und sie schienen in ein intensives Gespr\u00e4ch vertieft, weshalb er sie nicht st\u00f6ren wollte. Er ging zu seinem Pferd und nahm einen kr\u00e4ftigen Schank aus seinem Wasserschlauch, denn von dem Leichengestank war seine Kehle ganz &hellip; <a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8722\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eTeil IV \u2013 Nebel des Krieges (3)\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":8679,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,23],"tags":[105,98,102],"class_list":["post-8722","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gruppe-teehaus","category-sieghelm","tag-adellinde","tag-sieghelm","tag-vaterliebe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8722","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8722"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8722\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8726,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8722\/revisions\/8726"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8679"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8722"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8722"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8722"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}