{"id":8678,"date":"2020-09-20T13:03:56","date_gmt":"2020-09-20T11:03:56","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8678"},"modified":"2020-09-20T13:13:00","modified_gmt":"2020-09-20T11:13:00","slug":"teil-iv-nebel-des-krieges-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8678","title":{"rendered":"Teil IV &#8211; Nebel des Krieges (1)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"235\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/6865133-1576915361-e1600600345130-1024x235.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8679\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/6865133-1576915361-e1600600345130-1024x235.png 1024w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/6865133-1576915361-e1600600345130-300x69.png 300w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/6865133-1576915361-e1600600345130-768x176.png 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/6865133-1576915361-e1600600345130.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8322\" width=\"174\" height=\"206\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png 605w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein-253x300.png 253w\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 85vw, 174px\" \/><figcaption>Ordensmeister<br \/><strong>Sieghelm Gilborn<\/strong><br \/>von Spichbrecher<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8598\" width=\"146\" height=\"205\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png 683w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1-213x300.png 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 146px) 85vw, 146px\" \/><figcaption>W\u00fcstensohn<br \/><strong>Kalkarib<\/strong><br \/>al&#8217;Hashinnah<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-811x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8617\" width=\"163\" height=\"205\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-811x1024.png 811w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-238x300.png 238w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-768x969.png 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1.png 1030w\" sizes=\"auto, (max-width: 163px) 85vw, 163px\" \/><figcaption>H\u00fcterin der Saat<br \/><strong>Adellinde<\/strong><br \/>Peraine-Geweihte<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nacht\nvom 17. Auf dem 18. Peraine haben Kalkarib, Adellinde und Sieghelm zusammen in\neiner einsamen Scheune nahe der Reichsstra\u00dfe verbracht. Schon am Abend hatte\nsich Regen angek\u00fcndigt und ihnen blieb nichts anderes \u00fcbrig, als sich einen\nUnterschlupf zu suchen. Zudem wollten sie nicht in der Nacht ankommen, denn zu\nviele Gefahren lauerten auf einem frischen Schlachtfeld. Briganten,\nLeichenfledderer und wilde Tiere waren da noch die geringeren \u00dcbel. So kam es,\ndass die Drei ihren zugigen Unterstand erst am Morgen des 18. Peraine verlassen\nkonnten, als es nur noch ein bisschen nieselte. Nach dem Regen folgte der\nNebel, der rund um die Scheune und auch auf das Schlachtfeld waberte und wie\nschweres Tuch sich \u00fcber die stille und tote Ebene legte. Die letzten Schritte\nzum Mythraelsfeld legten die Drei zu Fu\u00df zur\u00fcck, ihre Pferde f\u00fchrten sie hinter\nsich her, denn aufgrund des nassen und aufgew\u00fchlten Bodens und der geringen\nSichtweite war es nicht m\u00f6glich zu Reiten. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eIch bin als Akoluthin mal auf dem\nMythraelsfeld gewesen. Ich habe zwischen Dergel und Gernat nach Einbeeren und\nWirselkraut gesucht. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass der Boden so\naufgew\u00fchlt war\u201c<\/em>, erz\u00e4hlte\nAdellinde, w\u00e4hrend sie immer wieder \u00fcber aufgebrochene St\u00fccken Erde h\u00fcpfen\nmusste. Auch Sieghelm musste \u00fcber eine breite Furche hinweg steigen. <em>\u201eDiese Zerr\u00fcttung ist auch keineswegs\nnat\u00fcrlich, Adellinde. Das ist das Werk des Weltenbrandes, den Galotta mit\nseiner Himmelsfeste \u00fcber Wehrheim entfesselte.\u201c <\/em>Im schweren und k\u00fchlen\nNebel war die Sichtweite der Drei beschr\u00e4nkt. W\u00e4hrend sich \u00fcber ihnen die\nPraioscheibe damit m\u00fchte durch die dichte Wolkendecke zu brechen, verh\u00fcllte der\ndichte Nebel das Gr\u00e4uel, welches in den letzten Tagen \u00fcber das Mythraelsfeld\ngekommen war. In weiter Ferne war es ihnen kaum m\u00f6glich die zersplitterten\nZacken der Wehrt\u00fcrme von Festung Karmaleth zu erblicken, die wie gespenstige\nZ\u00e4hne aus dem dichten Nebel in den ebenfalls grauen Himmel ragten. Nicht nur die\nnasskalte Atmosph\u00e4re dr\u00fcckte die Stimmung der Drei, die bei jedem Schritt etwas\nlangsamer wurden, denn die nasse Erde, die nicht nur vom Regen, sondern auch\nvom Blut der zahlreichen Mittelreicher durchtr\u00e4nkt war, blieb schwer an ihren\nStiefeln haften. Auch der unangenehm s\u00fc\u00dfliche und bei\u00dfende Leichengeruch hing wie\nder Nebel schwer auf dem Schlachtfeld. Sie stiegen \u00fcber dutzende, teilweise\n\u00fcbereinander liegende Leichen hinweg. Adellinde musste sich ein Tuch vor die\nNase halten, so aufdringlich war der Verwesungsgeruch. Einige der Leichen waren\nverst\u00fcmmelt, in grotesker Haltung liegen geblieben, g\u00e4nzlich verkohlt oder so\nzerfetzt, dass man nicht genau wusste, welches K\u00f6rperteil genau zu sehen war.\nKeinem der drei gelang es mehr die Stimme zu erheben, w\u00e4hrend sie mit immer\nschwerer werdenden Schritten tiefer in das Zentrum des Schlachtfelds\nvordrangen. Jeder fragte es sich, doch niemand traute es sich auszusprechen:\nSie wussten nicht genau wonach sie \u00fcberhaupt suchen sollten und was ihr Ziel\nwar, denn durch den dichten Nebel, der sich \u00fcber die Ebene gelegt hatte,\nvermochten sie sich auch nicht vern\u00fcnftig zu orientieren. Zwischen all den menschlichen\nLeichen lagen auch immer wieder Teile Galottas sch\u00e4ndlicher D\u00e4monenarmee. So erblickte\nsie einen kleinen Haufen gesch\u00e4lter Sch\u00e4del, an die sich Sieghelm noch gut und\nmit Schrecken erinnern konnte. Es waren rollende Anh\u00e4ufungen von Sch\u00e4deln, die\nmittels Magie dazu gebracht wurden \u00fcber ihre Gegner hinweg zu rollen und sie\ndabei bis auf die Knochen abzunagen. Doch die rollenden Sch\u00e4del waren nicht die\neinzigen grotesken und todbringenden Abscheulichkeiten, die ihnen der\nD\u00e4monenkaiser entgegengeworfen hatte. <em>\u201eSieghelm!\u201c,<\/em>\nrief Kalkarib pl\u00f6tzlich, der mit seinem Pferd stehen geblieben war und auf den\nBoden starrte. <em>\u201eIst das nicht einer von\ndeinen M\u00e4nnern?\u201c,<\/em> fragte er in seinem f\u00fcr ihn typischen novadischen Akzent\nund zeigte auf einen in den nassen und blutdurchtr\u00e4nkten Boden gedr\u00fcckten\nK\u00f6rper. Sofort kam Sieghelm her\u00fcber. Bei jedem Schritt spritzte Wasser bis auf\nseinem schwarzer Umhang, der inzwischen braun und steif geworden war. Trotz der\ndichten Schicht aus Dreck, die darauf lag, erkannte er das Wappen des\nSchutzordens der Sch\u00f6pfung auf dem Wappenrock wieder. Der Mann lag auf dem\nR\u00fccken und es fehlte der Unterk\u00f6rper, irgendetwas hatte ihn \u2013 anscheinend m\u00fchelos\n&#8211; die H\u00fcfte abw\u00e4rts durchtrennt und seine Eingeweide lagen nun in einer dunklen\nPf\u00fctze aus Regenwasser und Blut. W\u00e4hrend sich Regenwasser in seinem im Moment\ndes Todes aufgerissenen Mund sammelte, blickten seine blauen, inzwischen etwas\ntr\u00fcb gewordenen Augen starr gen Himmel, als w\u00fcrden sie gen Alveran blicken und\num Erl\u00f6sung bitten. Die letzten Momente des Mannes musste er niederh\u00f6llische\nSchmerzen gehabt haben. Sieghelm starrte das aschfahle Gesicht der Leiche an,\nals w\u00fcrde er darin verzweifelt etwas suchen. Inzwischen war auch Adellinde zu\nIhnen gesto\u00dfen. Als sie den toten K\u00f6rper erblickte, muss sie sich erneut ein\nTuch vor den Mund halten und kurzen Sto\u00dfgebet gen Himmel schicken. <em>\u201eKennt ihr den Mann?\u201c,<\/em> frug sie durch\ndas Tuch mit unterdr\u00fcckter Stimme. <em>\u201eNein\u201c<\/em>,\nantwortete er traurig. Doch in seiner Stimme lag mehr, als er verraten wollte.\nSieghelm machte sich Vorw\u00fcrfe. Vorw\u00fcrfe, dass er den Namen des jungen Mannes,\nder sein Leben f\u00fcr ihn und das Mittelreich gegeben hatte, nicht kannte. Er\nkannte nicht mal sein Gesicht, w\u00fcrde er nicht den silbernen Halbmond und den\nsilbernen Blutstropfen auf schwarzen Grund tragen, w\u00fcrde er ihn nicht mal als\neinen seiner Mannen erkennen, dessen Leben zu sch\u00fctzen er geschworen hatte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Adellinde\nmachte einen Schritt an Sieghelm heran und ber\u00fchrte ihn sanft am Oberarm. Sie\natmete tief ein, entfernte dann das Tuch vom Mund und sagte: <em>\u201eEuch trifft keine Schuld, Ser. Ihr seid\nnicht f\u00fcr den Tod dieses Mannes verantwortlich.\u201c<\/em> Sie wollte f\u00fcr ihn da\nsein, ihm beistehen in seinem Moment der Unsicherheit. <em>\u201eIch stimme der Priesterin zu\u201c<\/em>, gab Kalkarib als Kommentar zum Besten,\nder ebenfalls sah, wie der junge Ordensmeister litt. Sieghelm blickte auf, sah\nerst verst\u00e4ndnislos zu Kalkarib und dann zu Adellinde. In ihm war eine\nunbeschreibliche Leere. <em>\u201eIhr versteht\nnicht, worum es mir geht\u201c, <\/em>begann er im leisen Ton, hockte sich hin und\nfuhr mit der Hand sanft \u00fcber das Gesicht des Mannes, um seine Augen zu\nschlie\u00dfen.<em> \u201eIn einer Schlacht sterben\nMenschen, auf jeder Seite \u2013 und dies ist nicht meine erste Schlacht. Ich war\nschon Mal hier. Etwas weiter im Rahja, an der Trollpforte, k\u00e4mpfte ich schon\nmal gegen die Schwarzen Lande. Ich war noch ein junger Knappe als \u2026\u201c <\/em>Er\nunterbrach sich in seiner Erz\u00e4hlung, als er merkte, dass dies zu weit f\u00fchren\nw\u00fcrde. Vorsichtig l\u00f6ste Sieghelm die Schnalle an einer ledernen Tasche der\nLeiche, die aus irgendeinen Grund noch an ihr dran geblieben war. <em>\u201eEs geht mir darum, dass ich diesen jungen\nMann nicht erkenne.\u201c <\/em>Adellinde und Kalkarib blickten sich kurz einander\nfragend an. Ihre Blicken fragten: Meint er das ernst? Zweifelte Sieghelm etwa\nan der Echtheit des Wappens? Kalkarib ergriff die Initiative: <em>\u201eSieghelm, er tr\u00e4gt dein Wappen!\u201c, <\/em>rief\ner etwas lauter als gewollt aus, als w\u00fcrde Lautst\u00e4rke allein gen\u00fcgen, um ihn\nzur Besinnung zu bringen. <em>\u201eJa nat\u00fcrlich,\ndarum geht es mir auch nicht.\u201c <\/em>Er fingerte aus der ledernen G\u00fcrteltasche\nder Leiche einen matschigen Zettel und eine kleine Holzfigur hervor. Mit dem\nFingernagel befreite er letztere vom Schlamm, der inzwischen in die Tasche\ngesickerte war. Heraus kam eine kleine Holzfigur in der Gr\u00f6\u00dfe des kleinen\nFingers, die einen Schmied am Amboss zeigte. <em>\u201eEs geht mir darum, dass es nicht richtig ist. Mit Sicherheit wusste er,\nwer ICH war, aber kenne ich IHN nicht und doch war er bereit sein Leben f\u00fcr\nmich zu geben. Und das nur, weil ich ihm dazu aufrief.\u201c <\/em>Der Gewinner der\nFr\u00fchlingsturney nahm die kleine Holzfigur in seine gro\u00dfe Hand, dr\u00fcckte sie fest\nan sich und mit Blick zu den dichten Wolken sagte er dann mit lauter und fester\nStimme:<em> \u201eIch schw\u00f6re beim Schutzorden der\nSch\u00f6pfung und der donnernden G\u00f6ttin, das ist das erste und letzte Mal, dass es\nso sein wird. Ich Zukunft will ich jede Frau und jeden Mann der f\u00fcr mich k\u00e4mpft\nbeim Namen und seiner Herkunft kennen \u2013 das schw\u00f6re ich.\u201c <\/em>Erneut blickten\nsich Adellinde und Kalkarib kurz fragend an. Langsam begannen die beiden nachzuvollziehen,\num was es dem Reichsritter ging. <em>\u201eDas ist\nein wahrlich hehres Ziel, Ser Sieghelm\u201c,<\/em> bekr\u00e4ftigte Adellinde ihn im\nbewundernden Tonfall und strich ihm erneut \u00fcber den Oberarm. Kalkarib hingegen\nprustete, denn er hatte eine Ahnung davon, was das in Zukunft bedeuten w\u00fcrde.\nEr sah Sieghelm schon, wie er sich jedes Mal vor der Schlacht zwanghaft unter\nseine Truppen mischte und versuchte sich mit Ihnen am Lagerfeuer und bei einer\nSch\u00fcssel Bohnen zu verbr\u00fcdern. Er verdr\u00e4ngte den aufblitzenden Gedanken jedoch,\nda es jetzt wichtigeres zu tun gab. <em>\u201eWas\nmachen wir mit ihm? Wir k\u00f6nnen ihn hier unm\u00f6glich beisetzen\u201c<\/em>, erkundigte\nsich der W\u00fcstensohn. <em>\u201eIch habe das hier,\ndas gen\u00fcgt. Die Zw\u00f6lfe werden uns verzeihen.\u201c <\/em>Sieghelm zeigte die kleine\nHolzfigur und den schlammigen Zettel, den Sieghelm inzwischen als Brief\nidentifiziert hatte. <em>\u201eLasst uns weiter\u201c,<\/em>\nsagte Sieghelm und ging wieder zur\u00fcck zu seinem Pferd, auf dem Leutnant Pagol\nin Wachhaltung sa\u00df und sich stetig umsah. <em>\u201eWonach\nsuchen wir hier eigentlich?\u201c, <\/em>warf Kalkarib ein, der den Moment des\nInnehaltens nutzen wollte.Mit einem\nteils fragenden und teils entsetzten Blick, drehte sich Sieghelm zu Kalkarib\num: <em>\u201eNach meinem Vater, nat\u00fcrlich!\u201c \u201eJa,\nnat\u00fcrlich. Aber \u2026\u201c <\/em>Kalkarib machte eine drehende Geste um sich herum.<em> \u201e \u2026 wir k\u00f6nnen nicht gerade sehr weit sehen\nin dem Nebel. Das ist wie die Suche nach einem einzelnen Sandkorn in der\nW\u00fcste.\u201c \u201eDu meinst, wie die Suche nach einer Nadel in einem Heuhaufen?!\u201c <\/em>Beide\nM\u00e4nner starrten sich blinzelnd und ahnungslos an. <em>\u201eWarum sollte man eine Nadel im Heuhaufen suchen wollen?\u201c, <\/em>platzte\nes im gereizten Tonfall aus Kalkarib heraus, der genau zu wissen glaubte,\nworauf Sieghelm anspielte. Es ging ihm erneut darum, seine Kultur zu\nverunglimpfen und seine Mittell\u00e4nder-Kultur \u00fcberseine Novadi-Kultur zu stellen. <em>\u201eAch und die Suche nach einem einzelnen Sandkorn in der W\u00fcste \u2026\u201c\n\u201eM\u00c4NNER!\u201c, <\/em>platzte es aus Adellinde lauthals heraus. Zu gerne h\u00e4tte sienun alle ihr zur Verf\u00fcgung stehenden\nFinger auf die Lippen beiden M\u00e4nner gelegt, doch leider standen sie zu weit\nauseinander, weshalb sie auf ein anderes erzieherisches Mittel zur\u00fcckgreifen\nmusste. Sie setzte mit nachdr\u00fccklichen Unterton, der keinen Einwand duldete,\nan: <em>\u201eMit Sicherheit hat Ser Sieghelm\neinen gut durchdachten Plan, wie wir \u2013 trotz des dichten Nebels und des starken\nVerwesungsgeruchs \u2013 seine Hochwohlgeboren Parzalon z\u00fcgig finden k\u00f6nnen, ohne\nziellos \u00fcber Berge aus Leichen zu stapfen. Denn niemand von uns m\u00f6chte sich an\ndiesem gottverlassenen Ort l\u00e4nger als n\u00f6tig aufhalten. Nicht wahr, eure\nExzellenz?\u201c \u201eGanz recht! Und nat\u00fcrlich habe ich einen Plan!\u201c <\/em>Mit diesen\nWorten nahm er wieder die Z\u00fcgel seines Pferdes und sp\u00fcrte den vernichtenden\nBlick der Geweihten im Nacken, weshalb er sich dazu entschied sich noch einmal\nzu seinen Gef\u00e4hrten umzudrehen um sie in seinen \u201aPlan\u2018 einzuweihen: <em>\u201eDie Dettenhofener Truppen meines Vaters\nbefanden sich auf der Linken Flanke, also im Firun des Mythraelsfeldes. Dort\nwurden sie auch zuletzt gesehen. Es hei\u00dft, dass sie vom Zentrum abgedr\u00e4ngt\nwurden. Unsere Suche wird also auf der Firunsseite des Schlachtfelds beginnen.\u201c\n<\/em>Und als ob diese Erkl\u00e4rung gen\u00fcgte, ging Sieghelm nach einem kurzen Blick\nzu den zerfallenen T\u00fcrmen von Burg Karmaleth, um sich zu orientieren, wieder\nvoran. Als Kalkarib an Adellinde mit seinem Pferd vorbeiging, raunte er ihr noch\ntrotzig zu: <em>\u201eWer ist so dumm und\nversteckt eine Nadel im Heuhaufen?\u201c Was <\/em>Adellinde zu dem Entschluss\nbrachte, den n\u00e4chsten Verbandwechsel bei ihm etwas straffer zu gestalten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die drei\nsuchten sich einen m\u00f6glichst halbwegs geraden Weg durch das ehemalige Schlachtfeld\ngen Firun. Die Leichenberge und Verwesungsger\u00fcche machten den Weg zu einer\nTortur. Der Magnum Opus des Weltenbrandes hatte verschiedenste unheilige Kr\u00e4fte\nherbeigeschworenen, die das Land nicht nur verw\u00fcstet, sondern es auch\ntopografisch g\u00e4nzlich ver\u00e4ndert hatten. Die Erde war an mehreren Stellen\nEllenbreit aufgerissen worden, tiefe Kratertrichter von Explosionen und\nEinschl\u00e4gen von herabfallenden Steinen durchzogen das Feld. Humusd\u00e4monen hatten\ndie Wurzeln der Erde dazu gebracht empor zu steigen und sich als Ranken um\nMenschen zu schlingen. Diese zerst\u00f6rten Konstrukte lagen noch immer wie\nversteinerte krause Haare von Riesen in der Landschaft herum und erschwerten\ndas Durchqueren zus\u00e4tzlich. Eine unbestimmte Zeit sp\u00e4ter liefen Sieghelm,\nKalkarib und Adellinde auf eine am Boden hockende Gestalt auf. <em>\u201eSeid gegr\u00fc\u00dft\u201c, <\/em>rief Sieghelm ihr euphorisch\nzu. Durch den Nebel waren sie der Person bis auf zehn Schritt nahe gekommen, da\nsie sie nicht eher erblicken konnten. Als Sieghelm die kauernde Gestalt anrief,\nschien sie sich zu erschrecken, fuhr hoch und wirbelte, da sie den dreien zuvor\nden R\u00fccken zugekehrt hatte, herum. <em>\u201eGut\nzu sehen, dass jemand \u00fcberlebt hat \u2026\u201c<\/em>, begann er, wurde jedoch von der\nGestalt unterbrochen: <em>\u201eWas wollt ihr? Wer\nseid ihr?\u201c <\/em>\u00c4ngstlich blickte sich der Mann mittleren Alters mit krausem\nBart mit einem B\u00fcndel vor der Brust haltend zu den Dreien um. <em>\u201eIch bin Ser Sieghelm, Ordensmeister des\nSchutzordens der Sch\u00f6pfung und Reichsritter des Neuen Raulschens Reich \u2013 und\nwer bist du?\u201c \u201eIch? Ich \u00e4hm \u2026 niemand\u201c, <\/em>stotterte er. Als der Mann sah wie\nKalkarib seine Hand auf den Knauf seines Khunchomers legte, erschreckte er sich\nso stark, dass er das B\u00fcndel vor seiner Brust etwas lockerte. Zahllose\nedelmetallene Ketten, Ringe und Amulette, wertvolle Insignien und\nWappenschilder purzelten heraus und platschten in den von Blut und Regen\naufgeweichten Boden. Alle vier starrten f\u00fcr einen kurzen Moment auf den Haufen\nwertvoller Gegenst\u00e4nde, die der Mann soeben fallen gelassen hatte und allen war\nklar, was er hier tat. Ehe Sieghelm \u201ableib stehen\u2018 rufen konnte, war er auch\nschon auf dem Absatz herumgewirbelt und suchte im sch\u00fctzenden Nebel das Weite.\nSieghelm wusste, dass er in seiner Gestechr\u00fcstung und in diesem Schlamm nicht\ndie geringste Chance hatte, dem Mann zu folgen. Kalkarib hingegen war flink und\nleichtf\u00fc\u00dfig und trug keine erschwerende R\u00fcstung. Ein Blick zu ihm gen\u00fcgte und\nder durchn\u00e4sste W\u00fcstensohn flitzte \u00fcber die Ebene dem Leichenfledderer\nhinterher. Auch der Leutnant h\u00fcpfte vom Pferd und schoss wie eine Wurst, die\n\u00fcber nasse Steine rutschte, \u00fcber die feuchte Erde hinweg \u2013 nur das diese dabei protestierend\nkl\u00e4ffte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenig sp\u00e4ter\nbrachte Kalkarib den zeternden und jammernden Leichenfledderer am Schlafittchen\ngepackt zur\u00fcck zu Sieghelms und Adellindes Position, die sich inzwischen die\nWertgegenst\u00e4nde, die er verloren hatte, etwas n\u00e4her angesehen hatten. Den\nganzen Weg hatte sich Pagol in den Stiefel des Mannes verbissen und knurrte die\nganze Zeit \u00fcber, als w\u00fcrde er sagen wollen: \u201aIch schaffe es alleine ihn zu\nziehen, lass ihn los!\u2018 Kalkarib warf ihn Sieghelm vor die F\u00fc\u00dfe, wobei sich sein\ndichter ungepflegter Bart in einer blutigen Pf\u00fctze tunkte. <em>\u201eAuf die Knie mit dir\u201c, <\/em>&nbsp;befahl\ner dem Mann im rauen Ton, w\u00e4hrend Adellinde wie eine ihn legitimierende\nGeweihte neben ihm stand und den Mann verurteilend ansah. <em>\u201eDu wirst uns jetzt dahin bringen, wo du das gefunden hast\u201c<\/em>, sagte\ner und hielt dem Mann ein etwas Faustgro\u00dfes versilbertes Wappenschild von einer\nR\u00fcstung vor die Nase, das er im Haufen der Gegenst\u00e4nde, den der\nLeichenfledderer verloren hatte, gefunden hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nacht vom 17. Auf dem 18. Peraine haben Kalkarib, Adellinde und Sieghelm zusammen in einer einsamen Scheune nahe der Reichsstra\u00dfe verbracht. Schon am Abend hatte sich Regen angek\u00fcndigt und ihnen blieb nichts anderes \u00fcbrig, als sich einen Unterschlupf zu suchen. Zudem wollten sie nicht in der Nacht ankommen, denn zu viele Gefahren lauerten auf &hellip; <a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8678\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eTeil IV &#8211; Nebel des Krieges (1)\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":8679,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,23],"tags":[105,104,98,102],"class_list":["post-8678","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gruppe-teehaus","category-sieghelm","tag-adellinde","tag-kalkarib","tag-sieghelm","tag-vaterliebe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8678","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8678"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8678\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8684,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8678\/revisions\/8684"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8679"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8678"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8678"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8678"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}