{"id":8673,"date":"2020-09-13T14:09:46","date_gmt":"2020-09-13T12:09:46","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8673"},"modified":"2020-09-13T14:14:07","modified_gmt":"2020-09-13T12:14:07","slug":"teil-iii-hasardeure-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8673","title":{"rendered":"Teil III &#8211; Hasardeure (3)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/florian-de-gesincourt-degesart-ui-vue0360-003-p-final-140916-select-07.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8654\" width=\"514\" height=\"258\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/florian-de-gesincourt-degesart-ui-vue0360-003-p-final-140916-select-07.jpg 1600w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/florian-de-gesincourt-degesart-ui-vue0360-003-p-final-140916-select-07-300x150.jpg 300w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/florian-de-gesincourt-degesart-ui-vue0360-003-p-final-140916-select-07-768x384.jpg 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/florian-de-gesincourt-degesart-ui-vue0360-003-p-final-140916-select-07-1024x512.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 514px) 100vw, 514px\" \/><figcaption> <strong>Zwischen Wehrheim und Perz &#8211; 17. Peraine, 34 nach Hal \u2013 Am fr\u00fchen Morgen<\/strong> <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8322\" width=\"176\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png 605w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein-253x300.png 253w\" sizes=\"auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px\" \/><figcaption>Ordensmeister<br \/><strong>Sieghelm Gilborn<\/strong><br \/>von Spichbrecher<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8598\" width=\"147\" height=\"207\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png 683w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1-213x300.png 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 147px) 100vw, 147px\" \/><figcaption>W\u00fcstensohn<br \/><strong>Kalkarib<\/strong><br \/>al&#8217;Hashinnah<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-811x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8617\" width=\"164\" height=\"207\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-811x1024.png 811w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-238x300.png 238w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-768x969.png 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1.png 1030w\" sizes=\"auto, (max-width: 164px) 100vw, 164px\" \/><figcaption>H\u00fcterin der Saat<br \/><strong>Adellinde<\/strong><br \/>Peraine-Geweihte<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie\nGebende mit euch, Ser.\u201c<\/em> Adellinde sch\u00e4lte auf einem Baumstumpf sitzend\nZwiebeln, als sie den m\u00fcde aussehenden Ordensmeister aus seinem provisorischen\nUnterstand aufstehen sah. Sie war mit der Praiosscheibe aufgestanden und hatte\ndamit begonnen das Fr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr sich und ihre Gef\u00e4hrten vorzubereiten. <em>\u201eMorgen\u201c,<\/em> raunte dieser nur zur\u00fcck und\nstreckte sich g\u00e4hnend. Da es in der Nacht k\u00e4lter geworden war, hatte er seinen\ndunklen Wams angelassen. Adellinde fand, dass M\u00e4nner in diesen gef\u00fctterten\nKleidungsst\u00fccken irgendwie drollig aussahen. Es hingen zahlreiche Nestelf\u00e4den\nherab und die K\u00f6rperform wurde irgendwie unnat\u00fcrlich in die Breite gezogen.&nbsp; Was auch dieses Mal zutraf, weshalb sie etwas\ngrinsen musste. <em>\u201eWas habt ihr?\u201c,<\/em> frug\nSieghelm forschend, der ihr Grinsen nicht \u00fcbersehen konnte. <em>\u201eAch, ich \u2026 gar nichts.\u201c<\/em> Ihre Wangen\nliefen rot an, als sie verlegen zur Seite schaute und selbst f\u00fcr einen sozial\ntapsigen Mann wie Sieghelm erkennbar verlegen wurde. Sieghelm beschloss sie\nnicht zu dr\u00e4ngen, stattdessen kramte er in den Satteltaschen nach seinem\nEssgeschirr und ging damit zu ihr. <em>\u201eIst\nKalkarib \u2026?\u201c,<\/em> begann er im Frageton. <em>\u201eJa\n\u2026\u201c, <\/em>antwortete sie und sch\u00e4lte weiter Zwiebeln. <em>\u201eWir waren zur gleichen Zeit wach geworden. Er sagte er m\u00fcsse zu Keft\nbeten und sich deswegen zur\u00fcckziehen.\u201c <\/em>Ein langer Moment der Stille folgte,\nin denen nur das Knistern der Zwiebelschalen zu h\u00f6ren war, die Adellinde zusammentrug.\n<em>\u201eWer ist eigentlich dieser Keft?\u201c, <\/em>platzte\nes dann aus ihr, lauter und neugieriger als gewollt, heraus. Als sie sich das\nsagen h\u00f6rte, wurde sie sofort wieder etwas rot im Gesicht. Dieses Mal musste\nSieghelm, ob der Unwissenheit der Geweihten, etwas grinsen. Er setzte zu einer\nkurzen Erkl\u00e4rung an: <em>\u201eKeft ist keine\nPerson oder Gott, sondern ein Ort in der W\u00fcste Kh<\/em><em>\u00f4<\/em><em>m. Bestimmt habt ihr ihn nur falsch verstanden \u2013 sein\nAkzent ist gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig.\u201c <\/em>Als Sieghelm das sagte, deutete er\nsich selbst mit einer wedelnden Bewegung auf den Mund, was ein Nuscheln\nnachstellen sollte. Er wollte damit veranschaulichen, dass auch f\u00fcr ihn die\nSprache der Novadis seltsam klang. <em>\u201eAh,\nachso.\u201c <\/em>Sie nickte nur, obwohl sie nicht den Anschein machte, vollst\u00e4ndig zu\nverstehen, was der Reichsritter sagte. Sie holte ein Brettchen heraus und\nbegann die Zwiebeln klein zu schneiden. Zwischendurch warf sie einen pr\u00fcfenden\nBlick zum Lagerfeuer, das sie kurz zuvor angez\u00fcndet hatte. Wieder folgte ein\nl\u00e4ngerer Moment der Stille. Sieghelm betrachtete die junge und zierliche Frau.\nEr musste noch immer verarbeiten, was gestern Abend geschehen war und dass sie\nihm das Leben gerettet hatte. Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen! <em>\u201eIch habe mich noch gar nicht wegen gestern\nAbend bei euch bedankt\u201c, <\/em>begann er leise. Adellinde zwinkerte verlegen und\nda zeigte sich wieder ihr bezauberndes L\u00e4cheln, dass Sieghelm innerhalb der\nkurzen Zeit so zu sch\u00e4tzen gelernt hatte. <em>\u201eIch\nhabe getan, was jeder getan h\u00e4tte.\u201c \u201eDas sehe ich anders. Ihr habt mein Leben\ngerettet, und das im Angesicht eines \u00fcberlegenden Gegners \u2013 ihr habt mehr Mut\nbewiesen, als ich es bei den meisten meiner Untergebenen je gesehen habe.\u201c <\/em>Erneut\nwurden ihre Wangen scharlachrot, was ihre blauen Augen noch mehr erstrahlen\nlie\u00df. <em>\u201eEure Worte schmeicheln mir, Ser.\u201c\n\u201eIch meine das ernst!\u201c, <\/em>bestand Sieghelm in einem ungewollt harten Tonfall\nauf sein Gesagtes. Er erschreckte sich selbst vor der ungewollten Sch\u00e4rfe.\nAdellinde rief in ihm aus einem ihm unbekannten Grund seine sanfte Seite hervor.\nEs kam ihm so vor, als m\u00fcsse er sie ganz behutsam behandeln, da sie beim\nkleinsten falschen Ton zu zerbrechen drohte. Was jedoch albern war, da er\ngestern Abend gesehen hatte, dass sie keineswegs ein zierliches Ding war, das\nman besch\u00fctzen musste. In Sieghelm Welt war sie f\u00fcr ihn aufgrund dieses\nWiderspruchs ein Mysterium. <em>\u201eWas \u2026 was\nich sagen will ist \u2026\u201c,<\/em> setzte er erneut stotternd ein. Doch er konnte\neinfach nicht die richtigen Worte finden. Wie konnte er ihr sagen was er dachte\noder f\u00fchlte, wenn er das nicht einmal selbst wusste? Er kam sich so t\u00f6richt vor\nund als ihm gewahr wurde, dass sie ihn nun schon mehrere Momente lang fragend\nin die Augen blickte, da er seinen Satz mittendrin unterbrochen hatte und\neinfach nicht weiter sprach, wurde auch er verlegen. <em>\u201eDanke. Ich m\u00f6chte danke sagen.\u201c<\/em> Er hatte die Worte kaum\nausgesprochen, da kamen sie ihm auch schon l\u00e4cherlich vor. <em>\u201eGern geschehen, Ser\u201c,<\/em> antwortete sie knapp und konzentrierte sich\ndann wieder auf das Zwiebelschneiden. Da fiel Sieghelm noch eine Frage ein, die\ner ihn unbedingt stellen wollte. Am gestrigen Abend war er viel zu aufgew\u00fchlt\ndaf\u00fcr gewesen und als er sich seine aufgeschlagenen Fingerkn\u00f6chel betrachtete,\nwurde ihm wieder klar, wie sehr er bereute, was gestern \u00fcber ihn gekommen war. <em>\u201eEuer Gnaden, ich m\u00f6chte euch noch etwas\nfragen.\u201c<\/em> <em>\u201eNennt mich doch bitte\nAdellinde\u201c,<\/em> schoss sie ihn unterbrechend dazwischen, was Sieghelm wieder\netwas aus der Fassung brachte. <em>\u201eNa sch\u00f6n,\nwie ihr wollt \u2013 Adellinde. Ich habe mich gefragt, was passiert ist und wie es\ndazu kam, dass ihr pl\u00f6tzlich zwischen mir und dem Paktierer standet? Ich muss\nzugeben, dass Boron da wohl den Segen des Vergessens \u00fcber mich hat kommen\nlassen. Ich m\u00f6chte gerne wissen wie es dazu kam. Das letzte woran ich mich\nerinnere, ist das ich wegen des Giftatems zusammenbrach und den Tod schon vor\nAugen hatte.\u201c <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie atmete tief ein, als w\u00fcrde sie zu einer langen Erkl\u00e4rung\nansetzen wollen. Da tapste pl\u00f6tzlich Pagol heran und schw\u00e4nzelte um Sieghelms\nBeine herum. Er lie\u00df sich auf den Bauch fallen und mit einem kleinen Kl\u00e4ffen\ngab er bekannt, dass er gekrault werden m\u00f6chte \u2013 was Sieghelm dann auch tat.\nMit Blick auf den Hund, wurden ihre Augen etwas glasig, als sie sich an die\nSzene des gestrigen Abends zur\u00fcckversetzte. <em>\u201eWir\nwaren zu dritt hinter dem Baumtrichter, kurz vor ihrem Lager\u201c<\/em> begann sie\nruhig zu erz\u00e4hlen. <em>\u201e\u2026 es war sehr dunkel\nund als wir die Kampfschreie der Zwerge h\u00f6rten, st\u00fcrmtet ihr beide los und\nhattet mich damit alleine gelassen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eOh Herrin,\ngeschieht das gerade wirklich?\u201c <\/em>hauchte Adellinde gedankenverloren,\ndie von Sieghelm und Kalkarib alleine im Dunkeln gelassen wurde. Sie kauerte\nsich tief hinter den Baumtrichter, um keinesfalls gesehen zu werden. Sie hatte\nnoch nie ein Scharm\u00fctzel oder gar einen Kampf gesehen. Sie musste an die Kneipenschl\u00e4gerei\ndenken, die sie in Perz einmal mitansehen musste. Doch das war nichts im\nVergleich zu dem, was hier geschah. Sie h\u00f6rte wie ihr Atem stotterte und sp\u00fcrte\nihre H\u00e4nde zittern. Dann begann das Metallgeklapper. Klingen trafen aufeinander,\ngefolgt von Todesschreien. Sie wusste nicht von wem es kam, sie hoffte, dass es\ndie der S\u00f6ldner waren. Da h\u00f6rte sie eine kleine innere Stimme in ihr, die ihr\nsagte, dass sie etwas tun musste. Sie konnte nicht einfach nur hier herumsitzen\nund warten bis die Verletzten zu ihr kamen. Sie musste die Initiative\nergreifen. Sie fasste sich ein Herz und blickte durch ein paar Wurzeln hindurch\nzum Lager der S\u00f6ldner. Doch das Buschwerk war zu dicht und die wenigen Fackeln\nerhellten den Kampfplatz nicht gut genug, um etwas erkennen zu k\u00f6nnen. <em>\u201eNur ein paar Schritte n\u00e4her, Adellinde,\ndamit du etwas siehst\u201c,<\/em> sprach sie zu sich selbst und hielt nach einer\ngeeigneten Deckung Ausschau, die etwas n\u00e4her am Lager lag. Vorsichtig schlich\nsie vor und duckte sich f\u00fcnf Schritt weiter vorne hinter eine dichte Hecke.\nDoch auch von hier konnte sie nicht viel erkennen. Wieder h\u00f6rte sie j\u00e4mmerliche\nSchreie, gefolgt von ein paar lauten Kommandos einer ihr fremden Stimme. Sie\nfragte sich, ob das ihr Anf\u00fchrer sei. Sie wechselte noch zwei Mal die Position,\nbis sie so nah war, dass sie auf die Anh\u00f6he schauen konnte, wo sie Sieghelm im\nZweikampf mit einem dunklen Ritter erblickte. Sie blinzelte und kniff die Augen\nzusammen, um aus der Entfernung die Zeichen auf seiner R\u00fcstung besser erkennen\nzu k\u00f6nnen. <em>\u201eIst das \u2026 hmm \u2026 oh G\u00f6ttin!\nDas kann nicht wahr sein.\u201c<\/em> Als sie die Symbole auf der geschw\u00e4rzten R\u00fcstung\nsah, rutschte ihr das Herz bis in die Hose. F\u00fcr einen kurzen Moment f\u00fchlte sie\nsich taub und so klein wie eine Kirchenmaus im Praiostempel zu Gareth. <em>\u201eEin Diener Mishkharas. Herrin ist das\nwirklich dein ernst?\u201c, <\/em>fauchte sie ungl\u00e4ubig gen Himmel. F\u00fcr sie war klar,\ndass dies eine F\u00fcgung ihrer G\u00f6ttin war. Sie hatte sie hierher gebracht, damit\nsie sich ihren \u00c4ngsten, dem Schl\u00e4chter ihres Dorfes und dem Sch\u00e4nder ihrer\nKirche stellte. Er musste es einfach sein, das sp\u00fcrte sie. Sie schloss sie\nAugen und ganz langsam begann sie drei Mal durchzuatmen, um sich so selbst zu\nberuhigen. Jedes Ein- und Ausatmen machte sie ganz bewusst, mit dem Gedanken\ndaran, dass sie sich zum Werkzeug Peraines machen w\u00fcrde und es egal war, ob sie\ndabei ihr Leben lassen w\u00fcrde. Sie sog die Luft ein und f\u00fchlte, wie sich ihr\nInnerstes mit Leben f\u00fcllte, mit jedem Ausatmen wuchs der Mut in ihr an, f\u00fcr das,\nwof\u00fcr sie zu tun bestimmt war. Nach dem letzten Ausatmen, das \u00fcber ihre\nr\u00f6tlichen Lippen strich, \u00f6ffnete sie wieder Augen, und es lag eine\nEntschlossenheit in ihr, die sie bis zur Sonnenwende nicht mehr ablegen w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem beh\u00e4nden Griff in ihre Stofftasche holte sie ein\npaar Korn\u00e4hren hervor, die sie immer als Paraphernalien bei sich f\u00fchrte. Sie\nrichtete sich auf, drehte sich zu der Anh\u00f6he und trat entschlossen darauf zu.\nSie sah, wie Ser Sieghelm gerade zur\u00fccktaumelte und eine giftige gr\u00fcne Wolke\n\u00fcber die Anh\u00f6he waberte, dann begann sie erst leise und immer lauter werdend zu\nbeten: <em>\u201eHerrin Peraine, ich erbitte\nDeinen Segen, ich habe gearbeitet wie Deine fromme Dienerin, habe geopfert wie\nDeine fromme Dienerin und habe gebetet wie Deine fromme Dienerin. Segne mich,\nauf das ich dein Werk auch morgen noch verrichten kann.\u201c <\/em>Der Ritter brach\ninzwischen zusammen und der Paktierer ging mit einem s\u00fcffisanten L\u00e4cheln auf\nihn zu. Adellinde lie\u00df ihn nicht mehr aus den Augen, noch war sie au\u00dferhalb des\nFackelscheins, doch das w\u00fcrde sich jeden Moment \u00e4ndern. Sie wusste, dass sie\nsich ihm alleine stellen musste, denn der Reichsritter war zu Boden gegangen\nund sie hatte als Waffe gegen ihn nur ihren Glauben. Sie durfte sich keinen\nFehler erlauben. <em>\u201eSie her, Diener der\nSeuchenbringerin \u2013 SIEH HER!\u201c<\/em> Ihre Stimme \u00fcberschlug sich, als sie\nlosbr\u00fcllte und sich somit des Paktierers Aufmerksamkeit sicher war. Er hatte\ngerade zu einem vernichtenden Schlag ausgeholt, doch hielt er nun inne.\nAdellinde trat entschlossen in den Fackelschein, in der linken Hand die\nKorn\u00e4hren, die Rechte geballt zur Faust und ihr Blick so entschlossen, dass\nihre blauen Augen hell leuchteten. <em>\u201eDu\nhast Verderben \u00fcber mein Dorf gebracht, und nun stehe ich hier, lebendig und kraftvoll\ntrotze ich deinem fauligen Atem, denn wo ich gedeihe wirst du vergehen.\u201c <\/em>Mit\ndiesen Worten reckte sie die Korn\u00e4hren ihm entgegen. Der gr\u00fcnliche Nebel wich\nso schnell von dem H\u00fcgel, als w\u00fcrde er fl\u00fcchten und auch der Paktierer machte\neinen Satz zur\u00fcck als h\u00e4tte ihn ein m\u00e4chtiger Stein am Kopf getroffen. <em>\u201eWEICHE, faulige Ausgeburt! WEICHE, wo das\nLeben bl\u00fcht und gedeiht! DU bist hier nicht willkommen.\u201c<\/em> Ohne langsamer zu\nwerden, stellte sich Adellinde vor Sieghelm breitbeinig auf, noch immer die\n\u00c4hren noch vorne gereckt. Der Paktierer fing sich ein paar Schritt entfernt\nauf. Er sch\u00fcttelte sich und verzog das faulige Gesicht. <em>\u201eWer bist du?!\u201c,<\/em> rief Baron Markwart und hielt sich einen Arm\nsch\u00fctzend vor das Gesicht, als w\u00fcrde Adellinde ihn blenden. <em>\u201eIch bin eine Dienerin der Gebenden aus Perz\nund ich bin gekommen um dir zu verhei\u00dfen, dass das Ende deines Vergehens\ngekommen ist. Knie nieder und bitte die G\u00fctige um Vergebung f\u00fcr deine Gr\u00e4ueltaten\nin Perz, oder du wirst jetzt dein Ende finden.\u201c <\/em>Die Worte sprudelten nur so\naus Adellinde heraus,sie kamen zum Teil\nvon ihr selbst und zum anderen Teil durchdrangen Sie sie einfach. Sie sp\u00fcrte\nwie ihre G\u00f6ttin durch sie zu dem Paktierer sprechen wollte und sie lie\u00df es zu,\ndoch vorher kam Markwart zu Wort: <em>\u201eDreckiges\nkleines Mistst\u00fcck! Du bist viel h\u00fcbscher als die anderen \u2013 ich h\u00e4tte lieber\ndich auf dem Altar sch\u00e4nden sollen.\u201c<\/em> Die beleidigenden Worte des Barons\nverfehlten ihr Ziel, denn Adellinde befand sich inzwischen in einem geistig entr\u00fcckten\nZustand. Die blauen Augen der Priesterin wurden f\u00fcr einen kurzen Moment reinwei\u00df\nund ihr gesamtes gr\u00fcnes Antlitz strahlte so hell, dass es Markwart erneut\nblendete. Mit einem tieferen Ton drangen aus ihr die Worte: <em>\u201eIch bin die Bewahrerin, die H\u00fcterin des\nHeiligen Hains. Sieh oh Halm, die \u00c4hren auf dem Felde, ein leiser Hauch, wenn\neine sich beugt, so bebet, die andere auch. Die Sichel kommt und Schnitt, die\nFaulen und die fremden Halme \u2013 Erzitter mit.\u201c \u201eGENUG!\u201c, <\/em>erwiderte Markwart,\ndem es nun \u00fcberkam, der seine Kraft zusammennahm und nach vorne preschte. Mit\nerhobenem Warunker Hammer warf er sich voran, doch Adellinde wich keinen\nFingerbreit. Da fuhr pl\u00f6tzlich Rondras Nagel empor, gef\u00fchrt vom wiedererstarkten\nReichsritter, der seinen m\u00e4chtigen Hieb abfing. Sieghelm setzte nach und\ndr\u00e4ngte ihn zur\u00fcck \u2013 da kehrten auch Adellindes blaue Augen zur\u00fcck und das Prickeln\nfuhr aus ihrem K\u00f6rper. Sie sah mit an, wie es Sieghelm gelang den Frevler zu\n\u00fcberw\u00e4ltigen, w\u00e4hrend Sie nur wenige Schritt entfernt versuchte, die Worte, die\nsoeben \u00fcber Ihre Lippen gekommen waren, zu verstehen. <\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIch\nbewundere euch\u201c,<\/em> fl\u00fcsterte Sieghelm, der Adellindes Geschichte gebannt\ngelauscht hatte. Ihr rannen ein paar Tr\u00e4nen \u00fcber die Wangen. <em>\u201eWarum weint ihr?\u201c<\/em> <em>\u201eDie Zwiebeln, sie \u2026 es sind die Zwiebeln\u201c,<\/em> gab die Priesterin als\nausweichende Antwort. Doch in Wahrheit war es die Erinnerung an der Moment, als\nihre G\u00f6ttin durch sie sprach, der sie erneut mitnahm. Sie war traurig, dass es\nihr nicht gelang, sich komplett daran zu erinnern, was sie gesagt hatte und es gab\nauch keine Hoffnung, es je zu erfahren, denn der Einzige, der es mitbekommen\nhatte, war inzwischen tot. <em>\u201eWo wir schon\ndabei sind von gestern zu sprechen, Ser \u2013 was war es eigentlich, was euch der\nPaktierer noch zugefl\u00fcstert hatte, dass es euch so in Rage versetzt hatte?\u201c <\/em>Sieghelm\nschluckte schwer und Adellinde sah, dass es ihm unangenehm war. <em>\u201eEs ist heilend f\u00fcr K\u00f6rper und Seele, \u00fcber\nso etwas mit einer Priesterin eures Vertrauens zu sprechen. Euer Wohlgeboren.\u201c \u201eIch\nm\u00f6chte eigentlich nicht dar\u00fcber sprechen\u201c, <\/em>wich Sieghelm aus und machte Anstalten\naufzustehen.Doch da kl\u00e4ffte Pagol,\nder noch nicht genug davon hatte, gekrault zu werden, weshalb ihm nichts\nanderes \u00fcbrig bleib, als sitzen zu bleiben. <em>\u201eWenn\neuer Verstand nicht dar\u00fcber sprechen m\u00f6chte, ist es umso wichtiger f\u00fcr eure\nSeele, dass ihr es tut\u201c, <\/em>hakte Adellinde nach und griff zu den R\u00fcben, um nun\ndiese zu bearbeiten. Sieghelm seufzte, die Priesterin war hartn\u00e4ckig und sein\neigener Leutnant hatte sich gegen ihn verschworen. <em>\u201eNungut, wie ihr wollt. Aber ihr m\u00fcsst mir versprechen, nicht dar\u00fcber\nzu urteilen. Ich \u2026 bin sonst nicht so.\u201c \u201eHeiliges Apfelehrenwort!\u201c <\/em>Adellinde\nhob die linke Hand, reckte den R\u00fccken und machte eine bedeutsame Pose.Sieghelms Brauen senkten sich und er\nschaute sie verwirrt an.<em> \u201eSo etwas gibt\nes doch gar nicht.\u201c <\/em>Adellinde grinste beschwichtigend. <em>\u201eNat\u00fcrlich nicht. Aber ich bin eine Priesterin Peraines, eure Worte\nsind bei mir so sicher wie das Amen in der Praioskirche.\u201c <\/em>Nun l\u00e4chelte auch\nSieghelm, der Adellindes neckische Art begann zu m\u00f6gen. <em>\u201eNun, es war so \u2026\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sieghelm drehte Custoris in der Luft um die eigene Achse und\nversetzte Markwart damit einen Treffer gegen die linke Schulter. Der\nAnderthalbh\u00e4nder \u00e4chzte gegen die schwarze Plattenr\u00fcstung, doch die Wucht\nbrachte den alten Baron ins Taumeln. Er versuchte das Ungleichgewicht mit\nseinem Warunker Hammer auszugleichen, doch schaffte er es nicht rechtzeitig und\nso setzte Sieghelm nach. Mit einem m\u00e4chtigen Schwung traf er den Paktierer\nerneut am linken Arm, so dass er h\u00f6rte, wie darunter Knochen brachen. Das von\nPusteln \u00fcbers\u00e4te Gesicht des Barons wurde schmerzverzerrt, er wusste, dass sein\nletzter Moment gekommen war. Er konnte dem Reichsritter einfach nichts mehr entgegensetzen\nund hatte schon zu viel Blut verloren. <em>\u201eEs\nist ganz gleich, was hier geschieht\u201c, <\/em>st\u00f6hnte er und wehrte einen Hieb des\nRitters mit letzter Kraft ab. <em>\u201eDer\nGreifenthron wird fallen, und mit ihm das Kaiserreich.\u201c<\/em> Sieghelm machte\neine Finte, die der Baron nicht kommen sah und dieser bekam so einen Treffer\ngegen das rechte Bein. Unter heftigen Schmerzen gab es nach und der Baron sank\nauf die Knie. <em>\u201eUnd ihr k\u00f6nnt es nicht\nverhindern, die Kaiserin geh\u00f6rt uns.\u201c <\/em>Der m\u00e4chtige Anderthalbh\u00e4nder sauste\nherab und noch w\u00e4hrend das Donnern \u00fcber den H\u00fcgel zu h\u00f6ren war, durchtrennte\nseine Klinge den h\u00f6lzernen Schaft des Warunker Hammers. Das Holz zerbrach und die\nKlinge suchte seinen Weg weiter nach unten und grub sich tief in die Schulter\ndes Barons. <em>\u201eW\u00e4hrend ihr hier euren Sieg\nfeiern werdet \u2026\u201c <\/em>Markwart musste Blut spucken, als er das Schwert in seine\nSchulter bekam, doch lie\u00df er sich nicht davon abhalten weiter zu reden. <em>\u201e \u2026 wird die Hure des Mittelreichs in der\nWarunkei kaiserlich vom jedem im Nekromantenrat durchgepfl\u00fcgt, der noch etwas\nFleisch am Pimmel hat.\u201c <\/em>W\u00e4hrend in Sieghelms Gesicht die Wut hochkochte,\nerg\u00f6tzte sich der Frevler daran, denn auch wenn er den Kampf hier verloren\nhatte, so wusste er, dass er mit einem L\u00e4cheln abtreten konnte. Er hatte seinem\nWidersacher ein widerw\u00e4rtiges Bild in den Kopf gesetzt, dasser nicht mehr loswerden w\u00fcrde. Sieghelm\nschlug mit dem Knauf seines Schwerts gegen Markwarts Gesicht. Seine Nase brach\nund Blut platzte Sieghelm entgegen. Dann st\u00fcrzte sich der Reichsritter auf ihn\nund lie\u00df den Knauf so lange auf dessen Gesicht nieder, bis das Grinsen in\nseinem Gesicht nur noch eine blutige Masse war. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Gebende mit euch, Ser.\u201c Adellinde sch\u00e4lte auf einem Baumstumpf sitzend Zwiebeln, als sie den m\u00fcde aussehenden Ordensmeister aus seinem provisorischen Unterstand aufstehen sah. Sie war mit der Praiosscheibe aufgestanden und hatte damit begonnen das Fr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr sich und ihre Gef\u00e4hrten vorzubereiten. \u201eMorgen\u201c, raunte dieser nur zur\u00fcck und streckte sich g\u00e4hnend. 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