{"id":8656,"date":"2020-07-25T19:00:00","date_gmt":"2020-07-25T17:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8656"},"modified":"2020-07-29T17:48:08","modified_gmt":"2020-07-29T15:48:08","slug":"teil-iii-hasardeure-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8656","title":{"rendered":"Teil III &#8211; Hasardeure (2)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/florian-de-gesincourt-degesart-ui-vue0360-003-p-final-140916-select-07-1024x512.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8654\" width=\"512\" height=\"256\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/florian-de-gesincourt-degesart-ui-vue0360-003-p-final-140916-select-07-1024x512.jpg 1024w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/florian-de-gesincourt-degesart-ui-vue0360-003-p-final-140916-select-07-300x150.jpg 300w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/florian-de-gesincourt-degesart-ui-vue0360-003-p-final-140916-select-07-768x384.jpg 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/florian-de-gesincourt-degesart-ui-vue0360-003-p-final-140916-select-07.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption> <strong>In einem W\u00e4ldchen nahe Perz \u2013 16. Peraine, 34 nach Hal \u2013 In der Nacht<\/strong> <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8322\" width=\"172\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png 605w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein-253x300.png 253w\" sizes=\"auto, (max-width: 172px) 85vw, 172px\" \/><figcaption>Ordensmeister<br \/><strong>Sieghelm Gilborn<\/strong><br \/>von Spichbrecher<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8598\" width=\"145\" height=\"204\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png 683w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1-213x300.png 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 145px) 85vw, 145px\" \/><figcaption>W\u00fcstensohn<br \/><strong>Kalkarib<\/strong><br \/>al&#8217;Hashinnah<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-811x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8617\" width=\"161\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-811x1024.png 811w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-238x300.png 238w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-768x969.png 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1.png 1030w\" sizes=\"auto, (max-width: 161px) 85vw, 161px\" \/><figcaption>H\u00fcterin der Saat<br \/><strong>Adellinde<\/strong><br \/>Peraine-Geweihte<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eHa!\u201c <\/em>Albrax\u2019s Axt trennte einen Unterarm vom Rest des K\u00f6rpers. Blut scho\u00df durch die Luft. <em>\u201eHuh!\u201c<\/em> Die Axt wirbelte in der Luft herum und drang dann tief in den Oberk\u00f6rper des S\u00f6ldners ein. <em>\u201eHehe!\u201c<\/em> Mit dem metallischen Endst\u00fcck des Stils wehrte er gekonnt den Schwerthieb einer S\u00f6ldnerin ab und ging ohne Unterbrechung zum Gegenangriff \u00fcber. <em>\u201eNimm das!\u201c<\/em> Sofort sank sie auf die Knie, als sich Albrax\u2018s Axtblatt tief in ihre H\u00fcfte schob. <em>\u201eKlonk!\u201c<\/em> Mit der Wucht eines wasserbetriebenen Stampfwerks h\u00e4mmerte Albrax seinen Helm gegen ihre Stirn. Sie wurde nach hinten \u00fcber geschleudert und stand nie wieder auf.\u00a0 <em>\u201eWas f\u00fcr ein Spa\u00df!\u201c,<\/em> intonierte er auf der Suche nach einem neuen Gegner. Seine Br\u00fcder und Schwestern k\u00e4mpfen noch gegen die inzwischen dezimierten S\u00f6ldner, die entgegen seiner Erwartung bis aufs letzte Blut k\u00e4mpften. Was ihn insgeheim ein kleines bisschen freute, denn im Hinterherrennen war er nicht so gut. Zumal es sich f\u00fcr einen Hochk\u00f6nig nicht geziemte, einem fliehenden Feind nachzustellen. Daf\u00fcr gab es schlie\u00dflich Armbr\u00fcste. Albrax erblickte Kalkarib, der nur wenige Meter von ihm entfernt stand. Er humpelte und wehrte sich m\u00fchsam gegen einen S\u00f6ldner mit einem Breitschwert. Albrax verlie\u00df die Kampfreihe der Zwerge, welche sofort von seinen Br\u00fcdern und Schwestern geschlossen wurde. Seine knubbeligen Finger griffen nach etwas an seinem G\u00fcrtel, als er hinter den Reihen der Angroschim langging. Der junge W\u00fcstensohn hatte M\u00fche mit seinem Gegner, was wohl an seiner ihn benachteiligenden Verletzung lag. Albrax\u2018 Arm beschrieb einen Halbkreis, als er durch die Luft zuckte. Im n\u00e4chsten Moment schaute aus dem Oberschenkel des S\u00f6ldners der Griff einer Wurfaxt heraus. <em>\u201eAaaagh!\u201c,<\/em> br\u00fcllte dieser, der sich fortan auf Paraden beschr\u00e4nkte, da Kalkarib in die Offensive ging. Den schnellen Bewegungen des Novadis war der verletzte S\u00f6ldner nicht gewachsen. Es dauerte keine zehn Momente, bis er seinen Gegner \u00fcberw\u00e4ltigt hatte und auch dieser S\u00f6ldner zu Boden ging. Als Kalkarib seinen Khunchomer am Wappenrock des Mannes abstrich, erblickte er den neben ihm stehenden und unter seinem grauen Bart breit grinsenden Hochk\u00f6nig. <em>\u201eMir erschien das gerechter\u201c,<\/em> brubbelte er pl\u00f6tzlich mit roten Pausb\u00e4ckchen und zuckte kurz mit den Achseln. Was bei einem Zwerg mit seinem Format so aussah, als w\u00fcrde eine gedrungene Eichentruhe den Versuch unternehmen h\u00fcpfen zu wollen. Albrax hatte ihm bei seinem Kampf geholfen, in der er seinen Gegner eine \u00e4hnliche Verletzung zuf\u00fcgte wie die, die er hatte. Auf diese Weise konnte er seinen Gegner selbst \u00fcberwinden und seine Ehre erhalten. Kalkarib blieb keine andere Wahl als <em>\u201eDanke\u201c<\/em> zu sagen. <em>\u201eGern geschehen Junge.\u201c<\/em> Albrax zwinkerte ihm zu und beide blickten \u00fcber das Kampffeld. Die Angroschim hatten inzwischen ohne ihn den Sieg errungen, alle S\u00f6ldner waren besiegt. Die beiden M\u00e4nner blickten daher zur Anh\u00f6he, wo noch kurz zuvor Sieghelm den Anf\u00fchrer der Gruppe die Stirn geboten hatte. Sie waren nur zwanzig Schritt davon entfernt, und im schwachen Fackelschein der Nacht konnten Sie nicht alles klar erkennen, aber was sie dort sahen, lie\u00df sie beide den Atem anhalten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Baron Markwart h\u00fcstelte und grinste noch immer, als er sich erhob und ausreichend Abstand zwischen sich und Sieghelm brachte, um mit der scharfen Seite seines langen Warunker Hammers den Kopf vom Torso des Ritters trennen zu k\u00f6nnen. Sieghelms Kr\u00e4mpfe waren noch immer so stark, dass er absolut gar nichts dagegen ausrichten konnte, nicht einmal ein Sto\u00dfgebet an die Herrin drang ihm \u00fcber die Lippen. Das einzige, was er tun konnte, war ihm nicht die Genugtuung zu geben, die Angst in seinen Augen zu sehen, weshalb er sich daf\u00fcr entschied, selbige zu schlie\u00dfen. Es war ohnehin besser, so w\u00fcrde er die t\u00f6dliche Klinge nicht kommen sehen. Er dachte an seine Familie, an seinen Vater Parzalon, den er nun nie wieder sehen w\u00fcrde und zu dessen Hilfe er eigentlich unterwegs war. Er dachte an seine beiden Br\u00fcder, Traviahold und Torion. Sein kleiner Bruder Traviahold hatte inzwischen eine Familie gegr\u00fcndet und war sogar Abt eines eigenen Klosters. Torion, der ebenfalls eine Familie hatte, setzte die Blutlinie fort und befand sich wohl gerade im Familiensitz in Dettenhofen. Wie er wohl reagieren wird, wenn die Nachricht kommt, das sowohl er, als auch ihr gemeinsamen Vater ihr Leben auf dem Schlachtfeld gelassen hatten? Immerhin wird er dadurch Baron von Dettenhofen. W\u00e4hrend ihm seine Gedanken durch den Kopf schossen, bemerkte Sieghelm nicht, wie viel Zeit inzwischen verstrichen war. Anscheinend lie\u00df sich Markwart viel Zeit und kostete seinen Sieg in vollen Z\u00fcgen aus. Da ber\u00fchrte ihn pl\u00f6tzlich etwas an der Wange, etwas kaltes und gleichwohl weiches. Er riss die Augen auf, und was er sah, konnte er nicht glauben. Es war Adellinde, die ihm ihre rechte Hand auf die linke Wange legte, w\u00e4hrend sie die andere Hand mit ein paar Korn\u00e4hren zur Faust geballt auf Markwart richtete, der doch tats\u00e4chlich davon angewidert zur\u00fcckwich. Ein g\u00f6ttlicher und kaum wahrnehmbarer Glanz lag auf der Aura der zierlichen Priesterin. Sieghelm wusste nicht, ob er das wirklich sah, oder ob das an dem Gift lag, das er eingeatmet hatte. Adellinde sprach dann mit seidiger Stimme und ihre Worte beruhigten ihn: <em>\u201eHabt keine Angst. Ich bin bei euch, Herr Ritter.\u201c<\/em> Wobei ihre Stimme sich f\u00fcr ihn wie g\u00f6ttliches Harfenspiel anh\u00f6rte. Und tats\u00e4chlich, seine Angst verflog. F\u00fcr einen klitzekleinen Moment l\u00e4chelte sie ihn an, was Sieghelms Herz h\u00f6her springen lie\u00df. Er wollte ihr danken, ihr irgendetwas sagen, doch er konnte nicht. Dann schloss sie die gro\u00dfen blauen Augen und sprach: <em>\u201eHeiliger Therb\u00fbn, m\u00f6gest Du diesen Gl\u00e4ubigen leiten! Gn\u00e4dige Peraine, schenke diesem Gl\u00e4ubigen Gesundheit!\u201c <\/em> W\u00e4hrend ihrer Worte wurde ihre Handfl\u00e4che angenehm warm. Dann erhob sie sich und stellte sich breitbeinig zwischen ihm und Markwart verteidigend auf. Ihre Faust war dabei noch immer auf den schwarzen Ritter gerichtet. Sieghelm wusste zwar nicht, wie es ihr gelungen war, Markwart zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, aber er bewunderte ihren \u00fcbermenschlichen Mut, sich ihm alleine und nur mit ein paar Korn\u00e4hren bewaffnet zu stellen. Er sp\u00fcrte wie die Bet\u00e4ubung aus seinen Gliedern wich und er wieder Kontrolle \u00fcber seine Muskeln bekam. Die Kr\u00e4mpfe lie\u00dfen nach, doch an ihre Stelle trat ersch\u00f6pfter Schmerz, als h\u00e4tte er den Hindernisparcour in der Kriegerakademie zum dritten Mal absolviert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eGlaubst du wirklich, dass du mich damit aufhalten kannst, du h\u00fcbsches Ding?\u201c,<\/em> bellte Markwart w\u00fctend, dessen Gesichtsausdruck immer verzerrter wurde. <em>\u201eIch bin Adellinde, ergebene Dienerin Peraines, und es war mein Tempel und es waren meine Br\u00fcder und Schwestern in Perz, die du gesch\u00e4ndet hast\u201c, <\/em>erkl\u00e4rte sie. Ihre sonst so zarte Stimme war pl\u00f6tzlich durchdrungen von Entschlossenheit. Es war kein Funken Wut in ihr und kein Zorn lag auf ihrem Gesicht. In Markwarts Gesicht hingegen glomm unterdessen die Erkenntnis, dass sie hier war, um seine Taten in Perz zu vergelten. <em>\u201eAaaaahh, du willst Rache, M\u00e4dchen.\u201c <\/em>Als er das Wort \u201aRache\u2018 aussprach, wuchs wieder ein h\u00e4mischen Grinsen auf ihm an. <em>\u201eNein\u201c, <\/em>konterte sie k\u00fchl, was Markwart \u00fcberraschte. <em>\u201eSo, wie eine Eiche, in der die Spitze eines Pfeils steckt, keine Rache gegen\u00fcber dem Pfeil versp\u00fcrt, so versp\u00fcre auch ich keine. Stattdessen lebt der Baum damit weiter und \u00fcberwuchert den Fremdk\u00f6rper. Peraines G\u00fcte ist gr\u00f6\u00dfer und best\u00e4ndiger, als das kurzlebige und verderbende Gift, das dir Mishkhara schenkt, Paktierer.\u201c <\/em>F\u00fcr einen kurzen Moment wusste der Baron darauf nichts zu erwidern. Stattdessen griff er nach seinem Warunker Hammer und ging zum Angriff \u00fcber. <em>\u201eDann stirbst du hier! Dummes Ding!\u201c <\/em>Adellinde hatte noch immer nichts zu Verteidigung, au\u00dfer ihre paar Korn\u00e4hren und nichts vermochte ihn aufzuhalten. Er w\u00fcrde sie mit einem einzigen Hieb spalten. Markwarts Mimik war eine Mischung aus s\u00fc\u00dfem Schmerz und Freude, als er das Axtblatt von weit hinter sich schwang und \u00fcber ihrem Kopf niederschie\u00dfen lie\u00df, denn noch immer war ihm nicht wohl in ihrer N\u00e4he, aber er freute sich gleichzeitig, seine Arbeit in Perz vollenden zu k\u00f6nnen. Da knallte ein Donnerschlag \u00fcber die Anh\u00f6he, der alles, bis auf ein kaum h\u00f6rbares <em>\u201aNein!\u2018<\/em> eines wiedererstarkten Reichsritters \u00fcbert\u00f6nte. Mit aller Kraft und noch immer unter ersch\u00f6pfenden Schmerzen hatte sich Sieghelm hinter ihr hochgestemmt, mit Custoris ausgeholt und mit der Wucht eines Auerochsen, der gegen ein Scheunentor rannte, gegen den Hieb des Barons geschlagen. Die Klingen kreuzten sich nur knapp vor Adellindes Gesicht, die nicht einmal mit der Wimper zuckte. Funken, Holz- und Metallsplitter spritzten in alle Richtungen, als der Paktierer zur\u00fccktaumelte. Der Kopf seines Hammers flog im hohen Bogen davon, Sieghelms Hieb war so stark gewesen, dass er glatt den langen Stil am Metallteil durchtrennt hatte. Markwart hielt nun nur noch einen abgebrochenen Stecken in der Hand. Seine Kampfhaltung lie\u00df zu w\u00fcnschen \u00fcbrig, als sich Sieghelm lautstark prustend und mit blutunterlaufenden Augen sch\u00fctzend vor Adellinde schob. <em>\u201eWo waren wir stehen geblieben?\u201c,<\/em> sagte Sieghelm, der M\u00fche hatte, die Worte auszusprechen. Markwart blickte verbittert auf das ausgefaserte Ende seines Steckens und warf ihn dann missmutig zur Seite. <em>\u201eWollt ihr es so beenden? Nennt ihr das rondrianisch, einen Unbewaffneten zu erschlagen?\u201c, <\/em>spottete er und spieh dabei mehrere Klumpen Spucke aus. Er hatte recht, auch wenn er ein Paktierer war, es lag keine Ehre darin, einen Unbewaffneten zu erschlagen \u2013 und rondrianisch war es allemal nicht. Dann sah Sieghelm eine L\u00f6sung. <em>\u201eDort ist ein Waffenst\u00e4nder, w\u00e4hlt eure Waffe und ich schenke euch einen raschen Tod, wie es sich f\u00fcr einen Adeligen geb\u00fchrt.\u201c<\/em> Mit der Spitze seines Anderthalbh\u00e4nders deutete er auf einen nahen Waffenst\u00e4nder in dem \u00c4xte, Streitkolben und Kriegsh\u00e4mmer standen. Markwart r\u00fcmpfe angewidert die Nase, als er die Waffen erblickte. <em>\u201eWir wissen beide, das ihr mir im Kampf \u00fcberlegen seid, ich habe euch auf dem Mythraelsfeld k\u00e4mpfen sehen, was soll das ganze also?\u201c Sieghelm <\/em>schnaufte ver\u00e4chtlich und setzte dann mit ernster Stimme zu einer Erkl\u00e4rung an. <em>\u201eWenn ihr euch nicht wie ein Adeliger verhaltet und sofort zu einer Waffe greift, dann werde ich euch wie einen Gemeinen behandeln. Ich lasse euch gefangen nehmen, werde euch an den H\u00e4nden fesseln lasen und werde euch hinter meinem Pferd im Galopp \u00fcber die Reichsstra\u00dfe ziehen, bis von euch nur noch ein blutiger Klumpen \u00fcbrig ist.\u201c <\/em>Das hatte gesessen. Auch wenn Baron Markwart ein Paktierer war, aber so wollte auch er nicht sterben. Bei Markwart zeichnete sich blutr\u00fcnstiger Hass auf seinem zerfledderten Gesicht ab. Widerwillig holte er sich einen zweih\u00e4ndigen Kriegshammer und stellte sich dann kampfbereit auf. <em>\u201eIch muss euch bitten, nun etwas zur Seite zu treten, euer Gnaden. Ich \u00fcbernehme wieder\u201c,<\/em> sagte Sieghelm mit sanftm\u00fctiger Stimme r\u00fccklings gewandt zu Adellinde, die ihre Haltung kein bisschen ver\u00e4ndert hatte. Sie nickte nur, senkte die Faust und trat dann ein paar Schritte zur\u00fcck. Augenblicklich verschwand auch die glitzernde Aura von ihr. <em>\u201eGute Entscheidung, Euer Hochwohlgebohren.\u201c <\/em>Sieghelm nickte seinem Kontrahenten anerkennend zu. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eIch muss ihm helfen!\u201c,<\/em> sagte Kalkarib besorgt im novadischen Akzent. Kaum hatte er seine Worte ausgesprochen, eilte er auf die Anh\u00f6he los. Doch er wurde j\u00e4h in der Bewegung unterbrochen. Der Hochk\u00f6nig, der sich trotz Kalkaribs Bewegungsmoment keine Haarbreite bewegt hatte, hatte ihm am Handgelenk gepackt und hielt ihn an Ort und Stelle fest. Der Novadi blickte ihn ernst an, warum in Rastullahs Namen hielt der Zwerg ihn davon ab, Sieghelm zur Hilfe zu eilen? Es war offensichtlich, dass nicht nur er, sondern auch Adellinde in Gefahr waren. <em>\u201eGanz ruhig, mein Junge.\u201c<\/em> Albrax\u2018 Stimme war zugleich beruhigend und bestimmend. <em>\u201eDiesen Kampf muss er alleine bestehen.\u201c \u201eSeht ihr denn nicht, wie er dasteht? Er ist verletzt!\u201c, <\/em>konterte Kalkarib im Tonfall eines Kindes. Albrax ruckte am Arm des Novadis, der daraufhin aufh\u00f6rte zu zappeln. Mit sehr ernster Miene sah der alte Zwerg dem gro\u00dfen Novadi in die Augen. Seine buschigen grauen Augenbauen wippten dabei auf und ab. <em>\u201eJa das ist er, aber es ist ein rondrianischer Kampf \u2013 und wenn ich etwas \u00fcber Rondra in den letzten 200 Jahren meines Lebens gelernt habe, dann, das es egal ist, wie der Kampf ausgeht, solange er rondrianisch bleibt.\u201c <\/em>Mit den letzten Worten lie\u00df Albrax\u2018 den Novadi los, der M\u00fche hatte, sich aufgrund seines verletzten Beins zu fangen. Doch vom durchdringenden Blick des Zwergen konnte er sich nicht l\u00f6sen. Kalkarik dachte nach, es lag viel Weisheit in den Worten des kleines Mannes. Er selbst verstand nicht viel von den Zw\u00f6lfen, aber auch er hatte ein Ehrgef\u00fchl. <em>\u201eSieh es wie den Kampf eben, wie w\u00fcrde es dir ergehen, wenn ich den Mann meine Wurfaxt in den Kopf und nicht in sein Bein geworfen h\u00e4tte \u2013 oder willst du mir unterstellen, dass ich das nicht gekonnt h\u00e4tte?\u201c<\/em>\u00a0 Beim letzten Satz schob Albrax trotzig sein b\u00e4rtiges Kinn nach vorne. <em>\u201eNein, keineswegs!\u201c<\/em> Kalkarib machte eine abwehrende Geste. Albrax\u2018 Haltung entspannte sich wieder, und nach einem kurzen Moment zwinkerte er dem Novadi zu. Sofort l\u00e4chelte das Gesicht hinter der knolligen Nase wieder. Kalkarib wurde einfach nicht schlau aus dem Zwerg. Aber er hatte Recht, es war eine Angelegenheit der Ehre, ihn den Kampf alleine austragen zu lassen. Einerseits blickte er den Zwerg nun noch immer etwas w\u00fctend an, da er von ihm aufgehalten wurde, aber andererseits war er dankbar, dass er ihn daran erinnert hatte. W\u00e4hrend das Donnern von Custoris begann, gingen die beiden M\u00e4nner, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten, die Anh\u00f6he hoch, um dem rondrianischen Tanz zuzuschauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sieghelm, der noch immer unter Ersch\u00f6pfungsschmerzen litt, war schwerf\u00e4lliger als sonst. Und Baron Markwart steckte noch immer in einer ihm weit \u00fcberlegenden R\u00fcstung. Er wusste jedoch, dass solange eine Dienerin Peraines anwesend war, es keinen Sinn mehr hatte, auf seine giftigen Paktgeschenke zur\u00fcckzugreifen. Es musste es also in einem Kampf Mann gegen Mann austragen. Es war keinesfalls Sieghelms sch\u00f6nster Kampf den er je ausgefochten hatte, aber in seiner Vorstellung blickte die donnernde G\u00f6ttin trotzdem in diesem Moment auf diese Anh\u00f6he, und sah mit Wohlwollen dabei zu, wie er \u2013 ihr Auserw\u00e4hlter \u2013 einen Paktierer Mishkhara auf rondrianischem Wege besiegen w\u00fcrde. Rundherum versammelten sich die Zwerge, Kalkarib und Adellinde \u2013 der so entstehende Kampfplatz war ergo gro\u00df genug f\u00fcr die beiden Kontrahenten. Der Reichsritter tauchte jedoch so sehr gedanklich in den Zweikampf ab, dass er seine Freunde um ihn herum nicht wahrnahm. Begleitet nur vom sanften Knistern der Fackeln und in ihrem schwachen Schein, rang der Reichsritter des Greifenthrons zu Gareth den Paktierer unter Aufbringung gro\u00dfer Schmerzen nieder. Markwart von Graufenck aus Eslamsbr\u00fcck, Baron von Taubrimora, verstarb im ritterlichen Zweikampf in einem W\u00e4ldchen nahe Perz, erschlagen von Ordensmeister Sieghelm von Spichbrecher \u2013 so w\u00fcrde es zumindest in die Geschichtsb\u00fccher eingehen. Der Kampf war auch rondrianisch, doch zwischendurch hatte der Baron Sieghelm etwas zugefl\u00fcstert, was sonst niemand anderes vernahm, was ihn anschlie\u00dfend in einen blutrauschartigen Zustand versetzte. Letztlich waren Albrax und drei weitere Zwerge gezwungen Sieghelm von Markwart herunter zu ziehen, als dieser mit dem Knauf seines Schwerts nur noch blutige Klumpen in den Boden stampfte, wo einst das eingefallene und kranke Gesicht des Barons war. <em>\u201eHoffen wir, das Rondra rechtzeitig weg geschaut hat\u201c, <\/em>sagte Adellinde mit besorgter Stimme noch zu Albrax, als die beiden zu Sieghelm schauten, nachdem dieser sich beruhigt hatte und an einem Baum gelehnt die blutigen Klumpen Gehirn des Barons von den H\u00e4nden wischte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenig sp\u00e4ter, als die Angroschim den Kampfplatz aufr\u00e4umten und Sieghelm um einen Moment der Ruhe bat, trat Adellinde an den auf dem Boden sitzenden Kalkarib heran. Sein linker Oberschenkel war inzwischen angeschwollen und schmerzte so sehr, dass er nicht mehr stehen konnte. <em>\u201eWas ist passiert?\u201c<\/em>, erkundigte sie sich bei ihm und kniete sich zu ihm nieder, w\u00e4hrend sie schon begann in ihrer Stoffumh\u00e4ngetasche zu kramen. <em>\u201eMich hat ein Streitkolben getroffen\u201c, <\/em>sagte er nur. Er hatte au\u00dferdem ein paar kleine Blessuren, hier und dort ein paar Kratzer, aber nichts Schlimmes. <em>\u201eWas habt ihr vor?\u201c, <\/em>schob er noch interessiert hinterher, da er schon ahnte, was sie machen wollte. Doch w\u00fcrde er keinesfalls eine Ungl\u00e4ubige, und schon gar nicht eine unverheiratete Frau, seinen Oberschenkel ber\u00fchren lassen. Sie fingerte aus der Tasche ein paar Kr\u00e4uter und ein Salbend\u00f6schen. <em>\u201eZieht eure Hose aus\u201c,<\/em> sagte sie. Da zuckte Kalkarib und sprang im Sitzen auf und ab, dass ihm sein Bein noch mehr wehtat. <em>\u201eA-Auf keinen Fall!\u201c <\/em>Adellinde belegte Kalkarib mit einem Blick, der so viel sagte wie: \u201aErnsthaft?\u2018 <em>\u201eG-Gebt mir die S-Salbe und die K-Kr\u00e4uter, ich mach das alleine\u201c,<\/em> stotterte er, was in Verbindung mit dem Novadi-Akzent besonders putzig f\u00fcr Adellinde klang. Er versuchte ihr beides aus den H\u00e4nden zu rei\u00dfen, doch sie drehte sich so ein, dass beides hinter ihrem K\u00f6rper war und er sie nicht erreichte. <em>\u201eWas genau ist euer Problem?\u201c<\/em> Ihre Blicke trafen sich und Kalkarib wusste nicht, wo er anfangen sollte.  <br \/>\u201aAll das!\u2018 wollte er ihr entgegen rufen, doch fand alles nur in seinem Kopf statt: \u201aWeil ihr eine unverheiratete Frau seid! Weil ich verheiratet bin! Weil das ganz nah an meinem Scho\u00df ist! Weil ihr eine Ungl\u00e4ubige seid! Weil ihr so jung seid! Weil ihr so h\u00fcbsch seid! Weil\u2018 \u2026<em>\u201cMuss ich euch erst besinnungslos schlagen, damit ich euch behandeln kann? So k\u00f6nnt ihr nicht stehen, und schon gar nicht gehen. Und Ser Sieghelm braucht euch nun mehr denn je, seht ihn euch an! Soll euer Stolz der Grund daf\u00fcr sein, dass er so bleibt und beim n\u00e4chsten Kampf vor die Hunde geht?\u201c \u201eA-Aber\u2026\u201c \u201eKein Aber! Nun lehnt euch zur\u00fcck \u2013 ich kann es auch besonders schmerzhaft f\u00fcr euch machen, damit ihr nicht sagen k\u00f6nnt dass es angenehm war. Und nun lehnt \u2026 euch \u2026 zur\u00fcck!\u201c <\/em>Adellindes blaue Augen wurden so gro\u00df wie Unauer Glasperlen. Irgendwo im Hintergrund glaubte Kalkarib einen Zwerg kichern zu h\u00f6ren. Er hatte keine andere Wahl, die Verletzung war so stark, dass er ohnehin bald besinnungslos werden w\u00fcrde, wenn sie unbehandelt blieb und dann w\u00e4re er ihr ausgeliefert. Also lehnte er sich zur\u00fcck und versuchte bei Besinnung zu bleiben, damit er Delia sp\u00e4ter erz\u00e4hlen konnte, was genau sie gemacht hatte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHa!\u201c Albrax\u2019s Axt trennte einen Unterarm vom Rest des K\u00f6rpers. 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