{"id":8611,"date":"2020-06-06T19:00:58","date_gmt":"2020-06-06T17:00:58","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8611"},"modified":"2020-06-03T19:22:41","modified_gmt":"2020-06-03T17:22:41","slug":"teil-ii-neue-und-alte-freunde-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8611","title":{"rendered":"Teil II &#8211; Neue und alte Freunde (1)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Weg.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8612\" width=\"726\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Weg.png 726w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Weg-300x78.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption><strong>Perz &#8211; 15. Peraine, 34 nach Hal \u2013 Am sp\u00e4ten Abend<\/strong> <br \/><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8322\" width=\"173\" height=\"205\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png 605w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein-253x300.png 253w\" sizes=\"auto, (max-width: 173px) 85vw, 173px\" \/><figcaption>Ordensmeister<br \/><strong>Sieghelm Gilborn<\/strong><br \/>von Spichbrecher<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8598\" width=\"144\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1.png 683w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Kalkarib-1-213x300.png 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 144px) 85vw, 144px\" \/><figcaption>W\u00fcstensohn<br \/><strong>Kalkarib<\/strong><br \/>al&#8217;Hashinnah<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im r\u00f6tlich-goldenen Schein der untergehenden Praiosscheibe stach Sieghelm den Spaten ersch\u00f6pft in die Erde neben der Ruine des ehemaligen Peraine-Tempels. Er war zusammen mit Kalkarib, nachdem die Perainepriesterin von Sieghelms Niederschlag erwacht war, nach Perz zur\u00fcckgekehrt, um die ganzen Leichen aus der Tempelruine ordentlich beizusetzen. Die junge Priesterin, die sich als Meisterin der Ernte Adellinde vorstellte, beteuerte, ihn und Kalkarib f\u00fcr die brandschatzenden S\u00f6ldner gehalten zu halten, die erst vor kurzem ihren Tempel gesch\u00e4ndet hatten. Sie erkl\u00e4rte, dass es vor allem an Kalkaribs Dialekt lag. Sieghelm konnte sich eine Spitze an seinen Gef\u00e4hrten an dieser Stelle nat\u00fcrlich nicht verkneifen. Sie war, als der Weltenbrand \u00fcber Wehrheim kam und der endlose Heerwurm nach Wehrheim zog, gerade in den W\u00e4ldern nach dringenden Heilkr\u00e4utern f\u00fcr eine Schwangere Dorfbewohnerin suchen, als es passierte. In der Eile, als sie aus der Entfernung die fliegende Festung sah, war sie im Wald gegen einen Ast gerannt und besinnungslos zu Boden gegangen. Erst als die S\u00f6ldner Perz schon niedergebrannt und den Tempel gesch\u00e4ndet hatten, war sie erwacht und zur\u00fcckgekehrt. Sie hatte in den H\u00e4usern nach \u00dcberlebenden gesucht, und dabei war ihr aufgefallen, dass noch immer unheimliche Gesellen, S\u00f6ldner Galottas und Marodeure umherliefen. Sie wollte mit der gr\u00fcnen Kutte nicht so auffallen und hatte sich schnell eine Graue, die sie in den Ruinen fand, \u00fcbergeworfen. Sie war zum Tempel zur\u00fcckgekehrt, doch hat sie schon von weitem dort die Ghule gesehen und sich davon fern gehalten. In der B\u00f6schung des Baches suchte sie dann Donf und Einbeeren, um damit eventuellen \u00dcberlebenden helfen zu k\u00f6nnen. Sieghelm und Kalkarib glaubten ihr und erst nachdem sie ihr mehrmals versicherten, dass die Ghule an der Tempelruine tot waren, kehrte sie bereitwillig mit ihnen dorthin zur\u00fcck. Sie war es auch, die darauf bestand, die Toten beizusetzen. Kalkarib machte sich gar nicht mehr die M\u00fche nach Sieghelms eigentlicher Quest zu fragen, ihm war klar, dass dieser erst hier helfen und abschlie\u00dfen musste, bevor er weiter gehen konnte.\u00a0 <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-811x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8617\" width=\"152\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-811x1024.png 811w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-238x300.png 238w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1-768x969.png 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Adellinde-Portrait-1.png 1030w\" sizes=\"auto, (max-width: 152px) 85vw, 152px\" \/><figcaption>H\u00fcterin der Saat<br \/><strong>Adellinde<\/strong><br \/>Peraine-Priesterin<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201ePuuh, das waren alle.\u201c<\/em> Sieghelm schnaufte und st\u00fctzte sich auf den Spatenstiel. Er hatte Teile seiner R\u00fcstung abgelegt, um besser graben zu k\u00f6nnen. Seine Kettenteile hatte er aufgrund der unsicheren Gebiete jedoch an gelassen. Man wusste nie, wer noch so vorbei kam. Kalkarib verfluchte bei jedem dritten Spatenstich den harten und torfigen Boden der Mittellande. Er war aus seiner Heimat Mhanadistan viel lockeren und weicheren Boden gewohnt. <em>\u201eWarum beim Alleinen kommt ausgerechnet ihr, wo eurer Boden so hart wie Stein ist, auf die Idee, eure Toten einbuddeln zu wollen?\u201c,<\/em> fragte er die zierliche Priesterin, die ordentlich mit anpackte, ernsthaft, worauf diese nicht so recht wusste, was sie antworten sollte. Die drei bestatteten nicht nur die \u00dcberreste der Leichname aus dem Tempel, sondern auch die zwei Geh\u00e4ngten von der Taverne, die Sieghelm bei seiner Ankunft in Perz abgenommen hatte. Am Ende, w\u00e4hrend des Praiosuntergangs, segnete Adellinde den Boden in dem alle beigesetzt wurden.\u00a0 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eWas habt ihr nun vor?\u201c,<\/em> erkundigte sich Sieghelm, nach der Weihung, bei der jungen und kleinen Priesterin. Ihm war erst beim Gr\u00e4ber ausheben, als sie einmal nebeneinander standen,aufgefallen, wie klein sie eigentlich war, denn ihr Scheitel reichte ihm gerade mal bis zur Schulter. Inzwischen hatte sie die graue Kutte abgelegt und ihr praiosblondes, nach hinten zu einem Zopf gebundenes Haar kam zum Vorschein. Es gl\u00e4nzte im Lichte Praios und lie\u00df ihre makellose Haut wie Porzellan wirken. Ihre dunkelblauen Augen waren im Verh\u00e4ltnis zu ihrem ansonsten kleinen Gesicht riesig, trotzdem ergab wie eine wundersch\u00f6ne Gesamterscheinung. In Sieghelm weckten sie mehr als \u00fcblich den Besch\u00fctzerinstinkt. <em>\u201eIch wei\u00df es nicht, mein Tempel ist zerst\u00f6rt, alle die ich kannte und f\u00fcr die ich da war, sind tot. Mich h\u00e4lt hier nichts mehr\u201c, <\/em>erkl\u00e4rte sie in einem fast schon be\u00e4ngstigend n\u00fcchternen Ton. <em>\u201eUnter normalen Umst\u00e4nden w\u00e4re es meine ritterliche Pflicht, euch bis zu einem sicheren Ort gen Praios zu begleiten, euer Gnaden\u201c, <\/em>begann Sieghelm mit pflichtbewusster aber dennoch entschuldigender Stimme.<em> \u201eDoch eine h\u00f6chst pers\u00f6nliche Quest f\u00fchrt mich genau in eine andere Richtung. Ich muss in den Nabel der Zerst\u00f6rung, gen Wehrheim, oder was davon \u00fcbrig ist.\u201c<\/em> Die Priesterin sah mit ihren dunkelbauen Augen direkt zu ihm. Als dieser seine pers\u00f6nliche Quest erw\u00e4hnte, machten sich Neugier und Hoffnung in ihrem liebreizenden Gesicht breit. <em>\u201eWas ist das f\u00fcr eine pers\u00f6nliche Quest, die euch nach Firun f\u00fchrt, Herr Ritter?\u201c <\/em>F\u00fcr einen kurzen Moment wollte Sieghelm protestieren, welche Dreistigkeit sie besa\u00df, danach zu fragen. Doch sie war eine Dienerin der Zw\u00f6lfe und noch dazu eine \u00fcberaus h\u00fcbsche. Er konnte ihre Frage also nicht unbeantwortet lassen. <em>\u201eMein Vater, Baron Parzalon f\u00fchrte ein Regiment in der Schlacht auf dem Mythraelsfeld an. Es hei\u00dft, er sei seit dem Magnum Opus nicht mehr gesehen und es ist meine praios- und traviagef\u00e4llige Pflicht als sein Sohn nach ihm zu suchen und ihn zu finden, Euer Gnaden.\u201c <\/em>Die junge Priesterin legte einen Zeigefinger an ihr Kinn, als w\u00fcrde sie das brauchen, um sich besser konzentrieren zu k\u00f6nnen. Sie schaute zum Tempel, lie\u00df den Blick \u00fcber das frische Gr\u00e4berfeld schweifen und blickte Sieghelm dann mit entschlossenem Blick an. <em>\u201eDann werde ich euch auf eurer Quest begleiten und beistehen, Herr Ritter.\u201c <\/em>Sieghelm fiel die Kinnlade herunter, als die zierliche Priesterin diesen Satz mit befehlsgewohnter Stimmlage aussprach. <em>\u201eEuer Gnaden, aber \u2026\u201c,<\/em> setzte Sieghelm an und baute sich etwas vor ihr auf. Ihr Gesicht war dabei auf der H\u00f6he von Sieghelms Brust. Sie hob nur erneut den Zeigefinger, doch dieses Mal lie\u00df sie ihn knapp vor Sieghelms Gesicht ruhen. <em>\u201eKein Aber, Ser Sieghelm. Ich kann reiten und ihr werdet au\u00dferdem jemanden ben\u00f6tigen, der eure Wunden pflegt, wenn ihr in den, wie ihr es nanntet \u201aNabel der Zerst\u00f6rung\u2018, reitet. Und zudem k\u00f6nnt ihr so auch gleich eurer Ritterpflicht nachkommen und auf mich aufpassen.\u201c<\/em> Der Reichsritter blinzelte und sah dann hilfesuchend zu Kalkarib, der sich wieder seinen Schal \u00fcber die Nase gezogen hatte. Sieghelm glaubte unter dem Schal ein breites Grinsen erkennen zu k\u00f6nnen. <em>\u201eDoch f\u00fcr heute haben wir genug gearbeitet, die Gebende wird uns eine ruhige und erholsame Nacht schenken.\u201c<\/em> Mit diesen Worten machte Adellinde auf den Hacken kehrt und ging zu ihrem B\u00fcndel her\u00fcber, wo sich eine Schlafrolle befand, die sie aus dem Tempel geholt hatte. Sieghelm konnte nicht anders, als der zierlichen Frau hinterher zu schauen. Inzwischen trat der Novadi an seine Seite und stellte sich Schulter an Schulter mit ihm auf. Sie sahen der kleinen Frau dabei zu, wie sie emsig das Nachtlager f\u00fcr sie herrichtete. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eBei Rastullah, ich habe bisher nur ein einziges Mal ein solches Feuer in einer Frau gesehen. Sie ist nicht nur mit der Sch\u00f6nheit der Nacht vom Alleinen, sondern auch mit Mut und Entschlossenheit gesegnet. Ich mag sie.\u201c <\/em>Sieghelm brauchte einen Moment, um aus seiner Starre zu erwachen. Hatte die junge Priesterin ihm etwa gerade einen Befehl erteilt? IHM? Dem Ordensmeister und Reichsritter! Doch aus einem f\u00fcr Sieghelm unbekannten Grund konnte er ihr nicht widersprechen! Sie hatte alles verloren, und zeigte im Angesicht dieses Verlusts so viel Mut, dass er sie bewunderte. <em>\u201eDu h\u00e4ltst die erste Wache\u201c,<\/em> befahl Sieghelm knurrend zu Kalkarib, der unter seinem Schal noch immer bis \u00fcber beide Ohren grinste. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eEuer Gnaden, da ihr uns morgen begleiten werdet, solltet ihr aber vorher noch einiges wissen\u201c,<\/em> h\u00f6rte der W\u00fcstensohn Sieghelm sagen, bevor er sich zu ihr gesellte und beim Lageraufbau half.  Den Abend verbrachten Kalkarib und Pagol zusammen, die etwas abseits des Lagers Wache hielten. Der Novadi wollte den beiden ihre Privatsph\u00e4re lassen. Er h\u00f6rte sie lange miteinander reden. Anscheinend hielt es Sieghelm f\u00fcr notwendig, die Priesterin umfassend \u00fcber den Orden und die Ereignisse der letzten Tage aufzukl\u00e4ren. W\u00e4hrenddessen holte Kalkarib seinen Teppich, um sein Abendgebet zu Rastullah zu halten. Zum Gl\u00fcck war da ja noch der Leutnant, der f\u00fcr den kurzen Moment die Wache \u00fcbernehmen konnte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im r\u00f6tlich-goldenen Schein der untergehenden Praiosscheibe stach Sieghelm den Spaten ersch\u00f6pft in die Erde neben der Ruine des ehemaligen Peraine-Tempels. Er war zusammen mit Kalkarib, nachdem die Perainepriesterin von Sieghelms Niederschlag erwacht war, nach Perz zur\u00fcckgekehrt, um die ganzen Leichen aus der Tempelruine ordentlich beizusetzen. 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