{"id":8574,"date":"2020-05-23T19:00:15","date_gmt":"2020-05-23T17:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8574"},"modified":"2020-05-16T11:05:48","modified_gmt":"2020-05-16T09:05:48","slug":"teil-i-vorboten-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8574","title":{"rendered":"Teil I &#8211; Vorboten (2)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/9421b4bcde8ce56cd80724c431c0093c-1024x285.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8604\" width=\"768\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/9421b4bcde8ce56cd80724c431c0093c-1024x285.jpg 1024w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/9421b4bcde8ce56cd80724c431c0093c-300x83.jpg 300w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/9421b4bcde8ce56cd80724c431c0093c-768x214.jpg 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/9421b4bcde8ce56cd80724c431c0093c.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption><strong>Perz &#8211; 15. Peraine, 35 nach Hal &#8211; Gegen Mittag<\/strong> <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8322\" width=\"172\" height=\"204\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png 605w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein-253x300.png 253w\" sizes=\"auto, (max-width: 172px) 85vw, 172px\" \/><figcaption>Ordensmeister<br \/><strong>Sieghelm Gilborn<\/strong><br \/>von Spichbrecher<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eIhr Bestien!\u201c,<\/em> knurrte der Reichsritter, als er einen beherzten Schritt nach vorne tat. Seine panzerfaustbewehrten H\u00e4nde umschlossen bei jedem Schritt, den er tat, sein Schwert Custoris noch fester. Die Bestien \u2013 wie Sieghelm sie nannte \u2013 waren abscheuliche graugr\u00fcnh\u00e4utige und krallenbewehrte Wesen des Namenlosen, auch bekannt unter der Bezeichnung Ghule. \u00dcberall dort, wo der Krieg vor\u00fcbergezogen war und Elend und Tod hinterlassen hatte, und kein Boronpriester schnell genug die Leichen unter die Erde bringen und segnen konnte, war es wahrscheinlich, dass vom Geruch des Todes angelockt, Ghule Einkehr fanden, um sich am verrottenden Fleisch der j\u00fcngst Verstorbenen zu laben. Davor waren leider auch einstmalige g\u00f6ttliche Orte nicht gefeit. Der Tempel schien ohnehin entweiht, doch Sieghelm verlor keinen Gedanken daran, was wohl geschehen sein mag, dass dieser Boden nunmehr nicht mehr heilig war. F\u00fcnf Ghule drehten sich fauchend und gallespritzend zum Krieger um, der sie gerade bei einem Festmahl gest\u00f6rte hatte. Auf dem ehemaligen Altar der G\u00f6ttin Peraine lag ein Berg aus blutigen und zerfetzten Leichen, an denen sich die namenlosen Wesenheiten bereits mehr als g\u00fctig getan hatten. Mit blutbeleckten M\u00e4ulern und scharfen Krallen st\u00fcrzten die Ghule allesamt auf Sieghelm zu. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den ersten und schnellsten von Ihnen empfing Custoris\u2018 Schw\u00e4che, die letzten zehn Doppelfinger der gewellten Klinge schnitten quer \u00fcber die Brust der hageren Gestalt und schleuderten sie gegen einen h\u00f6lzernen Tisch an der Seite des Tempelschiffs. Die darauf stehenden Tonkr\u00fcge zerplatzten, als der K\u00f6rper des Ghuls auf ihm aufschlug und zahlreiche Fl\u00fcssigkeiten in alle Richtungen stoben. Sieghelms H\u00e4nde nutzen den Schwung des Schwertes aus und lie\u00dfen es in den Oberhau \u00fcbergehen. Er brauchte nicht mehr vorw\u00e4rts zu gehen, denn die Ghule kamen von ganz alleine auf ihn zu. Zwei von ihnen sprangen ihn mit gelblich gl\u00fchenden Augen an. Der Reichsritter zog sein rechtes Bein \u00fcber den Boden hinter sein linkes und brachte sich so aus der Sprungrichtung beider Ghule. Ruckartig zog Sieghelm dann Custoris herab und lie\u00df die Klinge mit Wucht von der Stirn bis zum Unterkiefer des heranspringenden Ghuls fahren. Mit einem Knacken des Sch\u00e4dels erloschen die gelblichen Augen der Unwesenheit sofort, der zweite sprang dank Sieghelms Ausweichbewegung ins Leere. Der vierte Ghul, er hatte inzwischen einen dicken Bauch, da er sich an den Leichen auf dem Altar mehr als satt gefressen hatte, erreichte Sieghelms linke Seite. Seine Krallenh\u00e4nde Kratzten \u00fcber seine Schulterplatte sowie den Unterarmplattierungen und verursachten dabei widerlich schrille Ger\u00e4usche, als sie versuchten, sich an Sieghelm festzuhalten. <em>\u201eRondra, f\u00fchre meine Klinge!\u201c,<\/em> rief er im betenden Tonfall, als der fette Ghul versuchte seine blutbeleckten Z\u00e4hne in eine empfindliche Stelle zwischen den Plattenteilen zu treiben. Sieghelm lie\u00df mit seiner linken Hand den Griff des Schwerts los, so dass nur noch Daumen und Zeigefinger es umklammerten. Mit der Rechten packte er umso st\u00e4rker zu. Auf diese Weise klappte die lange gewellte Klinge des Schwerts bis zu Sieghelms linken Oberarm herab. Nun dr\u00fcckte er Custoris, den Oberarm als F\u00fchrung nutzend, \u00fcber seinen Arm hinweg in Richtung des graugr\u00fcnen Halses des Ghuls. <em>\u201eSei\u2019s in Licht wie in \u2026 DUNKELHEIT\u201c, <\/em>setzte er die Litanei fort. Das letzte Wort spie er f\u00f6rmlich aus, als er mit aller Kraft die gesamte Klinge, von der Schw\u00e4che bis zur St\u00e4rke durch den fleischlichen Hals des Ghuls zog und ihn dabei den Kopf vom K\u00f6rper trennte, wie ein scharfes Messer, dass einen Kanten von einem Laib Brot schnitt. Der Kopf des namenlosen Wesens flog flutschend und Blut verspritzend quer durch den ehemaligen Altarraum und der Rest des K\u00f6rpers fiel von Sieghelm herab. Doch es blieb ihm keine Zeit, der Ghul, der an ihm vorbei gesprungen war, hatte sich inzwischen neu positioniert und kam in geduckter Haltung auf ihn zu. Und dann war da noch ein weiterer, sich mehr als satt gefressener Ghul, der sich von der anderen Seite ebenfalls sprungbereit machte. Sieghelm war also von beiden Seiten flankiert und stand mit dem R\u00fccken zu Wand. Die Reichweite seines Schwerts brachte ihm nun keinen Vorteil mehr, er war gezwungen mit den Ghulen in den Nahkampf zu gehen. <em>\u201eRondra, f\u00fchre meine Klinge.\u201c<\/em> Begann er erneut den Refrain des Gebets, als er Custoris mit der linken Panzerfaust in die Fehlsch\u00e4rfe griff, um es als Halbschwert zu f\u00fchren. Da h\u00f6rte er pl\u00f6tzlich ein helles Bellen. Der tapfere Leutnant biss beherzt in den linken Fu\u00df des fetten Ghuls und lenkte ihn damit entscheidend ab. <em>Tapferer Pagol! Ich muss den \u00dcberraschungsmoment nutzen<\/em>, dachte sich Sieghelm und wandte sich dem anderen Ghul zu. Dieser schlug, da er inzwischen recht nah war, erbarmungslos mit beiden Krallenh\u00e4nden zu. Wieder kratzten die klingenartigen Fingern\u00e4gel \u00fcber verschiedene Plattenteile an Sieghelms Unter- und Oberarmen. W\u00e4re er nicht so gut ger\u00fcstet, w\u00e4ren seine Arme nun hoffnungslos aufgeschlitzt gewesen. Mit der Schw\u00e4che von Custoris schlug er erst nach dem Ghul und setzte dann zu einem Stich an. Dem Schlag wich die unheilige Bestie gekonnt aus, doch den Stich hatte es den G\u00f6ttern sei Dank nicht kommen sehen. Die Klinge fuhr tief durch die graugr\u00fcne Brust und trennte Muskeln und Knochen. Der Ghul war noch nicht besiegt. Erneut schlugen seine Krallenh\u00e4nde zu, doch die Schl\u00e4ge waren ungezielt und wirkungslos, da sie nur \u00fcber Sieghelms Brust- und Schulterpanzer kratzten. Der Krieger nutze die Verletzung des Ghuls zu seinem Vorteil, erneut rezitierte er den Refrain <em>\u201eSei\u2019s in Licht wie in Dunkelheit\u201c. <\/em>Er griff das Schwert um und schlug kr\u00e4ftig mit dem schmalen Parier in das Gesicht des Ghuls. Die Parierstange bohrte sich dabei in das gelblich gl\u00fchende Auge und versank flutschend darin. Der Ghul war sofort tot und Sieghelm musste den Leichnam der Kreatur von seinem Schwert sch\u00fcttelt wie jemand, der Dreck von seinem Schwert sch\u00fcttelt musste. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erneut h\u00f6rte er ein verbissenes Knurren, gefolgt von einem kurzem aufheulen. Der fette Ghule schlug nach Pagol! Die Krallen rutschten \u00fcber dessen lederne R\u00fcstung und schleuderten ihn gegen den Altar. Es schlug dumpf, als Pagol direkt vor dem Altar der Herrin liegen blieb. <em>\u201ePAGOL!\u201c,<\/em> rief Sieghelm mit der Sorge eines Vaters, der mit ansehen musste, wie sein Sohn von Fremden geschlagen wurde. Der Ghul war nun zwischen ihm und dem Leutnant, und erschien nicht minder furchterregend. <em>\u201eDas wirst du b\u00fc\u00dfen, unheilige Kreatur!\u201c<\/em> Sieghelm griff Custoris nun wieder mit beiden H\u00e4nden und brachte die Spitze der Klinge zwischen sich und den Ghul. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gepackt von Wut und Entschlossenheit, lie\u00df Sieghelm eine Abfolge von kontrollierten Schl\u00e4gen aus verschiedenen Richtungen auf den Ghul niederregnen. Er machte dabei zwei Schritte nach vorne, doch der Ghul wich jedem Hieb geschmeidig wie eine Natter aus. Nur einmal kratzte die Klinge etwas \u00fcber seine Unterarm. <em>\u201eLeuengleiche, Ehrengleiche, \u2026\u201c,<\/em> setzte Sieghelm dann das Gebet fort. Mit einem weiteren Schritt nach vorne, lie\u00df er wieder mehrere Schl\u00e4ge auf den Ghul los, doch erneut wich er jedem aus. <em>\u201e \u2026 donnernd Schutz und feste Wehr.\u201c <\/em>Sieghelm setzte zu einer Finte an, anscheinend war diesem Ghul wohl nicht anders beizukommen. Er t\u00e4uschte einen Schlag auf die linke Schulter an, drehte dann aber das Schwert so, dass der Hieb von rechts auf den K\u00f6rper ging. Die Finte hatte der Ghul nicht kommen sehen und so verursachte Sieghelm einen langen Schnitt \u00fcber den Bauch des Ghuls, der daraufhin sofort aufplatzte und nach Verwesung riechende, blutige Fleischklumpen quollen heraus. Sieghelm hatte den fetten Wamst getroffen, ihm wurde sofort klar, was dort aus der Kreatur heraus fiel, waren halb verdaute K\u00f6rperteile der Dorfbewohner. Ihm stockte der Atem, und sofort wurde ihm spei\u00fcbel. Da bekam er pl\u00f6tzlich einen heftigen Schlag von hinten auf den Kopf und den R\u00fccken, als w\u00fcrde etwas auf ihn fallen. Sofort sah er Krallenh\u00e4nde, die versuchten, sich durch die Schlitze in seinem Helm einen Weg ins Innere zu bahnen. Einer der Ghule musste \u00fcberlebt haben oder hatte sich versteckt, er hatte Sieghelm von hinten angesprungen und befand sich nun in einer f\u00fcr den Reichsritter sehr gef\u00e4hrlichen Position. Von Panik ergriffen schlug Sieghelm nach sich selbst, oder vielmehr, nach dem Wesen, das auf seinem R\u00fccken kauerte. Er h\u00f6rte das Fauchen des Ghuls und sp\u00fcrte den nassfauligen Atem in seinem Nacken, als es versuchte, zuzubei\u00dfen. Da er mit seinen Hieben der Kreatur nicht beikam und eine Krallen die Schlitze in seinem Held immer weiter \u00f6ffneten, sprang er beherzt mit dem R\u00fccken voran gegen die Steinwand des Tempels, in der Hoffnung, so den Ghul stark genug zu verletzten, um ihn von sich abzusch\u00fctteln. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es schepperte lautstark, als Sieghelm samt des gesamtem Gewichts seiner Ketten- und Plattenr\u00fcstung gegen die Feldsteine sprang. Unter dem Quietschen und Scheppern der Metallteile waren auch knackende Knochen zu h\u00f6ren. Der Ghul fiel schlaff von Sieghelm herab. Der Reichsritter drehte sich sofort um die eigene Achse und trieb die Spitze seiner Klinge voran durch den Brustkorb des nunmehr toten Ghuls bis tief in die h\u00f6lzernen Planken. Da h\u00f6rte er das Surren eines Pfeils, welches nur knapp an seinem Kopf vorbeiging. Gefolgt von einem absterbenden Kreischen eines Ghuls. Dem Schrei folgend, blickte Sieghelm in Richtung Altar, wo ein Pfeil in dessen Kopf steckte, dem er zuvor den Wamst aufgeschlitzt hatte. Mit einem lauten \u201aPlatsch\u2018, ging damit auch der letzte Ghul tot zu Boden. Sofort fuhr Sieghelm wieder herum und sah zum Eingang des Tempels, wo eine Person stand, ein Bogensch\u00fctze. <em>\u201eIch hatte alles unter Kontrolle\u201c,<\/em> rief Sieghelm, der anstatt dankenden Worte, eher einen Fluch dar\u00fcber, dass er eines rondrianischen Kampfes beraubt wurde, auf den Lippen hatte, trotzig.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIhr Bestien!\u201c, knurrte der Reichsritter, als er einen beherzten Schritt nach vorne tat. Seine panzerfaustbewehrten H\u00e4nde umschlossen bei jedem Schritt, den er tat, sein Schwert Custoris noch fester. 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