{"id":8569,"date":"2020-05-16T19:00:05","date_gmt":"2020-05-16T17:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8569"},"modified":"2020-05-16T11:07:55","modified_gmt":"2020-05-16T09:07:55","slug":"teil-i-vorboten-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8569","title":{"rendered":"Teil I &#8211; Vorboten (1)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/9421b4bcde8ce56cd80724c431c0093c-1-1024x285.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8605\" width=\"768\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/9421b4bcde8ce56cd80724c431c0093c-1-1024x285.jpg 1024w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/9421b4bcde8ce56cd80724c431c0093c-1-300x83.jpg 300w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/9421b4bcde8ce56cd80724c431c0093c-1-768x214.jpg 768w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/9421b4bcde8ce56cd80724c431c0093c-1.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption><strong>Perz &#8211; 15. Peraine, 34 nach Hal &#8211; Gegen Mittag<\/strong> <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8322\" width=\"171\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png 605w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein-253x300.png 253w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 85vw, 171px\" \/><figcaption>Ordensmeister<br \/><strong>Sieghelm Gilborn<\/strong><br \/>von Spichbrecher<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Pferd, auf dem er ritt, schnaufte, denn Sieghelm hielt es schon seit Stunden dazu an, im z\u00fcgigen Trab, ja fast schon Galopp, \u00fcber die Reichsstra\u00dfe zu eilen. Es schepperte bei jedem Schritt, den das Pferd tat, denn die eisernen Hufen wetzten gnadenlos \u00fcber die seit Jahrzehnten abgeschmirgelten Steine. Immer wieder ritt er dabei an verzweifelt aussehenden Bauern, H\u00e4ndlern oder get\u00fcrmten Soldaten vorbei, die ihm entgegen kamen. Frauen, Kinder, Familien, die den Magnum Opus des Weltenbrandes \u00fcberlebt hatten oder die einfach nur nach dem Schrecken, der Wehrheim erfasst hatte, flohen. Immer wieder versuchte Sieghelm f\u00fcr einen kurzen Moment in ihre Gesichter zu blicken und herauszufinden, ob er eines dieser Gesichte erkannte. Doch weder kamen ihm die Wappen, noch die Gesichter der Leute bekannt vor. Also trieb er sein Pferd weiter an, wie er es schon gestern getan hatte. Inzwischen schmerzten ihm die Oberschenkel und sein Hintern und die Innenschenkel juckten, weil sie sich durch den harten Ritt wund gerieben hatten. Nicht nur f\u00fcr das Pferd war der z\u00fcgige und lange Ritt \u00fcber Pflastersteine eine Tortur, auch der Reiter wurde dabei einer harten Belastungsprobe ausgesetzt. Doch Sieghelm war entschlossen keine Zeit zu verlieren. Die Nachricht, dass das Regiment seines Vaters Parzalon im Schlachtenget\u00fcmmel auf dem Mythraelsfeld abgedr\u00e4ngt und aufgerieben sein soll, konnte er nicht glauben. Es hie\u00df, dass man gesehen habe, wie er vom Pferd gest\u00fcrzt sein soll und dass er nach dem Magnum Opus nicht mehr gesehen wurde. Sieghelm Vater war ein erfahrener Heermeister. Er w\u00fcrde sich niemals in eine solch aussichtslose Situation bringen lassen, davon war Sieghelm \u00fcberzeugt. Doch was, wenn ihm wirklich etwas zugesto\u00dfen war? Der Weltenbrand, der von der Festung Galottas ausging, war so gewaltig, verheerend und gleichwohl willk\u00fcrlich, dass keine Erfahrung der Welt einem dabei geholfen h\u00e4tte, sie zu \u00fcberleben. Wenn Sieghelms Vater also von etwas \u00fcberrascht werden konnte, dann von dem Weltenbrand, alles andere waren nur infame Behauptungen oder Falschmeldungen, da war er sich sicher. Auch wenn Sieghelm seit seiner Kindheit mit seinem Vater h\u00e4ufiger im Zwist als im Frieden war, so war er trotzdem sein Vater, und es war Sieghelms praios- und traviagef\u00e4llige Pflicht, nach seinem Vater zu sehen, um sicher zu gehen, dass es ihm gut ging. Und wenn er Hilfe ben\u00f6tigte, w\u00fcrde er durch alle Sph\u00e4ren gehen, um ihm zu helfen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eBrrrr!\u201c<\/em>, stie\u00df Sieghelm zwischen zusammengebissenen Z\u00e4hnen hervor. Das Pferd wurde immer langsamer, bis es ganz anhielt. Sieghelm war jetzt nur noch zehn Meilen von Wehrheim entfernt. Das wusste er genau, denn der Ort, der vor ihm lag, hie\u00df Perz und Sieghelm kannte die Strecke und Entfernung von Perz bis nach Wehrheim auswendig. Doch waren es keine Bauernh\u00e4user, die Perz ank\u00fcndigten, sondern bis auf die Grundmauern heruntergebrannte Reste einer einstmals sch\u00f6nen Siedlung auf der Reichstra\u00dfe zwischen Wehrheim und Gareth. Aufgrund des hohen Aufkommens an Durchreisenden hatte die kleine Siedlung mehrere Gasth\u00e4user und Tavernen gehabt. Erst vor kurzem hatte Sieghelm in einer dieser Schenken Halt gemacht. Er musste an die Schankmaid denken, die ihn den Abend bewirtet hatte. Wie war doch gleich ihr Name? Dara? Daria? Oder so \u00e4hnlich? Sieghelm hielt sein Pferd dazu an, vorsichtig weiter zu traben. Der Geruch von verbranntem Holz lag in der Luft, denn der Wind wehte die dichten schwarzen Ru\u00dfwolken direkt zu ihm her\u00fcber. Perz lag zu weit au\u00dferhalb von Wehrheim, als das es vom Weltenbrannt zerst\u00f6rt werden konnte. Dies konnte nur das Werk von S\u00f6ldnern oder versprengten untoten Truppen des endlosen Heerwurms sein. <em>\u201eBei Rondra, Pagol. Perz hatte auch einen Peraine-Tempel!\u201c,<\/em> stie\u00df Sieghelm schockiert aus, als seine Erinnerung an diesen Ort zur\u00fcckkehrte. Seine Anrufung richtete sich an seinen Leutnant. Der Dachshund stand etwas schwankend auf seinem kleinen Pfoten auf dem R\u00fccken des Pferdes in einer speziellen Tragevorrichtung, die Sieghelm improvisiert hatte, da er rasch aus Gareth aufbrechen musste. Der Ritter erinnerte sich daran, dass Perz einen Tempel der gebenden G\u00f6ttin hatte. <em>\u201eWir m\u00fcssen nachsehen, ob jemand \u00fcberlebt hat und unsere Hilfe braucht, Pagol\u201c,<\/em> entschied er mit entschlossener Stimme. Der braunrote Dachshund verstand sofort und lie\u00df sich vorsichtig am Sattel des Pferdes herab. Kaum war er am Boden angekommen, flitzte er auch schon los. Sein kleines Halsband schepperte dabei \u00fcber die Pflastersteine der Reichsstra\u00dfe. Sieghelm hatte keine andere Wahl, er gab seinem Pferd wieder die Sporen, um mit dem vorschnellenden Leutnant mithalten zu k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er und Pagol zwischen den verbrannten Bauernh\u00e4usern ankamen, wurde Ihnen schnell klar, dass dies das Werk von unzufriedenen S\u00f6ldnern Galottas war, die sich wohl noch rechtzeitig davongestohlen hatten, um nicht selbst vom Weltenbrand erfasst zu werden. An dem Querbalken der Pforte des Gasthauses hatten diese ruchlosen S\u00f6ldner den Wirt und seinen Knecht aufgekn\u00fcpft. F\u00fcr sie kam jede Rettung zu sp\u00e4t. Wahrscheinlich hatten die S\u00f6ldner alles gr\u00fcndlich gepl\u00fcndert und die Weiber des einstmals idyllischen Wegortes gesch\u00e4ndet, bevor sie es in Brand gesteckt hatten. Auf Sieghelms Miene zeichnete sich eine tiefe Unzufriedenheit ab. Er w\u00fcnschte sich hier gewesen zu sein, um diese Gr\u00e4ueltat verhindern zu k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit bitterem Schwermut holte Sieghelm die Leichname der beiden M\u00e4nner vom Querbalken herunter und legte sie ordentlich an den Zaun. Er beschloss sie sp\u00e4ter wie ein guter Gl\u00e4ubiger der Zw\u00f6lfe beizusetzen, doch zuerst wollte er nach dem Perainetempel sehen. Nachdem er die M\u00e4nner an den Zaun gelegt hatte, trafen sich seine und die Blicke Pagols. Er musste sofort daran denken, dass er eigentlich auf der Mission war, seinen Vater zu suchen. Doch konnte er auf der Reise dorthin nicht sich selbst und seine ritterlichen Schw\u00fcre vergessen. <em>\u201eIch kann nicht anders, Pagol. Ich muss das tun\u201c,<\/em> sagte er im entschuldigenden Tonfall zu seinem Hund, dessen trauriger Blick und die herabh\u00e4ngenden Ohren ihn in seiner tr\u00fcbsinnigen Stimmung in keinster Weise aufmunterten. <em>\u201eIch werde mich sp\u00e4ter um die Zwei k\u00fcmmern. Komm, lass uns nach dem Tempel sehen.\u201c <\/em>Mit schweren Schritten ging er zusammen mit Pagol an verbrannten, einstmals mit Leben gef\u00fcllten H\u00e4usern vorbei. Sein Gesicht war ru\u00dfig, denn der schwarze Rauch fing sich in dem Schwei\u00df auf seinem Gesicht und legte sich \u00fcber seine Haut wie eine zweite, schmierige Schicht, die ihn nicht vergessen lie\u00df, was hier f\u00fcrchterliches geschehen war. Der Tempel der G\u00f6ttin der Saat befand sich zwischen zwei Feldern und war gr\u00f6\u00dftenteils aus Stein gebaut. Nur der Turm, von dem man \u00fcber die Felder blicken konnte, war aus Holz errichtet worden. Als Sieghelm quer \u00fcber das Feld lief, entschuldigte er sich bei Peraine daf\u00fcr, doch es gab keine Bauern mehr, die dieses Feld bewirtschafteten. Schon von weitem sah er, dass der h\u00f6lzerne Turm des Tempels nicht mehr stand. Er war bis zum Boden niedergebrannt und schwarzer Rauch quoll aus den \u00dcberresten hervor. Der aus Stein gebaute Teil schien jedoch noch erhalten zu sein, was dem Reichsritter ein wenig Hoffnung gab. Als die beiden die eingeschlagene Eingangst\u00fcr erreichten, tat Pagol das, was ein guter Wachhund tat, wenn er eine Bedrohung witterte: Er knurrte. Sieghelm verlor keinen weiteren Gedanken und reagierte sofort auf das Warnsignal seines treuen Weggef\u00e4hrten. Mit einem langen *Ziiing*, surrte sein g\u00f6ttlicher Anderthalbh\u00e4nder aus der R\u00fcckenscheide. Mit einem kr\u00e4ftigen Tritt lie\u00df Sieghelm die ohnehin eingeschlagene T\u00fcr des Tempels aus den Angeln fliegen. Fast zeitgleich schnellten Pagol und Sieghelm kampfbereit durch den nun t\u00fcrlosen Rahmen und was sie sahen, lie\u00df beiden einen kalten Schauder den R\u00fccken hinunterfahren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Pferd, auf dem er ritt, schnaufte, denn Sieghelm hielt es schon seit Stunden dazu an, im z\u00fcgigen Trab, ja fast schon Galopp, \u00fcber die Reichsstra\u00dfe zu eilen. Es schepperte bei jedem Schritt, den das Pferd tat, denn die eisernen Hufen wetzten gnadenlos \u00fcber die seit Jahrzehnten abgeschmirgelten Steine. 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