{"id":8566,"date":"2020-05-10T20:00:05","date_gmt":"2020-05-10T18:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8566"},"modified":"2020-05-10T12:09:23","modified_gmt":"2020-05-10T10:09:23","slug":"teil-xi-leben-und-tod-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8566","title":{"rendered":"Teil XI &#8211; Leben und Tod (3)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Ser-Gneisor-Klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8341\" width=\"173\" height=\"194\"\/><figcaption>Marschall<br \/><strong>Gneisor Geldwin<\/strong><br \/>von Ochsenstolz<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align:center\"><strong>Auf dem Dach des Burgfrieds<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Vidkuns rechter Hand wuchs ein langes blankes Schwert und\ner konzentrierte sich darauf, wieder eine einzelne \u00e4u\u00dfere Form anzunehmen. Die\nbrodelnde und schwefelnde Stelle an seiner linken Schulter w\u00fcrde er dennoch\nnicht verstecken k\u00f6nnen. Die Gestalt wurde j\u00fcnger und schlanker, er war nun\nAnfang 20 G\u00f6tterl\u00e4ufe jung, trug einen dunkelblauen Gambeson und eine einfache\nLederr\u00fcstung. Er hatte blondes Haar, das ihm ins Gesicht fiel, und auf dem\nWappenrock, den er trug, prunkte das Hauswappen von Lady Brangane. Vidkun war\nnun wieder der junge Knecht, als er die Informationen von der verh\u00fcllten\nGestalt vor zwei Tagen entgegennahm, er hielt diese Form f\u00fcr diesen Moment am\npassendsten. \u00dcber den Rand der Zinnen erhob sich der vom Vortex verzerrte\nHalrik, noch immer war sein Gesicht mit dunklen, ja fast schon schwarzen Adern\n\u00fcberzogen, der Rest seiner Haut war aschfahl und seine Augen glichen gro\u00dfen Obsidiansteinen.\nEr schwebte langsam \u00fcber die Zinnen, w\u00e4hrend er in seinen H\u00e4nden vor der Brust\nden leblosen und zerschundenen K\u00f6rper des Knappen Ingmar hielt. Seine R\u00fcstteile\nhingen zerfetzt von ihm herab, ebenso wie Teile seines K\u00f6rpers, die beim\nAufschlag auf die scharfkantigen Felsen von der schieren Wucht des eigenen\nGewichts zerschmettert wurden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eEs ging\ndir nie um das Wissen, dass du den Sp\u00e4hrenbewohnern hier bringst\u2026\u201c<\/em>, begann\nVidkun mit der Stimme des jungen Knechts, die jedoch ein wenig metallisch\nklang. <em>\u201e\u2026nicht wahr? Es ging dir allein\ndarum, dass ich Sara\u2019kiin vernichte.\u201c <\/em>Vidkun hatte Halrik schon als die\nverh\u00fcllte Gestalt aus dem Heuschober erkannt, kurz nachdem er ihm den Dolch in\nden R\u00fccken gestochen hatte. Vidkuns Kontaktperson und Halrik waren ein und dieselbe\nPerson. Vor zwei Tagen im Heuschober, hatte Halrik Vidkun beauftragt den jungen\nStudiosus zu retten. Er hatte also seinen eigenen Rettungsplan initiiert, doch\nVidkun w\u00e4re nicht ein Meister der Blendung, wenn er nicht sofort erkannt h\u00e4tte,\ndass es Halrik gar nicht darum ging sich selbst zu retten. Halrik hatte ihn\nbenutzt, ihn get\u00e4uscht. In Wahrheit wollte er nur, dass er sich nach Burg\nFriedstein begab, um Sara\u2019kiin zu stellen und zu vernichten \u2013 weil es im Moment\nniemand anderen gab, der es h\u00e4tte tun k\u00f6nnen. Halrik schwebte auf die Planken\ndes Burgfrieds und legte Ingmars zerschlagenen K\u00f6rper sanft ab. Da er nicht\nantwortete, sprach er weiter: <em>\u201eDu warst\nalso hier als Sara\u2019kiin diese Burg zerst\u00f6rte und alle darauf t\u00f6tete und bist\nentkommen.\u201c<\/em> Er machte eine kurze Pause und sah wie Halrik sich neben den\nLeichnam kniete und zu ihm aufschaute. \u201e<em>Alle\nau\u00dfer mir wurden get\u00f6tet.\u201c<\/em>, begann der Studiosus mit sanfter Stimme. <em>\u201eIch trat gegen sie an, so wie auch dieses\nMal. Und sie gewann, ebenfalls wie dieses Mal. Mit meinem Wissen \u00fcber den\nVortex konnte ich beim ersten Mal jedoch entkommen. Ich brauchte dich, um das\nGeschehene zu ver\u00e4ndern.\u201c <\/em>Halrik lie\u00dfe H\u00e4nde \u00fcber Ingmar gleiten, als w\u00fcrde\ner einen Segen vorbereiten. Die Gesichtsz\u00fcge von Vidkun in Form des jungen\nblonden Knechts wurden w\u00fctend. Er wusste, dass er benutzt wurde, aber das\nHalrik es auch so ganz unverhohlen zugab, machte ihn noch w\u00fctender. <em>\u201eSie sind auch dieses Mal alle verreckt, es\nscheint mir nicht so, als h\u00e4ttest du irgendetwas bewirkt oder ver\u00e4ndert. Mich\nf\u00fcr deinen Plan zu benutzen war nutzlos!\u201c<\/em> Vidkun spottete ihm und lief\naufgeregt auf und ab. Er konnte es noch immer nicht fassen: Er, der Meister des\nIntrigenspiels, wurde selbst hereingelegt, und das auch noch von einem jungen Fleischling.\n<em>\u201eDas ist nicht richtig.\u201c<\/em>, entgegnete\nHalrik und strich mit den aschfahlen und von schwarzen Adern \u00fcberzogenen H\u00e4nden\n\u00fcber den zerschundenen K\u00f6rper des toten Knappen. F\u00fcr einen kurzen Moment blickte\ner nach oben, die Vortexkuppel war kurz davor zusammenzubrechen, er musste sich\nalso beeilen, solange die Wortzauberei noch funktionierte. Er bem\u00e4chtigte sich wieder\ndieser und sprach den Zauber, den er schon im Innern der Festung gesprochen\nhatte, erneut: <em>\u201eIa\u2019chau\u201c<\/em> Die\nzahlreichen Verletzungen im K\u00f6rper des Jungen schlossen sich, das Blut\nverschwand, Knochen verbanden sich und auch das Fleisch wuchs wieder zusammen.\nDas Gesicht des Jungen, was kurz zuvor nur noch ein verunstaltetet Blutklumpen\nwar, war wieder zu erkennen. Es schien fast so, als w\u00fcrde er ruhig schlafen. Die\nzerfetzte R\u00fcstung des Knappen blieb jedoch so zerst\u00f6rt wie zuvor. Kettenteile\nblieben zersprungen und die Plattenteile verbeult, doch der K\u00f6rper des Knappen\nwurde mittels Halriks Wortzauberei geheilt. Vidkuns Lippen wurden schmal und er\nsch\u00fcttelte den Kopf. \u201e<em>Was findest du nur\nan diesem Jungen?\u201c<\/em>,platzte es\naus ihm heraus, doch dann hat er eine Erkenntnis und er fuhr fort: <em>\u201eEs ging dir um ihn, richtig?\u201c <\/em>W\u00e4hrend\nsich Halrik erhob, sah er her\u00fcber zu der kopflosen Sara\u2019kiin, dessen K\u00f6rper\nsich immer mehr aufl\u00f6ste und ihre wahre Gestalt preisgab. Saria Fuxfell, die\nEismagierin, war schon gut zu erkennen. <em>\u201eEr\nmuss leben\u201c<\/em>, antwortete Halrik knapp und mit einem Tonfall, als w\u00fcrde seine\nAntwort einfach alles erkl\u00e4ren. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie beide h\u00f6rten pl\u00f6tzlich Ger\u00e4usche aus dem Burgfried unter\nihnen. Es waren Stimmen. Halrik und Vidkun sahen sich an. <em>\u201eAnscheinend haben doch noch welche \u00fcberlebt\u201c<\/em>, spekulierte Vidkun,\nder nicht allzu begeistert klang. <em>\u201eWir\nm\u00fcssen nun fort von hier.\u201c<\/em> Halriks Stimme erschien endg\u00fcltig und duldete\nkeinen Widerspruch. <em>\u201eWarte \u2026 wo wirst du\nhin? Du kannst nicht zur\u00fcck in unsere Sph\u00e4ren. Sie w\u00fcrden sich aufsp\u00fcren und\nfinden, und du w\u00e4rst eine Gefahr f\u00fcr alle die dich umgeben\u201c<\/em>, fragte Vidkun\nin fast schon besorgtem Tonfall, der sich schon darauf konzentrierte, sich erneut\nzu verwandeln. Halrik schloss seine obsidianfarbenden Augen und antwortete: <em>\u201eIch werde im Vortex bleiben, ihn studieren\nund mich zur rechten Zeit wieder an euch wenden.\u201c<\/em> Dann sprach er zwei\nWorte, die Vidkun nicht vernahm, da er sich gerade verwandelte. Halrik\nverschwand, er l\u00f6ste sich einfach auf und war hinfort. Vidkun hingegen nahm die\nGestalt eines wei\u00dfk\u00f6pfigen Adlers an und erhob sich mit zwei m\u00e4chtigen\nFl\u00fcgelschl\u00e4gen in die L\u00fcfte, um binnen Lidschl\u00e4gen durch die immer gr\u00f6\u00dfer\nwerdenden Spalten in der Vortexkuppel zu verschwinden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er gerade hindurch war, flog die Dachluke des Burgfrieds\nauf und sowohl Tarn, als auch Elfa, sprangen kampfbereit heraus. <em>\u201eSie ist fort. Und wer zum Geier ist das?\u201c<\/em>,\nstie\u00df Tarnelius im rauen Tonfall aus. Seine R\u00fcstung und sein Wappenrock waren\nzerschlissen und in seinem Gesicht waren zahlreiche Kratzer. Mit der Spitze\nseines Schwerts zeigte er auf die am Boden liegende Magierin Saria Fuxfell.\nElfa, die ebenfalls einiges abbekommen hatte und einen dicken Verband am linken\nArm und um die Hand trug, entspannte ihren Bogen, als sie zu Ser Gneisor ging,\num seine Lebenszeichen zu pr\u00fcfen. Sie legte zwei Finger auf eine Stelle an\nseinem Hals. <em>\u201eOh, bei den G\u00f6ttern. Der\nist hin\u00fcber.\u201c<\/em> Ihre glockenhelle Stimme war dabei keineswegs sp\u00f6ttisch, sie\nmeinte es genau so, wie sie es sagte: Gneisors Seele war schon hin\u00fcber gegangen\nin das Totenreich. <em>\u201eDer hier lebt noch!\u201c<\/em>,\nrief Tarn, der gerade Ingmars Lebenszeichen pr\u00fcfte. <em>\u201eBei Ingerimm, sieh dir nur seine R\u00fcstung an, komplett zerst\u00f6rt und kein\neinziger Kratzer \u2013 ein Wunder\u201c<\/em>, f\u00fcgte er noch an, als er Ingmar an der\nSchulter ruckelte, um ihn aufzuwecken. \n\nIngmar,\nder Knappe des Marschalls der Festung, st\u00f6hnte, als er r\u00fcde aufgeweckt wurde.\nEr blinzelte und blickte in das von Verletzungen gezeichnete Gesicht des\nerfahrenen Infanteristen. <em>\u201eWas \u2026 wo \u2026 ich\nsollte \u2026\u201c<\/em>, brachte er schwach und verwirrt hervor. Tarn schloss daraus,\ndass er wohl m\u00e4chtig eins auf den Kopf bekommen haben musste und noch etwas\nverwirrt war. <em>\u201eGanz ruhig junger Herr,\nihr m\u00fcsst gest\u00fcrzt sein.\u201c <\/em>Tarn wusste nicht, wie viel Wahrheit in seiner\nAussage lag. <em>\u201eIch sollte Tod sein \u2013 schon\nwieder\u201c<\/em>, hauchte Ingmar und versuchte aufzustehen, doch die zerbeulte\nR\u00fcstung hinderte ihn daran. Tarn rollte mit den Augen. <em>\u201eMan man man, ihr m\u00fcsst wohl ganz heftig was abbekommen haben. Ihr\nphantasiert, junger Herr.\u201c<\/em> Tarn reichte dem jungen den Arm, um ihm\naufzuhelfen. Er zog ihn hoch, es klapperte, quietschte und kratzte metallisch,\nals er den Knappen aufrecht hinstellte und noch ein paar Momente stabilisierte.\nTarns Blick fiel kurz auf den toten Ritter. Er wusste nicht, ob der Knappe es\nschon wusste und beschloss es ihm sofort zu sagen. Besser er erfuhr es jetzt,\nals sp\u00e4ter. <em>\u201eIch muss euch etwas sagen,\njunger Herr \u2026 euer Ritter \u2026\u201c<\/em>, begann er mit so viel Einf\u00fchlsamkeit, wie er\nbesa\u00df, da wurde er von Elfas schneidiger Stimme im Befehlston unterbrochen. <em>\u201eTarn! Lass den Jungen und hilf mir hier.\u201c <\/em>Tarnelius\npr\u00fcfte noch kurz, ob es der Knappe schaffte alleine zu stehen und ging dann mit\neiner entschuldigenden Geste zu Elfa her\u00fcber, die mit gespannten Bogen vor der\nerwachenden Magierin stand. Das Ende ihres Pfeils war dabei auf ihr Gesicht\ngerichtet. <em>\u201eNimm ihr den Stab ab.\u201c<\/em>,befahl sie weiter.Tarn wollte schon protestieren, immerhin wussten sie nicht, wer\nsie ist, und sie richteten gerade einen Pfeil auf eine Magierin, doch da\nerkannte auch er sie: <em>\u201eDas ist \u2026 das ist\n\u2026\u201c<\/em>,stotterte er. \u201e<em>Saria! Die ehemalige Herrin dieser Festung\nund gefallener Anker Hesindes\u201c,<\/em> brachte Elfa Tarns Satz mit einer\nanschlie\u00dfenden Erkl\u00e4rung zu Ende. Sie lag da und hatte sich etwas aufgerichtet,\nihr wei\u00dfer Magierstab lag in Griffreichweite zu ihr, doch Elfa hielt sie in\nSchach. Tarn n\u00e4herte sich ihr vorsichtig und fingerte ihr dann den Stab weg. <em>\u201eWas hast du mit ihr vor?\u201c<\/em>, erkundigte\nsich Tarn bei Elfa, in seiner Stimme lag Besorgnis. Die Augen der Bogensch\u00fctzin\nwaren feine Schlitze, als sie auf die Gesichtsmitte der Magierin zielte. Sie\nantwortete nicht, man sah nur, wie die Wut \u00fcber all das Verderben, das sie als\nSara\u2019kiin \u00fcber sie gebracht hatte, in ihr hochkochte. Elfas Finger lockerten\nsich von der Sehne, da hallte pl\u00f6tzlich Ingmars Stimme \u00fcber den Burgfried: <em>\u201eSie soll leben!\u201c<\/em>, quietschend und\nklappernd schloss er zu den beiden auf. <em>\u201eSie\nsoll uns Rede und Antwort stehen. Sie wei\u00df mehr \u00fcber den Vortex, als wir alle, sogar\nmehr, als die Gro\u00dfmeister. Legt ihr den Praioskragen an, legt sie in metallene\nFesseln und bringt sie in den Kerker \u2026 und lasst sie nicht aus den Augen.\u201c \u201eJawohl,\nHerr\u201c<\/em>,antworteten Elfa und Tarn\nim Gleichklang. Nach dem Tod von Ser Gneisor war er nun wohl der neue Herr von\nFestung Friedstein.\n\n\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Dach des Burgfrieds Aus Vidkuns rechter Hand wuchs ein langes blankes Schwert und er konzentrierte sich darauf, wieder eine einzelne \u00e4u\u00dfere Form anzunehmen. Die brodelnde und schwefelnde Stelle an seiner linken Schulter w\u00fcrde er dennoch nicht verstecken k\u00f6nnen. 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