{"id":8556,"date":"2020-05-03T13:31:14","date_gmt":"2020-05-03T11:31:14","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8556"},"modified":"2020-05-03T13:48:15","modified_gmt":"2020-05-03T11:48:15","slug":"teil-xi-leben-und-tod-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8556","title":{"rendered":"Teil XI &#8211; Leben und Tod (2)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Ser-Gneisor-Klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8341\" width=\"171\" height=\"191\"\/><figcaption>Marschall<br \/><strong>Gneisor Geldwin<\/strong><br \/>von Ochsenstolz<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Kurz zuvor im Innern des Burgfrieds<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lady Branganes F\u00fc\u00dfe flogen die steinernen Stufen den Burgfrieds hoch. Die Schnelligkeit mit der die voll ger\u00fcstete Frau \u00fcber die Treppenstufen hinter sich lie\u00df, erschien unnat\u00fcrlich. Einen Absatz tiefer h\u00f6rte sie den schwer verletzten Ser Gneisor keuchen und japsen. Er war trotz der Hilfe seines Knappen viel zu langsam. <em>\u201eKommt schon! Wir haben keine Zeit zu verlieren!\u201c<\/em> br\u00fcllte sie und ihre Stimme hallte im Treppenaufgang mehrmals wieder. Einen kurzen Moment hielt sie an, lehnte sich \u00fcber das Gel\u00e4nder und wartete auf eine Antwort, doch sie blieb aus. Sie musste weiter, sie hatte keine Zeit zu verlieren und der schwer verletzte Fleischsack w\u00e4re ohnehin keine Hilfe im Kampf gegen Sara\u2019kiin. Sie hatte eine Mission: Sie musste Halrik retten. Er war \u2013 so hatte es die verh\u00fcllte Gestalt gesagt \u2013 wichtig f\u00fcr die Bewohner der 3. Sp\u00e4hre. Brangane, oder besser gesagt Vidkun, war ein Quitslinga, ein D\u00e4mon der Imitation aus der Dom\u00e4ne Amazeroths. Wenn er etwas sehr gut, ja fast schon perfekt konnte, dann war es Beobachten und Imitieren, weshalb er nicht nur eine geradezu perfekte Auffassungsgabe, sondern auch eine ausgesprochen gutes Ged\u00e4chtnis hatte. W\u00e4hrend Branganes F\u00fc\u00dfe wieder \u00fcber die Treppenstufen schnellten, erinnerte er sich jedes Wort seines Auftraggebers: &nbsp;<em>\u201eDie Quelle verriet uns, dass dort in zwei Tagen ein junger Studiosus dem Buch \u201aJenseits der Sph\u00e4ren\u2018 eine Information entlocken wird, welche f\u00fcr den Orden sehr wichtig sein wird. Ohne diese Information, werden sie noch viele Jahre im Dunkeln umherirren.\u201c <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie erreichte die oberste Etage des Burgfrieds, nun trennte sie nur noch eine Leiter von dem Dachebene, von dem aus sie Halrik am besten erreichen konnte. <em>&#8222;Ich muss ihn retten&#8220;<\/em> \u2013 immer wieder schoss ihr dieser Gedanke durch den Kopf, doch wie sie das anstellen sollte, war ihr noch nicht klar. W\u00e4hrend sie die Leiter erklomm, wurde es drau\u00dfen still. Der magische Kampf zwischen Sara\u2019kiin und dem Studiosus pausierte wohl, oder war er gar beendet? War sie etwa zu sp\u00e4t? Der Studiosus konnte nicht gewonnen haben, denn er war nicht derjenige, der Sara\u2019kiin besiegen konnte. Er konnte sie schw\u00e4chen, ja, aber nicht besiegen. Das vermochten nur sie und die Auserw\u00e4hlte Hesindes. Die Stille bedeutete also nichts Gutes. Entweder hatte Sara\u2019kiin den jungen Mann in St\u00fccke gerissen, oder Halrik war es gelungen sie f\u00fcr einen kurzen Moment zu Schw\u00e4chen, doch dann, befand er sich in noch gr\u00f6\u00dferer Gefahr, denn dann wog er sich in tr\u00fcgerischer Sicherheit. Egal was geschehen war, sie musste z\u00fcgig weiter. <\/p>\n\n\n\n<p>Vorsichtig dr\u00fcckte sie die Dachluke auf und lugte zwischen dem schmalen Spalt hindurch. Sie erblickte den Studiosus, er stand in seiner grauen Kutte mit dem R\u00fccken zu ihr auf dem Burgfried und reckte seine Arme einen Kelch formend gen Kuppel. Von Sara\u2019kiin war keine Spur. Es war Halrik also f\u00fcr einen kurzen Moment gelungen sie zu schw\u00e4chen und nun nahm er arrogant an, dass er sie besiegt habe \u2013 dieser mittell\u00e4ndische Hundsfott. Angereichert mit der Macht des Vortex aber trotzdem beschr\u00e4nkt durch den Geist eines naiven Kindes. Wieder hallten die Worte der verh\u00fcllten Gestalt in ihrem Kopf wieder: <em>Du musst ihn retten! <\/em>Doch wie sollte sie das anstellen? Sie musste ihn vor Sara\u2019kiin sch\u00fctzen, und das konnte sie nur, indem sie die Limbusverschlingerin besiegte. Denn im Moment war ER f\u00fcr sie zwar keine Bedrohung, aber dennoch ein sehr l\u00e4stiger St\u00f6renfried, dem sie sich mit Sicherheit als erstes zuwenden w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<p>Vorsichtig und vollkommen lautlos schob Brangane die Dachluke etwas weiter auf. W\u00e4hrenddessen begann Halrik zu sprechen: <em>\u201eAusghairm banna \u00e1it.\u201c<\/em> Blitzartige Gebilde zuckten \u00fcber den Kuppelrand, als er die Worte mit hoch erhobenen Armen aussprach. Vidkun wusste, jetzt war der Moment gekommen an dem er etwas tun musste. Sara\u2019kiin w\u00fcrde sich die Zauberei des Jungen nicht lange mitansehen und in K\u00fcrze wieder erscheinen. Er konnte sich aber auch nicht Sara\u2019kiin offen stellen \u2013 er war kein K\u00e4mpfer, sondern ein listenreicher Blender der aus dem Verborgenen agiert. Au\u00dferdem, selbst wenn er sich ihr in Gestalt von Brangane stellen w\u00fcrde, w\u00e4re er aus Sicht von Sara\u2019kiin noch immer nicht der gef\u00e4hrlichste Gegner und ihre Angriffe w\u00fcrden sich weiter auf Halrik richten. Da hatte der D\u00e4mon pl\u00f6tzlich einen Gedankenblitz: Was, wenn er Halrik aus dem Spiel nehmen w\u00fcrde, wie eine Figur die man vom Brett nehmen w\u00fcrde, um nicht zur Zielscheibe des Gegners zu werden? <\/p>\n\n\n\n<p>Als Brangane \u00f6ffnete Vidkun die Dachluke, und als Matral, dem gefallenen Anker Borons, schloss er sie wieder. Vidkun war nun in geh\u00fcllt in schwarze, eng anliegende Kleidung, gewoben aus einem Stoff, der so dunkel war, dass es jedes Licht verschluckte, das darauf traf. An Stelle des Bih\u00e4nders der Kriegerin, war dort nun ein schlanker, nadelartiger Dolch in seiner rechten Hand. Auch wenn Vidkun selbst keinerlei Organe besa\u00df, so kannte er sich mit ihnen sehr gut aus. Er wusste genau, welche Organe wichtig zum \u00dcberleben waren, wo die sich befanden, wie sie sich im Innern wandten und was passierte, wenn man sie gezielt punktierte. Auch wenn sich Halriks K\u00f6rper aufgrund des Einflusses des Vortex inzwischen ver\u00e4ndert hatte, so mussten seine Organe noch immer die gleichen Funktionen haben, wie zuvor. Um Halrik zu retten war Vidkun gezwungen ihn vor\u00fcbergehend auszuschalten. Und damit schlug er zwei Fliegen mit einer Klappe! Er w\u00fcrde Halrik nicht nur sprichw\u00f6rtlich \u201avom Brett nehmen\u2018, er w\u00fcrde der Limbusverschlingerin sogar vort\u00e4uschen, auf ihrer Seite zu sein. Vielleicht w\u00fcrde sie den K\u00f6der schlucken und es w\u00fcrde ihm gelingen, nah genug an sie heran zu kommen, um bei ihr einen t\u00f6dlichen Stich zu setzen.  <em>\u201eAusghairm banna \u00e1it\u201c, s<\/em>prach Halrik zum zweiten Mal und die Blitze am Rand der Kuppel wurden immer gr\u00f6\u00dfer. Der Junge war wirklich talentiert \u2013 dachte sich Vidkun und schaute sich seinen R\u00fccken sehr genau an. Mit den Augen sezierte er ihn und legte eine Route fest, die sein schlanker Dolch nehmen musste, um ihn so zu verletzten, dass es so aussah, als ob er t\u00f6dlich verletzt worden w\u00e4re, er den Stich aber \u00fcberleben w\u00fcrde. Es bedurfte also  einem H\u00f6chstma\u00df an Konzentration und Pr\u00e4zision. Nur einen halben Fingerbreit zu tief, oder zu weit rechts, links, oben oder unten gestochen, und Halrik w\u00fcrde bei Bewusstsein bleiben, oder schlimmer noch: sterben. <\/p>\n\n\n\n<p>Halrik setzte zum dritten mal an: <em>\u201eAusghairm ban \u2026\u201c<\/em> Da stach Vidkun in der Form von Matral dem Jungen ruckartig von hinten in den R\u00fccken. Die schlanke Klinge fuhr m\u00fchelos durch dessen K\u00f6rper und trat vorne wieder aus. Der Dolch verursachte ein ganz leises matallischess Kratzen, als er durch die Brust de Jungen, vorbei an Rippen, fuhr und dabei dessen Lunge an einer fatalen Stelle punktierte. Matral zog an dem Dolch und er flutsche m\u00fchelos aus dem K\u00f6rper des Studiosus heraus. Die Klinge hatte seiner Meinung nach den richtigen Weg genommen, Halrik musste also in K\u00fcrze zusammenbrechen \u2013 die Verletzung war schwer genug, um ihn sofort auszuschalten, doch w\u00fcrde er sie \u00fcberleben, was Vidkun Zeit gab, sich zuerst um Sara\u2019kiin zu k\u00fcmmern. <\/p>\n\n\n\n<p>Halrik lie\u00df still die Arme sinken und drehte sich nach seinem Peiniger um. Vidkuns Darstellung von Matral war so, dass sein Gesicht vollkommen verh\u00fcllt war und er auf dem Kopf einen mit metallischen Zacken gekr\u00f6nten Helm trug \u2013 so wie alle Jenseitigen Anker. Er hatte also keine f\u00fcr au\u00dfenstehende erkennbaren Augen, und doch trafen sich f\u00fcr einen kurzen Moment der Blick von Halrik, dessen Augen obsidianfarbene Steine waren und Matral, der das Gesicht des Jungen nun das erste Mal erblickte und es sofort wiedererkannte. Das Ged\u00e4chtnis eines Quitlinga-D\u00e4mons, verga\u00df n\u00e4mlich nie ein Gesicht, auch wenn es so verunstaltet war, wie das von Halrik. <\/p>\n\n\n\n<p>Hinter dem Studiosus \u00f6ffnete sich ein schlanker Spalt. Der\nSpalt, dessen \u00d6ffnung wie ein l\u00e4nglicher aufrechter Mund mit schmalen Lippen\naussah, knisterte vor entropischer Energie als sich die Lippen voneinander\ntrennten. Der Spalt weitere sich und Sara\u2019kiin die Limbusverschlingerin wurde\naus den schmalen Vortexschlund ausgespuckt. Ihr schwarzwei\u00dfes Gewand wallte\ndabei, als w\u00e4re es im st\u00e4ndigen Fluss, an Grazilit\u00e4t und Anmut hatte die\nehemalige Eismagierin Saria Fuxfell bei ihrer finsteren Verwandlung kein\nbisschen eingeb\u00fc\u00dft. Direkt hinter ihr schloss sich der Schlund wieder, und\nbinnen einen Lidschlags endete auch das entropische Knistern \u2013 der Spalt war\nverschwunden. Sara\u2019kiin dreht anmutig ihren langen Stab wie eine Windm\u00fchle\ndurch die Luft und mit einer fl\u00fcssigen Bewegung traf ihr finaler Schwung Halrik\nvon hinten gegen die rechte Schulter. Mit einer Wucht, als h\u00e4tte ihn ein\ndarpatischer Ochse im vollen Lauf von der Stelle gepfl\u00fcgt, flog er zur Seite\nund donnerte gegen die inneren Burgzinnen, wo er mit knackenden Knochen und\nzerplatzten Muskeln in einer abstrakten Haltung liegen blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Sara\u2019kiin und Matral standen sich nun direkt gegen\u00fcber. Vidkuns Plan war aufgegangen, die Limbusverschlingerin sah ihn als einer der ihren an und Halrik war vorr\u00fcbergehend ausgeschaltet, und so Amazeroth will, w\u00fcrde er auch trotz ihres Hiebs lange genug \u00fcberleben, dass er genug Zeit hatte, den gefallenen Anker Hesindes zu vernichten. Matrals Blick ruhte jedoch noch immer auf dem zerschundenden K\u00f6rper des Jungen, auch wenn sein Plan funktionierte, musste er erstmal verstehen, wie es sein konnte, dass Halrik die Person war, f\u00fcr die er ihn hielt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz zuvor im Innern des Burgfrieds Lady Branganes F\u00fc\u00dfe flogen die steinernen Stufen den Burgfrieds hoch. Die Schnelligkeit mit der die voll ger\u00fcstete Frau \u00fcber die Treppenstufen hinter sich lie\u00df, erschien unnat\u00fcrlich. Einen Absatz tiefer h\u00f6rte sie den schwer verletzten Ser Gneisor keuchen und japsen. Er war trotz der Hilfe seines Knappen viel zu langsam. 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