{"id":8551,"date":"2020-04-26T20:00:07","date_gmt":"2020-04-26T18:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8551"},"modified":"2020-04-27T19:02:16","modified_gmt":"2020-04-27T17:02:16","slug":"teil-xi-leben-und-tod-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8551","title":{"rendered":"Teil XI &#8211; Leben und Tod (1)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Ser-Gneisor-Klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8341\" width=\"171\" height=\"192\"\/><figcaption>Marschall<br \/><strong>Gneisor Geldwin<\/strong><br \/>von Ochselstolz<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Auf dem Dach des Burgfrieds<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Durch den von der blauen Explosion ausgehenden Druck flog der Knappe Ingmar hoch \u00fcber die Zinnen des Burgfrieds. Er hatte sich sch\u00fctzend vor seinen Ritter geworfen, da er wusste, dass dieser die Druckwelle aufgrund seiner Verletzungen nicht aushalten w\u00fcrde. Noch im Flug muss Ingmar an die Worte seines Herrn denken \u2013 war er wirklich dort unten in den G\u00e4ngen des Burgfrieds gestorben? Hatte Halrik ihn wiederbelebt? Es waren die Gedanken eines Jungen, der sein Leben in den letzten Momenten vor seinem Tode an sich vorbeiziehen sah. Ingmars K\u00f6rper beschrieb eine hohe Flugkurve, weshalb er nicht sofort \u00fcber die Zinnen st\u00fcrzte, zuerst schlug er samt seiner R\u00fcstung scheppernd auf der Kante einer Zinne auf, Knochen brachen und dumpfer Schmerz brachte Ingmar bis an den Rand der Ohnmacht. Ohne Kontrolle \u00fcber seinen K\u00f6rper rutsche er \u00fcber den Rand hinweg und st\u00fcrzte in die Tiefe. Dort waren nur spitze Felsen und scharfkantiges Ger\u00f6ll \u2026 niemand der hier herabfallen w\u00fcrde, w\u00fcrde den Sturz \u00fcberleben. Ingmar sah die Felsen n\u00e4her kommen, da wurde sein Fall ruckartig unterbrochen. Am \u00e4u\u00dferen Rand seiner Wahrnehmung, denn Ingmar war aufgrund der Schmerzen noch immer kurz vor der Ohnmacht, h\u00f6rte er die Stimme seinen Herrn. Er konnte seine Worte nicht verstehen. War es etwa so? Stirbt man auf diese Weise? Sehr langsam und mit den Worten der Menschen in den Ohren, die einem wichtig waren? Doch die Stimme wurde lauter und Ingmars Besinnung kehrte zur\u00fcck. <em>\u201eNimm, meinen Arm!\u201c,<\/em> br\u00fcllte Gneisor blubbernd. Ingmar blickte durch verschwommene Augen nach oben. Der Marschall hatte Ingmar am linken Arm gepackt und lugte mit hochroten Kopf und bluttriefenden Mund zwischen den Zinnen hervor. Mit seinem nicht gebrochenen Arm war es Gneisor irgendwie gelungen, rechtzeitig zu den Zinnen zu kommen und Ingmars t\u00f6dlichen Sturz in die Tiefen zu verhindern. Seine Brust klemmte er hinter die Kante und hielt den Jungen somit in der Luft. Doch Gneisor war zu schwer verletzt, um Ingmar alleine hoch zu ziehen. <em>\u201eIch lass dich nicht erneut sterben, Junge!\u201c<\/em> Gneisors Worte wurden begleitet von zahlreichen Blutspritzern, die auf den Knappen hernieder regneten. <\/p>\n\n\n\n<p>Ingmar sah, wie die Umrisse seines Ritters pl\u00f6tzlich bl\u00e4ulich aufglommen. Er rief seinem Herrn zu: <em>\u201eSer! Hinter euch!\u201c<\/em> Auch Ingmar musste husten, der Aufprall auf den Zinnen hatte ihn mehrere Rippen gekostet und nun fiel auch ihm das Atmen schwer. Den Arm den Gneisor zu packen bekam war ebenfalls gebrochen &#8211; er sp\u00fcrte ihn schon gar nicht mehr. Gneisor lugte hinter sich, und was er sah, lie\u00df ihn verzweifeln. Aus irgendeinem Grund hatte Sara\u2019kiin Matrals letzten Stich \u00fcberlebt, sie schwebte einen halben Schritt in der Luft, \u00fcberall aus ihr heraus quoll \u2013 ja quasi floss \u2013 die schwarze Fl\u00fcssigkeit. Mit einer Geste hielt sie Vidkun in der Form von Matral einige Schritt von sich entfernt in einer glitzernden blauen, jedoch stark flackernden Kugel in der Luft gefangen. Sie war stark angeschlagen, das sah man ihr an. Sara\u2019kiins K\u00f6rperhaltung war gekr\u00fcmmt und ihr Zauber flackerte, doch noch hatte sie nicht genug und Vidkun w\u00fcrde sich nicht alleine aus dieser Position befreien k\u00f6nnen. Zu allem \u00dcberfluss begann die Limbusverschlingerin am Ende ihres Stabes eine blaue Kugel der Macht gedeihen zu lassen. Gneisor war sofort klar, dass war eine dieser Angriffe mit der sie den Wehrturm zerst\u00f6rt hatte. Solch vernichtende Magie w\u00e4re selbst f\u00fcr einen D\u00e4mon aus der Dom\u00e4ne Amazeroths t\u00f6dlich. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Marschall der Feste musste \u00fcber das Schicksal entscheiden. Wenn er seinen treuen Knappen dabei half, sich wieder hoch zu ziehen, w\u00fcrde er daf\u00fcr im Gegenzug Vidkun nicht retten k\u00f6nnen. Sara\u2019kiin w\u00fcrde, wenn auch geschw\u00e4cht, mit einem einzelnen Angriff den D\u00e4mon in St\u00fccke rei\u00dfen. Doch wenn er dem D\u00e4mon helfen wollte, musste er Ingmar los- und in den sicheren Tod st\u00fcrzen lassen.\u00a0 Er m\u00fcsste einen geliebten und gottesf\u00fcrchtigen Menschen opfern, um einen mehrgeh\u00f6rnten D\u00e4mon zu retten. Gneisor sah zwischen der immer bedrohlicher werdenden Szene zwischen Vidkun und Sara\u2019kiin und seinem Knappen hin und her, der gerade versuchte mit dem anderen Arm nach ihm zu greifen. Das Schicksal lag wortw\u00f6rtlich in seinen H\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvor, kurz nachdem die blaue Kugel aus Licht explodierte und eine Druckwelle \u00fcber den Burgfried ging, hatte sich Vidkun in Form von Matral unter die Zinnen gekauert. Die Druckwelle erfasste ihn und dr\u00fcckte ihn weiter in die Ecke zwischen Planken und Stein. Doch die Welle ging zu gro\u00dfen Teilen \u00fcber ihn hinweg und so blieb er unverletzt. Als er wieder aufschaute, war Sara\u2019kiin fort. Gneisor rannte gerade zum Rand der Wehrmauer, wo mit einem ohrenbet\u00e4ubenden Scheppern Ingmar nieder ging und dann \u00fcber die Br\u00fcstung in den sicheren Tod rutschte. Aus einem ihm unbekannten Instinkt heraus, sprang Vidkun auf, um Gneisor und Ingmar zur Hilfe zu eilen. Blind sprang er Ihnen entgegen, doch kurz bevor er Gneisor erreichte, wurden seine F\u00fc\u00dfe vom Boden abgehoben und ein eiskalter Griff umschlang seinen ganzen K\u00f6rper. Das blaue Licht erfasste ihn, zog ihn zur\u00fcck, fort von Gneisor und Ingmar und hob ihn in die Luft. Als sich sein K\u00f6rper in der Luft langsam drehte, sah er sie: Sara\u2019kiin die Limbusverschlingerin. Wie konnte er nur so dumm und unaufmerksam sein, dachte er sich. Ganz so schnell, w\u00fcrde eine Vortexkriegerin nicht sterben, es w\u00fcrde schon noch etwas mehr brauchen. Er \u00e4rgerte sich \u00fcber sich selbst. Wenn er nicht blindlings h\u00e4tte helfen wollen, sondern fokussiert geblieben w\u00e4re, dann w\u00e4re ihm dieser Fehler nicht passiert und er h\u00e4tte Sara\u2019kiins Wiedererscheinen rechtzeitig bemerkt. Doch nun ist es zu sp\u00e4t, sie mag zwar schwer angeschlagen sein, doch noch hatte sie nicht genug und von seiner Position aus w\u00fcrde er nichts unternehmen k\u00f6nnen. Da sah er, wie die ehemalige Eismagierin begann, einen blauen Ball aus Licht am Ende ihres Stabes zu formen. Ihm wurde rasch klar, dass dies sein Ende sein w\u00fcrde. Noch nie in der Geschichte seiner Existenz hatte ein Wesen dieser Sph\u00e4re einem D\u00e4mon geholfen, geschweige denn ihm das Leben gerettet. Auf Gneisor konnte er also nicht z\u00e4hlen. Vidkun schloss die Augen, er wollte Sara\u2019kiin nicht die Genugtuung geben in seine verzweifelten Augen zu blicken, w\u00e4hrend sie ihn mittels ihres Zaubers in tausend St\u00fccke zerriss.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Knistern der Macht, das von der blauen Kugel ausging, wurde immer lauter, als Vidkun beschloss, die Augen zu schlie\u00dfen und sich seinem Schicksal zu ergeben. Er h\u00f6rte, wie sich die zerst\u00f6rerische Kraft von ihrem Stab l\u00f6ste und auf ihn zubrauste. Er sp\u00fcrte, wie zersetzende und zerst\u00f6rende Kraft seine Schulter traf und aufl\u00f6ste. Der Ruck war so heftig, dass er nach hinten gerissen wurde und das Gef\u00fchl hatte, zu fallen. Das zersetzende Gef\u00fchl breitete sich aus, da schlug er pl\u00f6tzlich auf den Planken des Burgfrieds auf. Er war kurz benommen, wusste nicht wie er die Eindr\u00fccke einordnen sollte. Blinzelnd \u00f6ffnete er nach einem Moment die Augen, seine Schulter blubberte und dampfe, es roch nach Schwefel und sie zersetzte sich nach und nach, aber ihm erschien in Anbetracht der Situation seine Verletzung als zu gering f\u00fcr das, was er eigentlich erwartete. Der Wind trug einen langen, d\u00fcnner werdenden und markersch\u00fctternden Schrei \u00fcber den Wehrfried, Vidkun erkannte ihn: Es war der vom in den Tod fallenden Knappen Ingmar. Vidkuns Augen schauten durch gelblichen, schwefelhaltigen Rauch hindurch als er sah, wie Gneisor, mit dem Willen einer L\u00f6win, sein Anderthalbh\u00e4nder durch die Luft schwang. Vor ihm kniete Sara\u2019kiin, ihr linker Arm lag abgetrennt, ihren Stab noch immer in der Hand haltend, am Boden und des Ritters Hieb fuhr mit allerletzter Kraft auf ihren Hals herab. Die Klinge schnitt sauber durch ihren wei\u00dfen Mantel und ihren Hals, wie eine hei\u00dfes Messer durch ein St\u00fcck G\u00e4nseschmalz. Ihr Kopf flog trudelnd durch die Luft und landete pochend auf den Planken. Durch den Schwung der Klinge, die unerbittlich weiter ging, wurde Gneisor herum geschleudert und umgerissen. Er hatte so viel Schwung in diesen finalen Hieb gelegt, dass er ihn nicht kontrollieren konnte. Er fiel wie ein nasser Sack zu Boden und blieb in seiner eigenen Blutlache liegen. Vidkun, dessen Schulter sich immernoch zersetzte und gelblich dampfe, erhob sich langsam. Seine unterschiedlichen Formen verschwammen nun miteinander. Teile seines K\u00f6rpers waren Matral, andere  <br \/>wiederum Brangane und wieder andere zeigten Gneisor. Nur das Gesicht blieb gr\u00f6\u00dftenteils das von Brangane, als er zum Marschall her\u00fcberschlurfte. Vidkun konnte nicht fassen, was dieser Mensch getan hatte. Er hatte Ingmar, seinen treuen Knappen, geopfert, um ihn zu retten. <\/p>\n\n\n\n<p>Der kopflose K\u00f6rper von Sara\u2019kiin war zur Seite gekippt und lag nun regungslos auf den Planken \u2013 sie war endlich besiegt. Vidkun wusste, dass er ihr Herz zwar perforiert und er damit den t\u00f6dlichen Stich gesetzt hatte, doch war sie dadurch nicht sofort besiegt. Ihr Vortexherz lie\u00df sie noch ein paar Schl\u00e4ge lang weiter agieren, was ihr allerdings \u2013 wie man sah \u2013 genug Zeit gab, noch zu einem letzten Angriff \u00fcber zu gehen. Gneisors Rettungstat war, wenn auch sehr heroisch anmutend und wahrscheinlich einmalig in der Geschichte, dumm und sinnlos. Sie w\u00e4re ohnehin binnen weniger Lidschl\u00e4ge gestorben, auch wenn sie ihn selbst noch dabei mitgenommen h\u00e4tte. Und w\u00e4re Vidkun hier gestorben, w\u00e4re es f\u00fcr immer \u2013 denn von dieser Vortexebene h\u00e4tte er nicht auf die D\u00e4monensph\u00e4re zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit nach Schwefel dampfender sowie Blasen schlagender Schulter und sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernder Gestalt stelle sich Vidkun \u00fcber den am Boden liegenden Marschall. Dieser von den G\u00f6ttern gesegnete Krieger war noch immer am Leben, doch sein Funke, war kurz davor zu erlischen. Er spuckte Blut und das Rasseln, das aus seinen Lungen drang, wurde immer nasser, er war kurz vor seinem Ende. Vidkun sah ihn an, das Gesicht von Brangane zeigte eine Mischung aus Wut und Mitleid. <em>\u201eDu d\u00e4mlicher Fleischsack. Warum m\u00fcsst ihr Rondrianer euch immer als die Helden aufspielen, sag es mir!?\u201c<\/em> Gneisors Blick suchte Vidkun, es schien, als w\u00e4re Bishdariel gerade dabei ihn abzuholen. Seine Lippen bewegten sich, als wolle er etwas sagen, doch au\u00dfer einem feuchten Husten brachte er nichts mehr hervor. Vidkun konnte nicht anders, er musste es einfach fragen. Er musste es wissen, bevor er starb. Er kniete sich zu ihm herunter und packte ihn am Kragen. <em>\u201eWarum hast du das Leben deines Knappen gegen meins gegeben?\u201c <\/em>Der Blick des Marschalls traf den von Vidkun, und in seinem letzten klaren Moment, huschte ihm ein blutiges, aber dennoch s\u00fcffisantes Grinsen \u00fcber die Lippen. Fast sah es so aus, als w\u00fcrde Gneisor die Kraft aufbringen etwas zu sagen, doch kein Laut drang \u00fcber seine Lippen. <em>\u201eWARUM?!\u201c,<\/em> br\u00fcllte Vidkun ihn mit metallisch schnarrender Stimme an. Ganz langsam verflog Gneisors Grinsen. Er schloss die Augen, sein Atem verflachte sich und sein K\u00f6rper erschlaffte. Als Vidkun ihn loslie\u00df, war es totenstill. <\/p>\n\n\n\n<p>Sein Blick ging zu Sara\u2019kiin, ihre Vortexgestalt begann sich aufzul\u00f6sen, was ein gutes Zeichen war, denn es bedeutete, dass sich auch die Zeitkuppel, in der sie sich befanden, aufl\u00f6sen w\u00fcrde. Er blickte zum Horizont \u2013 und tats\u00e4chlich \u2013 \u00fcberall waren leuchtende Flecken zu sehen. Die Vortexglobule begann sich allm\u00e4hlich aufzul\u00f6sen. Wenn Vidkun eine Lunge gehabt h\u00e4tte, w\u00e4re ihm jedoch genau in diesem Moment der Atem gestockt, denn erst jetzt fiel ihm auf, dass Studiosus Halriks K\u00f6rper fort war. Sofort wuchs aus Vidkuns rechter Hand ein langes blankes Schwert. Der Kampf war gewonnen, doch die Schlacht war anscheinend noch nicht vorbei. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Dach des Burgfrieds Durch den von der blauen Explosion ausgehenden Druck flog der Knappe Ingmar hoch \u00fcber die Zinnen des Burgfrieds. 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