{"id":8468,"date":"2019-09-27T11:37:02","date_gmt":"2019-09-27T09:37:02","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8468"},"modified":"2019-09-27T11:45:26","modified_gmt":"2019-09-27T09:45:26","slug":"gassi-in-wehrheim-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8468","title":{"rendered":"Gassi in Wehrheim &#8211; Teil I"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"996\" height=\"211\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/AKG160298-e1569577257739.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8469\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/AKG160298-e1569577257739.jpg 996w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/AKG160298-e1569577257739-300x64.jpg 300w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/AKG160298-e1569577257739-768x163.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 996px) 100vw, 996px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8322\" width=\"145\" height=\"172\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png 605w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein-253x300.png 253w\" sizes=\"auto, (max-width: 145px) 100vw, 145px\" \/><figcaption>Sieghelm Gilborn<br \/>von Spichbrecher<br \/>Ordensgro\u00dfmeister<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Es war der fr\u00fche Morgen des 13. Peraine 1027 nach Bosparans Fall, als Sieghelm zusammen mit seinem Leutnant seine Stube auf Burg Karmaleth verlie\u00df. Es wehte ein seicht frischer Wind durch die Gassen der Stadt. Es war einer dieser Peraine-Tage, die eine Aussicht darauf gaben, dass der Fr\u00fchling angekommen war und es bald w\u00e4rmer werden w\u00fcrde. Sieghelm, dem die morgendliche frische nicht ausmachte, ja die er sogar begr\u00fc\u00dfte, war nur in seiner schwarzen gef\u00fctterten Unterkleidung f\u00fcr die T\u00fcr gegangen, welche er stets unter seiner R\u00fcstung trug. Zahllose an seiner Unterkleidung befestigte Nestelb\u00e4nder  flatterten im morgendlichen Wind, sobald er durch eine Wehe schritt. Er hatte Burg Karmaleth verlassen und war in die Stra\u00dfen Wehrheims gegangen um der Stadt dabei zuzusehen wie sie erwachte. Auch wenn eine gro\u00dfe Armee aus dem D\u00e4monenkaiserreich Transylien vor der T\u00fcr stand, so gingen die Wehrheimer darpatisch stoisch ihrem t\u00e4glichen Gesch\u00e4ft nach. <\/p>\n\n\n\n<p>Sieghelm musste kurz anhalten als er und Leutnant Pagol an einem Zuckerb\u00e4cker vorbeikamen, der dabei war seine t\u00e4gliche Auslage vorzubereiten. Warme und knackfrische Zimtschnecken, Zuckerkr\u00e4nze und Wehrheimer Batzen verbreiteten einen angenehm s\u00fc\u00dfen Duft in der schmalen Gasse. Pagol war hellauf begeistert und bekam mit dem Kommentar &#8218;Ach der ist aber niedlich&#8216; vom Zuckerb\u00e4cker ein kleines St\u00fcck von einem dieser k\u00f6stlichen Wehrheimer Batzen, was Sieghelm gar nicht gefiel. Aber Pagol hatte auch all seine ihm gegebenen F\u00e4higkeiten ausgesch\u00f6pft als er quiekend j\u00e4mmerlich jaulte als h\u00e4tte er seit Monden nichts mehr richtiges zu Essen bekommen, nur um sich direkt danach wie eine Rommilyser Landj\u00e4gerwurst im Staub hin- und her zu w\u00e4lzen und sich vom Zuckerb\u00e4cker am Wamst kraulen zu lassen. <em>&#8222;Einen pr\u00e4chtigen Morgen, edler Herr!&#8220;<\/em> w\u00fcnschte ihm der B\u00e4cker fr\u00f6hlich mit seinem mehligen H\u00e4nden und seinen deutlich von der eigenen Auslage rund gewordenen Bauch, als er den Leutnant f\u00fctterte. <em>&#8222;Auch dir einen guten Morgen, B\u00e4cker.&#8220;<\/em> entgegnete Sieghelm nur und schnalzte dann mit der Zunge, was das Zeichen f\u00fcr Pagol war wieder bei Fu\u00df zu kommen. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Pagol wieder zu Sieghelm aufgeschlossen hatte, fragte er: <em>&#8222;Sieh dir nur diese Stra\u00dfenz\u00fcge an, Pagol &#8211; sind sie nicht pr\u00e4chtig?&#8220;<\/em> Die beiden liefen aus einer Seitengasse auf eine der rechtwinklig angeordneten gro\u00dfen Hauptstra\u00dfen zu. Gro\u00dfe, teils drei oder vierst\u00f6ckige Prachtbauten dr\u00e4ngten sich dicht an dich aneinander. Kaufmannsh\u00e4user, L\u00e4den, Handwerker und wehrhafte Kasernen gingen ohne Platz zu verschwenden ineinander \u00fcber. Hier kreuzten sich die Reichsstra\u00dfen 1 und 2, die am meisten genutzten und am besten ausgebautesten Stra\u00dfen des gesamten bekannten Reichs. Wehrheim war, neben Gareth, der Nabel der Welt &#8211; zumindest aus Sicht eines jeden Wehrheimer B\u00fcrgers. Pagol reckte sein K\u00f6pfchen nach oben und betrachtete wohlwollend die bunt bemalten Geb\u00e4udefassaden. Auch wenn es noch sehr fr\u00fch war, so waren die beiden Reichsstra\u00dfen immer belebt. Handwerker, Kaufm\u00e4nner und B\u00fcrger liefen zielstrebig hin- und her. Einige Fuhrwerke standen am Rande der Stra\u00dfen und kr\u00e4ftige M\u00e4nner und Frauen hieften S\u00e4cke, F\u00e4sser und Kisten entweder herauf &#8211; oder herunter. Sieghelm und Pagol kamen an einer Gruppe Kaufm\u00e4nnern vorbei, die aufgeregt miteinander diskutierten. Einer von Ihnen hielt eine feine silberne Reisewaage und balancierte darauf etwas. <em>&#8222;Drei Silber je Unze, und keinen Deut mehr!&#8220;<\/em> rief er. &#8222;<em>Das ist nicht annehmbar. Bei den Oberburgheimers bekomme ich vier Silber, ihr wollt mich \u00fcbervorteilen!&#8220;<\/em> Doch Sieghelm interessierte sich nicht daf\u00fcr. Freute sich jedoch, wie selbstverst\u00e4ndlich die Wehrheimer weiter ihren Gesch\u00e4ften nachgingen. F\u00fcr einen Wehrheimer B\u00fcrger z\u00e4hlte es zur Normalit\u00e4t, dass Heere und D\u00e4monen vor der T\u00fcr standen. Man sa\u00df soetwas einfach aus &#8211; und warum sollte man sich die Zeit die man sa\u00df nicht mit etwas Sinn stiftenden verbringen? <\/p>\n\n\n\n<p>Pagol sah Sieghelm forschend an, so hatte er seinen Herrn noch nie gesehen. Er schritt leichtf\u00fc\u00dfig \u00fcber die Pflaster der Reichsstra\u00dfe. Blickte hie- und dort nach links und rechts, schmunzelte ab und an und  &#8211; wenn man ganz genau hinh\u00f6rte (und das konnte Pagol nunmal besser als alle anderen) &#8211; konnte man sogar ein melodisches Summen vernehmen. Pagol gab besorgt laut und sofort sah Sieghelm ihn an. <em>&#8222;Was denn? Ist es nicht ein sch\u00f6ner morgen, Pagol?&#8220;<\/em> Sieghelm eher rhetorisch gemeinte Frage, lie\u00df Pagol kalt. Er fixierte ihn mit einem durchdringend fragenden Blick. <em>&#8222;Ich werde doch auch mal gl\u00fccklich sein d\u00fcrfen.&#8220; <\/em>argumentierte er aus der defensive heraus, doch Pagol lie\u00df nicht locker. Sie umrundeten ein Fuhrwerk. dass mit gro\u00dfen ovalen F\u00e4ssern, die leer aus dem gro\u00dfen Gasthaus &#8218;Bei Mutter Travine&#8216; gerollt werden, beladen wird. Sieghelm holte tief Luft, ein Zeichen daf\u00fcr, dass er wohl zu einer l\u00e4ngeren Erkl\u00e4rung ansetzte. <em>&#8222;Wir stehen kurz vor einer bedeutenden und gro\u00dfen Schlacht. Nicht so gro\u00df wie die vor f\u00fcnf G\u00f6tterl\u00e4ufen, aber trotzdem, gro\u00df. Fast f\u00fcnftausend S\u00f6hne und T\u00f6chter Darpatiens lagern auf dem Mythraelsfeld vor den Toren der Stadt und fast genauso viele Heerschaaren des D\u00e4monenkaiserreichs laufen rastlos auf uns zu. Sie werden wohl in k\u00fcrze den Dergel \u00fcberqueren und in b\u00e4lde kommt es zur Schlacht. Wir werden einen nicht unerheblichen Anteil daran haben. Ich werde unser Halbregiment &#8211; unser eigenes &#8211; ins Feld f\u00fchren und bis ins Zentrum des gegnerischen Heerwurms vorsto\u00dfen lassen um ein Ei &#8230; kein normales Ei &#8230; dorthin zu bringen um eine Art Entzauberung stattfinden zu lassen. Die letzten beiden Jahre waren &#8230; sehr ereignisreich und h\u00e4tte man mir dies vor zwei G\u00f6tterl\u00e4ufen gesagt, h\u00e4tte ich gelacht.&#8220; <\/em>Inzwischen standen sie vor einer der Stadtkasernen, zwei m\u00fcde Nachtwachen kurz vor Wachwechsel hingen dort vor dem Kasernentor. Da sie den Ordensgro\u00dfmeister nicht erkannten, machten sie auch keinerlei Anstalten Haltung anzunehmen. Vom Innern des Kasernenhofs her schallten gebr\u00fcllte Kommandos auf die Reichsstra\u00dfe. Pagol, der den l\u00e4ngeren Monolog seines Herrchens nutzte um sich an der steinernen Kasernenmauer zu erleichtern, sch\u00fcttelte seine kurzen Beine und starrte Sieghelm dann wieder an. Einer der Wachen, erwachte aus seiner lethargischen Haltung als er mitbekam, dass sich der Dachshund an der Kasernenmauer erleichterte. Sofort versetzte er sich selbst in eine belehrendere Haltung und stiefelte wie ein Lehrer der seine Sch\u00fcler beim Spicken erwischt hatte zu Sieghelm und Pagol her\u00fcber. Er musterte Sieghelm kurz von unten nach oben, doch au\u00dfer einen gro\u00dfen kr\u00e4ftigen Mann in schwarzer Unterkleidung mit l\u00e4cherlich vielen N\u00e4stelb\u00e4ndern konnte er nicht erblicken. <em>&#8222;Entschuldigen Sie, ist das ihr Dachshund?&#8220; <\/em>frug der Gardist mit anklagender Stimme. Sieghelm blinzelte als er in seinem Gedanken unterbrochen wurde und sah zu dem Gardisten mit den dicken Tr\u00e4nens\u00e4cken. <em>&#8222;Ja, gibt es ein Problem?&#8220;<\/em> Sieghelm stemmte die F\u00e4uste in die H\u00fcfte und reckte seine Brust. Er war etwas gr\u00f6\u00dfer und viel kr\u00e4ftiger als die Torwache. Als der andere Gardist bemerkte, dass sein Wachkamerad entgegen jeglicher Vernunft kurz vor Wachwechsel pl\u00f6tzlich einen Anfall von praiotischem Ordnungswahn zu entwickeln schien, erschrak er und war f\u00fcr den n\u00e4chsten Moment in seinem inneren moralischen Kampf gefangen der da hie\u00df: Wachstube und Auff\u00e4lligkeitsbericht schreiben oder &#8230; Bett. <em>&#8222;Ja, denn ihr Hund hat gegen die Kasernenmauer gepisst &#8211; und streng genommen ist das &#8230;&#8220;<\/em>  begann die Torwache anklagend. <em>&#8222;Streng genommen hast du auch nicht nur den Hauch einer Ahnung mit wem du es hier zutun hast, Torwache.&#8220; <\/em>Das letzte Wort dehnte Sieghelm so in die l\u00e4nge dass es schmerzte, zudem klang es so, als w\u00fcrde er es ausspucken wollen. W\u00e4hrend der eine Gardist noch immer in seinem inneren moralischen Konflikt gefangen war, und der andere gerade die h\u00f6chst selbstzerst\u00f6rerische &#8218;Wer seid ihr denn?&#8216;-Frage stellen wollte, holte Sieghelm erneut tief Luft um der der Torwache vorweg zu kommen. <em>&#8222;Ich bin Sieghelm Gilborn von Spichbrecher, Ordensgro\u00df &#8230;&#8220;<\/em> den Rest kennt Ihr bereits und ich erspare ihn Euch. Springen wir zum letzten Teil: <em>&#8220; &#8230; und das ist Leutnant Pagol, und selbst dieser Dachshund steht im Rang \u00fcber dir, wenn der Leutnant also gegen eure Kasernenmauer zu &#8230; <\/em>urinieren<em> &#8230; gedenkt, dann tut er dies nicht in der Absicht sie herabzuw\u00fcrdigen, sondern um sie zu veredeln.&#8220; <\/em>Die andere Torwache hatte sich inzwischen f\u00fcr das &#8218;Bett&#8216; entschieden und war wie von Sumus Leib verschluckt. Das einzige was man noch h\u00f6ren konnte war das laute Schlucken des Gardisten. Mit fiepsend d\u00fcnner Stimme brachte er dann abbrechend hervor: <em>&#8222;Einen angenehmen Tag noch, euer edler Herr Reichsritter.&#8220; &#8222;Euch auch, Torwache.&#8220; <\/em>entgegnete Sieghelm mit \u00fcberspitzt freundlichem Ton, drehte sich um, schnalzte mit der Zunge und ging. <\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Also Pagol, wo waren wir?&#8220; <\/em>Die beiden gingen weiter auf der belebten Reichsstra\u00dfe und wurden von einer frischen Windb\u00f6e erfasst. Pagol tapste neben seinem Herrn und blickte ihn wieder durchdringend an, denn noch immer war Sieghelm ihm eine Erkl\u00e4rung schuldig geblieben. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war der fr\u00fche Morgen des 13. Peraine 1027 nach Bosparans Fall, als Sieghelm zusammen mit seinem Leutnant seine Stube auf Burg Karmaleth verlie\u00df. Es wehte ein seicht frischer Wind durch die Gassen der Stadt. 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