{"id":8455,"date":"2019-08-28T18:13:35","date_gmt":"2019-08-28T16:13:35","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8455"},"modified":"2019-08-28T18:17:39","modified_gmt":"2019-08-28T16:17:39","slug":"marschbefehl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8455","title":{"rendered":"Marschbefehl"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Traviahold sa\u00df in seinem Arbeitszimmer in der Burg Donnerwacht, ihm gegen\u00fcber ein unruhig auf dem Stuhl hin und her rutschender junger Mann. <em>&#8222;Also gut, du bist also Tsatan, ja?&#8220; &#8222;Grashuber, Herr. Tsatan Grashuber.&#8220; &#8222;Gut, gut, gut. Und du bist der Knappe von Herrn dylli Memnos, habe ich das richtig verstanden?&#8220; &#8222;Wem? Achso. Nein. Also ich wollte schon immer ein Diener Borons werden, also haben mich meine Eltern nur daf\u00fcr nach Gareth gebracht&#8230; Wart ihr schon mal in Gareth? Die Stadt&#8230;&#8220; &#8222;Halt. Also nochmal. Du bist ein Novize Borons also?&#8220; &#8222;Nein, also meine Eltern haben mich zum Tempel nach Gareth gebracht und dort wurde ich auch als Anw\u00e4rter angenommen, aber Novize bin ich bisher noch nicht.&#8220; &#8222;Wann war das?&#8220; &#8222;Lasst mich \u00fcberlegen. F\u00fcnf G\u00f6tterl\u00e4ufe ist es sicher schon her.&#8220; &#8222;Bitte was?&#8220; &#8222;F\u00fcnf G\u00f6tterl\u00e4ufe Herr. Der Tempelvorsteher sagt immer, ich w\u00fcrde zu viel reden, um Novize werden zu k\u00f6nnen, aber ich helfe flei\u00dfig im Tempel!&#8220;<\/em> Traviahold wollte gerade zu einem sarkastischen Kommentar ansetzen, als es gegen die T\u00fcr pochte. <em>&#8222;Ja bitte?&#8220; <\/em>Eine der Wachen \u00f6ffnete die T\u00fcr und wandte sich dem Traviageweihten zu. <em>&#8222;Mein Herr. Die Frau Ordensgro\u00dfmarsch\u00e4llin hat den Rat zusammengerufen und erbittet eure Anwesenheit.&#8220; &#8222;Vielen Dank. Sagt ihr, ich eile.&#8220; <\/em>Die Wache verlie\u00df den Raum und Traviahold wandte sich wieder seinem Gast zu, der ihn mit gro\u00dfen neugierigen Augen anschaute. <em>&#8222;Gut, also bist du noch kein Novize des Herrn Boron?&#8220; &#8222;Genau Herr, weil&#8230;&#8220; &#8222;Aber erkl\u00e4re mir noch einmal KURZ, warum du nun hier bist.&#8220; &#8222;Also, das war so.&#8220;<\/em> Traviahold holte einmal scharf Luft. <em>&#8222;Der Herr Bothor war bei uns im Tempel und erbat Hilfe, um Boron besser kennenzulernen. Und unser Tempelvorsteher hat ihm Geron und mich mitgegeben. Und weil die jetzt auf einer geheimen Mission sind, sollte ich hier her nach Hochstieg und f\u00fcr ihn lernen, wer hier wer ist, damit er das dann wei\u00df!&#8220;<\/em> Die Geschichte kam Traviahold so seltsam vor, dass er sie einfach glauben musste. Niemand, der plant zu l\u00fcgen, w\u00fcrde sich soetwas ausdenken. <em>&#8222;Nun, dann wird es sicher nicht schaden, wenn du mich zum Rat begleitest.&#8220; &#8222;Wirklich?&#8220; &#8222;Solange du versuchst dich dort an die Tugenden deines Herrn zu halten und schweigst, ist dies kein Problem. Folge mir.&#8220; <\/em>Damit stand er auf und verlie\u00df den Raum. Wenige Augenblicke sp\u00e4ter sprang Tsatan ihm hinterher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der von Darpatia einberufene Rat hatte sich in der gro\u00dfen Ratskammer der Burg versammelt. Au\u00dfer ihr, Traviahold und Tsatan, waren noch Landkumturin Wulfgrid Thalia von Hardmund, Schutzritter Hagen Kohlh\u00fctten, Schutzritterin Dankhild Leuens\u00eel von Hardmund sowie  <br \/>Magister Geron von Varnyth anwesend. Traviahold hatte kurz Tsatan vorgestellt, der tats\u00e4chlich, wohl vor Ehrfurcht, still am Rand der Kammer sa\u00df und alles beobachtete. Darpatia ergriff das Wort. <em>&#8222;Gut, dass ihr alle so schnell zusammengekommen seid. Ich habe einen Brief von seiner Exzellenz erhalten. Ersteinmal sei alle Sorge verstreut, es geht allen k\u00f6rperlich soweit gut. Allerdings haben wir von ihm einen Marschbefehl erhalten.&#8220; &#8222;Du wirst nirgendwo hin marschieren!&#8220;<\/em>, riefen Traviahold und Wulfgrid fast unisono, was ihnen einen b\u00f6sen Blick von Darpatia einbrachte. <em>&#8222;Ich bin die Ordensgro\u00dfmarsch\u00e4llin&#8220;<\/em>, reagierte sie mit erhobener Stimme,<em> &#8222;und auch, wenn ich unp\u00e4sslich bin selbst den Befehlen meines Herrn nachzukommen, so obliegt es meiner Verantwortung, dass seinen Befehlen Gen\u00fcge getan wird.&#8220; &#8222;Wir sorgen uns doch nur um dich&#8220;<\/em>, fl\u00fcsterte Traviahold. <em>&#8222;Wohin sollen wir marschieren Herrin? Und wie viele M\u00e4nner und Frauen erwartet seine Exzellenz?&#8220;<\/em>, lenkte Hagen geschickt das Thema wieder auf die wichtigen Dinge. <em>&#8222;Wir sollen uns in Bohlenburg sammeln und auf weitere Befehle warten.&#8220;<\/em> Traviahold verschluckte sich an dem Wein und alle Blicke waren auf ihn gerichtet. <em>&#8222;Vielleicht ist es an der Zeit uns mitzuteilen, was bisher nur ihr wusstet werter Herr Ordenspr\u00e4tor&#8220;<\/em>, meinte Lady Wulfgrid bissig. Traviahold z\u00f6gerte. <em>&#8222;Es gibt Ger\u00fcchte, sehr konkrete Ger\u00fcchte, dass in n\u00e4chster Zeit eine Invasion der Warunkei bevorsteht.&#8220; &#8222;Ha, sehr gut!&#8220;<\/em>, polterte Hagen. <em>&#8222;Nein, ihr versteht mich falsch&#8220;<\/em>, unterbrach Traviahold und erntete skeptische Blicke. <em>&#8222;Die schwarzen Lande planen eine Invasion bei uns. Und Razzazor pers\u00f6nlich soll sie anf\u00fchren.&#8220;<\/em> Eisige Stille breitete sich in der Kammer aus. <em>&#8222;Das erkl\u00e4rt die Aufstockung der Mannen am Wachturm&#8220;<\/em>, sprach Darpatia leise weiter. <em>&#8222;Wie viele Mannen Marsch\u00e4llin?&#8220;<\/em>, versuchte sich Hagen in Normalit\u00e4t. <em>&#8222;Nun, also, unter diesen Umst\u00e4nden die Lanze Reiter, je ein Banner Bogensch\u00fctzen und Schwere Infanterie sowie zwei Banner Leichte Infanterie. Dazu zwei Duzend Personen f\u00fcr den Tross. Abmarsch ist morgen, die Milizen sto\u00dfen wenn n\u00f6tig unterwegs hinzu. Jeder wei\u00df, was zu tun ist?&#8220;<\/em> Einstimmiges Nicken im weiten Rund. &#8222;Dann los!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Ritter Hagen!&#8220;<\/em> Traviahold holte keuchend den Schutzritter im Innenhof der Burg ein. <em>&#8222;Ihr reitet schon heute Dankhild. Unterwegs informiert ihr die Milizen, dass sie sich bereit machen sollen. Ihr wartet dann in Hardfurten auf uns.&#8220; &#8222;Jawohl Sir!&#8220;<\/em> Hagen drehte sich zu Traviahold um. <em>&#8222;Was kann ich noch f\u00fcr euch tun, Ehrw\u00fcrden?&#8220; &#8222;Ich wollte nur fragen, an wen ihr gedacht habt bei den Bannerf\u00fchrern.&#8220; &#8222;Weibel Jost wird die Bogensch\u00fctzen f\u00fchren, die Korpor\u00e4le Vitus und Radulf je ein Banner Leichte und ich selbst den Banner Schwere Infanterie. Und Schutzritterin Dankhild f\u00fchrt die Lanze Reiterei an. Wieso?&#8220; &#8222;Weil ich genau das bef\u00fcrchtet habe. M\u00fcsst ihr beide Ackerknechts in den Krieg schicken? Die Familie hatte es in letzter Zeit schwer genug, das wisst ihr. Warum nicht Frau von Schwertleie?&#8220; &#8222;Weil ich sie noch nicht gut kenne und ihr nicht das n\u00f6tige Vertrauen entgegenbringe. Und jetzt entschuldigt mich, ich werde nicht weiter meine Entscheidungen diskutieren, auch wenn ihr es seid.&#8220;<\/em> Damit wandte sich Hagen ab und lie\u00df einen verdrie\u00dflich reinblickenden Traviahold zur\u00fcck. Tsatan trat an ihn heran. <em>&#8222;Euer Ehrw\u00fcrden?&#8220; &#8222;Ja?&#8220; &#8222;Ich m\u00f6chte mich dem Heer anschlie\u00dfen. Ich kann zwar nicht k\u00e4mpfen, aber ich sollte an der Seite des Herrn Bothor sein.&#8220; &#8222;Tu, wonach dir ist. Am besten gehst du zur Taverne, dort wird der Tross zusammengestellt werden. Am besten schlie\u00dft du dich dem an. Ich muss jetzt weiter. Viel Gl\u00fcck.&#8220;<\/em> Mit diesem letzten Gru\u00df verlie\u00df Traviahold die Burg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er lief durch Hochstieg, welches inzwischen regelrecht aufbl\u00fchte. Die Menschen schienen sich mit der neuen Situation abgefunden zu haben und sich sogar wohl zu f\u00fchlen. Er hielt auf ein kleines Haus zu, das schonmal bessere Tage gesehen hatte. Doch seit die Hausfrau &#8211; f\u00fcr die meisten spurlos &#8211; mit einer der T\u00f6chter verschwunden ist, sind Haus und Garten verwahrlost. Traviahold musste schlucken, da er zu den wenigen Menschen geh\u00f6rte, die die Wahrheit hinter der Trag\u00f6die der Familie Ackerknecht kannten, und trotzdem geschworen haben zu schweigen. Er \u00f6ffnete das Gartentor, ging zur T\u00fcr und klopfte. Nur wenige Augenblicke sp\u00e4ter \u00f6ffnete ein gestresst aussehender Vitus diese. <em>&#8222;Oh, euer Ehrw\u00fcrden, was verschafft uns die Ehre? Kommt doch herein.&#8220; &#8222;Danke Vitus. Wie geht es euch?&#8220;<\/em> Traviahold betrat das Heim, bemerkte die fast traviaungef\u00e4llige Unordnung und die beiden unmotiviert am Feuer spielenden Kinder. Vitus seufzte.<em> &#8222;Wir verhungern nicht, das ist das wichtigste. Aber es ist alles so viel schwerer, seitdem&#8230; na ihr wisst schon.&#8220;<\/em> Vitus l\u00e4sst sich schwerf\u00e4llig auf einen der St\u00fchle fallen. Ohne aufgefordert worden zu sein, nimmt sich auch Traviahold einen Stuhl und l\u00e4sst sich nieder. <em>&#8222;Ich habe wohl schlechte Nachrichten f\u00fcr euch Vitus.&#8220; &#8222;Oh nein, was ist passiert?&#8220; &#8222;Der Ordensgro\u00dfmeister hat einen Marschbefehl gegeben und ihr sollt morgen ein Banner der Leichten Infanterie ins Feld f\u00fchren?&#8220; &#8222;Ich?&#8220;<\/em>, fragte Vitus entsetzt. <em>&#8222;Aber was wird aus meinen Kindern?&#8220; &#8222;Deshalb bin ich hier. Ich konnte leider Marschall Kohlh\u00fctten nicht umstimmen und auch euer Bruder muss morgen marschieren. Also wollte ich vorschlagen, die Kinder morgen mit in das Kloster zu nehmen und dort \u00fcber sie zu wachen, f\u00fcr alle Zeit, die n\u00f6tig sein wird, wenn du verstehst.&#8220;<\/em> Vitus bekam feuchte Augen. <em>&#8222;Ihr seid so g\u00fctig. Aber morgen erst? Bitte!&#8220; &#8222;Nat\u00fcrlich, wir werden morgen bis zum Kloster gemeinsam reiten.&#8220; &#8222;Vielen Dank Traviahold!&#8220;<\/em> Vitus nahm den Geweihten in den Arm. <em>&#8222;Ich danke euch&#8220;<\/em>, wiederholte der Korporal und ging zu seinen beiden Kindern, w\u00e4hrend sich Traviahold aus dem Haus schlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Auszug des Heeres am n\u00e4chsten Morgen aus Hochstieg war regelrecht pomp\u00f6s. Herzzerrei\u00dfende Verabschiedungen, Fanfarenst\u00f6\u00dfe, wehende Fahnen. Es war der erste gro\u00dfe Heereszug des Ordens und Wulfgrid und Darpatia wussten um dessen Bedeutung. Und so scheuten sie keine M\u00fchen f\u00fcr das Spektakel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zug kam nur langsam voran und schlug sein erstes Nachtlager vor den Mauern des Klosters auf. Am n\u00e4chsten Morgen versammelte sich eine gro\u00dfe Gruppe der Arbeiter am Lager, als sich Traviahold ein letztes Mal von allen verabschieden wollte. Angef\u00fchrt wurde sie von Charon, dem \u00c4ltesten. <em>&#8222;Ehrw\u00fcrden, Marschall. Wir, die sich Warunkanier nennen, sind diesem Land, den Menschen und dem Orden auf ewig zu Dank verpflichtet. Aus diesem Grund wollen wir 50 unserer Leute euch mitgeben. Wenn dies Schwarze Lande werden, ist hier alles verloren und das wollen wir verhindern. Wir bitten euch nicht, wir setzen euch nur in Kenntnis.&#8220;<\/em> Hagen und Traviahold schweigen v\u00f6llig verdutzt. Charon winkt eine Frau um die 30 zu sich. <em>&#8222;Das ist Ilene, sie f\u00fchrt den Haufen an.&#8220; &#8222;Marschall, es ist uns eine Ehre an eurer Seite k\u00e4mpfen zu d\u00fcrfen&#8220;<\/em>, stellt sie mit fester Stimme fest. <em>&#8222;Nun, dann ist das wohl so. Willkommen und einreihen&#8220;<\/em>, reagiert Hagen noch deutlich verst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so zog ein nochmals vergr\u00f6\u00dfertes Heer weiter gen Bohlenburg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Traviahold sa\u00df in seinem Arbeitszimmer in der Burg Donnerwacht, ihm gegen\u00fcber ein unruhig auf dem Stuhl hin und her rutschender junger Mann. &#8222;Also gut, du bist also Tsatan, ja?&#8220; &#8222;Grashuber, Herr. Tsatan Grashuber.&#8220; &#8222;Gut, gut, gut. Und du bist der Knappe von Herrn dylli Memnos, habe ich das richtig verstanden?&#8220; &#8222;Wem? Achso. Nein. 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