{"id":8315,"date":"2019-06-21T19:05:38","date_gmt":"2019-06-21T17:05:38","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8315"},"modified":"2019-06-22T09:16:35","modified_gmt":"2019-06-22T07:16:35","slug":"8315","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8315","title":{"rendered":"Aus der Geschichte lernen"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Voltan-Klein-886x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8323\" width=\"170\" height=\"195\"\/><figcaption><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?page_id=8274\">Candidatus<br \/><\/a><strong><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?page_id=8274\">Voltan Aurentian<\/a><\/strong><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?page_id=8274\"><br \/> von Spichbrecher<\/a><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Unterdessen in der Akademie Schwert &amp; Stab zu Gareth-Schlossviertel<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei Mal ert\u00f6nte ein dumpfes Pochen an der T\u00fcr der Scholarenstube. Der Raum war klein und schlicht eingerichtet. Zwei einfache Steckbetten sowie zwei dazugeh\u00f6rige Nachtschr\u00e4nke, zwei sich gegen\u00fcber liegende kleine Sekret\u00e4re aus Eichenholz und ein gro\u00dfer Kleiderschrank aus einfacher Fichte in der Mitte, den sich Candidatus Voltan mit seinem Stubenkameraden Corelian, der ebenfalls kurz vor seiner Examinatio stand, teilen musste, waren Bestandteil der Inneneinrichtung. <em>&#8222;Jaaa, was ist denn da schon wieder?&#8220;<\/em>, zischte der junge Candidatus, der spontan Kopfschmerzen bekam, da es heute schon das dritte Mal war, dass er w\u00e4hrend seiner Studien gest\u00f6rt wurde. Er schob geschwind ein Lesezeichen an eine Stelle des Codex Albyricus und drehte sich auf dem einfachen Sekret\u00e4rsstuhl zur T\u00fcr herum. Herein flog ein weiterer junger Mann in Voltans Alter. Die T\u00fcre war noch nicht ganz auf, da sprudelten schon die ersten W\u00f6rter aus dem jungen Magier heraus, er schien sehr aufgeregt zu sein: <em>&#8222;Voltan! Ich habe Neuigkeiten! Das wird dich umhauen!&#8220;<\/em> Voltan schnaufte ver\u00e4chtlich und rollte mit den Augen. Er, der gerade konzentriert, ruhig und angestrengt studierte und nun latent genervt war, hatte im Moment eine gegens\u00e4tzliche Stimmung zu seinem Stubenkameraden, der allem Anschein nach aufgeregt, laut und \u00fcberschwenglich war. <br \/>Voltans Stubenkamerad schloss die T\u00fcr wieder hinter sich und blickte dann verstohlen zu ihm. Er setzte sich dann zackig auf eine nahe Bettkante. <em>&#8222;Was gibt es denn so dringendes, Cori?&#8220;<\/em> Voltan gelang es nicht, seinen Unmut in seiner Stimme zu verbergen, er gab sich allerdings auch keine gro\u00dfe M\u00fche. Passend dazu war besagter &#8218;Cori&#8216;, der mit vollst\u00e4ndigen Namen Corelian Arelis von Gareth hie\u00df, von der Unstimmung seines Gegen\u00fcbers vollkommen unbeeindruckt und fuhr fort: <em>&#8222;Ich war vorhin kurz zu einem Kehlent\u00e4nzchen im Lichthof &#8230;&#8220;<\/em>,<em> <\/em>begann Corelian im verschw\u00f6rerischen Tonfall mit ged\u00e4mpfter Stimme im Plauderton zu erz\u00e4hlen. Mit &#8218;Kehlent\u00e4nzchen&#8216; meinte er ein gek\u00fchltes Vollbier zu trinken. Es war \u00fcblich, dass sich mit jeder Generation junger Scholaren neue Bezeichnungen entwickelten, die das Trinken von Bier oder Wein auf eine verspielte und neckische Weise umschrieben. Und mit &#8218;Lichthof&#8216; meinte er die der wei\u00dfmagischen Akademie Schwert &amp; Stab nahe gelegene Gastwirtschaft in der Flachshauergasse. Viele Scholaren der Magierakademie verkehrten dort, aber nicht nur die, sondern auch junge Mitglieder der Stadt des Lichts. Da beide Einrichtungen dem G\u00f6ttervater Praios gef\u00e4llig waren, hatte sie eine gr\u00f6\u00dfere Schnittmenge an Interessen und Gespr\u00e4chsinhalten. Die Wirtschaft, die den passenden Namen &#8218;Lichthof&#8216; hatte, warb mit g\u00fcnstigen Spirituosen aller Art und z\u00fcnftiger Hausmannskost zu jeder Tag- und Nachtzeit. Den Studiosi der Akademie, die nicht viel Handgeld bekamen, aber auch den jungen Praiosdienern, kam dies zupass, denn beide hatten nur wenig Geld zur Verf\u00fcgung und in ihrer sp\u00e4rlichen Freizeit taten sie das, was alle jungen M\u00e4nner und Frauen gerne taten. Sie selbst nannten es: &#8218;Einen Ritt mit der Himmelsstute auf dem Pfad des lieblichen Rauschs absolvieren&#8216;. Eine blumige Umschreibung daf\u00fcr, sich bis kurz vor der Besinnungslosigkeit mit billigem Bier abzuf\u00fcllen, dabei allerlei W\u00fcrfel- und Kartenspiele zu spielen und hin- und wieder ein k\u00f6rperliches und geistiges Kr\u00e4ftemessen zu vollziehen. F\u00fcr All dies stand der &#8218;Lichthof&#8216; in der Flachshauergasse. <br \/><em>&#8222;Im Lichthof? Cori &#8211; es ist gerade mal kurz nach der Mittagsstunde!&#8220;<\/em> Voltans Versuch emp\u00f6rt zu klingen scheiterte. Was von Corelian nur mit einem verschmitzt wissenden Grinsen quittiert wurde, dem sich auch Voltan nicht erwehren konnte. <em>&#8222;Willst du jetzt wissen was ich geh\u00f6rt habe, oder nicht?&#8220;<\/em>, fragte Corelian gespielt emp\u00f6rt. <em>&#8222;Nun, genau genommen &#8230;&#8220;<\/em>, spottete Voltan desinteressiert. Jetzt, da er ohnehin schon gest\u00f6rt und aus seinen Studien herausgerissen wurde, konnte er eine kleine Abwechslung ganz gut gebrauchen und war an der Neuigkeit aus dem Lichthof interessiert. Corelian knuffte Voltan gegen die Schulter woraufhin Voltan bis \u00fcber beide Ohren grinsen musste. <em>&#8222;Nun h\u00f6r zu, das interessiert dich wirklich &#8230; ich meine &#8230; wirklich wirklich.&#8220;<\/em> Corelians wechselte vom Plauderton in einen, trotz simpler Wortwahl, bedeutungsschwangeren Tonfall. Sofort war Voltan klar, dass es sich um keine alberne Komabes\u00e4ufnisgeschichte oder ein peinliches Rahjaspiel eines Kommilitonen handelte. Sein Stubenkamerad hatte wirklich etwas Ernstes auf dem Herzen. Voltan vollf\u00fchrte eine Geste, um seinen Gespr\u00e4chspartner dazu zu veranlassen fortzufahren. <em>&#8222;Am Nachbartisch unterhielten sich ein ein paar Lichtis miteinander.&#8220;<\/em> An dieser Stelle soll erw\u00e4hnt sein, dass &#8218;Lichtis&#8216; die sehr gut beh\u00fctete akademieinterne Bezeichnung f\u00fcr alle Arten von Praiosdienern war. <em>&#8222;Ich h\u00f6rte wie sie sich dar\u00fcber unterhielten, dass sie zwei Kisten bekommen haben, in denen die \u00dcberreste von Greifen drin sind. Beide wurden, mittels eines Dschinns, geschickt von diesem tulamidischen Graumagier aus Punin.&#8220; <\/em>Nachfolgendes Wort sprachen sie seufzend gemeinsam aus:<em> &#8222;Nehazet.&#8220;<\/em> Voltan und Corelian hatte beide schon von dem Magus geh\u00f6rt, ein Graumagier der im traditionell traviagef\u00e4lligen Rommilys zum &#8218;Propheten&#8216; ausgerufen wurde, konnte schwerlich unbekannt bleiben. Die Entwicklung war f\u00fcr mehrere Tage an der Akademie Schwert &amp; Stab ein hei\u00df diskutiertes Thema. <em>&#8222;Doch das ist nicht alles. Es ist nicht der erste Greif der &#8230; bei Praios &#8230; k\u00f6nnen die das \u00fcberhaupt &#8230; &#8218;gestorben&#8216; ist. Die Kisten sollen aus den Sicheln geschickt worden sein. Dort geht etwas vor, sag ich dir.&#8220; <\/em>Voltan prustete. F\u00fcr einen Moment versank er in seinen Gedanken, denn er musste in seiner Erinnerung kramen, um diese neue und geheime Information mit seiner Vergangenheit zu verkn\u00fcpfen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Cori, hast du eigentlich nur eine geringste Ahnung was das bedeuteten kann?&#8220;<\/em>, fragte Voltan, doch Corelian sch\u00fcttelte nur den Kopf. <em>&#8222;Keine Ahnung. Ich wollte dir das nur erz\u00e4hlen, da du dich doch so f\u00fcr Greifen interessierst &#8230; ich meine &#8230; auf deinem Nachttisch liegt das Verzeichnis der bekannten Greifen und ihrer sagenumwobenen Geschichten. Und jedes Mal wenn wir beim Kehlent\u00e4nzchen \u00fcber die Lichtis sprechen langweil &#8230; \u00e4hh ich meine erz\u00e4hlst du uns eine andere Geschichte von diesen edlen Gesch\u00f6pfen des G\u00f6ttervaters.&#8220; <\/em>Corelian versuchte seinen fast begangenen Fauxpax mit besonders bedeutsam gesprochenen letzten Worten wieder gut zu machen. <em>&#8222;Nein, ersthaft Cori &#8230; warte &#8230;&#8220;<\/em>  Der junge Spichbrecher drehte sich knarzend auf dem Sekret\u00e4rsstuhl herum, zog ein Buch aus dem Stapel auf seinem Tisch und bl\u00e4tterte hastig darin um. <em>&#8222;Dies ist die Chronik aus dem Jahre 1022. Genau genommen aus &#8230;&#8220; &#8222;Du meinst 29!&#8220;<\/em>,<em> <\/em>fuhr Corelian harsch dazwischen. Die Kommilitonen f\u00fchrten einen seit acht G\u00f6tterl\u00e4ufen ausgefochtenen Kleinkrieg zum Thema Zeitrechnung. Voltan hatte von klein auf die Zeitrechung &#8218;Nach Bosparans Fall&#8216; beigebracht bekommen und f\u00fchrte diese deshalb auch fort, zumal sie in akademischen Kreisen auch anerkannter war. Corelian hingegen war, wohl auch wegen seiner Blutlinie, ein Verfechter f\u00fcr die neu eingef\u00fchrte Zeitrechnung &#8218;Nach Hal&#8216;. Beide jungen M\u00e4nner blitzten sich kurz an, doch beide wussten, dass jetzt nicht der Moment war um <em>dar\u00fcber<\/em> zu diskutieren. Voltan setzte erneut an: <em>&#8222;Genau genommen aus dem Traviamond. Es ist eine Auflistung aller bekannter Greifensichtungen. Das besondere daran ist, dass zu der Zeit die Heptarchen versucht haben, Irrhalken \u00fcber die Schwarzen Sicheln und die Trollzacken zu schicken.&#8220; <\/em>Voltan deutete mit den Finger auf mehrere Stellen in denen von Greifen und Irrhalken die Rede ist. <em>&#8222;Praios sei dank, waren damals die Greifen da, um sie abzufangen &#8211; es kam zu vielen erbitterten K\u00e4mpfen in der Luft.&#8220; <\/em>Er schlug die n\u00e4chste Seite auf, welche eine Schnellskizze von einem Greifen und einen Irrhalken war, die sich in der Luft spektakul\u00e4r bek\u00e4mpften. Corelian vergrub sein Kinn in seiner hohlen Hand und blickte angestrengt in die Chronik, unterdessen fuhr Voltan fort: <em>&#8222;Vor vier G\u00f6tterl\u00e4ufen hatte Galotta schon einmal probiert, die Lufthoheit zu erlangen &#8211; und war gescheitert.&#8220; <\/em>Die Jungs nickten beide. Auch wenn sie zu der Zeit erst 14 G\u00f6tterl\u00e4ufe alt waren, so hatten sie von dem vorangegangenen Krieg, welcher als 3. D\u00e4monenschlacht in die Geschichte eingesehen sollte, und den Gebietsgewinnen der Schwarztobrier alles mitbekommen. <br \/>Voltan bl\u00e4tterte erneut um. Neben dem Text, welcher den Kampf zwischen den Wesen des Lichts und denen der Dunkelheit beschrieb, war eine Schwarz-Wei\u00df Zeichnung zu sehen. Es zeigte eine Darstellung mehrerer Greifen, die abstrakt aussehende Flugmaschinen \u00fcber den Trollzacken angriffen und zum Absturz brachten. <em>&#8222;Diese d\u00e4monischen Flugmaschinen flogen im Phex- und Perainemond von Schwarztobrien \u00fcber die Zacken und die Sicheln, nichts &#8211; absolut nichts &#8211; h\u00e4tte sie aufhalten k\u00f6nnen, au\u00dfen den Greifen. Nur dank ihres selbstlosen Einsatzes wurden sie zerst\u00f6rt, noch ehe sie die St\u00e4dte erreichten.&#8220; <\/em>Im Gesicht von Voltans Mitbewohner konnte man sehen, wie er begann zu verstehen, worauf er hinaus wollte.<em> &#8222;Moment, willst du damit sagen, dass &#8230;&#8220;<\/em>, begann er. <em>&#8222;Ganz genau&#8220;<\/em>, beantwortete Voltan dessen Frage, noch bevor er sie zu Ende ausgesprochen hatte. Ein langer Moment der Ruhe folgte. Corelian verstand, worauf sein Kommilitone hinaus wollte und es lie\u00df ihn schlagartig erschaudern. Nerv\u00f6s kratzte er sich am Kinn, w\u00e4hrend Voltan mit einem lauten Knall die Chronik zuklappte, um dann den jungen Spross des Hauses Gareth mit einem durchdringenden Blick zu belegen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Wir m\u00fcssen das berichten&#8220;<\/em>, brach Corelian mit zaghafter Stimme das Schweigen. Es klang fast wie eine Frage. <em>&#8222;Nein, man kann nicht wissen wo die Spione der Heptarchen sich \u00fcberall verstecken.&#8220;<\/em> Er legte die Chronik wieder zu den anderen B\u00fcchern und klappt auch den Codex Albyricus vorsichtig zu, in dem er vorhin noch gelesen hatte. Dann stand er auf, griff nach seinem Magierstab und sagte: <em>&#8222;Ich habe eine bessere Idee.&#8220; <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterdessen in der Akademie Schwert &amp; Stab zu Gareth-Schlossviertel Drei Mal ert\u00f6nte ein dumpfes Pochen an der T\u00fcr der Scholarenstube. Der Raum war klein und schlicht eingerichtet. 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