{"id":8312,"date":"2019-06-20T17:30:45","date_gmt":"2019-06-20T15:30:45","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8312"},"modified":"2019-06-21T16:27:49","modified_gmt":"2019-06-21T14:27:49","slug":"protektorat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8312","title":{"rendered":"Protektorat"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8322\" width=\"145\" height=\"172\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein.png 605w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Sieghelm-Klein-253x300.png 253w\" sizes=\"auto, (max-width: 145px) 85vw, 145px\" \/><figcaption><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?page_id=435\">Gro\u00dfmeister<br \/><\/a><strong><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?page_id=435\">Sieghelm Gilborn<\/a><\/strong><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?page_id=435\"><br \/>von Spichbrecher<\/a><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es klebte noch Blut an seinen H\u00e4nden, als sich Sieghelm von den Zinnen abwandte. Den abgeschlagenen Arm von Ser Geromar hielt er noch immer am Handgelenk fest, so dass das K\u00f6rperteil des Paktierers schlaff herunter hing. Die Trennung vom Torso war noch nicht lange her, weshalb noch immer tiefrotes Blut aus der von Bothor grob abgetrennten Stelle am Oberarm auf die Steine sickerte. Er blickte auf seine rechte Hand. Sie war so voller Blut, dass das fahle Licht des Madamals sie zum Glitzern brachte. Er sp\u00fcrte auch Haare zwischen seinen Fingern, es waren die Haare des Burgritters, denn nachdem er seinen Kopf mit einem einzigen und m\u00e4chtigen Hieb abgetrennt hatte, hatte er ihn am Schopf gepackt und bis hier hoch getragen. Als dann der Greif, reitend auf einem aus Alveran geschickten Lichtstrahl, heranflog, warf Sieghelm ihm den Kopf mit all seiner Kraft, aus einem Instinkt heraus, entgegen. Beim Sturz machte der Greif  keinen einzigen Laut. Er war so grazil und vollkommen lautlos bei seinem Flug, dass das einzige Ger\u00e4usch, das der Gro\u00dfmeister vernahm, das Knacken und Zerbrechen des Sch\u00e4dels war, als der Greif seine Krallen tief in ihn hinein trieb. Sieghelms junges Herz pochte ihm bis zum Hals, er hatte aus dem Stegreif eine pathetische und erkl\u00e4rende Rede an die Burgbewohner gehalten &#8211; es geschah eben nicht oft, dass ein fremder Reichsritter vorbeikam und den Burgherrn k\u00f6pfte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Ser! Ser!&#8220;<\/em>, erklang die Stimme von Perainius, als dieser die Wendeltreppe m\u00fchevoll hinter sich gebracht hatte und nun seinem Ritter laut atmend entgegen stolperte. <em>&#8222;Perainius&#8220;<\/em>, entgegnete Sieghelm knapp, sein Blick wandte sich von seiner blutverschmierten Hand ab, w\u00e4hrend er die darin verklebten Haare des ehemaligen Burgherrn zwischen den Fingern hin und her rieb. <em>&#8222;Ser &#8211; die Bewohner der Burg &#8211; sie &#8230;&#8220;<\/em>, Perainius&#8216; Stimme brach immer wieder ab, da er M\u00fche beim Atmen hatte, denn er war die Wendeltreppe so schnell er konnte heraufgeeilt. <em>&#8222;&#8230; sie sind alle &#8211; auf die Knie gefallen &#8211; was ist passiert. Oh bei der Gebenden G\u00f6ttin &#8211; geht es euch gut, Herr?&#8220; <\/em>Erst jetzt bemerkte Perainius die Unmengen an Blut auf der Gewandung seines Herrn. Im schwachen Schein, des sich hinter einer Wolkendecke versteckenden Madamals, glitzerten mehrere Stellen des Brokats nur. Er vermochte nicht zu erkennen, woher es stammte. W\u00e4hrend Sieghelm seine Rede hielt und der Greif erschien, waren die anderen Ordensmeister inklusive Perainius im Rittersaal geblieben. Sie hatten folglich nicht mitbekommen was geschehen war. Sieghelm nickte nur und ignorierte die Frage des Jungen: <em>&#8222;Der Himmel hat sich aufgetan und Ser Geromar wurde vom Herrn des Lichts selbst abberufen. Ich habe soeben ausgerufen, dass Burg Gryffenstein nun zum Protektorat des Ordens geh\u00f6rt.&#8220; <\/em>Perainius Mund \u00f6ffnete sich, doch nur ein unartikulierter Laut drang heraus. Seine Augen \u00f6ffneten sich und er blieb \u00fcberrascht stehen. <em> <\/em>Perainius zwang sich dazu etwas zu sagen, doch seine Worte krochen nur zaghaft \u00fcber seine Lippen:  &#8222;<em>Der Himmel hat sich aufgetan?&#8220; <\/em>Erneut nickte Sieghelm und fuhr dann fort, doch dieses Mal blickte er seinen Knappen direkt an. Er hob dabei den abgeschlagenen Arm des Paktierers an und deutete mit dessen leblosen Hand auf ihn. <em>&#8222;Wir m\u00fcssen z\u00fcgig weiter und wir brauchen eine Vertrauensperson die hier bis zur Ankunft der Inquisition \u00fcber die Burg wacht &#8211; die Menschen hier haben F\u00fchrung verdient und wir d\u00fcrfen diese wichtige Grenzfeste nicht ins Chaos st\u00fcrzen lassen.&#8220; <\/em>Perainius hob die Hand, legte zwei Finger auf Sieghelms Handgelenk und schob die mahnende und zu jedem Wort zappelte tote Hand vorsichtig von seinem Gesicht weg, w\u00e4hrend er etwas angewidert zu seinem Herrn blickte. <em>&#8222;Ja nat\u00fcrlich, Herr &#8211; ihr habt recht. Doch wir kennen hier &#8230;&#8220;<\/em>, setzte Perainius an, wurde jedoch von Sieghelm j\u00e4h unterbrochen: <em>&#8222;Du wirst uns hier vertreten &#8230; bis die Praioskirche hier ist, um aufzur\u00e4umen.&#8220; <\/em>Dem Knappen rutsche sein Herz, das bis eben noch bis an den Hals schlug, weil er so eilig gerannt war, nun herab bis in den Scho\u00df. W\u00fcrde das Madamal nicht ohnehin schon alles in ein fahles Aschgrau h\u00fcllen, h\u00e4tte man sehen k\u00f6nnen, wie der junge Adelige schlagartig erblich. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden Darpatier stiegen dann die Wendeltreppe hinab zum Rittersaal, wo sich Nehazet, Jane und Bothor weiterhin mit dem Leichnam des Paktierers besch\u00e4ftigt hatten. Unterwegs strich Sieghelm das Blut und die Haare von seiner Hand an den Mauern ab, was jedoch nicht viel brachte, da das Blut inzwischen zu gro\u00dfen Teilen getrocknet war. Den abgeschlagenen Arm \u00fcbergab er an Perainius, denn er diente als Beweis &#8211; da das Paktzeichen darauf deutlich zu erkennen war. Die beiden M\u00e4nner schwiegen w\u00e4hrend des Abstiegs. Sieghelm, weil er in Gedanken schon hinter den Sicheln war, um Galottas Schergen zu trotzen und Perainius, da seine Gedanken diesseits der Sicheln war und er m\u00fchevoll in seinem Ged\u00e4chtnis nach den Lektionen seines Vaters kramte. Herrschaft, Verwaltung, F\u00fchrung &#8211; und das alles von einer strategisch wichtigen Grenzfestung an den schwarzen Landen. Er wusste, dass er diese Nacht kein Auge zutun w\u00fcrde. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es klebte noch Blut an seinen H\u00e4nden, als sich Sieghelm von den Zinnen abwandte. Den abgeschlagenen Arm von Ser Geromar hielt er noch immer am Handgelenk fest, so dass das K\u00f6rperteil des Paktierers schlaff herunter hing. 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