{"id":8202,"date":"2019-03-23T15:00:04","date_gmt":"2019-03-23T14:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8202"},"modified":"2019-03-31T11:56:41","modified_gmt":"2019-03-31T09:56:41","slug":"reise-nach-rommilys-teil-v-dettenhofen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8202","title":{"rendered":"Reise nach Rommilys \u2013 Teil V \u201eDettenhofen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Am n\u00e4chsten Morgen wurde Traviahold bei den ersten Praiosstrahlen durch eine Magd geweckt. Er g\u00f6nnte sich eine ausgiebige Waschung und setzte sich danach mit gepackten Sachen in den Schankraum, um ein kr\u00e4ftigendes Morgenmahl zu sich zu nehmen. Als der Wirt einen zweiten Krug frischer Milch brachte, sprach Traviahold ihn an: <em>&#8222;Werter Herr Ochsenstolz, was darf ich euch f\u00fcr die \u00e4u\u00dferst traviagef\u00e4llige Rast und Verpflegung geben?&#8220;<\/em> Der Wirt des Gasthauses &#8222;Zum stolzen Ochsen&#8220; grinste schief: <em>&#8222;Euer wohlgeboren Ehrw\u00fcrden, im Namen der g\u00fctigen Herrin Travia, eure Anwesenheit ist mir Lohn genug f\u00fcr die Bewirtung.&#8220; &#8222;Nein, nein, nein, ich bestehe darauf euch zu bezahlen!&#8220;<\/em>, erwiderte Traviahold harsch. <em>&#8222;Wenn der Baron davon erf\u00e4hrt&#8230;&#8220; &#8222;&#8230;wird er lernen, dass nicht alle seine S\u00f6hne sind wie er!&#8220;<\/em>, wurde Traviahold nun ungehalten. <em>&#8222;Tut mir leid, ich werde euch keinen Preis nennen&#8220;<\/em>, meinte der Wirt abschlie\u00dfend, bevor er Traviahold zur\u00fcck lie\u00df. Dieser lie\u00df sich seufzend gegen die Wand zur\u00fcckfallen. Es war nicht zu glauben! Nur seines Blutes wegen hat er es soviel einfacher im Leben. Mit jedem Atemzug empfand er es als noch unfairer. Er w\u00fcrde sich daf\u00fcr einsetzen, dass diese Regeln in seinem Kloster und im Orden nicht gelten w\u00fcrden!<\/p>\n<p>Als er fertig gegessen hatte, nahm er seine Sachen in der Hand und verlie\u00df mit einem <em>&#8222;M\u00f6ge Travia euch beh\u00fcten!&#8220;<\/em> das Gasthaus. Die Magd, die seinen Tisch abr\u00e4umte, fand dort f\u00fcnf Silber liegen&#8230; Die T\u00fcr fiel gerade hinter ihm zu, als er fast mit einer Gestalt zusammenstie\u00df. <em>&#8222;Entschuldigt, ich war nicht aufmerksam&#8220;<\/em>, sprach der die, von der Gestalt her, Frau an, ohne ihr Gesicht sehen zu k\u00f6nnen, welches von der tief gezogenen Kapuze verdeckt wurde. <em>&#8222;Ihr m\u00fcsst euch nicht entschuldigen Junge, ich habe genau euch treffen wollen&#8220;<\/em>, erwiderte die Frau. Traviahold kam die Stimme merkw\u00fcrdig bekannt vor. <em>&#8222;Wie komme ich zu dieser Ehre?&#8220; &#8222;Ich h\u00f6rte, du w\u00e4rst in der Stadt und wollte dich nach so langer Zeit wiedersehen mein Junge.&#8220;<\/em> Traviahold war \u00fcberrascht ob des Tonfalls, doch als die Frau leicht den Kopf hob und er endlich ihr Gesicht sehen konnte, schlich sich ein \u00fcberraschtes aber freudiges L\u00e4cheln auf seine Lippen. Er schaute sich vorsichtig um, und als er sich sicher war, dass niemand ihnen Achtung schenkte, nahm er die Frau in eine herzliche Umarmung. <em>&#8222;Mutter! Bei Travia! Aber warum l\u00e4ufst du so verh\u00fcllt herum?&#8220;<\/em>, stie\u00df er deutlich fl\u00fcsternder hervor, als es ihm lieb war. <em>&#8222;Ich wollte die Garde nicht aufscheuchen und dachte mir, dass dir das vielleicht auch ganz lieb ist. Dein Vater ist nicht sehr gut auf dich zu sprechen dieser Tage.&#8220; &#8222;Das dachte ich mir schon, deswegen wollte ich auch alsbald wieder fort aus Dettenhofen.&#8220; &#8222;Wo willst du denn hin? Ich erhielt nur Nachricht, dass du hier eingetroffen w\u00e4rst.&#8220; &#8222;Ich muss nach Rommilys, in einer dringlichen Angelegenheit des Ordens.&#8220; &#8222;Dieser Orden. Er hat Zwist in unsere Familie gebracht. Ich habe dich und Siggi immer sehr geliebt, aber ich verstehe nicht, wie es dazu kommen konnte. Auch meine Schwester wollte mir nichts erz\u00e4hlen. Apropos&#8230;&#8220;<\/em>, ein kurzes Zucken ihrer rechten Hand, ein Klatschen in Traviaholds Gesicht, ein \u00fcberrascht entsetzter Ausdruck in den Augen, <em>&#8222;&#8230;wie konntest du es wagen ohne meine Einwilligung und ohne mein Beisein den Traviabund einzugehen! Wie konntest du das deiner armen Mutter antun!?&#8220; &#8222;Mutter! Nicht so laut! Ich m\u00f6chte dir so gerne alles erkl\u00e4ren! Aber daf\u00fcr ist jetzt keine Zeit!&#8220; &#8222;Oh doch! F\u00fcr seine Mutter hat man immer Zeit! Auch als Ehemann, Ordensprior oder Klosterabt! Aber die G\u00f6tter sind dir hold. Ich muss eh nach Hardmund, wir k\u00f6nnen gemeinsam reiten und du wirst Hardmund nicht verlassen, bis ich mich ausreichend informiert f\u00fchle! Und jetzt los, hol dein Pferd, wir sollten los, bevor mich doch noch jemand erkennt!&#8220; &#8222;Jawohl Mutter!&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Und so ritten in gem\u00fctlichen Tempo beide aus Dettenhofen fort, in Richtung Praios, nach Hardmund. Auf dem Weg entlang des Ufers des Ochsenwassers erz\u00e4hlte Traviahold die Geschichte von Anfang an, unterbrochen nur von wenigen verwunderten Nachfragen seiner Mutter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am n\u00e4chsten Morgen wurde Traviahold bei den ersten Praiosstrahlen durch eine Magd geweckt. 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