{"id":8180,"date":"2019-02-23T10:00:50","date_gmt":"2019-02-23T09:00:50","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8180"},"modified":"2019-02-23T12:21:14","modified_gmt":"2019-02-23T11:21:14","slug":"teil-viii-interludium-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8180","title":{"rendered":"Teil VIII \u2013 Interludium (2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Vidkun<\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7950 \" style=\"border: 5px solid #000000;\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"117\" \/><\/a>\u201eIch erachte die Quelle als unzuverl\u00e4ssig\u201c, <\/em>raunte Vidkun, w\u00e4hrend er in stolzer Haltung seine d\u00fcnnen Arme in die H\u00fcften stemmte. Er war an die zwanzig G\u00f6tterl\u00e4ufe jung, trug einen Wappenrock in den Farben seiner Herrin, einen dunkelblauen Gambeson und einfache Lederteile zum Schutz gegen einfache Hieb- und Stichwaffen. Seine d\u00fcnnen blonden Haare fielen ihm zur H\u00e4lfte ins Gesicht. Auch wenn er noch sehr jung aussah, so konnte ein aufmerksamer Beobachter in seinen dunkelbraunen Augen einen Charakter ausmachen, der viel \u00e4lter und erfahrener war, als der K\u00f6rper, in dem er steckte. Ihm gegen\u00fcber stand eine in einen schwarzen Umhang geh\u00fcllte Gestalt mit einer tief ins Gesicht gezogenen Kapuze. <em>\u201eDu zweifelst an mir?\u201c,<\/em> zischte eine weder weiblich noch m\u00e4nnlich klingende Stimme unter der Kapuze. <em>\u201eNicht an dir, sondern an der Glaubw\u00fcrdigkeit deiner Quelle \u2013 aus welchem Grund sollte uns \u2026\u201c, <\/em>versuchte Vidkun es im beschwichtigenden Tonfall, doch er wurde mit einer abschneidenden Geste der verh\u00fcllten Gestalt unterbrochen <em>\u201e \u2026 weil wir den gleichen Feind haben, Vidkun \u2013 gerade du solltest das am besten wissen.\u201c <\/em>Der Junge wandte sich ab und besah sich den Innenraum des Heuschobers in dem die beiden nun schon einige Momente zusammen standen. Von drau\u00dfen drang heiteres, unbedarftes Lachen durch die Spalten der Bretter. Viel Zeit blieb ihm nicht mehr. Er drehte sich wieder zu der verh\u00fcllten Gestalt. <em>\u201eNun gut, nehmen wir einmal an, dass die Quelle uns nicht hereinlegen will \u2013 so wie sie es schon immer getan hat \u2013 dann hie\u00dfe das, dass ich allein etwas gegen ihren gefallenen Anker ausrichten kann. Denn ihre Streiterin befindet sich zur Zeit am Hofe in Gareth und ich trage Iribaars Spiegel.\u201c \u201eGanz genau\u201c, b<\/em>est\u00e4tigte die Kutte zischend.<em> \u201eSag es mir noch einmal: Warum in Amazeroths Namen soll ich diesen Haufen unbedeutender Wesen retten?\u201c <\/em>Vidkun glaubte so etwas \u00e4hnliches wie ein schweres Atmen aus dem Innern der dunklen Kutte h\u00f6ren zu k\u00f6nnen. <em>\u201eDie Quelle verriet uns, dass dort in zwei Tagen ein junger Studiosus dem Buch \u201aJenseits der Sph\u00e4ren\u2018 eine Information entlocken wird, welche f\u00fcr den Orden sehr wichtig sein wird. Ohne diese Information, werden sie noch viele weitere Jahre im Dunkeln umherirren.\u201c <\/em>Vidkun prustete ver\u00e4chtlich. <em>\u201eSie sind uns wirklich noch so weit hinterher\u2026\u201c, <\/em>sprach er und schweifte damit etwas vom Thema ab, als er daran dachte, wie wenig der Orden wusste und wie engstirnig sich dieser Schutzorden bisher in seinen Augen verhalten hatte. F\u00fcr ihn hatten die Bewohner der 3. Sph\u00e4re in der langen Zeit, in der ihr gemeinsamer Feind bekannt war, schlichtweg zu wenig erreicht. Der Orden war seines Erachtens der erste Versuch mit Aussicht, etwas Konstruktives zu werden. Wenn sie doch nur jemanden mit mehr Verstand als Muskelmasse an die Spitze gew\u00e4hlt h\u00e4tten. Vidkun dachte f\u00fcr einen kurzen Moment dar\u00fcber nach, ob es vielleicht auch nur ein windiger Zug war, den lenkbaren Ritter zum Oberhaupt zu machen, w\u00e4hrend die klugen K\u00f6pfe aus dem Hintergrund agierten und sich damit selbst nicht zur Zielscheibe machten. Besa\u00dfen die Bewohner dieser Sph\u00e4re etwa doch mehr Verstand als er ihnen zutraute? Die Kutte nickte nach Vidkuns Aussage. Der junge Knecht setze seinen Gedankengang fort: <em>\u201eJetzt m\u00fcssen wir also schon \u2013 wie sagt man hier \u2013 Amme f\u00fcr sie spielen und ihnen dabei helfen, zu Erkenntnissen zu gelangen, zu denen sie schon vor Jahren selbst h\u00e4tten kommen sollen?\u201c <\/em>Von drau\u00dfen erklang ein Ruf, so als w\u00fcrde jemand gesucht werden. Die verh\u00fcllte Gestalt und Vidkun blickten kurz zur Seitent\u00fcr des Schobers. <em>\u201eMach dir keine Sorgen, ich habe daf\u00fcr gesorgt, dass er tief und fest schl\u00e4ft.\u201c <\/em>Vidkun deutete auf eine der Pferdeboxen in denen im Schatten ein junger Mann lag, der genauso aussah wie er. Ein Pferdeknecht der Greifenfurter Ritterin. Vidkun stutzte pl\u00f6tzlich. <em>\u201eSagtest du in zwei Tagen? Ich h\u00f6rte wie die Ritterin sagte, dass sie erst in drei Tagen an Burg Friedstein ankommen w\u00fcrden.\u201c<\/em> Die Kutte nickte wieder. <em>\u201eDann bleibt mir wohl keine Zeit. \u00c4ndern wir unseren Plan ab. Ich werde mich mit Iribaars Spiegel der Limbusverschlingerin stellen und den Studiosus retten.\u201c <\/em>Die Kutte nickte wieder und sprach dann zischend: <em>\u201eDu wirst wohl deine Tarnung vor Ort aufgeben m\u00fcssen. Die Schutzritter werden es nicht verstehen.\u201c <\/em>Vidkar musste grinsen, als ihm ein Gedanke durch den Kopf schoss. <em>\u201eHa, meinst du sie w\u00fcrden mir glauben, wenn ich Ihnen sagen w\u00fcrde, dass unsere Quelle ihre G\u00f6ttin Hesinde ist, welche uns diese Informationen zukommen lie\u00df und uns dazu brachte ihnen zu helfen? So engstirnig wie sie sind, w\u00fcrden sie es nicht verstehen.\u201c <\/em>Wieder erklang der Ruf, doch dieses Mal fordernder. <em>\u201eIch werde mir etwas \u00fcberlegen, wie ich vor Ihnen in schon zwei Tagen an Burg Friedstein sein kann, ohne dass es auff\u00e4llt. Wir sehen uns, wenn das alles hier vorbei ist.\u201c \u201eDer Pr\u00e4chtige wird dich mit Wissen segnen\u201c,<\/em> zischte die androgyne Gestalt unter der Kutte und l\u00f6ste sich dann in einen verwehenden schwarzen Nebel auf. Vidkun, der in Gestalt des Knappen war, blieb alleine zur\u00fcck. Er \u00e4nderte seine Haltung, ging nun etwas geb\u00fcckter mit zusammengekr\u00fcmmten Schultern. Viel weniger stolz und selbstsicher, sondern so wie es sich f\u00fcr einen jungen Pferdeknecht geh\u00f6rte: unterw\u00fcrfig. <em>\u201eHey ja, ich komme, Lady Brangane!\u201c,<\/em> rief er laut, im unsicheren Tonfall, durch die Bretter des Schobers. Vidkun hatte bereits einen Plan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vidkun \u201eIch erachte die Quelle als unzuverl\u00e4ssig\u201c, raunte Vidkun, w\u00e4hrend er in stolzer Haltung seine d\u00fcnnen Arme in die H\u00fcften stemmte. Er war an die zwanzig G\u00f6tterl\u00e4ufe jung, trug einen Wappenrock in den Farben seiner Herrin, einen dunkelblauen Gambeson und einfache Lederteile zum Schutz gegen einfache Hieb- und Stichwaffen. 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