{"id":8162,"date":"2019-02-02T11:56:46","date_gmt":"2019-02-02T10:56:46","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8162"},"modified":"2019-02-02T12:13:17","modified_gmt":"2019-02-02T11:13:17","slug":"teil-vii-maertyrer-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/teil-vii-maertyrer-2\/","title":{"rendered":"Teil VII &#8211; M\u00e4rtyrer (2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Im Innern<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7950\" style=\"border: 5px solid #000000;\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"117\" \/><\/a>Sir Gneisor besah sich den K\u00f6rper des jungen Studiosus genau. Sein Erscheinungsbild hatte sich drastisch ver\u00e4ndert. Seine rosafarbene Haut, die ihn stets jugendlich hat wirken lassen, war einem blassen Teint gewichen, der von dunklen Adern durchzogen war, welche sich sowohl in den Unterarmen als auch am Hals vom Rest der Haut absetzten, wie Steineichenbalken in einem gekalktem andergastischen Fachwerkhaus. Die hellblauen und neugierigen Augen des Abk\u00f6mmlings des Hauses Tarnel waren ebenfalls dunkel geworden, wie Obsidian, umgeben von einem elfenbeinfarbenden Bett, starrten sie stoisch am Ritter vorbei. Die Gesichtsz\u00fcge des Jungen schienen im Moment der Gleichg\u00fcltigkeit erstarrt. Keine Neugier, keine Furcht, kein Schalk und kein jugendhaftes Feuer war mehr im blassen Gesicht zu sehen. Auf dem linken Unterarm des Jungen lag ein aufgeklappter dicker Foliant. Sir Gneisor konnte aufgrund der Lage des Foliants nicht erkennen, um welches Buch es sich handelte.<\/p>\n<p><em>\u201eHalrik?!\u201c<\/em> testete Sir Gneisor mit Vorsicht, aber dennoch fester Stimme an. In der Erwartung eine unwillkommene Reaktion herauf zu beschw\u00f6ren, umklammerte er das Heft seines Anderthalbh\u00e4nders noch fester. Augenblicklich drehten sich die obsidianfarbenden gro\u00dfen Augen des Jungen zum Ritter. <em>\u201eSir Gneisor.\u201c<\/em> Es lag kein Ausdruck in der unver\u00e4ndert klingenden Stimme. Der Ritter wusste nicht, sollte es seine Frage, eine Feststellung oder gar ein Hilferuf sein. Hinter Gneisor positionierte sich Ingmar, der Knappe des Ritters. Auch er machte sich f\u00fcr einen Kampf bereit. \u201e<em>Halrik, bist du es?\u201c<\/em> versuchte es Gneisor erneut, legte jedoch dieses Mal mehr Sanftmut in seine Stimme, so als w\u00fcrde er zu seinem Sohn sprechen. <em>\u201eJa. Ich bin es\u201c,<\/em> entgegnete dieser knapp, ohne auch nur einen Hauch von Mimik zu zeigen. <em>\u201eWir werden noch immer angegriffen und m\u00fcssen hier raus. Hast du einen Weg gefunden?\u201c <\/em>Der Ritter entschied sich, die unwichtigen Teile zu \u00fcberspringen und gleich zur Sache zu kommen. Wom\u00f6glich gelang es ihm auf diese Weise zu Halrik durchzudringen. Die Lider des Jungen klapperten mehrmals, als w\u00fcrde er aus einem Tagtraum erwachen. Erschrockene, fast schon \u00e4ngstliche Mimik flog \u00fcber sein Gesicht. <em>\u201eJa, ja \u2026 es gibt einen Weg. Friedstein wurde in den Vortex gerissen. So beginnt alles.\u201c<\/em> <em>\u201eWie k\u00f6nnen wir es r\u00fcckg\u00e4ngig machen?\u201c<\/em> Gneisor lockerte sich etwas, anscheinend war noch genug von Halriks Geist in dem von Dunkelheit durchsetzten K\u00f6rper. Er fragte sich kurz, ob Halrik wusste, wie er aussah und was mit ihm geschehen war. Doch dann erinnerte er sich an seine eigene Kriegerausbildung. Meist wurden Verletzungen im Rausch des Kampfes einem erst dann bewusst, wenn man darauf hingewiesen wurde. Das Gleiche k\u00f6nnte auch mit Halrik geschehen. Und dieses Risiko konnte und wollte er jetzt nicht eingehen. <em>\u201eHier im Vortex, sind die G\u00f6tter abwesend \u2013 sie alle. Sie haben keine Macht \u00fcber diesen Ort, denn sie sind es, die unsere Welt beschneiden und uns die Macht nehmen. Hier \u2026 ist die Magie noch frei, denn ALLES ist Magie. Materie, Zeit, Leben \u2026 einfach alles \u2026 und man kann sie lenken. JEDER kann sie lenken.\u201c<\/em> Begeisterung flammte in Halriks dunklen obsidianfarbenden Augen auf, wie ein Kind, dass voller Stolz von seinem ersten Ritt auf einem Steckenpferd berichtet. \u00a0<em>\u201eDoch wie hilft uns das, Halrik?\u201c<\/em>\u00a0 unterbricht Sir Gneisor die Euphorie des Jungen. Die Gesichtsz\u00fcge des blassen Halriks erh\u00e4rten wieder. <em>\u201eMit \u2026 Wortzauberei \u2026 wenn man die Worte richtig ausspricht, SIND sie Magie. Ich vermag Burg Friedstein wieder aus dem Vortex nach Dere zur\u00fcckholen.\u201c<\/em> Gneisor glaubte Entt\u00e4uschung im letzten Satz des Studiosus zu h\u00f6ren. Der Marschall erkannte: Halriks Geist begann zu korrumpieren. Er musste jetzt an seinen gesunden Menschenverstand und seiner tief innewohnenden G\u00fcte appellieren. <em>\u201eDann rette uns alle, alle die die dir wichtig und teuer sind, und hilf uns, Burg Friedstein und seine Bewohner zu retten!\u201c<\/em> <em>\u201eJa\u201c,<\/em> hauchte Halrik knapp, und dieses Mal war seine Entt\u00e4uschung stark zu sp\u00fcren, sogar so stark, dass Ingmar es bemerkte. Gneisor h\u00f6rte, wie sich sein Knappe noch immer nicht gelockert hatte und noch weiter bereit war anzugreifen. <em>\u201eAlso gut, was musst \u2026 was m\u00fcssen WIR tun, Halrik?\u201c <\/em>Halrik sah nach oben, als k\u00f6nnte er durch die dicken Mauern der Festung hindurchblicken. Vielleicht konnte er es sogar? <em>\u201eSara\u2019kiin selbst ist der Anker der die Festung hier im Vortex h\u00e4lt \u2013 wir m\u00fcssen sie ausschalten. Dann kann ich uns zur\u00fcck nach Dere bringen.\u201c \u201eDann gehen wir es an, auch wenn uns die G\u00f6tter hier nicht beistehen k\u00f6nnen, so k\u00f6nnen wir trotzdem f\u00fcr sie streiten.\u201c <\/em>Die pathetischen Worte des Ritters lie\u00dfen Halrik kurz zusammenzucken. Dann machten sich die drei auf, den Burgfried zu verlassen. Von drau\u00dfen drang noch immer leichter Kampfl\u00e4rm, es war also noch nicht vorbei und noch hatte keine Seite gewonnen. Solange es also Menschen gab, die bereit waren ihr Leben geben und ein Schwert zu f\u00fchren, gab es noch Hoffnung, dachte Gneisor.<\/p>\n<p>Der Marschall, sein Knappe und der Studiosus eilten durch die dunklen Flure des Frieds. Die T\u00fcr zum Burghof war offen, im Eingang lag ein Infanterist, sein rechter Arm war ausgerissen und eine dicke Blutlache hatte sich \u00fcber die Steine ergossen. Die Augen des Mannes waren weit aufgerissen, im Moment seines Todes hatte er wohl mit ansehen m\u00fcssen, wie ihm sein Arm ausgerissen wurde. Die drei dr\u00fcckten sich am schmalen Eingang an der Leiche des Mannes vorbei nach drau\u00dfen. Sie hielten alle sofort an, der L\u00e4rm des Kampfes war hier viel deutlicher zu h\u00f6ren, als im Innern. Instinktiv stellten sich der Ritter und sein Knappe Kampfbereit um den Studiosus auf. <em>\u201eDort!\u201c<\/em> rief Halrik und deutete in die Luft. In der Mitte des Burghofs schwebte in zehn Schritt H\u00f6he eine abscheuliche Gestalt, geh\u00fcllt in schwarzwei\u00dfe Stoffe und einem metallenen Helm mit sich nach oben hin verj\u00fcngenden Spitzen. Ein blau waberndes Leuchten ging von ihrer Hand aus und hielt die nur wenige Meter von ihr entfernte Ritterin Brangane in einem festen magischen Griff. Die Luft zwischen ihnen vibrierte, so dass alles miteinander verschwamm. <em>\u201eDas ist Sara\u2019kiin\u201c,<\/em> sagte Halrik fast schon ehrf\u00fcrchtig, und im gleichen Moment traf sie ein Pfeil von der Seite. Das blaue Band erlosch ruckartig und der K\u00f6rper von Brangane fiel wie ein nasser Sack zu Boden. <em>\u201eNein!\u201c<\/em> br\u00fcllte Gneisor, der sofort seine Kampfposition aufgab und auf sie zueilte noch ehe sie den Boden ber\u00fchrte. Ingmar blickte kurz zwischen Halrik und seinem davoneilenden Ritter hin und her, um dann treu hinter seinem Herrn her zu rennen und Halrik alleine stehen zu lassen. Ein t\u00f6dliches Scheppern klapperte \u00fcber den Burghof, als der K\u00f6rper von Brangane samt ihrer R\u00fcstung auf dem Boden aufkam.<\/p>\n<p>Halrik beleckte mit seiner schwarze Zunge seinen Zeigefinger und bl\u00e4tterte in aller Ruhe eine Seite in dem Folianten um. Sein Blick huschte \u00fcber die Zeilen und dann sprach er: <em>\u201eSn\u00e1mhphointe.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Innern Sir Gneisor besah sich den K\u00f6rper des jungen Studiosus genau. Sein Erscheinungsbild hatte sich drastisch ver\u00e4ndert. 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