{"id":8151,"date":"2019-01-26T14:41:31","date_gmt":"2019-01-26T13:41:31","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8151"},"modified":"2019-01-26T14:56:16","modified_gmt":"2019-01-26T13:56:16","slug":"teil-vii-maertyrer-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8151","title":{"rendered":"Teil VII &#8211; M\u00e4rtyrer (1)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Auf den W\u00e4llen \u2013 Gustav<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7950\" style=\"border: 5px solid #000000;\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"117\" \/><\/a>Der Kampfl\u00e4rm, die verzweifelten Schreie und das aus einer anderen Welt stammende Gekr\u00e4chze der Jenseitigen war weniger geworden. Aus irgendeinem Grund, den Gustav nicht verstand, r\u00fcckten keine Wesen mehr heran. Er und seine verbliebenen, \u00fcberall auf der Festung verstreuten, M\u00e4nner und Frauen hatten nur noch mit wenigen Gegner zu tun. Die grauen Steine der Festungsanlage waren inzwischen blutgetr\u00e4nkt. Teils lagen einzelne K\u00f6rperteile herum, welche von den Abscheulichkeiten kurz zuvor abgerissen und wie kaputtes Tongeschirr weggeworfen wurden. Die kleine Festung Friedstein war Schauplatz eines Massakers geworden.<\/p>\n<p>Gustav, ein junger Infanterist mit dem Namen Tarnelius und eine Bogensch\u00fctzin mit dem klangvollen Namen Elfa standen im Innern eines Wehrturms zusammen. Tarnelius, den alle nur \u201aTarn\u2018 nannten und Elfa hatten Gustav aus der unmittelbaren Gefahrensituation gerettet. Sein Fu\u00df, der noch immer stark blutete und nur noch ein matschiger Stumpf war, hinderte ihn daran aktiv in das Kampfgeschehen einzugreifen. So sa\u00df Gustav mit den R\u00fccken an die Mauer gelehnt und mit seinem vor schwarzem Saft triefenden Schwert in der Hand zwischen den beiden. Um sie herum lagen die Leichen von f\u00fcnf jenseitigen Bestien, welche die drei \u2013 oder vielmehr die zwei \u2013 gemeinsam erledigt hatten. Die Idee, sich in die Enge des Wehrturms zur\u00fcckzuziehen, kam von Gustav, denn so vermochten sie es aufgrund der dicken Mauern und der beengten Verh\u00e4ltnisse sich taktisch gut aufzustellen, dass sie es immer nur mit einem der Wesen gleichzeitig aufnehmen mussten. <em>\u201eIch habe nur noch zwei Pfeile im K\u00f6cher\u201c,<\/em> brach Elfa das Schweigen mit einem Blick in ihren K\u00f6cher, der an ihrer H\u00fcfte befestigt war. Der Wohklang in ihrer melodischen Stimme wirkte unreal in Anbetracht ihrer momentanen Gefahrensituation. <em>\u201eIch habe vor der T\u00fcr dort einen vollen K\u00f6cher gesehen\u201c,<\/em> antwortete Tarn mit gegens\u00e4tzlich rauer Stimme. Er vermied es darauf hinzuweisen, dass der volle K\u00f6cher zu einem zerfetzten K\u00f6rper eines Freundes geh\u00f6rt, der dort vor wenigen Augenblicken zu Boron gegangen war. Gustav besah sich seinen blutigen Fu\u00df, es war unm\u00f6glich damit zu laufen, doch hier zu bleiben war auch keine Option. Auch wenn sie sie hier vorerst sicher waren \u2013 doch drau\u00dfen waren noch die anderen und es war ihre Aufgabe sie zu besch\u00fctzen. <em>\u201eDann gehen wir jetzt da raus. Elfa, reich mir den Besen dort.\u201c<\/em> Die Bogensch\u00fctzin griff nach dem Besen und gab ihn, ohne die T\u00fcr aus den Augen zu lassen, an Gustav weiter. Er winkelte das heile Bein an und brach ihn \u00fcber das Knie \u2013 so dass er k\u00fcrzer wurde. \u201eTarn, hilf mir hoch.\u201c Der Infanterist griff Gustav unter den Arm und hievte ihn hoch, Gustav klemmte sich die Borsten des Besens unter die linke Schulter und st\u00fctzte sich auf den gek\u00fcrzten Besenstiel auf. \u00dcber sein Gesicht fuhr dabei mehrmals ein sichtbarer Schmerz. Es kostete ihm nicht nur viel M\u00fche und schmerzte, sondern schr\u00e4nkte ihn auch sehr in seiner Bewegungsf\u00e4higkeit ein. <em>\u201eWird es \u2026\u201c,<\/em> begann Tarn zu fragen. <em>\u201eEs muss gehen\u201c,<\/em> brachte Gustav zwischen zusammengebissenen Z\u00e4hnen schmerzverzerrt hervor. <em>\u201eUnd jetzt los, erst zum K\u00f6cher \u2013 und dann nach den anderen sehen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Tarn f\u00fchrte den kleinen Trupp an, seinen Schild sch\u00fctzend voran. Gleich darauf folgt Elfa, die geschmeidig im Seitschritt hinter dem kr\u00e4ftigen Infanteristen hinterher glitt und dabei die ganze Zeit einen Pfeil auf der Sehne behielt. Gustav bildete die Nachhut. Sie kamen nach drau\u00dfen, gleich wurde der Kampfl\u00e4rm wieder lauter. Sie stiegen dabei \u00fcber die blutigen \u00dcberreste eines Bogensch\u00fctzen. Elfa zog in einer fl\u00fcssigen Bewegung mehrere Pfeile aus den K\u00f6cher und schob sie in den ihrigen. Da h\u00f6rten alle drei ein zischendes Kreischen in ihrer direkten N\u00e4he. Gustav blickte instinktiv hoch, auf den Zinnen des Wehrturms, direkt \u00fcber Ihnen, lauerte eine sprungbereite Abscheulichkeit. \u201eVerfluchte Schei\u00dfe!\u201c, fluchte er lautstark, denn das letzte war er sah war, dass das Wesen auf ihn herabst\u00fcrzte und es dunkel wurde. Gustav bekam einen heftigen Schlag gegen den Kopf und sank benommen zu Boden. Er h\u00f6rte noch dumpf, wie Tarn Kommandos rief. Auch die angenehme Stimme von Elfa vernahm er, doch ihm selbst war schwindelig vor Schmerzen. Als er wenige Augenblicke sp\u00e4ter wieder zu sich kam, sah er, wie Tarn und Elfa auf der Festungsbr\u00fcstung gegen die Abscheulichkeit k\u00e4mpften. Die Bogensch\u00fctzin hockte zwischen zwei Zinnen auf der Mauer und lie\u00df gerade einen Pfeil von der Sehne, w\u00e4hrend Tarn mit Schwert und Schild sich gegen das Biest erwehrte. Ein Pfeil steckte schon im Rumpf \u2013 lange konnte Gustav nicht weggetreten gewesen sein. Er war fest entschlossen zu helfen, mit der Hand tastete er nach dem Besenstiel. Phex sei Dank fand er ihn auch. Mit aller verbliebenden Kraft hievte er sich an der Au\u00dfenmauer und mit Hilfe des Steckens empor. Wieder durchfuhr ihn ein zuckender Schmerz als er instinktiv versuchte seinen zerst\u00f6rten Fu\u00df zu belasten. Elfas Finger fuhren von der Sehne, der Pfeil surrte durch die Luft und traf das Biest zwischen zwei Panzerplatten und verschwand fast g\u00e4nzlich darin. Die Abscheulichkeit kreischte, Tarn trennte mit einem schwungvollen Hieb einen der Fangarme ab, schwarzer Saft drang aus der Wunde und tr\u00e4nkte seinen Wappenrock und das Vieh kam zum Erliegen, ehe Gustav herankam.<\/p>\n<p><em>\u201eGut gemacht. Wir m\u00fcssen \u2026\u201c,<\/em> begann Gustav, doch dann sah er, wie sowohl Tarn als auch Elfa erschrocken ins Zentrum der Festungsanlage blickten. Dort, in der Mitte von Burg Friedstein, schwebte in zehn Schritt H\u00f6he, einer schlanke Gestalt, geh\u00fcllt in schwarzwei\u00dfe Kleider. Der Stoff, so es denn Stoff war, wallte ebenfalls schwebend in der Luft an ihr herab. Der Kopf steckte in einem schwarzen, helmartigen Gebilde mit sich nach oben hin verj\u00fcngenden Zacken. \u00a0In der rechten Hand hielt das Wesen einen gewundenen Stab, w\u00e4hrend die linke Hand wie eine Klaue geformt war. Ein hellblau flimmerndes Zauberband ging von der Krallen aus und waberte zu einer anderen Person her\u00fcber, welche ebenfalls schwebte. Dort, in der Luft fixiert, war Brangane. Ihre Arme und Beine lagen an ihrem K\u00f6rper und wirkten wie dort festgebunden, dennoch hielt sie ihren Anderhalbh\u00e4nder noch immer fest. Das bl\u00e4ulich gl\u00fchende Band bildete um Brangane herum so etwas wie eine feste Fessel, die sie umschlungen hatte. <em>\u201eWas bei allen G\u00f6ttern \u2026\u201c, <\/em>entfuhr es Tarn. <em>\u201eElfa, denkst du, du kannst das Wesen dort von hier aus treffen?\u201c<\/em> \u00a0<em>\u201eJa, mit Sicherheit\u201c, <\/em>entgegnete sie Gustav selbstsicher. <em>\u201eDann nimm sie unter Beschuss. Tarn \u2013 sei ihr Schild und achte darauf, dass sich ihr keines dieser Mistviecher auflauert. Wir m\u00fcssen Brangane helfen.\u201c <\/em>Tarnelius positionierte sich neu, Elfa legte einen Pfeil auf die Sehne und begann zu zielen. Gustav war dazu verdammt Zaungast zu sein und zuzusehen. Er versuchte Branganes Situation besser einzusch\u00e4tzen und kniff die Augen etwas zusammen. Zu seinem Erschrecken sah er, dass sich die Ritterin nicht nur im Zaubergriff des Wesens befand, sondern auch kleine schwarze Pusteln und Tentakel auf ihr befanden, die Zauberweberin begann wohl ihren K\u00f6rper zu deformieren.<\/p>\n<p>Der Pfeil surrte von Elfas Bogensehne und traf wie von Firun h\u00f6chst selbst gelenkt im unteren R\u00fccken von Sara\u2019kiin ein. Fast schon unerwartet, erlosch das bl\u00e4ulich gl\u00fchende Zauberband, woraufhin Brangane wie von einem Seil losgeschnitten zu Boden fiel. Daran hatte Gustav nicht gedacht, zehn Schritt sauste die ger\u00fcstete Ritterin in die Tiefe. Eine gef\u00fchlte Ewigkeit verstrich, als die drei sahen wie die an die 100 Stein wiegende Frau inklusive R\u00fcstungsteilen t\u00f6dlich fiel. Es schepperte Laut als sie auf dem Boden aufschlug. Kettenteile barsten, Nieten sprangen und Plattenpanzer verkeilten sich. Gustav stockte der Atem. Es musste schon an ein Wunder grenzen, dass Lady Brangane diesen Sturz \u00fcberlebte. Doch es blieb keine Zeit daran zu denken, denn Sara\u2019kiin wandte sich, als w\u00fcrde sie sich zu einer l\u00e4stigen Fliege herumdrehen, den dreien zu. Elfa, die entweder feist oder toll war, hatte jedoch schon den n\u00e4chsten Pfeil von der Sehne gelassen. Doch dieses Mal prallte er lautlos von einer unsichtbaren Zauberkugel ab, die Sara\u2019kiin umbarg. \u00a0<em>\u201eWir haben seine volle Aufmerksamkeit\u201c,<\/em> t\u00f6nte Elfa mit glockenheller Stimme, der jetzt auch noch der Schalk im Nacken stand. Sara\u2019kiin streckte den dreien ihren Stab zu, ein blaues Pulsieren ging von dem Stab aus und dann gebar dieser eine dunkelblaue Kugel der Macht, welche auf die drei zuflog. Das Folgende geschah alles binnen eines einzigen Lidschlags. Gustav dr\u00fcckte sich gegen die Mauer des Wehrturms, Tarn sprang in die andere Richtung zur Seite und Elfa machte einen Satz nach hinten und lie\u00df sich hinter die Zinnen fallen. Die blaue Kugel der Macht traf die Burgzinnen und l\u00f6ste eine verheerende Sprengung aus. Mehrere Steine zerplatzten und schossen als kleine Geschosse in alle Richtungen. Gustav wurde von mehreren kleinen St\u00fccken getroffen, eine Flut aus kleinen Steinen spickte und traktierte ihn an allen Stellen seines K\u00f6rpers. Der Schmerz, den die unz\u00e4hligen Treffer verursachten, als sie seine R\u00fcstung und sein Fleisch durchschnitten, war unbeschreiblich hell und pr\u00e4sent. Warmes Blut sickerte \u00fcber seine Augen, er blinzelte. Er sah noch, wie ein gro\u00dfes St\u00fcck der Festungsmauer herausgesprengt war. Elfa, die sich hinter die Zinnen hat fallen lassen, musste herabgest\u00fcrzt und unten ihr Ende gefunden haben \u2013 Tarnelius lag auf dem R\u00fccken und regte sich nicht. Der allumfassende Schmerz raubte ihm die verbliebene Kraft. Er sackte auf die Knie und fiel ungebremst vorn\u00fcber auf die Splitter der Festungsmauer. Den dabei verursachten Schmerz sp\u00fcrte er schon gar nicht mehr, denn er hatte die Augen geschlossen und sich der nahenden Umarmung Borons hingegeben. Sein letzter Gedanke galt Thalionmel, das l\u00f6wengesichtige Zedernholzamulett um seinen Hals lag direkt unter seiner blutigen Wange. Es war das letzte, was Gustav Biberbart sp\u00fcrte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den W\u00e4llen \u2013 Gustav Der Kampfl\u00e4rm, die verzweifelten Schreie und das aus einer anderen Welt stammende Gekr\u00e4chze der Jenseitigen war weniger geworden. 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