{"id":8149,"date":"2019-01-26T14:37:21","date_gmt":"2019-01-26T13:37:21","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8149"},"modified":"2019-01-26T14:37:21","modified_gmt":"2019-01-26T13:37:21","slug":"reise-nach-rommilys-teil-iv-die-hard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8149","title":{"rendered":"Reise nach Rommilys \u2013 Teil IV \u201eDie Hard\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Nacht in Hardfurten verlief ruhig, Traviahold ist dort immerhin ein bekanntes Gesicht, aber nicht von der Bedeutung wie in Kohlh\u00fctten oder Hochstieg. Am n\u00e4chsten Morgen reiste er in gro\u00dfer Aufregung ab. Seit seiner Reise zu den Sennen der Rondrakirche war dies das erste Mal, dass er die Komturei Hochstieg verlie\u00df und sich in die unsicheren Gefilde der Baronie Dettenhofen begab. Einerseits konnte er sich beim Namenlosen nicht vorstellen, dass sein Vater oder sein \u00e4ltester Bruder etwas gegen ihn unternehmen w\u00fcrden, er war immerhin ein inzwischen hochangesehendes Mitglied der \u00f6rtlichen Traviakirche, nichtsdestotrotz wollte er die Baronie schnellstm\u00f6glich durchqueren, da ihm nicht nach einer Begegnung mit Vater und Bruder zu Mute war. Und doch legte sich ein Schmerz um sein Herz, da es ihm danach verlangte, seine geliebte Mutter Gwynna wiederzusehen. Die intriganten Erz\u00e4hlungen von seiner Schwiegermutter Lady Wulfgrid, der Schwester seiner Mutter &#8211; also seiner Tante, lie\u00dfen nichts Gutes bez\u00fcglich des Gem\u00fctsbefindens seiner Mutter erahnen. Aber Lady Wulfgrid konnte seinen Vater noch nie leiden, wie ihm seine Erinnerung meinen lie\u00df.<\/p>\n<p>Den Vormittag folgte Traviahold der Hard flussabw\u00e4rts bis nach Hardfelden, einem kleinen Dorfe, in dem sich die Wege aus Hochstieg und dem Wolfskopfkloster vereinen. Er sa\u00df gem\u00fctlich an einem Tisch vor der kleinen Taverne und genoss die Sonne, als ein <em>&#8222;Traviahold?&#8220;<\/em> ihn aus seinen Gedanken riss. Er \u00f6ffnete die Augen und schaute sich um. Lange musste er nicht suchen, denn eine Geweihte der Herrin Travia kam mit gro\u00dfen Augen und Schritten auf ihn zu. Traviahold musste kurz \u00fcberlegen, bis er seine Gegen\u00fcber erkannte. <em>&#8222;Sieglinde!&#8220;<\/em>, rief er aus, <em>&#8222;Wie sch\u00f6n dich wiederzusehen!&#8220;<\/em> Er stand auf und beide Geweihte umarmten sich, bevor sie sich wieder setzten. <em>&#8222;Was machst du denn hier? Man h\u00f6rt ja so allerlei Ger\u00fcchte \u00fcber dich in der Mark!&#8220;<\/em> Die \u00dcberraschung stand Traviahold ins Gesicht geschrieben. <em>&#8222;Ger\u00fcchte? \u00dcber mich? Was denn f\u00fcr Ger\u00fcchte?&#8220;<\/em> <em>&#8222;Vermutlich stimmen die meisten wie \u00fcblich nicht, aber es hei\u00dft, du h\u00e4ttest einen D\u00e4mon erschlagen, bist in den Traviabund eingetreten, hast einen au\u00dferkirchlichen Orden gegr\u00fcndet und stehst einem Tempel vor.&#8220;<\/em> <em>&#8222;Kloster.&#8220; &#8222;Wiebitte?&#8220; &#8222;Ich bin Prior eines Klosters&#8220;<\/em>, lacht Traviahold. <em>&#8222;Und es ist erschreckend, dass die Ger\u00fcchte allesamt wahr sind, also zumindest war ich bei all dem dabei.&#8220;<\/em> Sieglinde schaut ihn mit aufgerissenen Augen und offenem Mund an. <em>&#8222;Jetzt schau nicht so, ich selber liege so manche Nacht wach und warte darauf, dass ich aus dem Traum erwache und wieder als einfacher Geweihter in unserer Klosterkammer erwache. Aber bisher geht dieser Traum Tag f\u00fcr Tag weiter.&#8220; &#8222;Dann hast du die Gnade der zweiten Weihe erfahren?&#8220; &#8222;An dem Tag meines Traviabundes vom Praetoren-Paar Trondbald und Helfwiege.&#8220; &#8222;Ich kenne die beiden, habe sie aber seit einiger Zeit nicht mehr in Rommilys gesehen.&#8220;<\/em> <em>&#8222;Nun, wenn du sie wiedersehen willst, musst du in mein Kloster bei Hochstieg kommen, sie sind ihm beigetreten.&#8220; &#8222;Bei den G\u00f6ttern! Du musst sie ja m\u00e4chtig beeindruckt haben!&#8220; &#8222;Ich wei\u00df ehrlich nicht, ob wirklich ich der Grund war. Ach, es war eine ereignisreiche Zeit, es f\u00e4llt schwer, das alles zu erkl\u00e4ren. Aber ich bin gl\u00fccklich derzeit.&#8220;<\/em> <em>&#8222;Bei der gro\u00dfen Mutter, dass ist doch das wichtigste! Aber schade, dass du pl\u00f6tzlich schon im Traviabund stehst&#8220;<\/em>, meint Sieglinde mit leicht verzerrtem Grinsen. Traviahold schaut skeptisch. <em>&#8222;Darpatia, meine Frau, ist eine gute Frau. Mir pers\u00f6nlich etwas zu sehr Rondra zugeneigt, aber was soll ich von einer Feuerlilie erwarten!? Allerdings steckt hinter dem Bund auch sehr viel Politik, so ehrlich kann ich sein. Aber sie schenkt mir bald ein Kind, wie viel besser kann die Gro\u00dfe Mutter zeigen, dass sie einverstanden ist?&#8220;<\/em> <em>&#8222;Du wirst Vater? Gl\u00fcckwunsch! Aber dann wird es wohl endg\u00fcltig nichts mit uns als Hohes Ehepaar?&#8220;<\/em> Traviahold lacht laut auf, doch bricht er pl\u00f6tzlich ab. <em>&#8222;Du meinst das ernst?&#8220;<\/em> Sieglinde zuckt mit den Schultern. <em>&#8222;Es gab da mal eine junge Novizin, die in stillen Momenten \u00fcber eine solche Zukunft sinnierte, statt ihren Studien nachzugehen&#8220;<\/em>, antwortet Sieglinde leise mit sich r\u00f6tenden Wangen. <em>&#8222;Ich ahnte ja nichts! Warum&#8230; Also, du h\u00e4ttest doch mal was sagen k\u00f6nnen!&#8220; &#8222;Haha! Ich? Was mehr, als Freundschaft, konnte ich, die kleine Sieglinde aus Fischerdorf, erwarten mit Traviahold, dem Sohn des Barons von Dettenhofen, dem designierten Klostervorsteher, dem der nie dem Abort s\u00e4ubern musste!?&#8220;<\/em> <em>&#8222;Was? War das wirklich so? Ich habe das nie so wahrgenommen!&#8220; &#8222;Hast du dich nie gefragt, warum du immer als erster f\u00fcr die wichtigen und spannenden Aufgaben ausgew\u00e4hlt wurdest?&#8220; &#8222;Nein, muss ich zugeben. Ich dachte, ich dachte, die Geweihten sehen in mit ein Potential, dass sie bei euch, warum auch immer, nicht gesehen haben.&#8220;<\/em> <em>&#8222;Tut mir leid Herr Prior, ich wollte euch nicht ver\u00e4rgern. Wenn ihr mich entschuldigt, ich muss weiter, will ich heute noch das Kloster erreichen. Es war nett euch mal wieder gesehen zu haben&#8220;<\/em>, sprach Sieglinde und stand auf. <em>&#8222;Was? Wie? Warte doch!&#8220;<\/em> Doch Sieglinde war raschen Schrittes bei ihrem Pferd und ritt, ohne sich ein letztes Mal umzusehen, von dannen. Traviahold schaute ihr best\u00fcrzt hinterher. Nach einigen Momenten riss er sich aus der Starre, packe seine zw\u00f6lf Sachen zusammen und machte sich ebenfalls wieder auf den Weg, jedoch in die andere Richtung.<\/p>\n<p>Es war schon kurz von Torschlie\u00dfung, als er nach Stunden des nachdenklichen Ritts in Dettenhofen ankam. Urspr\u00fcnglich wollte er noch weiter nach Hardmund, doch hatte ihn das mitt\u00e4gliche Gespr\u00e4ch zu sehr aus dem Konzept gebracht. Er kehrte in einem kleinen Gasthof Nahe des Praiostores ein, in der Hoffnung m\u00f6glichst nicht erkannt zu werden. So nahm er sein Abendmahl auch nicht im Gastraum ein, sondern lie\u00df es sich auf sein Zimmer bringen. Er schlief diese Nacht sehr schlecht, er hinterfragte seine gesamte Ausbildung und sch\u00e4mte sich daf\u00fcr, wegen seiner Herkunft bevorzugt geworden zu sein, denn je mehr er nachdachte, desto mehr wurde ihm klar, dass Sieglinde mit allem Recht gehabt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nacht in Hardfurten verlief ruhig, Traviahold ist dort immerhin ein bekanntes Gesicht, aber nicht von der Bedeutung wie in Kohlh\u00fctten oder Hochstieg. Am n\u00e4chsten Morgen reiste er in gro\u00dfer Aufregung ab. 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