{"id":8071,"date":"2018-11-24T11:45:47","date_gmt":"2018-11-24T10:45:47","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8071"},"modified":"2018-11-30T11:40:21","modified_gmt":"2018-11-30T10:40:21","slug":"teil-v-sturm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8071","title":{"rendered":"Teil V &#8211; Sturm"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Auf den W\u00e4llen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7950\" style=\"border: 5px solid #000000;\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\" alt=\"\" width=\"121\" height=\"118\" \/><\/a>Der unsichtbare Wall hatte keine gro\u00dfe Ausdehnung, man stie\u00df schon nach etwa einhundert Schritten hinter den Au\u00dfenmauern gegen sie. \u00dcberall dort, wo die Sp\u00e4her den Rand ausgemacht hatten, nahm das Unheil ihren Lauf. Die Besatzung der Festung Friedstein musste mitansehen, wie sich am Ereignishorizont der Kuppel schmale Risse in der Erde bildeten, die sich dann zu gro\u00dfen klaffenden Wunden vergr\u00f6\u00dferten, aus denen, wie aus den Niederh\u00f6llen stammenden, rotgl\u00fchendes und unheiliges Licht begann zu pulsieren. Was die meisten nicht wussten: Es waren nicht die Niederh\u00f6llen, es war etwas viel schlimmeres. Rufe des Entsetzens und der Verzweiflung schallten \u00fcber die kalten Steine der Festung. Und als w\u00e4ren die zerkl\u00fcfteten Risse in der Erde noch nicht genug, da kletterten aus ihnen auf allen Seiten Wesen hervor, die man nur als \u201aAbscheulichkeiten\u2018 beschreiben konnte. Kleine, gerade einmal ein bis zwei Schritt lange, wurmartige Wesen mit d\u00fcnnen, raupenartigen F\u00fc\u00dfen. Der Vorderleib \u00e4hnelte einer Mischung aus Skorpion und Spinne, mit hellem, kn\u00f6chernem Exoskelett und tentakelartigen Ausw\u00fcchsen, die sowohl F\u00fc\u00dfe, F\u00fchler, aber auch Giftstachel sein konnten. Zwei wuchtige, mehrgelenkige Arme standen nach oben hin in einer Angriffshaltung bereit \u2013 doch an Enden waren keine Stachel, sondern Hauer besetzte hungrige M\u00e4uler. Der Hinterleib war eine abstrakte Mischung eines Tausendf\u00fc\u00dflers und eines Ohrenkneifers \u2013 zahlreiche winzige Beine bewegten die Abscheulichkeit in absurder Geschwindigkeit fort, w\u00e4hrend das Schwanzende aus zwei langen und scharfkantigen Klauen bestand. Das aus dem Vortex stammende Wesen war eine Ausgeburt, die dazu bestimmt war zu t\u00f6ten, es diente keinem anderen Zweck, daran lie\u00df ihr Aussehen kein Zweifel.<\/p>\n<p>Als dutzende dieser Wesen aus den klaffenden Wunden in der Erde gekrochen kamen und in aberwitziger Geschwindigkeit in Richtung des Walls der Burg krochen, h\u00f6rte man nur Wimmern und sowohl hastig, als auch \u00e4ngstlich rezitierte Gebete von den W\u00e4llen \u2013 alle bef\u00fcrchteten, dass hier und jetzt ihr Ende gekommen war. <em>\u201eBooogensch\u00fctzen, leeeeegt an!\u201c <\/em>br\u00fcllte Branganes Stimme \u00fcber den Wall, als w\u00e4ren es normale Menschen, die dort auf ihre Mauern zust\u00fcrmten. Erschrocken von dem Befehl taten die zehn Bogensch\u00fctzen genau das, sie zogen jeweils einen Pfeil aus ihrem K\u00f6cher und legten zwischen den Zinnen auf die Abscheulichkeiten an. Ein langer, sehniger Moment verging, in dem alle die Kreaturen herankrabbeln sahen. Ihre Fortbewegung sah keineswegs plump oder tierisch aus, vielmehr grazil und effizient \u2013 so als w\u00e4ren sie genau f\u00fcr diesen Zweck erschaffen worden: Den schnellen und z\u00fcgigen Angriff. Durch ihre Wellenartige Fortbewegung wurde es den Sch\u00fctzen schwer gemacht auf sie anzusetzen und die Bewegung vorauszuahnen. Niemand wusste, ob die eisernen Spitzen der Pfeile \u00fcberhaupt in der Lage waren die kn\u00f6chrige Au\u00dfenstruktur der Wesen zu durchdringen \u2013 wenn es \u00fcberhaupt Knochen waren. Als die Wesen nah genug heran waren, bellte Lady Brangane den Schussbefehl. Die Pfeile verlie\u00dfen im Einklang die Sehnen \u2013 sie schwirrten die Mauern hinab in Richtung der Abscheulichkeiten. Alle M\u00e4nner und Frauen starrten wie gebannt auf die nun folgende Szene \u2013 sie hofften und beteten alle, dass der Druck der Bogensehnen, das Eisen der Spitzen und die zus\u00e4tzliche Kraft der erh\u00f6hten Position ausreichten, um die H\u00fclle der Wesen zu durchdringen. Es w\u00fcrde ihnen allen Hoffnung geben, die Hoffnung, dass sie verletzbar und damit besiegbar w\u00e4ren. Innerhalb eines Bruchteils eines Moments wurde dar\u00fcber entschieden, ob es Hoffnung oder Verzweiflung gab \u2013 ob der Sieg greifbar war, oder die unvermeidbare Niederlage bevorstand. Die Pfeile trafen auf die Abscheulichkeiten, ein paar verfehlten ihr Ziel und blieben im Erdreich stecken, einige weitere schepperten wirkungslos auf ihr Au\u00dfenskelett und prallten im hohe Bogen zur Seite weg, w\u00e4hrend die krabbelnden Schrecken ihren Weg unbeirrt fortsetzten. Die Besatzung suchte verzweifelt nach wenigstens einem erfolgreichen Pfeil. Wenigstens einer musste doch seinen Weg durch die Panzerplatten hindurch gefunden und eines der Wesen verletzt haben. <em>\u201eGetroffen!\u201c<\/em> schrie eine junge Stimme von einem der h\u00f6heren T\u00fcrme. Ein junger Bogensch\u00fctze von gerade einmal achtzehn Sommern deutete mit dem Ende seines Bogens auf die eine, liegen gebliebene, Abscheulichkeit, die sich wie eine Spinne, die ihr Ende gefunden hatte, sich zusammengedreht und an Ort und Stelle liegen geblieben war. Das federnde Ende eines Pfeils war das einzige, was noch vom Blattschuss zu sehen war. Die Verteidigungsstreitmacht jubilierte, der unausweichliche Kampf war kein hoffnungsloser \u2013 man w\u00fcrde ihn gewinnen k\u00f6nnen. <em>\u201eLeeeegt an!\u201c<\/em> kommandierte Lady Brangane von ihrer Position erneut. Zwei oder drei Sch\u00fcsse w\u00fcrden sie noch haben, bevor die Abscheulichkeiten die W\u00e4lle erreichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Im Innern<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWeg da!\u201c<\/em> schrie Ser Gneisor und seine Stimme vibrierte f\u00f6rmlich, als er seinem mehrere Schritt entfernten Knappen zubr\u00fcllte, w\u00e4hrend er selbst nach dem Griff seines Anderthalbh\u00e4nders fingerte. Doch der Knappe tat nicht wie ihm gehei\u00dfen, tapfer und t\u00f6richt zugleich stellte er sich der deckenhohen Kreatur, die nicht so aussah wie die, die gerade auf den Wall zukrabbelten, entgegen. Es lief auf zwei Beinen, war so gro\u00df wie der Gang hoch war und der ganze Leib war Stachelbesetzt, manche so gro\u00df wie die Hauer eines Ebers. Der eine Arm, wenn man es so nennen konnte, war gewaltig, die Schulter so massig wie die eines Ogers und der Unterarm, dessen Finger lange, schwarztriefende Krallen waren, Baumstammgro\u00df. Auf der anderen Seite der Abscheulichkeit waren zwei weitere, fast schon verk\u00fcmmert wirkende \u00c4rmchen, die sich eine gemeinsame, ebenfalls stachelige Schulter teilten. Der Kopf, \u00e4hnlich dem eines Menschensch\u00e4dels, erwuchs ohne sichtbaren Hals aus dem Oberk\u00f6rper \u2013 vom Oberkiefer bis hin zur Brustmitte, zog sich ein einziges, vor verfluchter Fl\u00fcssigkeit triefendes und stachelzahnbesetzen Maul. Bis auf den Sch\u00e4del war der ganze K\u00f6rper des Kreatur von einer dunklen, fast schwarzen und sehnigen Au\u00dfenhaut \u00fcberzogen &#8211; keine Haare, Kleidung oder Geschlechtsteile &#8211; es war nur dazu erschaffen zu t\u00f6ten.<\/p>\n<p>Ingmar machte einen Satz nach vorne, anscheinend wollte er die Abscheulichkeit \u00fcberraschen, er holte zum Schlag aus und wahrscheinlich h\u00e4tte er einem normalen Menschen mit diesem Man\u00f6ver auch \u00fcberrascht, doch das jenseitige Wesen war kein Mensch und kam Ingmar zuvor. Es zuckte mit dem ogerartigen Arm und traf Ingmar, noch bevor dieser seinen Hieb vollenden konnte. Der K\u00f6rper des Jungen wurde mit schmerzender Leichtigkeit durch den Gang geschleudert, sauste an Gneisor und Halrik vorbei und kam an einem Schrank scheppernd zum Erliegen. Sein Kurzschwert glitt klirrend \u00fcber den Boden, nur knapp an den Beinen des Studiosus vorbei. Dieser war kreidebleich und klammerte sich sch\u00fctzend an seine B\u00fccher. <em>\u201eIn die Bibliothek, Los!\u201c<\/em> bellte der Marschall mit seiner befehlsgewohnten Stimme und holte den Studiosus damit aus seiner Starre. Dieser verlor keinen Moment, machte auf dem Absatz kehrt und sauste sofort davon. Gneisor hoffte, dass Halrik ihn verstanden hatte und auch wirklich in die Bibliothek eilte. Ein schrilles, aus einer anderen Welt stammendes, hell schepperndes Schreien durchfuhr den Gang der Festung. Er drang bis tief in Fleisch und Bein des Ritters. \u00c4tzende Tropfen gallertartiger Fl\u00fcssigkeit tropfte vom Maul der Abscheulichkeit herab und flog zus\u00e4tzlich beim Schrei durch den Gang dem Ritter entgegen. Ser Gneisor knurrte und drehte beide H\u00e4nde mit einem ledernden Knirschen um den Griff seines Anderthalbh\u00e4nders, als er ihn in Kampfposition brachte. Er w\u00fcrde nicht den gleichen Fehler begehen wie sein Knappe, er w\u00fcrde abwarten und wie eine L\u00f6win darauf lauern, den einen t\u00f6dlichen Hieb ansetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Abscheulichkeit kam Ser Gneisor entgegen, mit einer aberwitzigen Geschwindigkeit brachte es den Ogerarm nach vorne und hieb nach ihm. Ser Gneisor, zwar erwartend, aber \u00fcberrascht ob der Geschwindigkeit, pendelte den gef\u00e4hrlichen Hieb nur knapp aus. Ihm offenbarte sich die m\u00e4chtige und stachelbesetzte Schulter des Wesens, das viel gr\u00f6\u00dfer war als er. Mit t\u00f6dlicher Pr\u00e4zision und der Wucht eines ge\u00fcbten Kriegers, schlug er auf die Schulter ein. Noch w\u00fcrde er nicht seine ganze Kraft in den Schlag hineinlegen, denn das w\u00fcrde ihn nur aus dem Gleichgewicht bringen. Erst musste er wissen, ob er dem Wesen damit \u00fcberhaupt Schaden zuf\u00fcgen konnte. Die scharfe Klinge fuhr in die Schulter, zerschlug zwei hauer\u00e4hnliche Stachel und wetzte dann kaum Schaden zuf\u00fcgend \u00fcber die \u00e4u\u00dfere Schicht. Dank Ser Gneisors dosiertem Einsatz von Kraft und Schwung gelang es ihm die Wucht abzufangen, so dass er dabei nicht aus dem Gleichgewicht geriet. Das Wesen wollte den g\u00fcnstigen Moment nutzen. Die beiden, minderwertig wirkenden \u00c4rmchen, versuchten nach ihm zu packen, doch der Marschall sah sie kommen und machte einen Ausfallschritt nach hinten. Er brachte sich damit erneut in Position und in Distanz zu ihnen. Nur knapp kratzten sie \u00fcber seinen Brustpanzer und zerfetzten dabei den schwarzen Wappenrock. Ser Gneisor war nun weit genug entfernt um nicht mehr \u00fcberrascht zu werden. Seine kampfgeschulten Augen suchten vergeblich nach Anhaltspunken f\u00fcr die n\u00e4chste Bewegung des Wesens \u2013 auch wenn die \u00e4u\u00dfere H\u00fclle einer Haut mit Muskeln und Sehnen glich, so bewegten sich diese, wenn man es so nennen konnte, nicht wie bei dem eines Wesens aus Fleisch und Blut. Er musste sich also ganz auf seine Reaktionsf\u00e4higkeit und seinem Instinkt verlassen. Als die Abscheulichkeit erneut einen Angriff mit dem Ogerarm versuchte, machte Ser Gneisor einen Schritt zur\u00fcck, verlagerte die Haltung des Schwerts nach oben in den Oberhau und nutze den Moment, um das Ende seiner langen Klinge auf den Sch\u00e4del des Wesens mit voller Wucht niederfahren zu lassen. Doch er untersch\u00e4tzte die Reichweite der langen Krallen des starken Arms, sie kratzten \u00fcber seinen Oberschenkel, durchschlugen das dortige Plattenteil und kratzten bis zu seinem Fleisch hindurch. Ein brennender Schmerz zuckte durch seinen K\u00f6rper, als er sp\u00fcrte, wie die Krallen seine Muskeln m\u00fchelos auftrennten. Im gleichen Moment durchschlugen die letzten f\u00fcnf Finger der Schwertklinge die Sch\u00e4delbasis des Wesens. Ein Ton, wie von zerberstenden Knochen erklang, als die Spitze des Schwertes bis in die schwarze Augenh\u00f6hle hindurchschmetterte. Ser Gneisor zuckte, trotz der Schmerzen im Bein, zur\u00fcck. Sein Schlag w\u00fcrde bei jedem Wesen den Tot bedeuten \u2013 und genau dies erwartete er auch nun bei der Abscheulichkeit. Der Sch\u00e4del war zertr\u00fcmmert, das Wesen taumelte zur\u00fcck und stie\u00df wieder ein schepperndes Schreien aus. <em>Fall um! \u2013<\/em> w\u00fcnschte sich Ser Gneisor und beobachtete das Wesen genau, w\u00e4hrend er das Brennen in seinem Bein versuchte zu ignorieren. Aller Erwartung zum Trotz blieb die Abscheulichkeit jedoch stehen und wirkte jetzt noch aufbrausender. Erneut kam es auf ihn zu. <em>\u201eAn mir kommst du nicht vorbei\u201c,<\/em> brachte Ser Gneisor stoisch hervor und machte sich wieder kampfbereit, das Schwert im Oberhau, so dass die Spitze der Klinge fast die Decke ber\u00fchrte. <em>\u201eIch bin bei euch, Ser.\u201c <\/em>An Gneisors Seite tauchte der kampfbereite Ingmar auf, dessen Brustplatte eine dicke Delle hatte, anscheinend hatte das Wesen ihn nur mit der stumpfen Prankenseite erwischt und seinen Panzer m\u00e4chtig verbeult. <em>\u201eDie Leuin steh uns bei\u201c,<\/em> murmelte der Ritter gl\u00fccklich dar\u00fcber, dass sein Knappe noch lebte und nun an seiner Seite stand. Zusammen versperrten sie den Gang, denn unweit hinter Ihnen war der Zugang zur Bibliothek.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>In der Bibliothek<\/strong><\/p>\n<p>Halriks F\u00fc\u00dfe trugen ihn so schnell sie konnten in die Bibliothek. Die schwere Eichent\u00fcr schlug er hinter sich zu und als er im Innern angekommen war, schob er beide massiven Riegel hektisch in das Schloss. Was er eben gesehen hatte \u00fcberstieg seine Vorstellungskraft. Er hatte wahrlich schon viel \u00fcber D\u00e4monen und d\u00e4monoide Wesen gelesen und auch Zeichnungen gesehen, doch der Anblick der jenseitigen Abscheulichkeit \u00fcbertrumpfte alles. <em>\u201eGanz ruhig, Halrik \u2013 atme!\u201c<\/em> Der junge Studiosus versuchte sich selbst dazu anzuhalten ruhiger zu werden. Sein Blick wanderte \u00fcber die B\u00fccherregale zu den Fenstern. Es beruhigte ihn ein wenig, dass sie seit der \u00dcbernahme der Festung mit massiven Gittern versehen wurden. Sein Herz pochte ihm bis zum Hals. Er musste jetzt Ruhe finden, sonst w\u00fcrde er nicht die Folianten und B\u00fccher studieren k\u00f6nnen. Ser Gneisor sagte, er solle in den B\u00fcchern eine M\u00f6glichkeit finden, wie sie aus dieser misslichen Lage entkommen konnten. Hastig eilte er zu der Abschrift der alten Senne, aus der er auch die Symbole der Kultisten entziffert hatte. Sie lag aufgeklappt auf einem B\u00fccherst\u00e4nder, so wie er es vorhin zur\u00fcckgelassen hatte, um dem Marschall zu berichten, dass Sara\u2019kiin auf dieser Sph\u00e4re ist. Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. <em>\u201eWas \u2026 das kann kein Zufall sein\u201c,<\/em> dachte er laut, was er immer machte, wenn er alleine in der Bibliothek war. <em>\u201eGenau in dem Moment, in dem ich herausfinde, dass Sara\u2019kiin hier ist, taucht dieser unsichtbare Wall auf \u2013 und wom\u00f6glich auch sie. Das kann kein Zufall sein\u201c, w<\/em>iederholte er ungl\u00e4ubig. Von einem Moment auf den anderen f\u00fchlte er sich beobachtet. War sie etwa hier? H\u00f6rte und sah sie, was sie alle taten? Hatte sie nur auf diesen Moment gewartet? Aber warum? Sie h\u00e4tte auch viel eher angreifen k\u00f6nnen \u2013 welchen Sinn hat es, darauf zu warten, dass die Menschen herausfinden, dass sie hier ist? Zahlreiche Fragen und Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Da ermahnte er sich wieder dazu, sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren.<\/p>\n<p>Da h\u00f6rte er pl\u00f6tzlich Schreie, menschliche Schreie, welche von den W\u00e4llen stammen mussten. Er h\u00f6rte das Geschepper von Klingen und gelegentlich einen kurzen abgerissenen Ruf. Halrik hatte keine Ahnung von Schlachten, er hatte verst\u00e4ndlicherweise auch noch nie an einem Kampf teilgenommen, weshalb ihm die typischen Ger\u00e4usche einer Schlacht unbekannt waren und ihm Furcht einfl\u00f6\u00dften. <em>\u201eNur kein Druck \u2026\u201c<\/em>, hauchte er schwach und klammerte sich so fest mit beiden H\u00e4nden an den B\u00fccherst\u00e4nder, dass seine Kn\u00f6chel wei\u00df wurden. <em>\u201eSo, nun zu dir, du verr\u00e4tst mir wie wir hier rauskommen, und ich verspreche dir im Anschluss einen sch\u00f6nen Ort mit Ausblick in der Bibliothek\u201c, <\/em>beschwor er den Folianten. W\u00e4hrend drau\u00dfen die M\u00e4nner und Frauen um ihr Leben k\u00e4mpften, hatte er hier in der Bibliothek auch einen Kampf auszutragen. Sie alle gaben drau\u00dfen ihr Leben, damit er genug Zeit hatte dem Folianten die Geheimnisse zu entlocken, die sie brauchten, um aus dem Schlamassel zu entkommen. Halrik schloss die Augen, konzentrierte sich und hatte nur einen Gedanken: <em>M\u00f6ge mir Hesinde Erkenntnis geben. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den W\u00e4llen Der unsichtbare Wall hatte keine gro\u00dfe Ausdehnung, man stie\u00df schon nach etwa einhundert Schritten hinter den Au\u00dfenmauern gegen sie. \u00dcberall dort, wo die Sp\u00e4her den Rand ausgemacht hatten, nahm das Unheil ihren Lauf. 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