{"id":8053,"date":"2018-11-16T16:55:36","date_gmt":"2018-11-16T15:55:36","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8053"},"modified":"2018-11-17T11:18:04","modified_gmt":"2018-11-17T10:18:04","slug":"11-friskenmond-avahuett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8053","title":{"rendered":"11. Friskenmond &#8211; Avah\u00fctt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Jasper.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7936\" style=\"border: 5px solid #008000;\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Jasper.png\" alt=\"\" width=\"121\" height=\"117\" \/><\/a>Erneut sa\u00df Magister Gr\u00f8nte am Mittelfeuer des kleinen Weilers. Auf seinen \u00fcberschlagenen Beinen ruhte sein Diarium. Hastig kritzelte der Griffel, gef\u00fchrt von zittrigen H\u00e4nden, \u00fcber die Seiten. So schnell er konnte, schrieb er alles auf, woran er sich erinnerte. Noch nie zuvor hatte er in die Gedanken eines Orks geblickt und die Bilder und Gedanken, die er gesehen hatte, versetzten ihm einen Schrecken. Es war kaum \u00fcberraschend, dass der Gro\u00dfteil der Bilder verst\u00f6rend war, dennoch ersch\u00fctterte ihn die rohe Gewalt, die Blutr\u00fcnstigkeit und der Hass, der ihnen innewohnte. Es entsprach nunmal nicht Jaspers Natur und er musste gelegentlich aufkeimende \u00dcbelkeit mit einem Schluck Meskinnes heruntersp\u00fclen. Er hatte extra einen Kessel Gr\u00fcntee aufgesetzt, zu seiner Beruhigung und der der anderen. Doch der heimische Schnaps half ihm gerade mehr dabei die Fassung zu wahren, als sein geliebter gr\u00fcner Tee.<\/p>\n<p>Der Griffel kam adhoc zur Ruhe. Er hatte gerade das letzte Bild und die damit verbundenen Eindr\u00fccke aufgeschrieben. Er atmete erleichtert aus. Es hatte das Gef\u00fchl, sich selbst von etwas frei zu machen. Solange die Bilder in seinen eigenen Gedanken rumgeisterten kamen sie ihm vor, als w\u00e4ren sie seine eigenen. Ihren Inhalt aufzuschreiben befreite Jasper von ihnen. Die Last fiel von ihm ab und nun konnte er sich ihnen mit der n\u00f6tigen Professionalit\u00e4t und Abstand widmen. Das geschrieben Wort war geduldig, es konnte ihm nichts anhaben und zur Not konnte er sein Diarium einfach zuklappen.<\/p>\n<p>Magister Gr\u00f6nte blickte in das prasselnde Feuer, w\u00e4hrend er \u00fcber den Sinn seiner Aufzeichnungen sinnierte. Der inzwischen tote Schamane Bykarak war nur ein Leutnant, der einen kleinen Sp\u00e4htrupp anf\u00fchrte. Tukraz hie\u00df die wahre Bedrohung. Ein Orkschamane, der die Festung Felsteyn im Jarltum H\u00f6jre Bodrdal erobern m\u00f6chte. Diese Information musste auf schnellsten Wege zur Hetfrau. Auch wenn die absurde Anzahl an Orks in der Bilderflut, die er dem Schwarzpelz entnahm, wohl \u00fcbertrieben war, so w\u00fcrde ein f\u00e4higer und m\u00e4chtiger Schamane durchaus in der Lage sein, mehrere Orkst\u00e4mme unter sich zu vereinen, um die Festung einnehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Jasper wusste, sie mussten so schnell wie m\u00f6glich weiter nach Bodon. Dort w\u00fcrden sie dann auf die Hetfrau treffen, um ihr von dieser Information zu berichten. Doch bis nach Bodon waren es noch vier bis sechs Tagesreisen querfeldein durch die gef\u00e4hrliche Wildnis und er hatte heute einen Gro\u00dfteil seiner magischen Kraft verbraucht. Der Angriff auf den Orkschamanen lief nicht gut. Peraine und Hesinde zum Dank war niemand schwer verletzt worden, aber die Gruppe, mit der er reiste, machte ihm nicht den Eindruck, dass sie f\u00e4hig genug war, einen weiteren geordneten Angriff oder gar eine Verteidigung zu koordinieren. Jasper sp\u00fcrte, dass Spannung in der Luft hing \u2013 vor allem zwischen Alrik und Swafleif. Es w\u00fcrde wohl noch eine Aussprache n\u00f6tig sein, bevor sie weiterreisen. Der junge Hakon hatte gerade schwer mit sich selbst zu k\u00e4mpfen. Der Wei\u00dfmagier sah, dass es ihn besch\u00e4ftigte, das erste Mal ein Leben genommen zu haben. Das Gem\u00fct des jungen Geweihten war zart, wom\u00f6glich sogar zu zart f\u00fcr diese Aufgabe. Jasper musste an sich selbst denken, noch nie war er gezwungen worden jemanden oder etwas zu t\u00f6ten. Dank seiner Magie war es ihm bisher erspart geblieben \u2013 und das trotz der mehreren Kriege und Gefechte, in denen er schon war. Er musste daran denken, wie er wohl reagieren w\u00fcrde, wenn er das erste Mal jemanden w\u00fcrde t\u00f6ten m\u00fcssen. Kalt und pragmatisch? Oder eher mitf\u00fchlend und schuldig? Er hoffte, dass er sich diese Frage nie w\u00fcrde stellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Jasper musste erneut an den H\u00e4uptlingsschamanen Tukraz denken. Er musste sich in den n\u00e4chsten Tagen etwas einfallen lassen, wie er die Hetfrau davon \u00fcberzeugen konnte, ihn nicht zu t\u00f6ten sondern gefangen zu nehmen. Er musste ehrliche, aber nicht zu offensichtliche Argumente finden. Sein Eid als Magier der Gilde des wei\u00dfen Pentagramms und der Codex Alberycus verpflichteten ihn dazu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erneut sa\u00df Magister Gr\u00f8nte am Mittelfeuer des kleinen Weilers. Auf seinen \u00fcberschlagenen Beinen ruhte sein Diarium. Hastig kritzelte der Griffel, gef\u00fchrt von zittrigen H\u00e4nden, \u00fcber die Seiten. So schnell er konnte, schrieb er alles auf, woran er sich erinnerte. 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