{"id":8035,"date":"2018-11-11T21:23:39","date_gmt":"2018-11-11T20:23:39","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8035"},"modified":"2018-11-11T21:23:39","modified_gmt":"2018-11-11T20:23:39","slug":"blut-und-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8035","title":{"rendered":"Blut und Tod"},"content":{"rendered":"<p>Die Ereignisse der letzten Tage hatten Alkrikmir sehr aufgew\u00fchlt. Er war so angespannt, seine Nerven waren wie zum zerrei\u00dfen gespannte Seidenf\u00e4den. Er gab sich M\u00fche, einfach nur zu funktionieren und ein halbwegs normales Bild aufrecht zu erhalten. Er w\u00fchlte sich in seinem Strohbett hin und her, konnte nicht schlafen. Zu viel ging ihm in den Gedanken umher. <em>Warum versp\u00fcre ich solch eine Freude dabei, Orks abzuschlachten? Sicher, sie sind unsere Gegner, doch warum f\u00fchle ich solche Genugtuung wenn mir ihr Blut ins Gesicht spritzt? Warum trage ich den eingetrockneten Lebenssaft wie eine zweite Haut? Warum sp\u00fcre ich Erf\u00fcllung, wenn ich sehe wie langsam das Leben aus ihnen weicht? Bin ich ein Monster wie sie es eigentlich f\u00fcr uns sind? Eigentlich m\u00fcsste ich mich doch schlecht f\u00fchlen, schlie\u00dflich habe ich ihr Leben unwiederbringlich beendet, zum ersten Mal \u00fcberhaupt ein Leben beendet. F\u00fchlt es sich bei jedem so an? Gehe ich zu brutal vor? Was denken meine Gef\u00e4hrten von mir? Sehen sie mich als skrupellose T\u00f6tungsmaschine?<\/em><\/p>\n<p>Irgendwann &#8211; es kam ihm wie eine Ewigkeit vor &#8211; fand er doch \u00fcber das Knacken und Flimmern des schwelenden Feuers in der H\u00fctte in den Schlaf.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich wachte er auf. Die H\u00fctte war bis auf ihn leer, die T\u00fcr stand offen. Er h\u00f6rte weit entfernt ein sich wiederholendes Ger\u00e4usch, als wenn jemand durch Matsch laufen w\u00fcrde. Er sprang aus dem Bett, schnappte sich sein Schwert. Vorsichtig schob er die T\u00fcr zur Seite und folgte\u00a0 dem Ger\u00e4usch. Dabei sah er sich immer wieder um. Nirgends war einer der Gef\u00e4hrten zu sehen. Kein Ger\u00e4usch des Waldes war zu h\u00f6ren, nur das eine sich immer wiederholende. Es war unglaublich d\u00fcster, der Mond verschwand hinter einer dicken Wolkendecke. Als er sich vorsichtig weiter vortastete, inzwischen in v\u00f6lliger Dunkelheit, kam das Ger\u00e4usch immer n\u00e4her. Als er sich kurz umblickte, war nicht einmal mehr der Weiler zu erkennen. Er schaute nach vorne, bald m\u00fcsste er den Ursprung dieser n\u00e4chtlichen St\u00f6rung erreicht haben. Vorsichtig voranschreitend, darauf achtend nicht auf Zweige zu tretend bewegte er sich vorw\u00e4rts. Pl\u00f6tzlich riss die Wolkendecke auf und der Mondschein zeigte in einem d\u00fcnnen Strahl eine Lichtung, auf der eine kleine kr\u00e4ftige Gestalt mit dunklem Fell, sich \u00fcber eine zweite Gestalt beugte und immer wieder mit einer Keule auf sie einschlug, wo deren Kopf sein m\u00fcsste. Patsch patsch patsch machte es. immer und immer wieder. Er st\u00fcrmte sofort auf den Ork zu und versenkte sein Schwert in ihm und schrie &#8222;Du MONSTER!&#8220;, doch anstatt tot umzufallen drehte sich der Kopf des Orks in unnat\u00fcrlicher Weise einmal um seine Achse. &#8222;Neeeein, DU bist das Monster! Uns alle hast du get\u00f6tet!&#8220; Und erst jetzt merkte er, dass das Gesicht des Orks seinem zum verwechseln \u00e4hnlich sah, nur mit Fell und Hauern. Er lie\u00df sein Schwert los und taumelte zur\u00fcck. Der Alrik-Ork gackerte verr\u00fcckt. Auf einmal h\u00f6rte er etwas von der Leiche am Boden. Es gluckerte durch das Blut &#8222;Duuuu hast uns get\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6tet&#8220;, dabei fragte er sich, wie die Leiche ohne Gesicht \u00fcberhaupt reden konnte. Und sie hatte die gleiche R\u00fcstung, die Bryda, seine Ausbilderin immer trug&#8230; <em>Was geht hier vor,<\/em> dachte er sich. <em>Ich muss die anderen finden!<\/em> Die Wolkendecke riss auf. Er war umzingelt. Eine Horde Gestalten, die in unterschiedlichsten Stadien der Verwesung waren, liefen langsam auf ihn zu. Sie sagten langsam, wie ein immer sich wiederholender Singsang &#8222;Duuuu hast uns get\u00f6\u00f6\u00f6tet!&#8220;, dabei erkannte er vertraute Gesichter, trotz der Verwesung. Inga, die Wirtin aus Stolzbach. Otto, der Sohn der N\u00e4herin. Und sind das nicht seine Geschwister, seine Eltern dort dr\u00fcben? Der Orkschamane musste dunkle Magie genutzt haben und ihre Leichen wiederbelebt haben! Waren sie wirklich alle tot? Panik machte sich in ihm breit, als sich der Kreis der Untoten immer n\u00e4her um ihn schloss. <em>Nein<\/em>, dachte er sich,<em> ich werde hier nicht sterben, die anderen brauchen mich&#8220;\u00a0Auch wenn sie vielleicht auch schon get\u00f6tet wurden.<\/em> Er setzte seinen Fu\u00df auf den komischerweise immer noch spottenden Ork, faste sein Schwert mit festem Griff und zog es raus, dabei fiel der Ork mit einem dumpfen Ger\u00e4usch auf den moosigen Waldboden. Er st\u00fcrmte auf die Untoten zu und hackte sich durch sie durch, immer einen Schrei loslassend, als der Stahl durch splitternde Knochen und verwesendes Fleisch schnitt. Er hieb und schnitt und schwang sein Schwert, bis der letzte der lebenden Toten nur noch ein gro\u00dfer Haufen Knochen, Haut und graues Fleisch waren.<\/p>\n<p>Endlich. Endlich trat Stille in den Wald ein. Ersch\u00f6pft lehnte er sich gegen einen Baum, wischte sich den Schwei\u00df aus dem Gesicht und seine nassen, h\u00e4ngenden Haare aus dem Gesicht. Er blickte sich um. Auf einmal waren die untoten Leichen verschwunden. An ihrer Stelle lagen Jasper, Hakon, Katrina und Swafleif blutend und mit einigen fehlenden Gliedma\u00dfen st\u00f6hnend auf dem Boden. Swafleif st\u00f6hnte, mit Fassungslosigkeit im Gesicht. &#8222;Warum hast du uns das angetan?&#8220; Ihm d\u00e4mmerte langsam was er getan hatte. Der junge Nostrier lie\u00df das Schwert fallen und rief aus voller Verzweiflung: &#8222;Neeeeeeein!&#8220;<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich wachte er in er H\u00fctte auf, die anderen schreckten auf und schauten ihn an. Offenbar hatte er nur schlecht getr\u00e4umt. Sein Herz klopfte schnell, er war immer noch aufgeregt. Er entschuldigte sich kurz, drehte sich auf die Seite und lag mit offenen Augen auf der Seite. Schlafen konnte er jetzt nicht mehr. Das Feuer in der H\u00fctte war nun schon fast runtergebrannt. Es knackte noch ab und an, sonst legte sich wieder Stille \u00fcber die kleine H\u00fctte im Weiler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ereignisse der letzten Tage hatten Alkrikmir sehr aufgew\u00fchlt. Er war so angespannt, seine Nerven waren wie zum zerrei\u00dfen gespannte Seidenf\u00e4den. Er gab sich M\u00fche, einfach nur zu funktionieren und ein halbwegs normales Bild aufrecht zu erhalten. Er w\u00fchlte sich in seinem Strohbett hin und her, konnte nicht schlafen. 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