{"id":8009,"date":"2018-11-11T10:45:45","date_gmt":"2018-11-11T09:45:45","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8009"},"modified":"2018-11-11T11:05:56","modified_gmt":"2018-11-11T10:05:56","slug":"teil-iii-keine-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=8009","title":{"rendered":"Teil III &#8211; Keine Zeit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7950\" style=\"border: 5px solid #000000;\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\" alt=\"\" width=\"130\" height=\"126\" \/><\/a>Burg Friedsteins Ratskammer war eine kleine Stube, die man auf Gehei\u00df des Ritters zu diesem Zwecke umgebaut hatte. In dem breiten Landhauskamin knisterten Buchenscheite leise vor sich hin. Die k\u00fchlen W\u00e4nde der umgebauten Stube wurden inzwischen von vier langen Bannern des Ordens verziert. Im Licht des Kamins schimmerten die silbrigen Halbmonde und Bluttropfen, so dass man den Eindruck bekam, dass sie aus eigener Kraft leuchten w\u00fcrden. Ein fast ein drittel der Gesamtfl\u00e4che des Raums einnehmender Buchenholztisch wurde in der Mitte platziert. Studiosus Halrik hatte eine gro\u00dfe Ansichtskarte der Baronie darauf ausgebreitet. Die kleine Kommende Friedstein war darauf gut zu erkennen, die zwei H\u00f6fe und auch die Niederrungenfestung waren geschnitzte Holzfig\u00fcrchen, die Halrik zur besseren Veranschaulichung der Lage auf der Karte platziert hatte.<\/p>\n<p><em>\u201eIch w\u00fcnschte, wir h\u00e4tten mehr Zeit, euch \u00fcber die Ereignisse und Geheimnisse des Ordens einzuweihen, Lady Brangane\u201c, e<\/em>ntschuldigte sich Ser Gneisor bei der neuen Heermeisterin im ruhigen Tonfall. Die Greifenfurterin wusste diese Geste mit einem Nicken sch\u00e4tzen, immerhin war sie erst vor einer halben Stunde auf der Burg angekommen. <em>\u201eIch danke euch, Marschall. Doch wichtig ist nur, was wir jetzt entscheiden werden.\u201c<\/em> Die Ritterin kam schnell zur Sache, das gefiel dem gleichaltrigen Ritter. <em>\u201eDie Sp\u00e4her haben euren Weg, den ihr gekommen seid, mehrmals abgelaufen, Mylady.\u201c<\/em> Sprach mit brummiger Stimme Gustav Bieberbart, der nicht nur aufgrund der Tatsache, dass er der Dienst\u00e4lteste nichtadelige Soldat hier war, ebenfalls an der Ratsrunde teilnahm, sondern auch, weil er bis zur Ankunft der Ritterin noch selbst der Heermeister war. Er strich sich durch den dichten Bart, lehnte sich vor und deutete dann auf eine Stelle auf der Karte<em>. \u201eSie berichteten mir, dass \u2013 wie auch immer ihr hereingekommen seid \u2013 es auf dem gleichen Weg kein Herauskommen gibt. Auch dort gibt es diesen \u2026\u201c,<\/em> er stutzte kurz, da sich alle noch nicht einig dar\u00fcber waren, wie man es nennen sollte. Leider gab es keinen Magiekundigen auf der Burg, der dem Ph\u00e4nomen einen fundierten Namen h\u00e4tte geben k\u00f6nnen, <em>\u201e \u2026 unsichtbaren Wall\u201c, s<\/em>chloss er und lehnte sich wieder zur\u00fcck. <em>\u201eAlso sind wir eingeschlossen\u201c, f<\/em>asste Gneisor zusammen. <em>\u201eAlle Sp\u00e4her berichten dasselbe, egal in welche Richtung wir sie schicken \u2013 weder Fleisch, Stein, noch Pfeil vermag hindurchzukommen\u201c, <\/em>erg\u00e4nzte Gustav.<em> \u201eHaben die Sp\u00e4her den Raben ausfindig machen k\u00f6nnen?\u201c <\/em>Gustav nickte in seinen buschigen Bart hinein.<em> \u201eJawohl, Ser. Sowohl den Vogel, als auch die Botschaft. Er lag mit einem gebrochenen Genick direkt am unsichtbaren Wall.\u201c <\/em>Ein Moment der Stille folgte und alle Anwesenden bekamen den Eindruck, dass das Knistern des Kamins lauter wurde. Ein anhaltend roter Lichtstrahl durchflutete das Zimmer \u2013 noch immer war die Praiosscheibe dabei unterzugehen. <em>\u201eWas ist mit den elementaren Dienern der NLP?\u201c<\/em> fragte Gneisor in Richtung des Siegelmeisters. Der schmale Halrik zuckte kurz zusammen, als er vom Ritter angesprochen wurde. Entweder, weil er in seinen Gedanken versunken war, oder weil er die milit\u00e4rische Stimme des Ritters f\u00fcrchtete &#8211; oder beides. <em>\u201eIch \u2026 alle \u2026 Artefakte die seine Exzellenz f\u00fcr uns hergestellt hat, zeigen keine Wirkung. Als w\u00e4ren die magischen Diener \u2026 fort.\u201c<\/em> Er zuckte hilflos mit den Schultern. Es war f\u00fcr den Marschall ein seltener Anblick; normalerweise h\u00e4tte Halrik nun darauf verwiesen, dass er noch nicht alle Erw\u00e4gungen in Betracht gezogen oder noch nicht jedes Buch konsultiert hatte. Die Antwort erschien Gneisor ungew\u00f6hnlich endg\u00fcltig. <em>\u201eSer, wenn es das ist, was wir vermuten\u201c,<\/em> setzte Halrik erneut an, <em>\u201e\u2026 dann k\u00f6nnen wir nichts ausrichten. Nur die Auserw\u00e4hlten verm\u00f6gen die Jenseitigen zu bek\u00e4mpfen. Wir k\u00f6nnen &#8230; nichts tun.\u201c <\/em>Die verzweifelten Worte des jungen Gelehrten stachen Gneisor in die Brust, er musste ihm zustimmen und dennoch konnte und wollte er es nicht wahr haben. <em>\u201eIch sage euch, was wir NICHT machen werden\u201c, e<\/em>ntgegnete Gneisor mit harter Stimme. Er war von sich selbst \u00fcberrascht, wie \u00fcberzeugend er klang. <em>\u201eWir werden bei den Zw\u00f6lfen auf gar keinen Fall den Bogen ins Korn werfen und aufgeben. Wenn uns die Auserw\u00e4hlten eins gezeigt haben, dann dass es immer einen Weg gibt, auch wenn es anf\u00e4nglich aussichtslos erscheint.\u201c <\/em>Es folgte vom Knistern des Kamins untermalte, \u00e4chzend lange Stille. Die Stille und der durch die untergehende Praiosscheibe in roten Licht getauchte Innenraum der Ratskammer tauchte den kleinen Rat in eine bedr\u00fcckende Untergangsstimmung.<\/p>\n<p>Gneisor, Brangane, Halrik und Gustav starrten gemeinsam angestrengt auf die Karte. Gustav hatte mit Kohlestift die Ausdehnung der &#8218;K\u00e4seglocke&#8216;, die sie umgab, ringf\u00f6rmig eingezeichnet. Die beiden H\u00f6fe Eilingshof und Nottelheim waren au\u00dferhalb dieses Rings. Es waren also nur sie, alle Bewohner der Burg, darin eingeschlossen. Gneisor musste an die Anzahl der Leute denken, die sich innerhalb des Zaubers befanden: die Tiere einmal ausgeschlossen, waren sie 35 M\u00e4nner und Frauen \u2013 davon etwa zwei dutzend unter Waffen.<\/p>\n<p><em>\u201eLady Brangane\u201c,<\/em> setzte Ser Gneisor im milit\u00e4risch zackigen Ton erneut an, <em>\u201e \u2026 versetzt die Truppen in Alarmbereitschaft \u2013 besprecht euch daf\u00fcr am besten mit Gustav, eure F\u00e4higkeiten in allen Ehren, aber er wei\u00df, wie hier der Hase l\u00e4uft und ihr seid erst ein paar Stunden hier.\u201c<\/em> Die Ritterin und Gustav nickten sich gegenseitig zu und schon wandte sich der Marschall an Halrik, um das n\u00e4chste Kommando zu geben: <em>\u201eHalrik, sobald die Truppen alarmiert sind, gebt Lady Brangane einen Abriss \u00fcber den Vortex, die Jenseitigen und die Ereignisse in Hochstieg \u2013 sie muss wissen, womit wir es zutun bekommen.\u201c \u201eJa, Ja, Ser!\u201c <\/em>Halrik versuchte vergeblich Haltung anzunehmen. Gneisor wusste die kleine Geste zu sch\u00e4tzen und rang sich ein schmales Grinsen ab. <em>\u201eWir werden vorerst alarmiert bleiben, abwarten und darauf hoffen, dass von au\u00dfen jemandem unser Dilemma auff\u00e4llt. So ein unsichtbarer Wall wird nicht lange unbemerkt bleiben. Sp\u00e4testens morgen fr\u00fch habe ich den Schulzen von Nottelheim hier auf der Burg erwartet und die Schulzen wissen was zu tun ist, wenn irgendetwas mit uns nicht stimmt.\u201c <\/em><\/p>\n<p>So l\u00f6ste sich der Rat auf, Lady Brangane alarmierte zusammen mit Gustav die zwei Rotten. Die Wehrmauern wurden besetzt, das Tor geschlossen und die Sp\u00e4her zur\u00fcckgeholt. Studiosus Halrik marschierte vor Brangane mit einer sprichw\u00f6rtlichen Flotte an B\u00fcchern und Schriftrollen auf. Der \u201akurze Abriss\u2018 sollte wohl l\u00e4nger dauern. Ser Gneisor und Knappe Ingmar legten derweil mit gegenseitiger Hilfe ihre R\u00fcstungen in der Marschallskammer an.<\/p>\n<p><em>\u201eSer \u2026\u201c<\/em> begann Ingmar mit zaghafter Stimme, w\u00e4hrend Gneisor gerade einen Lederriemen an der Seite des Knappen fester zog \u201e<em>Was besch\u00e4ftigt dich Ingmar? Solltest du Angst versp\u00fcren, dann lass dir gesagt sein, dass dies ganz normal ist.\u201c <\/em>Gneisor zog erneut an dem Riemen der Brustplatte des Jungen und wollte gerade zu einer ermutigenden Rede ansetzen, doch Ingmar unterbrach ihn. Er starrte mit Entsetzen in den Augen auf die Wasserkaraffe.\u00a0 <em>\u201eDie Karaffe, mit der ihr vorhin den Lappen befeuchtet habt, um meine Verletzung zu versorgen \u2026\u201c<\/em> <em>\u201eWas ist damit?\u201c<\/em> Gneisor war zu sehr damit besch\u00e4ftigt die R\u00fcstung des Jungen anzulegen und hatte gerade keinen Blick daf\u00fcr. <em>\u201eDer Schatten der Karaffe hat sich seit vorhin nicht weiter bewegt.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Burg Friedsteins Ratskammer war eine kleine Stube, die man auf Gehei\u00df des Ritters zu diesem Zwecke umgebaut hatte. In dem breiten Landhauskamin knisterten Buchenscheite leise vor sich hin. Die k\u00fchlen W\u00e4nde der umgebauten Stube wurden inzwischen von vier langen Bannern des Ordens verziert. 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