{"id":7989,"date":"2018-11-10T12:39:54","date_gmt":"2018-11-10T11:39:54","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=7989"},"modified":"2018-11-10T12:39:54","modified_gmt":"2018-11-10T11:39:54","slug":"reise-nach-rommilys-teil-ii-im-kloster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=7989","title":{"rendered":"Reise nach Rommilys \u2013 Teil II \u201eIm Kloster\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Den Galopp hielt Traviahold nur solange bei, bis er an einer Weide ankam, von der er wusste, dass er ab hier nicht mehr von der Stadt aus zu sehen war. Er w\u00fcrde nat\u00fcrlich heute im Kloster \u00fcbernachten, aber je sp\u00e4ter er dort ankam, desto weniger Anliegen werden an ihn herangetragen. Er musste den Kopf sch\u00fctteln, als er daran dachte, wer er von einem G\u00f6tterlauf war &#8211; der drittgeborene Sohn eines Barons, der typischer Weise in ein Kloster abgeschoben wurde und sich nun darauf freute seine \u00e4lteren Bruder wiederzusehen. Noch immer fiel es ihm schwer, Menschen von der Erlebnissen, die darauf folgten, zu erz\u00e4hlen. Wer konnte schon nachvollziehen, wie es ist an einem Tag in einer verlassenen Zwergenstadt gegen D\u00e4monen zu k\u00e4mpfen und am n\u00e4chsten Tag Fischmenschen, untoten Echsen und &#8222;Schlinger&#8220; zu begegnen. Manchmal f\u00fchlte er sich dadurch sehr einsam. Nicht einmal Darpatia kannte alle Geschichten, in der Zwischenzeit hat sich auch aufgeh\u00f6rt danach zu fragen.<\/p>\n<p>Die sp\u00e4te Nachmittagssonne lie\u00df den Roten Riesen leuchten wie einen Karfunkel, als Traviahold unweit des Klosters auf einem H\u00fcgel das Pferd anhielt und das sich ihm bietende Bild betrachtete. Vor ihm ragte das dreigeschossige Hauptgeb\u00e4ude des Klosters auf, umgeben von Baustelle und noch mehr Baustelle. Er meinte den bei\u00dfenden Geruch frisch aufgesetzter Maische wahrzunehmen, ausgestr\u00f6mt von der Brauerei, dem einzigen weiteren fertiggestellten Geb\u00e4ude. Derzeit wurde, ausgehend vom gro\u00dfen Wachturm, die Umfassungsmauer gebaut, die zuk\u00fcnftigen Ausma\u00dfe des Klosters lie\u00dfen sich jetzt schon an der Zeltstadt erahnen, in der die zahlreichen Arbeiter lebten. Als er vor einigen Tagen das letzte Mal hier war, hatte er veranlasst, dass unter Anleitung von Swelinja Prutz damit begonnen wird, die Felder zu bestellen. Entsprechend herrschte nicht nur auf der Baustelle reges Treiben, sondern auch auf den Fl\u00e4chen drum herum.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er gem\u00e4chlichen Schrittes weiter ritt, musste er an die zahlreichen H\u00e4nde denken, die dieses Kloster bauen. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Arbeiter sind die ehemaligen &#8222;Sklaven&#8220;, die aus den F\u00e4ngen der D\u00e4monen befreit wurden. Dadurch wurde Hochstieg entlastet und die meisten sind froh, etwas tun zu k\u00f6nnen, dabei aber gut versorgt und verpflegt zu werden. Viele hegen noch immer den Wunsch in ihre Heimat, zu ihren Familien, zur\u00fcckzukehren. Wer w\u00e4re Traviahold, wenn er diesen Wunsch nicht unterst\u00fctzen w\u00fcrde, doch war allen Seiten klar, dass es gelinde gesagt schwer ist, in die Warunkei zu gelangen. Und das Wissen, das er seit heute hatte, machte dies nicht leichter. Sollte er mit Charon dar\u00fcber sprechen oder nicht? Eigentlich sind die Informationen h\u00f6chst geheim, aber sollten sie nicht wissen, dass ihrer alten und ihrer neuen Heimat Krieg bevorsteht und sie noch f\u00fcr lange Zeit nicht zu ihren Familien kommen werden? Sieghelm w\u00fcrde ihm sicherlich den Kopf daf\u00fcr abrei\u00dfen. Charon, er musste kichern. Er ist der Erste des \u00c4ltestenrates der Warunkanier, wie die Gruppieren sich selbst nennt und inzwischen auch von allen genannt wird. Damit ist er in allen Angelegenheiten der erste Ansprechpartner und die wichtigste Vermittlungsperson &#8211; jedoch hei\u00dft er eigentlich Charyptoron. Es wurde aber die allgemeine Vereinbarung getroffen, dass sie alle nur noch eine verk\u00fcrzte Form ihres Namens tragen. Sie haben verstanden, dass niemand der Zw\u00f6lfg\u00f6ttergl\u00e4ubigen in und um Hochstieg die junge Razzazora bei ihrem Namen rufen kann. Traviahold fragt sich immer wieder, was es eigentlich f\u00fcr das Kloster hei\u00dft, dass es gr\u00f6\u00dftenteils von Personen erbaut wurde, die oft die Namen von D\u00e4monen und d\u00e4monischem Gez\u00fccht tragen. Wird es Fluch oder Segen sein? Zumindest nehmen immer alle geschlossen an den Messen teil. Vielleicht ist es der erste Schritt zur Missionierung der Warunkei. Obwohl abzuwarten bleibt, ob es bald noch was zu missionieren gibt, oder ob es sie selber \u00fcberhaupt noch gibt &#8211; so ein Knochendrache ist halt unberechenbar.<\/p>\n<p>Als er am Kloster ankommt wird ihm von allen Seiten zugewunken und er gr\u00fc\u00dft alle zur\u00fcck, als er zum Tempel reitet. Dort wird er auch sogleich von Helfwiege empfangen: <em>&#8222;Euer Hochw\u00fcrden! Was verschafft uns die Ehre eurer Anwesenheit?&#8220; &#8222;Mutter Helfwiege. Ich bin nur auf der Durchreise. Ich muss in einer dringenden Ordensangelegenheit nach Rommilys. Aber macht euch keine Sorgen, es ist nichts schlimmes geschehen, im Gegenteil, mein Bruder wird demn\u00e4chst zum Reichsritter geschlagen!&#8220; &#8222;Ach wie sch\u00f6n f\u00fcr ihn&#8220;<\/em>, antwortet Helfwiege mit einem Blick, der zeigt, dass sie sehrwohl seine L\u00fcge erkannt hat, aber die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit besitzt, dar\u00fcber hinweg zu sehen. <em>&#8222;Aber kommt doch ersteinmal hinein, das Essen f\u00fcr die Speisung ist bald fertig.&#8220; &#8222;Vielen Dank, aber ich wollte vorher noch Charon aufsuchen. Ich werde an der Speisung aber nat\u00fcrlich teilnehmen.&#8220;<\/em> Damit verabschiedet er sich wieder von der Erzpriesterin und macht sich auf den Weg durch die Zelte. Er kommt wie erwartet nur langsam voran, da er an gef\u00fchlt jedem zweiten Zelt stehenbeiben muss, um sich kurz zu unterhalten. Er hat in den letzten Monden mit Zufriedenheit wahrgenommen, dass das Verh\u00e4ltnis zwischen den Einheimischen und den Warunkaniern offener und besser geworden ist. Er w\u00e4re sogar nicht verwundert, wenn er bald einen ersten Traviasegen sprechen m\u00fcsste. Nach einiger Zeit kam er am Zelt von Charon an und betrat es. Im Inneren fand er wie erwartet den \u00e4lteren Herrn an einem kleinen Feuer vor. Er fragt sich manchmal, wie er die Qualen unter dem Berg \u00fcberstehen konnte. <em>&#8222;Euer Hochw\u00fcrden Traviahold, euer Besuch kommt \u00fcberrraschend&#8220;<\/em>, wird Trahiahold begr\u00fc\u00dft. <em>&#8222;\u00c4ltester Charon, ich werde nur \u00fcber Nacht bleiben und dann weiter reiten. Trotzdem wollte ich mit euch reden.&#8220; &#8222;Nun, dann setzt euch.&#8220; &#8222;Danke. Nun, wie soll ich anfangen? Ich suche, wie ihr wisst, nach M\u00f6glichkeiten, wie ihr in eure Heimat zur\u00fcckkehren k\u00f6nnt.&#8220; &#8222;Und daf\u00fcr sind wir euch sehr dankbar.&#8220;<\/em> Traviahold nickt. <em>&#8222;Doch ich f\u00fcrchte, keine allzu guten Nachrichten zu haben.&#8220; &#8222;Das stand zu bef\u00fcrchten.&#8220; &#8222;Es gibt&#8230;Ger\u00fcchte&#8230;\u00fcber&#8230;au\u00dfergew\u00f6hnliche&#8230;Aktivit\u00e4ten in eurer Heimat.&#8220;<\/em> Traviahold spricht sehr leise, langsam und l\u00e4sst sich viel Zeit bei der Wahl seiner Worte. <em>&#8222;Im Reich, also dem Mittelreich, herrscht daher eine gewisse Unsicherheit, Sorge, ja fast Angst.&#8220;<\/em> Nun nickt Charon verst\u00e4ndnisvoll: <em>&#8222;Daher ist niemand derzeit bereit eine Gruppe Menschen dorthin zu f\u00fchren. Das verstehe ich. Ich werde dieses Wissen erst ein mal f\u00fcr mich behalten. Im Gro\u00dfen und Ganzen haben sich alle mit dem derzeitigen Zustand arrangiert. Solange die Versorgungslage nicht schlechter wird, und jeder etwas zu tun hat, wird es keine Unruhe geben. Und ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam eine gute L\u00f6sung finden werden, wenn es n\u00f6tig wird.&#8220;<\/em> Traviahold wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als das Schlagen eines Holzl\u00f6ffels auf einen Suppentopf laut durch das Lager schallte. <em>&#8222;Die Speisung beginnt&#8220;<\/em>, meint er stattdessen, <em>&#8222;wollen wir gemeinsam gehen?&#8220; &#8222;Das w\u00e4re mir eine Freude Hochw\u00fcrden.&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Galopp hielt Traviahold nur solange bei, bis er an einer Weide ankam, von der er wusste, dass er ab hier nicht mehr von der Stadt aus zu sehen war. Er w\u00fcrde nat\u00fcrlich heute im Kloster \u00fcbernachten, aber je sp\u00e4ter er dort ankam, desto weniger Anliegen werden an ihn herangetragen. 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