{"id":7978,"date":"2018-11-05T21:26:37","date_gmt":"2018-11-05T20:26:37","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=7978"},"modified":"2018-11-05T21:37:43","modified_gmt":"2018-11-05T20:37:43","slug":"teil-ii-daemmerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=7978","title":{"rendered":"Teil II &#8211; D\u00e4mmerung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7950\" style=\"border: 5px solid #000000;\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"117\" \/><\/a>Mit einem z\u00fcgigen Schwung beendet Ser Gneisor den Brief an seine Exzellenz Nehazet ibn Tulachim, welcher zurzeit in Gareth weilt. Der Informationsgehalt der Nachricht ist brisant und \u2013 so hofft der Krieger \u2013 f\u00fcr ihre Aufgabe n\u00fctzlich. <em>\u201eBringt dies dem Siegelmeister, er wei\u00df, was zu tun ist\u201c,<\/em> befiehlt er dem dabeistehenden Kammerdiener, der nur zu diesem Zweck an der Seite des Schreibtischs des Marschalls in Hab-acht-Stellung gewartet hatte. Der nimmt das Schreiben an sich und verl\u00e4sst dann z\u00fcgigen Schrittes die Kammer. Als die T\u00fcr zuf\u00e4llt, vergeht keine Sekunde, da klopft es erneut an der T\u00fcr.<\/p>\n<p>Gneisors Leben als Ordensmarschall war, seitdem er den Treueschwur geleistet hatte, wesentlich aufregender und zugleich langweiliger geworden. Die meiste Zeit befand er sich genau hier \u2013 in der Marschallskammer \u2013 schrieb Briefe, beantwortete Anfragen oder sinnierte mit Halrik und Gustav dar\u00fcber, wie man die umliegenden L\u00e4ndereien besser bestellen konnte. Als Abwechslung von der Schreibtischt\u00e4tigkeit,half er ab und an bei der Ausbildung der Rekruten aus \u2013 denn Gustav Bieberbart, der Einheimische und ehemalige Gardist der Hammerschl\u00e4ger Stadtwache, war mit dieser Aufgabe gelinde gesagt \u00fcberfordert. Doch diese, f\u00fcr Gneisor willkommene Abwechslung, w\u00fcrde nun jemand anderes \u00fcbernehmen. Eine Ritterin von niederem Stand aus Greifenfurt. Im Begleitschreiben, welchen sie mit sich f\u00fchrte, stand, dass sie fortan die Heermeisterin der Kommende sein w\u00fcrde. Sie wurde bei der gro\u00dfen Turney in Gareth von Ser Sieghelm h\u00f6chstpers\u00f6nlich f\u00fcr diese Aufgabe rekrutiert. <em>Nun<\/em> &#8211; dachte sich Gneisor &#8211; <em>ihre Exzellenzen werden sich schon etwas dabei gedacht haben<\/em> \u2013 und ganz unrecht hatten Sie mit der Entscheidung auch nicht. Eine erfahrene Ritterin vermochte die zwei Rotten besser auszubilden, als ein ehemaliger Stadtgardist von gerade einmal Mitte zwanzig Sommern. Auch wenn dies f\u00fcr Gneisor nun bedeutete, dass sein Leben noch ein wenig langweiliger werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p><em>\u201eEintreten!\u201c<\/em> befahl er laut genug, dass die Person auf der anderen Seite der T\u00fcr den Ruf vernehmen konnte. Herein kam sein junger Knappe, der sechzehn Sommer z\u00e4hlende Junge aus dem Hause Korninger blieb seinem Herrn auch nach seinem Treueschwur f\u00fcr den Orden ergeben. Er ging sogar noch weiter und trat dem Orden ebenfalls bei. <em>\u201eIngmar, was kann ich f\u00fcr dich tun?\u201c <\/em>Der Umgangston des Ritters wurde sanfter, er pflegte mit seinem Knappen einen sehr freundschaftlichen Umgang auf Augenh\u00f6he. <em>\u201eEntschuldigt bitte die St\u00f6rung, Ser.\u201c<\/em> <em>\u201eSchon gut, Junge \u2013 was gibt es?\u201c<\/em> antwortete Gneisor knapp und machte eine weiterf\u00fchrende Geste. <em>\u201eIch ritt, wie ihr es mir aufgetragen hattet, zum Eilingshof \u2026\u201c<\/em> begann der Junge stotternd zu berichten, da erblickte Gneisor eine blutende Wunde am Haaransatz des Knappen. Sofort fiel er in die umsorgende v\u00e4terliche Rolle. Mit einem Satz stand er auf, schnappte sich vom Beistelltisch einen Lappen, tr\u00e4nkte diesen mit Wasser und ging auf seinen Jungen zu. \u201eBei der Leuin, was ist dir widerfahren, Junge \u2013 sprich!\u201c W\u00e4hrend Gneisor den Haaransatz es Jungen untersuchte und mit einem Lappen die blutende Stelle abtupfte, erz\u00e4hlte Ingmar mit zittriger Stimme: <em>\u201eIch konnte den Eilingshof nicht erreichen, ich ritt auf dem Weg gen Westen \u2013 ich kenne ihn sehr gut. An der Stelle wo die Baumreihe beginnt, schlug ich mit meinem Pferd wie gegen eine Mauer. Rosinante \u2026 sie \u2026\u201c<\/em> Ingmar entfuhr ein Schluchzen, Gneisor ahnte was er sagen w\u00fcrde. <em>\u201ePscht, ganz ruhig \u2013 dich trifft keine Schuld.\u201c<\/em> Beruhigte er ihn und dr\u00fcckte ihm v\u00e4terlich die Schultern. <em>\u201eBerichte was danach geschah.\u201c <\/em>Wieder entfuhr dem Knappen ein Schluchzen, dann atmete er tief durch und straffte die junge aber muskul\u00f6se Brust. <em>\u201eIn der Luft \u2026 da \u2026 ist eine Mauer. Ich konnte hindurchsehen und auch auf der anderen Seite die H\u00e4user des Eilingshofs in der Ferne sehen. Aber \u2026 egal wie weit ich nach links und rechts ging, es war kein Durchkommen. Ich schlug mit dem Knauf meines Schwerts dagegen, nichts passiert \u2026 ich versuchte einen Stein hin\u00fcber zu werfen, doch der Stein prallte in der Luft ab und fiel zu Boden. Ich \u2026. Versteh das nicht.\u201c <\/em>Gneisor durchfuhr ein ungutes und zugleich ahnendes Gef\u00fchl. Seine Ged\u00e4rme verkrampfen und am liebsten w\u00e4re er in sich zusammen gesunken und doch musste er jetzt stark bleiben. Er dr\u00fcckte den feuchten Lappen auf die Stelle, an der Ingmar verletzt war und griff sogleich zur Wand wo mehrere Kordeln f\u00fcr verschiedene Dienerklingeln hingen. Er zog an der f\u00fcr den Kammerdiener. Aus der Entfernung war nur ein leises Klingeln zu h\u00f6ren.<em> \u201eBeruhige dich jetzt erstmal. Press den Lappen gegen deine Wunde und setz dich. Die Leuin hat dich besch\u00fctzt, dass nicht auch dir das widerfuhr was deinem Pferd widerfahren ist\u201c,<\/em> h\u00f6rte Gneisor sich selbst sagen, doch f\u00fcr ihn klangen die Worte hohl \u2013 er hoffte, dass die Worte f\u00fcr seinen Knappen beruhigender klangen, als f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p>Von drau\u00dfen drang das Licht der untergehenden Praiosscheibe durch das Fenster und h\u00fcllte den Krieger und seinen Knappen in eine rotorange Aura. Den Anblick w\u00e4re wundersch\u00f6n gewesen, doch im Moment hatte Gneisor keinen Sinn f\u00fcr \u00c4sthetik. Er schritt nachdenklich auf und ab. Da betrat nach einem Klopfen der Kammerdiener das Dienstzimmer des Marschalls und schaute zuerst verwirrt und dann besorgt zu dem Knappen. Ser Gneisor stockte in seinem Gang und trat dann auf den Kammerdiener zu. <em>\u201eHast du den Brief schon dem Siegelmeister \u00fcbergeben?\u201c<\/em> Der Diener stutzte verwirrt. <em>\u201e\u00c4h, Ja, Ser \u2013 wie ihr befohlen habt.\u201c<\/em> <em>\u201eDann eile zu ihm und sag ihm, dass er den Brief noch nicht abschicken soll.\u201c<\/em> Befahl er zackig und deutete auf die T\u00fcr. Er wollte sich gerade umdrehen, doch da antwortete der Diener \u00fcberraschend: <em>\u201eTut mir leid, Ser, Studiosus Halrik wusste, wie eilig die Sache ist und hat den Raben schon losgeschickt.\u201c<\/em> In Gneisor zerbrach etwas. Niemand au\u00dfer ihm konnte es h\u00f6ren, oder vielmehr sp\u00fcren. Doch ein kleines bisschen von ihm zersprang in seine kleinsten Einzelteile. Gneisor wusste, dass der Moment irgendwann kommen w\u00fcrde, doch hatte er nicht damit gerechnet, dass es so fr\u00fch sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eRuf den Kleinen Rat zusammen, sofort!\u201c<\/em> befahl er ruhig und bestimmend. <em>\u201eSchnell!\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem z\u00fcgigen Schwung beendet Ser Gneisor den Brief an seine Exzellenz Nehazet ibn Tulachim, welcher zurzeit in Gareth weilt. 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