{"id":7949,"date":"2018-11-03T15:02:03","date_gmt":"2018-11-03T14:02:03","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=7949"},"modified":"2018-11-04T11:39:46","modified_gmt":"2018-11-04T10:39:46","slug":"die-ankunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=7949","title":{"rendered":"Teil I &#8211; Ankunft"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7950\" style=\"border: 5px solid #000000;\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sir-Gneisor-klein.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"117\" \/><\/a>Sein strenger Blick ging \u00fcber die gedrungenen Zinnen der Niederrungenfestung. Seine braunen Augen suchten die Ferne ab, so als w\u00fcrden sie ihm zu einer Erkenntnis verhelfen. Am Firmament hingen breite Wolkenfetzen, die im Licht der untergehenden Praiosscheibe selbiges in ein beeindruckes Farbenspektakel aus Orange- und Rott\u00f6nen tauchten. Der lange Weg hinauf zur Festung war gewunden und zog sich durch eine flache Rodung, auf der nur kleine Hecken wuchsen. Er hatte vor drei Monden veranlasst, dass der Baumbestand rund um die Festung auszud\u00fcnnen war, damit man einen weiteren Blick ins Land hatte und potenzielle Angreifer schneller auszumachen waren. Dieser Rodung war es nun auch zu verdanken, dass seine Augen einen Reiter erblickten, der sich der Festung n\u00e4herte. Er brauchte nichts zu tun, die Wachen waren inzwischen ausgebildet genug, um zu wissen, wie man reagierte. Der gestandene Krieger legte nur seine H\u00e4nde ruhig auf die kalten Zinnen. <em>Es ist kein Bote, daf\u00fcr ist das Pferd zu stark und der Reiter zu ger\u00fcstet. &#8211;\u00a0 <\/em>schloss er gedanklich aus seiner Beobachtung. <em>Vielleicht ist es ein Soldat aus der Stadt \u2013 <\/em>\u00fcberlegte er weiter. Doch schon lange war keiner mehr von dort hier hoch geritten. Der Krieger lie\u00df seinen Blick wieder durch die Ferne streifen. Er kniff die Augen etwas zusammen, um zumindest das Gef\u00fchl zu haben, besser gucken zu k\u00f6nnen. Doch das, wonach er Ausschau hielt, konnte er nicht erblicken. <em>Keine Rauchs\u00e4ulen, keine Banner, keine Lager. Alles ist ruhig. <\/em>\u2013 konstatierte er gedanklich. Vom h\u00f6chsten Turm der Festung aus konnte man die ganze Baronie \u00fcberblicken \u2013 weit hinunter bis zur Tarnele, nach Hammerschlag und sogar dar\u00fcber hinaus bis zum Gest\u00fct derer von Rahjaweiden. Alles war ruhig.<\/p>\n<p><em>\u201eEin Reiter n\u00e4hert sich!\u201c<\/em> rief die Torwache und der Krieger konnte beobachten, wie im Burghof Bewegung aufkam. Der Ruf der Wache drang nur schwach bis zu seinem Turm hinauf. Die Hunde des Zwingers bellten auf und zwei Sch\u00fctzer des Ordens bemannte das offene Tor. Das schwarze Banner des Schutzordens der Sch\u00f6pfung direkt unter ihm knatterte laut im Wind, als eine B\u00f6e aufkam.<\/p>\n<p>Die h\u00f6lzerne Luke hinter ihm \u00f6ffnete sich scheppernd. Ein junger schmaler Mann in einer langen und dunkelgrauen Robe stieg empor. Unter seinem Arm hielt er ein dickes Buch fest umklammert und auch einige hastig zusammengesuchte Schriftrollen klemmten zwischen seinem d\u00fcnnen Oberarm und seiner flachen Brust.<\/p>\n<p><em>\u201eSer! Ich habe es gefunden!\u201c<\/em> \u2013 intonierte der junge Mann au\u00dfer Atem, offenbar war er den ganzen Weg von der Bibliothek bis hier hoch gerannt. <em>\u201eTritt n\u00e4her Halrik\u201c,<\/em> antworte der Krieger knapp ohne den Blick von dem sich n\u00e4hernden Reiter zu lassen.<\/p>\n<p><em>\u201eIch habe die Abschriften der B\u00fccher aus der alten Senne durchgesehen \u2026\u201c <\/em>begann er zu erkl\u00e4ren, trat n\u00e4her an den Rand der Zinnen und prustete noch immer nach Luft. Seine schmalen Schultern bebten und seine Brust flatterte hastig auf und ab. Dem Krieger flog ein kurzes l\u00e4cheln \u00fcber die Lippen. Er mochte den jungen Studiosus, wenn man ihn mit einer Aufgabe betraute, konnte man sicher sein, dass er sich voller Inbrunst hineinst\u00fcrzen w\u00fcrde, bis er zu seiner angemessen L\u00f6sung kam. Und wenn er noch kein Ergebnis hatte, dann versicherte er, dass er weiter suchen w\u00fcrde bis er eines haben w\u00fcrde. \u201e \u2026 <em>und sie mit den geborgenen Aufzeichnungen der Kultisten verglichen. Es sieht so aus, als w\u00fcrden die Symbole die wir \u2026 oh ein Reiter!\u201c <\/em>Der Krieger schnaufte. Was er an dem jungen nicht mochte: Er war sehr leicht abzulenken. <em>\u201eSer Gneisor, sollten wir nicht der Wache Bescheid geben?\u201c <\/em>frug er im Tonfall eines Kindes, dass sich bei seinem Vater erkundigte, ob es nicht besser w\u00e4re der Forderung der Wegelagere \u201aalles Gold her oder Leben!\u2018 nachzukommen. Und was der Krieger noch nicht mochte: Dass er sich st\u00e4ndig in Dinge einmischte, von denen er nicht die geringste Ahnung hatte. <em>\u201eDie Symbole Halrik\u201c, e<\/em>rinnerte ihn der Ordensmarschall der Festung Friedstein im v\u00e4terlich geduldigen Ton. <em>\u201eAchja, ja \u2013 die Symbole.\u201c<\/em> bei der Suche nach der richtigen Schriftrolle, plumpsten ihm zwei herunter. Eines rollte er dann hastig auf und zeigte er dem Ordensmarschall. <em>\u201eWie ihr hier sehen k\u00f6nnt, Ser \u2013 stimmen diese Symbole hier \u00fcberein. Bisher konnten wir noch nicht bestimmen welche Bedeutung sie haben, doch nun wissen wir es!\u201c <\/em>Ser Gneisor blickte nur kurz auf die ihm vorgehaltene Schriftrolle, welche ein Wirrwarr aus Kritzeleien, zwiebelf\u00f6rmigen Kreisen, bauchigen Dreiecken und anderen Symbolen enthielt, wie sie jeden Tag in Tsaschulen entstanden. Sein Fokus lag auf dem Reiter der sich n\u00e4herte &#8211; als er kurz vor der Mauer war &#8211; erkannte Ser Gneisor, dass es sich nicht um einen Mann, sondern um eine Frau handelte. \u00a0<em>\u201eUnd dank eurer guten und teuren Ausbildung, f\u00fcr die der Orden jeden Mond aufkommt, seid ihr zu welchem Ergebnis gekommen, Studiosus?\u201c <\/em>Ser Gneisor blickte nun in die freudigen Augen des Jungen aus dem Hause Tarnel, die so funkelten, als h\u00e4tten sie gerade Omas geheime und letzte Keksdose oben auf dem Schrank gefunden. <em>\u201eDas Ergebnis, Ser ist \u2026\u201c<\/em> der freudige Blick wich adhoc aus dem zarten Gesicht, denn er wusste, dass die n\u00e4chsten Worte seinen Herrn nicht erfreuen w\u00fcrden. <em>\u201eSie haben Sara\u2019kiin herbeigerufen, die Limbusverzehrerin. Das hei\u00dft, sie ist hier, Sie ist auf unserer Sph\u00e4re.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Wind lie\u00df das Banner der Ordens wieder erneut knattern. Ein langer Moment verging. Ser Gneisor wusste, dass er diese Kunde an die Auserw\u00e4hlten schicken musste. Die Eiselementaristin Saria Fuxfell, die ehemalige Tr\u00e4gerin des Amuletts der Hesinde, war gefallen und nicht gestorben. <em>\u201eBist du dir <strong>wirklich<\/strong> sicher?\u201c <\/em>Ser Gneisor musste einfach nochmal nachfragen, obwohl er wusste, dass, wenn Halrik etwas postulierte, es so sicher war wie das Schweigen im Borontempel. <em>\u201eJa, Ser.\u201c <\/em>Antwortete er leise. <em>\u201eSoll ich eine Nachricht an Herrn Nehazet schicken?\u201c \u201eNein, ich werde die Nachricht selbst aufsetzen.\u201c <\/em>Was Ser Gneisor nicht sehen konnte war, dass Halrik nur best\u00e4tigend nickte und dann seinerseits ebenfalls einen Blick \u00fcber die Zinnen riskierte. Die Reiterin war inzwischen im Burghof angekommen und blickte geraden den Turm empor. Die Blicke des Ordensmarschalls und der neuen Schutzritterin und Heermeisterin der Ordensfestung trafen sich aus der Ferne. Unten im Hof \u00fcbergab die greifenfurter Ritterin die Z\u00fcgel ihres Pferdes an den Stallknecht. An einen Sch\u00fctzer gewandt befahl sie dann: <em>\u201eGeht zum Ordensmarschall und berichtet ihm, dass Brangane von Dunkelfang-Kr\u00f6tenbrunn, Ritterin aus Greifenfurt hier ist, um ihren Dienst als Heermeisterin der Komturei anzutreten.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sein strenger Blick ging \u00fcber die gedrungenen Zinnen der Niederrungenfestung. Seine braunen Augen suchten die Ferne ab, so als w\u00fcrden sie ihm zu einer Erkenntnis verhelfen. Am Firmament hingen breite Wolkenfetzen, die im Licht der untergehenden Praiosscheibe selbiges in ein beeindruckes Farbenspektakel aus Orange- und Rott\u00f6nen tauchten. 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