{"id":7923,"date":"2018-11-01T13:55:34","date_gmt":"2018-11-01T12:55:34","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=7923"},"modified":"2018-11-02T12:48:23","modified_gmt":"2018-11-02T11:48:23","slug":"eine-denkwuerdige-begegnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/eine-denkwuerdige-begegnung\/","title":{"rendered":"Eine denkw\u00fcrdige Begegnung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sieghelm.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7932\" style=\"border: 5px solid #000000;\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sieghelm.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"116\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sieghelm.png 348w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Sieghelm-300x289.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/a>Der Bergk\u00f6nig hatte gerade das Zelt verlassen und einen verst\u00f6rten Gewinner des Turniers f\u00fcr Schwere Waffen zur\u00fcckgelassen, als Sch\u00fctzer Rarik, der kauzige Krieger aus dem Hause Prutz, von seinem Posten vor dem Zelt hinein kam. Sieghelm hatte die Botschaft, dass das Bankett in die Thermen verlegt wurde, noch nicht ganz verdaut, da wurde er von seinem ergebenen Soldaten angesprochen: <em>\u201eMein Herr, dort ist jemand vor dem Zelt, der euch sprechen m\u00f6chte.\u201c<\/em> Sieghelm stutzte und sah Rarik fragend an. <em>\u201eHat er oder sie es nicht f\u00fcr n\u00f6tig gehalten, sich vorzustellen?\u201c<\/em> wollte er in einem fast schon belehrenden Tonfall wissen. <em>\u201eNein mein Herr \u2013 er sagte nur, er m\u00f6chte zu \u2026&#8220;<\/em> Rarik unterbrach sich und schluckte, denn was er jetzt aussprechen musste, fiel ihm schwer \u00fcber die Lippen zu bringen. <em>\u201e &#8230; verzeiht mir Sir, aber dies sind nicht meine Worte, sondern die des Herrn drau\u00dfen vor dem Zelt\u201c,<\/em> entschuldigte sich Rarik, der sichtlich besch\u00e4mt war und herumdruckste es auszusprechen. Sieghelm senkte die Brauen, sch\u00fcttelte die Verwirrung ab und streckte die Brust heraus. So hatte er seinen Sch\u00fctzer noch nie erlebt. <em>\u201eSprich Rarik \u2026\u201c<\/em> sagte er dann im ruhigen aber befehlenden Tonfall. <em>\u201eDer Herr sagte \u2026\u201c<\/em> setzte der b\u00e4rtige Sch\u00fctzer mit d\u00fcnnerer Stimme erneut an, <em>\u201e \u2026 er m\u00f6chte zu Sieghelm Ochsenschwanz\u201c<\/em>. Sieghelm durchfuhr ein zuckender Schmerz im unteren R\u00fccken. Ein Schmerz, den er schon lange nicht mehr gesp\u00fcrt und l\u00e4ngst vergessen hatte. Unwillk\u00fcrlich schob er beide Beine etwas breiter auseinander und verlagerte sein Gesicht gleichm\u00e4\u00dfig darauf. Sein Gesicht zeigte f\u00fcr einen kurzem Moment Entsetzen, gefolgt von einem noch k\u00fcrzeren Moment der Freude, nur um dann in Ausdruck der freudigen \u00dcberraschung zu verharren. <em>\u201eLass ihn ein, Rarik\u201c,<\/em> intonierte er. Rarik brauchte einen Moment um die Aussage seines Herrn zu verarbeiten. <em>\u201eJawohl, Sir.\u201c<\/em> Rarik deutete eine knappe Verneigung an und ging r\u00fcckw\u00e4rts aus dem Zelt heraus.<\/p>\n<p>Nachdem der Sch\u00fctzer das Zelt verlassen hatte, blickte sich Sieghelm wie ein Kind, dass kurz bevor die Eltern ins Zimmer kamen noch z\u00fcgig das letzte unaufger\u00e4umte Spielzeug unter das Bett schieben musste, hektisch im eigenen Lagerzelt um. Er unterdr\u00fcckte das Verlangen, den hastig hingeworfenen Wappenrock auf der Bank zusammenlegen zu wollen, und konzentrierte sich auf seine Haltung. Er war jetzt Ordensgro\u00dfmeister vom Orden zum Schutze der Sch\u00f6pfung, es gab keinen Grund f\u00fcr ihn sich wie dereinst zu verhalten. Er musste sich wahrlich nicht verstecken. Er rief sich in Erinnerung, dass er gerade das Turnier der Schweren Waffen gewonnen hatte \u2013 nicht irgendein Turnier \u2013 sondern das allj\u00e4hrliche stattfindende Turnier in Gareth. Jeder, wirklich jeder Krieger, der was auf sich h\u00e4lt, tr\u00e4umte davon. Jeder Krieger war schon mindestens einmal dabei und hatte die ganzen K\u00e4mpfer bewundert, wie sie mit all den Waffen umgingen und sich gegenseitig im rondragef\u00e4lligen Zweikampf miteinander duellierten. Und nicht nur das, Sieghelm hatte auch die Tjost, den Lanzenganz zu Pferd, gewonnen und er f\u00fchrte nun in der Gesamtwertung. Im Moment war er der gr\u00f6\u00dfte und umjubelteste Krieger des ganzen Mittelreichs, zudem stand noch der Ritterschlag zum Reichsritter aus \u2013 eine der h\u00f6chsten Ehren, die man als Absolvent einer mittell\u00e4ndischen Kriegerakademie bekommen konnte. Der Ritterschlag w\u00fcrde von der Regentin h\u00f6chstpers\u00f6nlich durchgef\u00fchrt werden. Sieghelm hatte jeden Grund dazu stolz auf sich zu sein \u2013 und dann betrat ER das Zelt.<\/p>\n<p>In das schwarze Zelt des Ordens kam ein gealterter, sehniger Krieger in einem schwarzroten Wappenrock. Ein grauer Haarkranz umspielte sein bares Haupt, welches von zahlreichen Narben \u00fcbers\u00e4ht war. Die ebenfalls grauen Brauen waren buschig und die Falten in seinem Gesicht waren in den letzten G\u00f6tterl\u00e4ufen zu tiefen Furchen geworden. Auf seinem Wappenrock war die rotbrennende Lilie der Kriegerakademie der Feuerlilien zu Rommilys zu sehen. Ein Anderhalbh\u00e4nder, dessen halbrunder Knauf und die schlichte Parierstange Sieghelm nur noch allzu schmerzlich in Erinnerung geblieben sind, hing fest auf seinem R\u00fccken.<\/p>\n<p><em>\u201eIn Feuer geboren, eure Exzellenz.\u201c<\/em> sprach der Mann in einem tiefen Tonfall, welcher \u00fcber die Jahre noch tiefer geworden war. In seiner Stimme war keine Spur von Bitterkeit oder Missgunst zu h\u00f6ren, was er sagte, meinte er ernst.<\/p>\n<p><em>\u201eIn Feuer geh\u00e4rtet.\u201c<\/em> antwortete Sieghelm mit so fester Stimme wie es ihm m\u00f6glich war, denn diese Begr\u00fc\u00dfungsfloskel war ihm noch gut in Erinnerung geblieben. <em>\u201eEs ist mir eine Ehre, euch nach so langer Zeit wiederzusehen, Meister Perainor.\u201c<\/em> Der alte Mann war kein geringerer als Sieghelms alter Schwertmeister Perainor G. von Bregelsaum, Ausbilder f\u00fcr den Waffengang mit dem Anderthalbh\u00e4nder an der Feuerlilienakademie. Perainors Blick wanderte innerhalb einer Sekunde durch den gesamten Zeltinnenraum. Sieghelm f\u00fchlte sich in seine alte Stube an der Akademie zur\u00fcckversetzt. Damals wie heute geh\u00f6rte es zum Teil der Ausbildung, dass die Schwertmeister auch f\u00fcr den ritterlich-traviagef\u00e4lligen Umgang mit der eigenen Stube und der eigener Ausr\u00fcstung der angehenden Krieger zust\u00e4ndig waren. Sieghelm schossen sofort mehrere Makel durch den Kopf: Der Wappenrock liegt nicht ordentlich zusammen, der unsortierte Waffenst\u00e4nder, die Beinschienen sind nicht poliert, auf den Stiefeln ist Schmutz, die Schwertscheide h\u00e4ngt nicht \u2026 <em>\u201eIch bin hier, um euch zu eurem Sieg zu gratulieren.\u201c<\/em> Sieghelms Gedankenstrang wurde j\u00e4h unterbrochen. Der Schwertmeister trat einen Schritt auf Sieghelm zu und reichte ihm die rechte Hand und dessen Unterarm zum Rittergru\u00df. In den ganzen vier G\u00f6tterl\u00e4ufen, die er an der Akademie war, hatte er niemals den Rittergru\u00df vom Schwertmeister angeboten bekommen. \u00a0Er blickte auf die ledernen Handschuhe des grau gewordenen Schwertmeisters \u2013 es waren immer noch dieselben wie damals \u2013 fein gegerbtes und zweimal geh\u00e4rtetes Ziegenbauchleder. Wenn man damit einen Schlag mit dem Handr\u00fccken bekam, hatte man noch Tage danach die N\u00e4hte und Nieten als Abdruck im Gesicht. Sieghelm musste seinem Arm befehlen nach dem Unterarm des Schwertmeisters zu greifen, irgendetwas in ihm widersetze sich. Die Pranken der beiden Krieger umschlossen sich und ein lauter Knall durchdrang das Zelt als gegerbtes Leder aufeinander prallte. <em>\u201eIch \u2026\u201c<\/em> h\u00f6rte sich Sieghelm sagen <em>\u201e \u2026 danke euch, Meister.\u201c<\/em> Berauscht von dem Moment, war Sieghelm nicht Herr seiner Gedanken. Vor ihm stand sein alter Schwertmeister, h\u00e4rtester Ausbilder und gr\u00f6\u00dfter Feind.<\/p>\n<p><em>\u201eSpart euch das \u201aMeister\u2018 \u2013 die Ausbildung ist seit f\u00fcnf G\u00f6tterl\u00e4ufen beendet. Ich habe eure K\u00e4mpfe beobachtet \u2013 ihr schlackert auf euren Beinen noch immer wie ein Ochsenschwanz umher. Ich habe in den vier Jahren die ihr Sch\u00fcler an der Akademie wart, vergeblich versucht euch das auszutreiben.\u201c<\/em> Ein kurzes und s\u00fcffisantes L\u00e4cheln umspielt die Lippen des Schwertmeisters. Erneut korrigiert Sieghelm seine Beinhaltung und versucht damit vergeblich der \u00a0\u201aOchsenschwanzhaltung\u2018 entgegenzuwirken. <em>\u201e \u2026 doch offensichtlich &#8230;\u201c<\/em> Setzt Perainor fort <em>\u201e \u2026 begr\u00fcndet ihr damit euren ganz eigenen und offensichtlich erfolgreichen Kampfstil.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Drau\u00dfen vor dem Zelt musste sich Sch\u00fctzer Prutz ein lautes Lachen verkneifen, als er das Gespr\u00e4che im Inneren des Zeltes verfolgte. Unter keinen, absolut gar keinen Umst\u00e4nden d\u00fcrfe jemals jemand davon erfahren. Niemand d\u00fcrfe es jemals h\u00f6ren, denn dann w\u00fcrde Sieghelms Kampfstil als die \u201eOchsenschwanzhaltung\u201c in die Geschichte eingehen. Dann kam pl\u00f6tzlich Knappe Perainius von einem Botengang zur\u00fcck. <em>\u201eHey Perainius!\u201c<\/em> rief Rarik im Fl\u00fcsterton und grinste dabei verschw\u00f6rerisch. <em>\u201eH\u00f6r mal, ich muss dir etwas erz\u00e4hlen.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bergk\u00f6nig hatte gerade das Zelt verlassen und einen verst\u00f6rten Gewinner des Turniers f\u00fcr Schwere Waffen zur\u00fcckgelassen, als Sch\u00fctzer Rarik, der kauzige Krieger aus dem Hause Prutz, von seinem Posten vor dem Zelt hinein kam. 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