{"id":7128,"date":"2016-08-24T09:21:01","date_gmt":"2016-08-24T07:21:01","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=7128"},"modified":"2016-08-24T09:29:08","modified_gmt":"2016-08-24T07:29:08","slug":"gastfreundschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/gastfreundschaft\/","title":{"rendered":"Gastfreundschaft"},"content":{"rendered":"<p><em>Azina sitzt an ihrem Feuer vor dem Warnturm mitten in den Trollzacken und starrt in die Flammen. Elfenbein hat sein noch blutverschmiertes Maul in ihren Scho\u00df gelegt. In Gedanken versunken krault sie ihm hinter den Ohren, w\u00e4hrend das B\u00e4renfleisch am Stock vor sich hin brutzelt.<\/em><\/p>\n<p>Es scheint, als habe ich die letzten zwei Tage verschlafen. Wie konnte mir die Ver\u00e4nderung von Kalkarib entgehen? Nun ja, er hat sehr viel gebetet. Sehr viel. Und des n\u00e4chtens war Delia bei ihm und hat wer wei\u00df was mit ihm getrieben. Sie haben nun noch etwas gemeinsam. Sie tragen beide d\u00e4monisches Wirken in sich. Sie sind beide eine Gefahr f\u00fcr alle. Kalkarib noch mehr als sie.<\/p>\n<p>Er denkt, er sei hier Gast. Ich denke, er steht unter Arrest! Zumindest bis Nehazet eine L\u00f6sung f\u00fcr das Problem hat. Ich hoffe, er arbeitet fieberhaft daran. Nicht, dass es uns wieder in die Stadt zieht. Nein. Aber ich habe Garnan ein Versprechen gegeben. Und das will ich halten. Muss ich halten.<\/p>\n<p>Und wenn er gastfreundlich h\u00e4tte sein wollen, so h\u00e4tte er nach meiner ersten freundlichen Aufforderung sein Lager abbauen und nicht seinen Besitzanspruch auf das Bett unterstreichen sollen, wie er es getan hat, in dem er seelenruhig seinen Teppich dort verstaute. Gastfreundschaft hei\u00dft, f\u00fcr andere auf etwas verzichten. Habe ich ihnen nicht selbstlos das warme Zimmer f\u00fcr die N\u00e4chte \u00fcberlassen? Er selbst verzichtet auf nichts. Er bekommt alles was er braucht, ohne etwas zu tun. Essen, Kleidung, ein Bett, Zeit und meine Wache. Wer w\u00e4re zur Stelle gewesen, h\u00e4tte sich etwas aus ihm gel\u00f6st. Wer h\u00e4tte ihm geholfen? Niemand. Er w\u00e4re allein. Er w\u00e4re wom\u00f6glich schon l\u00e4ngst tot, w\u00e4re ich nicht bei ihm geblieben.<\/p>\n<p>Ich habe nicht \u00fcbel Lust auf ihn zu fluchen, diesem armseligen Wurm.<\/p>\n<p>Was er sich einbildet so mit mir zu sprechen? Antwortet nicht direkt auf meine Bitten, verweigert den Disput. Ignoriert mich einfach. Mistkerl. Hat sich kein St\u00fcck ge\u00e4ndert. Immer noch der gleiche Empork\u00f6mmling! Man sollte meinen, er w\u00e4re nun ein wenig dem\u00fctiger. Jetzt wo wir ihn gleich zweimal aus unendlichen Qualen befreit haben. Aber nein. Nicht der Herr mit seinem Wasserk\u00e4nnchen.<\/p>\n<p>Noch dazu ist er hoch gef\u00e4hrlich! Ich h\u00e4tte ihn und das lila Geschw\u00fcr in ihm sofort t\u00f6ten sollen, als ich die Gelegenheit dazu hatte! Es ist ein Privileg noch am Leben zu sein! Und nun das. So dankt man f\u00fcr das Leben, das einem geschenkt!<\/p>\n<p>Und doch \u2026 wer\u00a0 bin ich, dass ich \u00fcber Tod und Leben zu entscheiden h\u00e4tte? Er scheint zumindest stabil zu sein. Ich gebe mich geschlagen. Sieghelm kennt die Situation und wei\u00df, in welcher Gefahr er sich befindet. Und offenbar ist es ihm gleich. So soll es auch mir sein. Nur werde ich keinen Finger mehr f\u00fcr den Sohn der W\u00fcste krumm machen. Soll der D\u00e4mon doch seine Eier zermalmen!<\/p>\n<p>______________________________<\/p>\n<p>Azinas Gedanken<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Azina sitzt an ihrem Feuer vor dem Warnturm mitten in den Trollzacken und starrt in die Flammen. Elfenbein hat sein noch blutverschmiertes Maul in ihren Scho\u00df gelegt. In Gedanken versunken krault sie ihm hinter den Ohren, w\u00e4hrend das B\u00e4renfleisch am Stock vor sich hin brutzelt. 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