{"id":7106,"date":"2016-07-29T20:58:45","date_gmt":"2016-07-29T18:58:45","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=7106"},"modified":"2016-07-29T21:53:43","modified_gmt":"2016-07-29T19:53:43","slug":"die-geister-die-ich-rief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=7106","title":{"rendered":"Die Geister die ich rief"},"content":{"rendered":"<p>Greifenfurt, 26.Phex 1012<\/p>\n<p>Als Lumin bei Ardach und Rontja auf dem Platz der Sonne ihrem Disput, wie denn der Leichnam des Geh\u00e4uteten am besten zu entfernen sei, beiwohnte, h\u00f6rte er ihnen schon kaum noch zu. Ihm schwirrte etwas ganz anderes im Kopf herum und legte seine Stirn in Falten. Ardach, der ab und an zu ihm hin\u00fcberschaute, deutete seine Miene wohl als nachdenklich, denn es unterbrach seinen Redeschwall nicht.<\/p>\n<p>&#8222;So kommen wir nicht weiter, ich muss erst einmal etwas anderes erledigen.&#8220; stahl Lumin sich von den beiden anderen, die es wohl nur am Rande bemerkten. \u00a0Er musste etwas tun. Er musste mit Charush reden, sie k\u00f6nnte ihm sicher helfen!<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur\u00fcck zur Fuchsh\u00f6hle fror er merklich. Der Wind fegte ihm durchs Haar und zerzauste seine wohl gek\u00e4mmte Frisur, die K\u00e4lte kroch ihm in die Glieder wie Raureif, der sich auf einem Blatt ausbreitet. Er zog seinen Mantel etwas fester zu. Die Hitze, die er ohne Probleme imstande war, selbst zu erzeugen, half nur wenig. Die Sonne, die ihn nie st\u00f6rte, blendete ihn pl\u00f6tzlich und lie\u00df ihn blinzeln, sodass er den heranrollenden Wagen erst zu sp\u00e4t bemerkte. &#8222;Pass doch auf, Holzkopf!&#8220; Der Fahrer riss das Gespann herum, rammte ihn aber doch, sodass Lumin ein paar Meter weit geschleudert wurde und in eine Pf\u00fctze platschte. Die Welt um ihn herum verschwamm. \u00a0Als er wieder erwachte, wedelte der Fahrer des Wagens noch im Weiterfahren drohend mit der Faust, bis er hinter der n\u00e4chsten H\u00e4userecke verschwand. Der Halbelf rieb sich, noch in der Pf\u00fctze sitzend, die H\u00fcfte. Hoffentlich nur eine Prellung, dachte er bei sich und erhob sich, in nun in ein teils br\u00e4unlich-feuchtes Gewand geh\u00fcllt und trottete, diesmal mehr auf seine Umgebung achtend, in Richtung Fuchsh\u00f6hle.<\/p>\n<p><em>Bu-\u00dfe! Bu-\u00dfe! Bu-\u00dfe!<\/em>\u00a0glaubte er im Tropfen des Wassers zu vernehmen. So ging das schon ein paar Stunden, seit Zerwas besiegt war.\u00a0Er war schon seit seiner Zeit auf der Akademie imstande, aus dem\u00a0S\u00e4useln des Windes, dem Knistern des Feuers Gef\u00fchle, Stimmungen herauszudeuten. Doch so deutlich sprachen die Elemente noch nie zu ihm, noch nie konnte er ganze Worte, geschweige denn S\u00e4tze vernehmen. Dazu kam, dass die Elemente ihm irgendwie b\u00f6se gestimmt zu sein schienen. Aber wieso?<\/p>\n<p><em>He glda, Fleiglschlingl. Haglst dichgl wohlgl \u00fcberglnommglen, Maglglierglein?<\/em> Gluckerte es irgendwo zu seiner Linken. Er schaute sich um. Keine Menschenseele in der N\u00e4he. In der Richtung, aus der er das gluckernde Ger\u00e4usch vernahm, in einer Gasse, befand sich eine gro\u00dfe Pf\u00fctze, in die die Reste des Regens durch eine undichte Dachrinne in kleinem Strahl hineinflossen. Er kam n\u00e4her. <em>Gllllotz nichtgl so!<\/em>\u00a0In den Wellen und dem aufgew\u00fchlten Schlamm und Dreck meinte er, ein Gesicht zu erkennen, das sich st\u00e4ndig ver\u00e4nderte und grimmig dreinschaute. <em>Jagl, ichgl weigl\u00df, wasgl dugl denglst. Viegleicht bingl-ich nurgl eingle Proglektion deingler Gledanglen, viegleicht binglich echglt? Eglal, ichgl glann dirgl glelfengl.<\/em> Wie denn, wollte er gerade fragen, als ihm die Unf\u00f6lrmige Gestalt die Frage bereits von den Lippen las. <em>Wenngl dichgl jemangld vongl deinemgl Umglfeld entreiglen w\u00fcrglde, ingl eineglandeglere Eglene, glie w\u00fcrglest dugl gldas finglden? Glumal esgl niegl ausgl pers\u00f6gnlicher Noglt herglaus wargl!\u00a0<\/em>Dann knisterte und rauschte es neben ihm.\u00a0<em>Genau, meine Flamme, der Schlammwichtel hat recht.\u00a0<\/em>Charush, seine geliebte Charush materialisierte sich neben ihm. In der Realit\u00e4t. Bei hellerlichtem Tag. Er wusste nicht, ob er erschreckt oder erfreut sein sollte. <em>Du hast ihrer Meinung nach zu oft Elementare ihrer nat\u00fcrlichen Ebene entrissen. Sie erwarten eine Gegenleistung, ein Opfer und ein Versprechen. Mehr darf ich dir dazu nicht sagen. \u00a0&#8222;<\/em>Geht es euch gut? Sagt doch was!&#8220; Etwas r\u00fcttelte ihm an der Schulter.<\/p>\n<p>Er \u00f6ffnete die Augen. Er lag offenbar immer noch in der Pf\u00fctze, halb an \u00a0eine H\u00e4userwand gelehnt. Oh, wie ihm der Sch\u00e4del brummte! &#8222;Bei den Zw\u00f6lfen, ihr seid heile, Meister!&#8220; \u00dcber ihm gebeugt war der Fahrer des Wagens. Sein L\u00e4cheln entbl\u00f6\u00dfte eine Reihe schwarzer Stumpen. Jetzt bemerkte er erst den fauligen Atem, der ihm seit einer Weile entgegen schlug. Vielleicht hatte der ihn ja aufwachen lassen. Bei dem Gedanken schmunzelte er. &#8222;Moment, soll ich euch aufhelfen, Meister? Oder schafft Ihr es allein? Oh das tut mir echt leid, wa? Aber scheint ja allet in Ordnung zu sein, wa?&#8220; Beim letzten Satz konnte man, w\u00e4re man im Lesen von Mienen ein wenig geschult, was Lumin nicht war, eine Mischung aus Furcht und Hoffnung ablesen. &#8222;Nein danke, es geht schon. Habt dank f\u00fcr eure Sorge. Dem Wagen ist nichts passiert?&#8220; Der Mann schien etwas verwirrt. &#8222;Oh nee, der is robust, keene Sorje, Meister. Hauptsache ihr seid unvasehrt. Wenn sonst weiter nischt is, mach ick mich wieda uffn Wech?&#8220; &#8222;Jaja, alle in Ordnung.&#8220; Eilig stieg der Mann wieder auf den Karren und lie\u00df ihn vom Arbeitspferd von dannen ziehen. <em>Nun wei\u00df ich was zu tun ist!<\/em><\/p>\n<p>Wieder in der Fuchsh\u00f6hle bestellte er sich eine normale Sch\u00fcssel, ein Rasiermesser und eine Sch\u00fcssel Wasser aufs Zimmer. Er zog sich aus und stellte den Korb mit seiner W\u00e4sche vor die T\u00fcr. Er kramte in seinem Rucksack und fand das St\u00fcck Leder mit dem eingebrannten Hexagramm und den Zeichen der Elemente, breitete es auf dem Boden aus. Er stellte die Sch\u00fcsseln vor sich ab und wusch sich zun\u00e4chst gr\u00fcndlich mit dem Wasser, darauf achtend dass m\u00f6glichst viel davon wieder in der Sch\u00fcssel landete, dann schor er sich die Haare mit dem Rasiermesser und legte\u00a0sie in die zweite Sch\u00fcssel. Er kniete sich auf das Leder. Die Haare entz\u00fcndete er daraufhin. Als sie heruntergebrannt waren, nahm er die \u00a0Wassersch\u00fcssel und goss sie in kleinen Schl\u00fccken in die Schale mit den nunmehr verbrannten Haaren und sprach dabei: &#8222;Hiermit gelobe ich, nie wieder mehr als einmal im Mond ein Elementar seiner Ebene zu entrei\u00dfen und dies nur zu tun, sollte unmittelbar Gefahr f\u00fcr mein Leib und Leben oder die elementare Ordnung und Sch\u00f6pfung als ganzes\u00a0bestehen und entschuldige mich f\u00fcr die Unordnung, die ich auf den Ebenen verursacht haben sollte! Bitte vergebt mir und akzeptiert mich wieder als einen, der den Elementen nicht gebietet, sondern ihnen zum Dienst verpflichtet ist!&#8220; Als das letzte Wort gesprochen war und der letzte Tropfen in die Sch\u00fcssel fiel, wurde das ru\u00dfige Wasser klar und der Gestank von verbrannten Haaren verschwand aus der Luft. Merklich erleichtert atmete Lumin aus und ein L\u00e4cheln zauberte sich auf sein Gesicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Greifenfurt, 26.Phex 1012 Als Lumin bei Ardach und Rontja auf dem Platz der Sonne ihrem Disput, wie denn der Leichnam des Geh\u00e4uteten am besten zu entfernen sei, beiwohnte, h\u00f6rte er ihnen schon kaum noch zu. Ihm schwirrte etwas ganz anderes im Kopf herum und legte seine Stirn in Falten. 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