{"id":6877,"date":"2016-01-23T16:01:27","date_gmt":"2016-01-23T15:01:27","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=6877"},"modified":"2016-01-23T16:01:27","modified_gmt":"2016-01-23T15:01:27","slug":"reflexionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=6877","title":{"rendered":"Reflexionen"},"content":{"rendered":"<p>24. Phex 1012 B.F., unterirdische H\u00f6hle in Greifenfurt<\/p>\n<p>Nach der Beerdigung Stordans bedeutete Lumin den anderen unter einem Vorwand, er br\u00e4uchte kurz \u00a0einen Moment f\u00fcr sich. Er lief hinunter ans Wasser, immer wieder \u00fcber die Schulter schauend, ob ihm auch niemand folgt, und fand tats\u00e4chlich eine kleine Stelle, die so von Steinen umringt war, dass man sie von keinem Ort aus einsehen konnte. Au\u00dferdem war es hier unglaublich still, nur entfernt konnte man den Wasserfall rauschen h\u00f6ren. Dieser Ort schien perfekt. Er suchte sich ein mit Moos bedecktes Fleckchen, steckte seinen Stab knirschend in den Kies daneben und nahm auf dem Mooskissen im Schneidersitz \u00a0platz. Er schloss die Augen, lie\u00df seinen Geist fallen und schloss in seinen Gedanken die Umwelt aus, sodass es vor seinem inneren Auge nur noch ihn und den Stab gab. Er konzentrierte sich auf den Rubin an der Stabspitze und sah sich von seinem K\u00f6rper l\u00f6sen und auf ihn zufliegen, wobei er immer kleiner wurde, bis er schlie\u00dflich in ihm verschwand. Diese Technik war ihm schon in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen, schlie\u00dflich hatte er sie schon unz\u00e4hlige Male auf seinen Reisen angewandt. Im Inneren der Kugel konnte man durch die glasartige Kuppel die Au\u00dfenwelt in ein r\u00f6tliches Licht getaucht sehen, im inneren war es eingerichtet wie ein gutes Gasthauszimmer, nur dass die M\u00f6bel aus schwarzem Basalt geformt waren. Hier ein \u00fcppiges Bett, dort ein Sofa mit roten Samtkissen, von der Kuppel hing ein Kronleuchter und auf der gegen\u00fcberliegenden Seite war ein Sessel, der einem an der Wand befindlichen Kamin zugewandt war. Es roch nach einer Mischung aus verbranntem Holz und Duft\u00f6len. Nat\u00fcrlich wusste Lumin, dass hier nichts real war, sein Geist interpretierte die Verbindung nur anhand von Dingen, die ihm vertraut waren.<br \/>\nAuf dem Sessel sa\u00df eine Gestalt. Als Lumin auf sie zuschritt, stand sie auf und drehte sich um. Es war eine junge Frau, vielleicht gerade zwanzig G\u00f6tterl\u00e4ufe alt, mit langen rotem Haar und einem unauff\u00e4lligen Kleid, das jedoch ihre Vorz\u00fcge hervorhob. In Ihren Augen schien es zu funkeln und auf ihnrem Mund zeichnete sich ein keckes L\u00e4cheln ab. In seinen Gedanken hallte eine Stimme, die klang, wie ein knisterndes Feuer.<\/p>\n<p><em>Ich h\u00e4tte nicht gedacht, dass wir uns so schnell wieder sehen, mein Funke. Die Freude, dich wiederzusehen, ist\u00a0aber dadurch nicht minder gro\u00df. Gibt es einen Grund f\u00fcr dein Erscheinen?<\/em><\/p>\n<p>In Ihren Gedanken antwortete Lumin ihr:\u00a0<em>Ich freue mich auch, dich zu sehen, auch wenn die Augenblicke so fl\u00fcchtig sind, wie Morgentau an einem Sommermorgen.\u00a0<\/em>Sein L\u00e4cheln wurde zu einer ernsten Miene.\u00a0<em>Ich brauche mal wieder deinen Rat. Der Listige H\u00e4ndler, der uns f\u00fchrte, ist scheinbar von uns gegangen. Sein Tod schmerzt mich nicht, mehr der Verlust seiner F\u00fchrung. Schlie\u00dflich kannte er sich von uns allen am besten mit den Gepflogenheiten in der Stadt und dem R\u00e4nke- und Intrigenspiel aus. Das war am Ende wohl auch unsere Schw\u00e4che &#8211;\u00a0dass wir uns zu sehr auf ihn verlassen haben. Nun sind wir F\u00fchrerlos und unsere Probleme scheinen mehr zu sein als vorher. Es fehlt uns ein vern\u00fcnftiger Plan. Die Befreiung dieser Stadt scheint nun ferner als zuvor. Die Elfenk\u00f6nigin konnte uns auch nicht mit dem Aufenthaltsort des brennenden Folianten helfen. Deine Befreiung scheint nun also ebenso in weiter Ferne, wie die der Stadt. Ich bin also wahrhaftig ratlos.<\/em><\/p>\n<p>Charush nahm ihn l\u00e4chelnd an die Hand und zog ihn auf das Sofa hin\u00fcber. Sie platzierten sich halb sitzend, halb liegend auf dem M\u00f6bel. Charush\u00a0erkl\u00e4rte\u00a0<em>Also ich sehe das so: wenn ein Waldbrand ein Areal vernichtet, scheint es das Ende zu sein, aber das Ende alter Dinge ist auch gleichzeitig die Chance f\u00fcr einen Neuanfang. Kleine B\u00fcsche und Str\u00e4ucher k\u00f6nnen erneut auf dem nun gut ged\u00fcngten Boden wachsen, ohne dass ihnen die gro\u00dfen B\u00e4ume das Licht, das sie ben\u00f6tigen, wegnehmen. Denk daran. Und Meine Befreiung hat Zeit, schlie\u00dflich geht es bei Greifenfurt um das gro\u00dfe Ganze. Die Mittellande m\u00fcssen bereit sein f\u00fcr die Gefahr aus dem Osten. Pers\u00f6nliche Interessen, seien sie auch noch so wichtig, k\u00f6nnen hinten angestellt werden. Au\u00dferdem w\u00e4hrt dieser Zustand schon so lange, da sind doch ein paar Jahre nicht so schlimm.<\/em><\/p>\n<p>So sanft die Verbindung anfing, so abrupt endete sie. Pl\u00f6tzlich fand sich Lumin wieder am unterirdischen See, doch mit dem Unterschied, dass er nun wusste, was zu tun war. Er nahm sich seinen Stab und schritt selbstbewusst zur\u00fcck zu den anderen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24. Phex 1012 B.F., unterirdische H\u00f6hle in Greifenfurt Nach der Beerdigung Stordans bedeutete Lumin den anderen unter einem Vorwand, er br\u00e4uchte kurz \u00a0einen Moment f\u00fcr sich. 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