{"id":6741,"date":"2015-10-03T18:21:54","date_gmt":"2015-10-03T16:21:54","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=6741"},"modified":"2015-10-03T18:21:54","modified_gmt":"2015-10-03T16:21:54","slug":"so-viel-zutun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=6741","title":{"rendered":"So viel zutun!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die schwere holzvert\u00e4felte Doppelt\u00fcr der Magistratenstube f\u00e4llt erneut ins Schloss. Ein fahler Windzug l\u00e4sst die drei breiten Kerzen auf dem Schreibpult des Mannes, der vor kurzem die Gesch\u00e4fte in der Stadt \u00fcbernommen hat, gespenstig flackern. Der mit roter aranischer Seide, die er selbst einst aus dem exotischen S\u00fcden von einer Handelsreise mitgebracht hatte, bespannte Mohagonistuhl des Magistraten knarzt, als sich der alternde Patrizier wieder hinein gleiten l\u00e4sst. Ein langer ersch\u00f6pfender Seufzer entf\u00e4hrt Stordans Kehle. <em>&#8222;So viel zutun &#8230;&#8220;<\/em> haucht er und schaut \u00fcber die zahlreichen, sich stapelnden Dokumente, B\u00fccher, Schriftrollen und Pergamente auf seinem Schreibpult, als w\u00e4ren sie eine Aveskarte, auf der geschrieben steht welcher Route man folgen muss um zum gew\u00fcnschten Ziel zu kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;In zwei Tagen wird der Usurpator die Festung und Stadt verlassen, es bleibt nicht mehr viel Zeit um den Widerstand aufzubauen um Greifenfurt zur\u00fcck zu erobern. Er wird einige Tage fort sein &#8211; gut &#8211; aber der beste Moment ist kurz nach seiner Abreise, so dass der Bev\u00f6lkerung ausreichend Zeit bleibt um sich auf seine R\u00fcckkehr vorzubereiten.&#8220; <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein dumpfes Pochen hallt durch die Amtsstuben. <em>&#8222;Herein!&#8220;<\/em> br\u00fcllt Stordan \u00fcber die Unterlagen und Pergamente hinweg. Das aufstehen spart er sich inzwischen. Vier M\u00e4nner treten ein, Beilunker Botenreiter, sie sollen je ein Schreiben an die Kontormeister nach Perricum, Zorgan und Vinsalt bringen. Die Gesch\u00e4fte m\u00fcssen wiederaufgenommen werden, ob Krieg oder Frieden &#8211; der Handel darf nicht stagnieren. Stirbt der Handel, stirbt auch das Land. <em>&#8222;&#8230; und ihr, bringt dieses Schreiben Meister Tsadan Oberndorfer vom Spichbrecher Handelskontor in Zorgan im Stadtteil Zorrigan. Reitet so schnell ihr und euer Pferd es k\u00f6nnen!&#8220; <\/em>Seine Worte sind hart und bestimmend, die M\u00e4nner verlassen die Stuben und noch ehe das Flackern der Kerzen aufgeh\u00f6rt hat, ert\u00f6nt erneut das pochende Klopfen. <em>&#8222;Irgan &#8230;&#8220; <\/em>beginnt er rasch. <em>&#8220; &#8230; legt alles dorthin, ich habe weitere Erlasse f\u00fcr euch die ihr zu Pergament bringen m\u00fcsst.&#8220;<\/em> Der Stadtschreiber l\u00e4d \u00e4chzend drei dicke B\u00fccher aus der Bibliothek auf der Eichenholzanrichte ab. Alles was er finden konnte \u00fcber dn Henker und seine Vergangenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Die Nornpforte, die Schanze und das Greifenberger Tor m\u00fcssen verschlossen werden! Wenn nur das S\u00fcdtor offen bleibt, kann ich die Ein- und Ausfuhr an Waren und Menschen besser kontrollieren. Ich brauche dringend Leute denen ich vertrauen kann und die ein geschultes Auge besitzen. Sie m\u00fcssen gleichsam f\u00e4hig sein den orkischen Torwachen vorzuspielen nur einfache Gardisten zu sein, als auch so vertrauensw\u00fcrdig, dass sie nur mir Bericht erstatten. Wo bekomme ich die nur her? Auch Lysandras S\u00f6ldner k\u00f6nnen so besser in die Stadt geschleust werden. Zudem ist &#8211; nach der R\u00fcckeroberung der Stadt &#8211; dann nur noch ein Tor zu verbarrikadieren. Wie argumentiere ich vor dem Usurpator? Ein bevorstehender mittell\u00e4ndischer Angriff? Klingt gut &#8211; das werden sie Orks schlucken und h\u00e4lt die Bev\u00f6lkerung im Glauben an eine R\u00fcckeroberung. Zwei Boronsfliegen mit einer Klappe &#8211; Feqs ich danke dir f\u00fcr diese Eingebung!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Wie ist euer Name?&#8220; <\/em>fragt Stordan die junge und grazile Frau die hinter ihm aufgetaucht war. <em>&#8222;Ela ist mein Name.&#8220;<\/em> antwortet sie mit ruhiger Stimme. <em>&#8222;Nehmt dort euren Platz ein &#8230; nein nicht dort &#8230; dort!&#8220;<\/em> Stordan wirft ihr einen letzten Blick zu und wendet sich dann wieder den Stadtgesch\u00e4ften zu. Sie Stundenkerze brennt unerm\u00fcdlich weiter &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Ich habe ihm mein Essen \u00fcberlassen, obwohl ich ahnte, dass es vergiftet war &#8230; armer Rukus. Zehn Dukaten und ein paar Blumen sind das einzige was ich im Moment tun kann um seine Witwe zu entsch\u00e4digen. Wie lange war er eigentlich in meinen Diensten? Vier? F\u00fcnf oder waren es sechs G\u00f6tterl\u00e4ufe? Verphext &#8230; was wusste ich eigentlich \u00fcber ihn? Ich muss mir zuk\u00fcnftig mehr Zeit f\u00fcr meine Angestellten nehmen. Travia verzeih mir &#8211; ich h\u00e4tte ihn nicht von dem Essen dass f\u00fcr mich bestimmt war kosten lassen d\u00fcrfen. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Achja, ich war in Gedanken bei den Stadterl\u00e4ssen, den Schreiben an die Kontormeister und an die Liste der Widest\u00e4ndler. Wer bei Belzhorash versucht eigentlich mich zu vergiften? Diese Magd ist nur eine Handlangerin &#8211; Clarissa? Gombet? Darrag? &#8211; keine Zeit dar\u00fcber nachzudenken &#8230; es ist noch so viel zutun.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Doppelfl\u00fcgelige T\u00fcr schwingt auf, Lumin und Asleif treten ein, sie berichten von einer unterirdischen H\u00f6hle mit Wasserfall und &#8230; moment &#8230; nein &#8230; das war die Marsch\u00e4llin. Wer sitzt da gerade vor mir und warum sind sie hier? <em>&#8222;Wof\u00fcr bezahle ich euch eigentlich!&#8220;<\/em> f\u00e4hrt es mit voller Wut aus Stordan heraus. Adern treten dabei pulsierend aus seinem Hals und auf seiner Stirn hervor. Die schwere goldene Kette des Magistraten erzittert als die Emotion aus ihm herausbricht. <em>&#8222;Ihr berichtet mir nur Dinge, von denen ich schon seit Stunden Kenntnis habe!&#8220;<\/em> f\u00e4hrt er etwas ruhiger fort. Seine Finger krallen sich in das Mohagoni des Stuhles, so dass seine Kn\u00f6chel beginnen wei\u00df zu werden. Am liebsten w\u00fcrde er noch viel mehr herausbr\u00fcllen, denn etwas in ihm k\u00e4mpft mit sich selbst, doch irgendwas h\u00e4lt ihn zur\u00fcck. Die Fassung kehrt\u00a0 wie von magischer Hand zur\u00fcck. <em>&#8222;Hier &#8230; geht zu dieser Adresse, folgt diesem Pfad und sucht dort nach einem Geweihten. Ein Priester der Gebenden G\u00f6ttin und Ardach sollten dort zu finden sein &#8211; bringt mir einen davon &#8211; lebend!&#8220;<\/em> Der Magistrat schiebt eine Abschrift eines Wegeplans den beiden Migranten zu. Sie verlassen verdrossen die Amtsstuben, es ist noch viel zutun &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;\u00dcber Jahrhunderte hinweg &#8230; diese Namensgleichheit &#8230; bei Phex, das kann kein Zufall sein! &#8218;Das hohle Bein, das ist geheim&#8216; &#8230; die Brohms? Die Brohms! Irgendwo hier muss es sein.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Fach schwingt lautlos auf, zwergische Arbeit, ganz sicher! Eine alte Schriftrolle ist darin zu sehen. Mit seinem Dolch hebt Stordan es vorsichtig aus seinem Versteck. Mit einer weiten Bewegung schiebt er dutzende B\u00fccher und Pergamente von Arbeitspult zur Seite. Bed\u00e4chtig rollt er es auf, und liest die Worte aus dem 30. Regierungsjahr des Kaisers Alrik. Der schwache flackernde Schein der fast schon heruntergebrannten Kerzen offenbart ein weiteres R\u00e4tsel. <em>&#8222;Was &#8230; oh G\u00f6tter &#8230; so viel zutun.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die schwere holzvert\u00e4felte Doppelt\u00fcr der Magistratenstube f\u00e4llt erneut ins Schloss. Ein fahler Windzug l\u00e4sst die drei breiten Kerzen auf dem Schreibpult des Mannes, der vor kurzem die Gesch\u00e4fte in der Stadt \u00fcbernommen hat, gespenstig flackern. 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